Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Philosophen biographisch

Index
» Autoren
» Philosophen biographisch
» Windelband, Wilhelm

Windelband, Wilhelm



W. wurde als Sohn eines preußischen Beamten geboren und studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Vaterstadt an den Universitäten Jena, Berlin und Göttingen anfänglich Medizin und Naturwissenschaft, später Geschichte und Philosophie. Philosophisch war er gleichermaßen von Kuno Fischer wie von Hermann Lotze beeinflußt. Durch Fischer wurde W.s Orientierung an der Geschichte grundgelegt und durch Lotze, bei dem er 1870 mit einer Arbeit über Die Lehren vom Zufall promovierte, der »Wille zum System« . 1873 habilitierte er sich mit einer Arbeit Ãœber die Gewißheit der Erkenntnis in Leipzig, wurde 1876 als ordentlicher Professor nach Zürich berufen; ein Jahr später tolgte er bereits einem Ruf nach Freiburg im Breisgau. W.s erste größere Veröffentlichung ist die Geschichte der neueren Philosophie im Zusammenhang mit der allgemeinen Kultur und den besonderen Wissenschaften, deren erster Band 1878 erschien. Seine fruchtbarste Zeit waren die Straßburger Jahre . Aus dieser Zeit stammt die erstmals 1884 erschienene und dann in weiteren Auflagen immer weiter angereicherte Sammlung populärer Aufsätze und Reden zur Einführung in die Philosophie, der W. den Titel Präludien gab, außerdem die berühmt gewordene Straßburger Rektoratsrede Geschichte und Satur-wissenschaft, vor allem aber das 1892 erstmals erschienene und später von Heinz Heim-soeth weitergeführte Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. 1903 wurde W. als Nachfolger Kuno Fischers nach Heidelberg berufen und wirkte dort bis zu seinem Tod im Jahre 1915. Für diese letzte Schattensperiode bedeutsam sind einige stärker systematisch ausgerichtete Arbeiten wie Die Prinzipien der Logik aus dem Jahre 1912 und vor allem seine Einleitung in die Philosophie . Hervorzuheben ist aber auch seine Heidelberger Akademieabhandlung über Die Erneuerung des Hegelianismus , die ihn als »Vorbereitcr eines neuen Hegelianismus« zeigt, und seine nachgelassene Geschichtsphilosophie. Eine Kriegsvorlesung .

      Für den Philosophiehistoriker W. gilt es deutlich zu machen, »durch welche Denkantriebe im Lauf der geschichtlichen Bewegung die Prinzipien zum Bewußtsein gebracht und herangebildet worden sind, nach denen wir heute Welt und Menschenleben wissenschaftlich begreifen«. Im Vordergrund stehen daher nicht philosophische Denkerpersönlichkeiten, obwohl deren Darstellung, wie W. ausdrücklich vermerkt, nicht ohne Reiz ist, sondern die Geschichte der Probleme und Begriffe. Diese gilt es seiner Meinung nach als ein »zusammenhängendes und überall ineinandergreifendes Ganzes« zu verstehen. Dabei darf die philosophiehistorische Arbeit nicht etwa auf eine »begriffliche Konstruktion« der historischen Entwicklung hinauslaufen, sondern ist nur auf dem Weg einer »vorurteilslose Durchforschung der Tatsachen« zu lösen. Einen Schwerpunkt legt W. auf die Darstellung der griechischen Philosophie, weil er der Ãœberzeugung ist. dem griechischen Geist komme für die »Ausschmiedung der Begriffe«, die unser intellektuelles Dasein prägen, eine besondere Bedeutung zu. Insofern sei sie wichtiger als alles, was seitdem — die Kantische Philosophie ausgenommen — gedacht worden sei. Das gibt schon einen Fingerzeig auf W.s systematischen Ansatz. W. hat sich nicht nur als problem- bzw. begriffsgeschichtlich arbeitender Philosophiehistoriker einen Namen gemacht, er gilt auch als Begründer der Südwestdeutschen Schule des Neukantianismus.
      Dabei propagiert er freilich keine bloße Rückkehr zu Kant, sondern läßt sich im Blick auf die Antagonismen von Kants Werk von der Devise leiten: »Kant verstehen heißt über ihn hinausgehen«. Konkret sieht W. die Bedeutung Kants darin, daß dieser die Grundlage für eine umfassende Kulturphilosophie gelegt habe, wobei er ausdrücklich anmerkt, daß dieser Terminus »nicht Kants historische Problemstellung, sondern das Ergebnis seiner Lehre in ihrer Bedeutung für das heutige Geistesleben« bezeichne. Im Mittelpunkt dieser Kulturphilosophie stehen die allgemeingültigen Werte des Wahren. Guten und Schönen, die als Normen des Denkens, Wollens und Fühlens fungieren und verankert sind im »Normalbewußtsein«, so W.s Umschreibung für das Kantische Bewußtsein überhaupt. Nur durch Rekurs auf solche Werte, die nicht etwa wirklich sind, sondern, wie W. formuliert, gelten, glaubt er. dem Relativismus entgehen zu können, denn da diese absolut gelten. ermögHchen sie es dem Menschen, »über dem Zeitstrom festen Halt zu gewinnen«. Wirkungsgeschicht-lich von großer Bedeutung war W.s Versuch, werttheoretische Ãœberlegungen für die Grundlegung der historischen Wissenschaften fruchtbar zu machen: die Unterscheidungen, die er in diesem Zusammenhang entwickelte, haben »jahrzehntelang die Diskussion über Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften bestimmt« . W. unterscheidet konkret zwischen den an allgemeinen Gesetzen interessierten nomothetisch verfahrenden Naturwissenschaften und den an einmaligen Geschehnissen interessierten idiographisch verfahrenden Geschichtswissenschaften. Für letztere ist der Wertgesichtspunkt insofern zentral, als er die Auswahl des einzelnen historischen Gegenstandes bedingt. Denn nicht alles, was geschieht, ist bereits eine historische Tatsache; historisch bedeutsam ist ein individuelles Ereignis nach W.s Worten nur dann, »wenn es für ein übergeordnetes Ganzes in der menschlichen Gemeinschaft Bedeutung besitzt«. Diese »Wertbeziehung auf eine menschliche Gemeinschaft« ist also »das Entscheidende, was dem einzelnen Geschehen den Charakter des Geschichtlichen ... verschafft«. - Durch W.s Schüler Heinrich Rickert wurden diese von ihm selbst nur skizzenhaft vorgetragenen axiologischen und wissenschaftstheoretischen Ãœberlegungen weiter entfaltet und systematisch ausgebaut.

     
Schnädelbach. Herbert: Philosophie in Deutschland 1831-1933. Frankfurt am Main 1983. Iggers, Georg: Deutsche Geschichtswissenschaft. München 1971. Ricken. Heinrich: Wilhelm Windelband. Tübingen 1915.

      Hans-Ludwig Ollig


Waiblinger, wilhelm

Er verstand es, stets unverstanden zu sein, und seiner Dichtung blieb dieses Geschick lange bewahrt, während man seine Biographie eher begreifen kann. Als früh verstorbenes »enfant terrible« mit eben gereiftem Werk spukt W. durch die Literaturgeschichte. Hochgesteckte Pläne standen am Anfang: Er häl .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Jakob (i785-i863) und wilhelm grimm (i786-i859)

Die von der Romantik angestrebte Wiederbelebung alten deutschen Literaturgutes, wie sie schon Arnim und Brentano in 'Des Knaben Wunderhorn" versuchten, fand ihre fruchtbarsten Vertreter in den beiden Brüdern Grimm, die zeitlebens eng zusammenarbeiteten. Ihr Name ist für immer mit ihren unvergänglich .....
[ mehr ]
Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Wilhelm müller (i794-i827)

Von Wanderlust und Naturliebe kündete auch der Dessauer Wilhelm Müller in seinen Liedern 'Am Brunnen vor dem Tore", 'Im Kug zum grünen Kranze", 'Das Wandern ist des Müllers Lust". In der Vertonung durch Franz Schubert sind sie zu echtem Volksgut geworden. .....
[ mehr ]
Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Wilhelm heinrich wackenroder (i773-i798)

Nur 25 Jahre alt wurde der zarte Wackenroder, in dessen 1797 erschienenen 'Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders" alles das enthalten ist, was das Wesen der Romantik ausmacht. In seinem Werk erscheint zum ersten Male die altdeutsche Kunst, die sich ihm auf gemeinsamen Wanderungen mi .....
[ mehr ]
Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

An meinen ältesten sohn - wilhelm lehmann

Die Winterlinde, die Sommerlinde Blühen getrennt - In der Zwischenzeit, mein lieber Sohn, Geht der Gesang zu End. 5 Die Schwalbenwurz zieht den Kalk aus dem Hügel Mit weißen Zehn, Ich kann es unter der Erde Im Dunkeln sehn. Ein Regen fleckt die grauen Steine - Der letzte Ton Fehlt dem Goldammerm .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Bewaffneter friede - wilhelm busch

Ganz unverhofft, an einem Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel. Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! Kennst du des Königs Ordre nicht? 5 Ist nicht der Friede längst verkündigt, Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, Der immer noch gerüstet geht? Im Namen seiner Majestät Geh her und übergib dein .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Fink und frosch - wilhelm busch

Diese Reimfabel ist ganz auf die Gegensätzlichkeit der beiden Tiere aufgebaut. Darauf deutet jeder einzelne Gestaltungszug hin: die Ãœberschrift, die mit den stilistischen Mitteln der Artikellosigkeit und der Alliteration der beiden Tiernamen fest verspannt; die Anlage der Handlungslinie ; vor allem .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Waiblinger, wilhelm

Der Kirchhof Rennen, Hai H. In: ZDP 107, 1988, S. H., S. 85 - 100. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Wackenroder, wilhelm heinrich

Siehe wie ich trostlos weine Vaget, Hans Rudolf. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 63 - 67. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Tkaczyk, wilhelm

Auf den Galapagos Heukenkamp, Ursula. In: WB 28, 1982, S. 91 - 100. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Szabo, wilhelm

Dorfangst Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 57-59. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Raabe, wilhelm

Des Menschen Hand Fritz, Walter Helmut. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 103 - 105. Flüchtiges Glück Bienek, Horst. In: Zeit wie Ewigkeit, 1987, S. 42 - 45. Glockenklang Oppermann, Hans. In: Raabe-Jb, 1962, S. 78 - 85. Zwiesprache Schulz, Bernhard. In: Literarischer Unterrich .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Müller, wilhelm

Auf dem Fluße Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 176 - 186. Das Mühlenleben Haefeli-Rasi, Madeleine. In: Wilhelm Müller, 1970, S. 34 - 44. Das Wirtshaus Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 278 - 284. Der greise Kopf Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 234 - 239. D .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Lotz, ernst wilhelm

Aufbruch der Jugend Berghahn, Klaus L. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 106- 124. Meurer, Reinhard. In: Expressionismus, 1992, S. 24 - 29. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Leibniz, gottfried wilhelm von

Gedicht auf den Tod der Königin Sophie Charlotte Loos, Waltraud. In: Aus der Welt des Barock, 1957, S. 69 - 82. Hankins, Olan Brent. In: Leibniz, 1973. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Lehmann, wilhelm

Abgeblühter Löwenzahn Seidler, Manfred. In: Lyrik / Deutschunterricht, 1976, S. 39-40. Ahnung im Januar Hock, Erich. In: Motivgleiche Gedichte, 1971, S. 53 - 54. Alter Mann Schug, Dietrich. In: Die Naturlyrik, 1963, S. 152 - 154. Alter Moment Schug, Dietrich In: Die Naturlyrik, 196 .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Klemm, wilhelm

An der Front Jandl, Ernst. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 131 - 134. Betrachtungen Brockmann, Jan. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 154- 167. Phantasie Weller, Christopher D. In: Expressionist Poetry, 1978, S. 340 - 347. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Wilhelm hauff (i802-i827)

Ebenfalls ein häufiger Besucher im gastlichen Kernerhaus war Wilhelm Hauff. Er war ein äußerst begabter Erzähler von reicher Phantasie, glücklicher Gestaltungskraft, anmutiger Form und feiner Sprache. Davon zeugen vor allem seine nach dem Muster von 'Tausendundeine Nacht" erzählten reizvollen Märche .....
[ mehr ]
Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Wilhelm raabe (i83i-i9i0),

der über den Beruf eines Buchhändlers und nach verspätetem Studium in Berlin zur Dichtung kam. Im Gegensatz zu Storm und Keller hat Raabe niemals eine große Lesergemeinde gefunden. Raabes Vorliebe für Menschen, 'die hinter der Hecke liegen gelassen worden sind", für das Unauffällige, Anspruchslose .....
[ mehr ]
Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Wackenroder, wilhelm heinrich

Wir kennen die Gestalt des Frühverstorbenen nur aus der verklärenden Sicht des überlebenden Freundes Ludwig Tieck: »Sein Gemüt war fromm und rein, und von einer echten durchaus kindlichen Religiosität geläutert... Die Kunst und die Poesie und Musik erfüllten sein ganzes Leben.« Von ahnungsvoller, pr .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Schlegel, august wilhelm von

»Kosmopolit der Kunst und Poesie« nannte sich S. mit Recht. Der Weg zu »Kunst und Poesie« war — ebenso wie für den jüngeren Bruder Friedrich - bereits durch die Herkunft vorgezeichnet: Vater und Onkel, Johann Adolf und Johann Elias Schlegel, waren als Autoren kunsttheoretischer Schriften bekannt g .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Raabe, wilhelm

Gegen Ende des Jahres 1854 entschließt sich der 23jährige R. plötzlich, einen Roman zu schreiben. Er hatte sowohl die Schule als auch eine Buchhändlerlehre vorzeitig abgebrochen, bevor er aus der Braunschweiger Provinz an die Berliner Universität gekommen war, um sich als Gasthörer philosophisch-his .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Lehmann, wilhelm

Sie seien »am Weichenstellwerk ihrer Zeit tätig«, so begründete Alfred Döblin die Verleihung des Kleist-Preises 1923 an Robert Musil und L. Dieser hatte damals noch keine Gedichte veröffentlicht und erhielt den Preis für sein erzählendes Werk, vor allem die Romane Der Bilderstürmer , Die Schmetterli .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Wilhelm emrichs tohuwabohu

Der Germanist Wilhelm Emrich wurde vor einiger Zeit gebeten, eine Rundfunksendung über Büchner und seine Nachwirkungen in der modernen Literatur zu schreiben. Der Auftrag hatte Folgen, die der Auftraggeber nicht geahnt haben kann. Denn nach erneuter Beschäftigung mit Büchner und vielen Dramatikern u .....
[ mehr ]
Index » wer schreibt provoziert

 Tags:
Windelband,  Wilhelm    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com