Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Philosophen biographisch

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Weininger, Otto



Am 8. 10. 1903 schreibt die Wiener Allgemeine Zeitung: »Vor einigen Tagen hat sich hier in Wien ein junger Mann, namens Otto Weininger, Doktor der Philosophie, durch einen Revolverschuß getötet... Geistige Zerrüttung infolge angestrengten Studiums, hieß es. habe den Vierundzwanzigjährigen zum Selbstmord getrieben.« So weitgestreut auch die Erklärungsmöglichkeiten für den im Sterbehaus Beethovens ausgeführten Selbstmord sein mögen: Nach dem Suizid setzt ein regelrechter »Weininger-Boom« ein, der seinem Buch Geschlecht und Charakter allein bis Dezember 1904 sechs Auflagen einbrachte. Die von Moritz Rappaport kompilierten Manuskripte wurden in dem Band Ãœber die letzten Dinge ediert, waren aber weniger erfolgreich.

      Um Autor und Epoche vom bloß Spektakulären zu befreien, ist die Auseinandersetzung mit dem Werk Geschlecht and Charakter unumgänglich. Diese »prinzipielle Untersuchung« versucht, aut »biologisch-psychologischem« und »psychologisch-philosophischem« Weg das Verhältnis der Geschlechter in ein neues Licht zu rücken. In dem Kapitel »Das Judentum« erfolgt die Gleichsetzung zwischen Judentum, verstanden als psychische Konstitution, und Weiblichkeit, dem Inbegriff der Unordnung in der Welt. Das gesamte Unternehmen erhält aufgrund der Biographie W.s jedoch eine interessante Note: W., Sohn eines Goldschmieds und selbst jüdischer Abstammung, konvertiert erst nach seinem Studium der Philosophie zum Protestantismus . Als Grund dafür wird häufig W.s Kant-Enthusiasmus oder die Distanzierung von der römisch-katholischen österreichischen Kultur angeführt - beiden Entscheidungen liegt die völlige Selbstverleugnung zugrunde. Im ersten Teil von Geschlecht und Charakter geht W. zunächst von sich polar gegenüberstehenden Idealtypen Mann und Weib aus. um über dieses Konstrukt die in der Realität existierenden Misch- und Ãœbergangstormen zu bestimmen, die den Gesetzen der sexuellen Anziehung zugrunde liegen. Dabei orientiert er sich an den monistischen Philosophien von Avenarius und Mach, die die Biologie in die Psychologie integriert haben. W. kommt zu folgender These: Da kein Mami 100 Prozent M, keine Frau 100 Prozent W ist, trachtet jedes Individuum danach, sein sexuelles Komplement zu finden . Der Diskurs, der sich sehr wissenschaftlich gibt, bedient sich jedoch auffallend oft literarischer Muster , weshalb in der W.-Literatur von einem »Experimen-talroman« gesprochen wurde. Der zweite Teil behandelt die philosophische Lösung des Geschlechtsproblems, ausgehend von der festgestellten menschlichen Bisexualität. Dabei bestimmt W. die Frau psychologisch, ethisch und intellektuell, um zu der Feststellung zu gelangen: »W ist nichts als Sexualität« - hat deshalb nur Gedanken für den Koitus: W ist amoralisch - ihr fehlt der Begriff der Lüge, und sie kann somit auch die Wahrheit nicht erkennen: W ist alogisch - außer für Sexuelles hat sie kein Gedächtnis und ist demnach nicht dazu in der Lage, die logischen Denkgesetze nachzuvollziehen, die auf dem Gedächtnis basieren. Genialität ist dem Weib fremd, zieht man ihren Anteil an M ab; diese ist nur dem Mann zuzusprechen, mehr oder weniger behindert durch seinen Anteil am W-Komplex. Da jede Frau sowohl die Möglichkeit zur Mutterschaft als auch zur Prostitution in sich trägt, lautet W.s Urteil: »Der tiefststehende Mann steht noch unendlich hoch über dem höchststehenden Weibe«, eine innere Gleichstellung der Geschlechter ist also letzten Endes gar nicht möglich. Als Krönung des Ganzen konzipiert W. eine Ethik, deren Basis der kategorische Imperativ Kants ist: Da eine Person nur als Selbstzweck behandelt werden darf, lehnt er den Geschlechtsakt ab. weil in ihm zumindest eine Person als Mittel gebraucht wird - mag auch die Menschheit aussterben.
      Stilisiert W. nun mit diesem Werk sein eigenes Defizit zur Wahnwelt? Gibt er eine Antwort auf die epochale Krise in der Wiener Moderne, indem er versucht, das »Wertvakuum mit einer neuen Metaphysik aufzufüllen, die aus einer Kreuzung lebensphilosophischer Theorien Goethes mit sexual-pathologischen Freuds besteht?

Wohl beides, und nicht von ungefähr schwanken auch die Beurteilungen seiner Person: W., ein »männlicher Denker« . oder »ein hochbegabter, sexuell gestörter junger Philosoph . . . und Neurotiker« .
      Le Rider.Jacques: Der Fall Otto Weininger. Wien München 1985.
      Lucka. Emil: Otto Weininger. Sein Werk und seine Persönlichkeit. Wien 1905.

      Carola Hoepner-Pena


Weininger, otto

Die 1903 in erweiterter Fassung erschienene Dissertation Geschlecht und Charaktervon Otto Weininger wurde zu einem Kultbuch der literarischen und künstlerischen Moderne; es spiegelt den Zeitgeist der Jahrhundertwende -auch in seinen Widersprüchen. Weininger. Sohn eines jüdischen Goldschmieds, studi .....
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Bismarck, otto von

Otto von Bismarck führte als Ministerpräsident Preußens den deutsehen Nationalstaat herbei und etablierte als Reichskanzler das Deutsche Reich im europäischen Staatensystem. Der Abkömmling eines alten märkischen Adelsgeschlechts studierte 1832-35 Rechtswissenschaften, arbeitete bis 1839 als Refer .....
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Osso, eis —» eis, egon und eis, otto ott, arnold e.

Pseud. für: Wilfried Otterstedt Biografie:*. A. E. Ott arbeitete nahezu ausschließlich als Hörfunkautor und veröffentlichte seit Beginn der 60er-Jahre eine Vielzahl von Kriminalhörspielen, überwiegend in der Produktion Radio Bremen. Seine Stücke sind konventionelle Spannungs- und Detektivgeschichten .....
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Eis, egon und eis, otto

Pseud. für: Egon Eisler und Otto Eisler; auch unter den Pseud.: Egon van Eyss, Osso van Eyss, Osso Eis Biografie: Egon Eis: *6.10.1 in Wien, t6.9.1 in München. Otto Eis: *19.3.1 in Budapest, tl4.1.1 in Hollywood. O. Eis, Sohn eines Bauunternehmers, begann seine literarische Tätigkeit mit Humoresken, .....
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Cotton, jerry

Pseud. für: Walter Appel, Kurt Brand, Rolf A. Bürkle, Edmund Diedrichs, Günter Dönges, Uwe Erichsen, Paul Ernst Fackenheim, Wolfgang Fechtner, Holger Friedrichs, Horst Friedrichs, Horst Gehrmann, Karl Heinz Günther , Karl Heinz Hackmann, Fritjof Haft, Uwe Haft, Helmut Hartmann, Gerhart Hartsch, Pete .....
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Otto ludwig (i8i3-i865)

Krankheit und Ãœberschätzung der eigenen Fähigkeiten beschatteten sein Leben und führten ihn zunächst in falscher Richtung auf das Drama. Im Erfolg seines Bühnenstücks 'Der Erbförster" glaubte er, sein dramatisches Talent bestätigt zu sehen. Im Ringen um ein neues Drama im Sinne Shakespeares gelang .....
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Wiemer, rudolf otto

Wenn Gott Mensch wäre Schröer, Henning. In: Moderne dt. Literatur, 1972, S. 152- 154. .....
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Loeben, otto heinrich graf von

Loreley Mohr, Franz Karl. In: Wächter 38, 1957, H. 3, S. 42 - 52. .....
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Linde, otto zur

Vorstadt Neis, Edgar. In: Mond in der Lyrik, 1971, S. 63 - 64. .....
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Krille, otto

Die Spulerin Neis, Edgar. In: Welt der Arbeit, 1975, S. 36 - 37. .....
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Ernst, otto

Nis Randers Wilhelmsmeyer, Johannes. In: Gedichtstunde, 1964, S. 141 - 144. Neis, Edgar. In: Sechsundsechzig Balladen, 1991. S. 102- 104. .....
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Bierbaum, otto julius

Abendlied Nentwig, Paul. In: Dichtung im Unterricht, 1969, S. 130- 131. Er entsagt Buch, Hans Christoph. In: Frankfurter Anthologie 6, 1982, S. 117- 120. .....
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Otto flake

Daß in Deutschland sich um die Probleme des Tages einer müht, der nicht befürchtet, sich mit seiner Opposition in aussichtslosen Widerspruch zu der Realität zu setzen, ist so selten, daß es gebucht werden will. Brauchen wir nicht eine Stärkung von außen? Macht es nicht Mühe, tagaus, tagein dasselbe .....
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Ludwig, otto

Dichter zu sein, hieß zu L.s Lebzeiten, als Dramatiker etwas zu gelten: »Nach der Seite hin einen guten Wurf, und man ist durch. Alles andre wird doch nur wie Larifari betrachtet« . Mehr als zwei Jahrzehnte literaturkritischer und schriftstellerischer Arbeit setzte L. an diesen großen Wurf. Doch als .....
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Weininger,  Otto    





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