Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Platonow, Andrej

Platonow, Andrej - Leben und Biographie



Hauptthema des Werks von Andrej Platonow ist die wahrhaftige und schonungslose Gegenüberstellung von sozialistischer Utopie und den unbefriedigend bleibenden Versuchen zu ihrer Verwirklichung, die am Fanatismus der Ideologen, an äußeren Umweltbedingungen oder an der menschlichen Natur scheitern.
      Der Sohn eines Eisenbahn-Schlossers begann im Alter von 1 b Jahren als Lokomotivführer-Gehilfe zu arbeiten. Nach der Revolution beendete er ein Ingenieursstudium in Voronez als Spezialist für Melioration und Elektrifizierung. 1927 zog er nach Moskau; im selben Jahr erschien der erste Prosaband Die Schleusen von Epifan'. Nachdem einige der gegen 1930 erschienenen Erzählungen scharfer ideologischer Kritik unterzogen wurden, blieben die zu eben jener Zeit verfassten Hauptwerke unveröffentlicht. Während des Kriegs war Platonow Frontberichterstatter. 1947 wurde er erneut von der offiziösen Kritik angegriffen, was einem Druckverbot gleichkam. Platonow starb an Tuberkulose, angesteckt von seinem Sohn, der 1941 todkrank aus einem sowjetischen Arbeitslager zurückgekehrt war.

      Unterwegs nach Tschewengur
Der apokalyptische Roman von Andrej Platonow handelt von den wahnwitzigen Folgen der konsequenten und rücksichtslosen Anwendung einer totalitären Idee. Sein philosophisches Gedankenexperiment, das auf der nachrevolutionären sowjetischen Wirklichkeit gründet und von der kommunistischen Ideologie ausgeht, nimmt hellsichtig tragische Entwicklungen des Landes vorweg. Einen wesentlichen Aspekt bildet dabei das satirische Spiel mit der hölzernen Sprache sozialistischer Gedankengebilde, die über ihre indoklrinierten Sprecher selbst die Herrschaft ergreift.
      Entstehung: Platonow begann die Arbeit an dem Roman im Winter 1926/27, noch vor seinem Umzug nach Moskau. Anfangsabschnitte erschienen unter den Titeln Die Herkunft eines Meistersund Der Sohn des Fischers 1928 in der Zeitschrift Krasnaja nov' . Nachdem linientreue Kritiker Platonow 1929 ausideologischen Gründen angegriffen hatten, wurde die Drucklegung des Buchs gestoppt. Maxim -»Gorki, an den sich Platonow um Unterstützung wandte, schätzte den Roman, lehnte es aber ab, sich für seine Veröffentlichung einzusetzen. Erst 1972 wurde der Hauptteil des Romans in Paris publiziert; die erste vollständige Ausgabe erschien 1988 in Moskau. Inhalt: Der Roman spielt in einem bettelarmen südrussischen Gouvernement. Den roten Faden bildet die Geschichte der Hauptfigur Aleksandr Dwanow. Nach dem Selbstmord seines Vaters nimmt den Jungen zunächst die kinderreiche Familie der Dwanows auf; er wird obdachlos und wächst später bei einem Fisenbahnarbeiter auf. Während der Revolution tritt Dwanow deT Kommunistischen Partei bei. Fr nimmt am Bürgerkrieg teil und stirbt fast an Typhus. Von einem Parteifunktionär wird er beauftragt, in dem Gouvernement nach »sozialistischen Elementen des Lebens« Ausschau zu halten. Dwanow bereist die von Armut, Hunger und Tod geprägte Provinz und erlebt unterwegs Abenteuer. Seine Wanderungen führen ihn nach Tschewengur, wo bolschewistische Fanatiker einen makabren »Kommunismus in einem einzelnen Bezirk« organisieren und zu diesem Zweck die gesamte Einwohnerschaft massakrieren, um die Stadt dann mit dem in der Umgegend aufgesammelten Landstreicher-»Proletariat« zu besiedeln. Trotz aller Anstrengungen will sich die kommunistische Utopie nicht einstellen. Am Ende taucht eine »maschinelle Armee« auf und vernichtet die Stadt. Dwanow, der als einer der wenigen überlebt, begibt sich in seinen Heimatort und ertränkt sich in demselben See, in dem schon sein Vater sich das Leben nahm.
      Aufbau: Im Zentrum deT einzelnen Episoden des Roman stehen merkwürdige Gestalten, denen Alexander Dwanow auf seinem Lebens-weg begegnet. Der egoistische Prokofij Dwanow jagt als Junge den kleinen Sascha Dwanow aus dem Haus seiner Eltern und organisiert später in Tschewengur als Parteisekretär den Kommunismus mit. Der Ex-Schriftsteller Mracinski lässt als Anführer einer Anarchistenbande den in seine Hände gefallenen Dwanow am Leben, weil dieser einen seineT Romane gelesen hat. Der »Kommandeur der Feldbolschewiken« Ste-pan Kopenkin sucht als Ritter der Revolution auf seinem Pferd namens Proletarische KTaft das Grab der von ihm angebeteten Rosa Luxemburg. Und Maxim Pasintschew, der in Kettenhemd, Hämisch und Helm mit angeschraubtem roten Stern herumläuft, richtet in einem Ex-Landsitz ein »Revolutionsschutzgebiet« ein. Wirkung: Unterwegs nach Tschewengurist einer der herausragenden Romane der frühen Sowjetliteratur. Ungeachtet seiner um Jahrzehnte verspäteten Wirkungsgeschichte gehört er dank seiner künstlerischen Kraft und Vielschichtigkeit zu den meistbeachteten russischen Prosawerken des 20. Jahrhunderts.
      Die wichtigsten Bücher von Andrej Platonow
Die Schleusen vonEpifan' 1927 Die Erzählung handelt von dem unrealisierten Projekt von Peter dem Großen, einen Wasserweg zwischen der Ostsee, dem Schwarzen Meer und der Kaspischen See zu errichten.
      Die Stadt Gradow, 1927 Die Bürokratie in einer sowjetischen Provinzstadt steht im Mittelpunkt dieser grotesk-satirischen Novelle.
      Die Baugrube 1929/30 Ein grotesk-fantastischer Kurzroman über kommunistische Fanatiker, die in freiwilliger Sklavenarbeit eine Grube für die Fundamente eines proletarischen Palasts ausheben.
      Zum Vorteil 1931 Die »kleinbäuerliche Chronik« ist eine Erzählung über die Zwangskollektivierung der Bauern in der südrussischen Steppe.
      DasJuvenilmeer 1932 Ein realistisch-fantastischer Kurzroman über die Versuche eines Ingenieurs, einen Steppen-Sowchos zu modernisieren.
      Dshan 1934 Die Novelle beschreibt die mythische Suche nach einem verelendeten mittelasiatischen Volk, das vor dem Untergang gerettet werden soll.
      Unterwegs nach Tschewengur 1972 Der 1926/27 begonnene Roman schildert die Umsetzung eines konsequenten Kommunismus in einer abgelegenen russischen Provinz und nimmt bereits spätere Entwicklungen des Landes vorweg.
     


 Tags:
Platonow,  Andrej    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com