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Philosophen biographisch

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Schlick, Moritz



Wenn die Philosophie des »Wiener Kreises«, der logische Empirismus, heute als eine der Hauptströmungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts gilt, so ist dies vor allem das Verdienst Sch.s.. ihres Begründers. Seh. beginnt seine akademische Ausbildung mit dem Studium der Physik und promoviert 1904 in Berlin bei Max Planck über ein Problem der Lichtreflexion. Seine Veröffentlichungen nach der Promotion und während der Lehrtätigkeit in Rostock und Kiel als Professor für Naturphilosophie und Ethik zeigen, daß seine Interessen weit über einzelwissenschaftliche Fragen der Phvsik hinausgehen. Er schreibt über Ethik, Ästhetik, Logik sowie über Grundlagenfragen der Mathematik und der Naturwissenschaft. Seine Beschäftigung mit neueren Entwicklungen der Mathematik und mit der Einsteinschen Relativitätstheorie veranlaßt ihn. im Anschluß an die Arbeiten von Poincare und Helmholtz. zu einer Kritik der Auffassung Kants, der die Sätze der Mathematik und die Grundsätze der Newtonschen Physik als synthetisch a priori bestimmt. Ist ein Satz a priori, d.h. von der Erfahrung unabhängig, so ist er immer zugleich analytisch, d.h. ohne einen unsere Erkenntnis erweiternden Wirklichkeitsgehalt. Dies gilt nach Auffassung des logischen Empiristen Seh. für sämtliche Sätze der Mathematik und der Logik, während die Sätze der Naturwissenschaften synthetisch, d.h. erkenntniserweiternd sind, und damit notwendigerweise empirisch oder a posteriori, weil durch Erfahrung jederzeit widerlegbar.

      In seinem Hauptwerk Allgemeine Erkenntnislehre gibt Seh. eine systematische Darstellung seines in der Nachtolge Humes stehenden Empirismus und seines erkenntnistheoretischen Realismus. Sch.s Bestimmung des Erkenntnisbegrifh ist in metaphysikkritischer Absicht an der Praxis des Erkennens im Alltag und in den empirischen Wissenschaften orientiert. Der Begriff des Erkennens wird scharf abgegrenzt vom Begriff des Erlebens. Im Zustand des Erlebens steht ein Subjekt in Beziehung zu nur einem erlebten Objekt. Im Prozeß des Erkennens dagegen setzt das Subjekt den zu erkennenden Gegenstand in Beziehung zu anderen Gegenständen, durch die er erkannt wird, indem er einem Begriff untergeordnet wird, den er mit diesen gemeinsam hat. Nicht auf den Erlebnisgehalt eines Gegenstandes kommt es beim Erkennen an, sondern auf seine eindeutige begriffliche Bestimmung. Entsprechend ist ein Erkenntnisurteil wahr genau dann, wenn die durch es ausgedrückte Beziehung zwischen den Gegenständen eindeutig einer Tatsache der erkenntnisunabhängigen Wirk-lichkeit zugeordnet werden kann. Wirklich sind alle Gegenstände, die sich eindeutig in ein räumliches und oder zeitliches Bezugsschema einordnen lassen. Sie sind nach Sch.s realistischer Auffassung identisch mit den Kantischen Dingen an sich. Kants Behauptung, die Dinge an sich seien im Gegensatz zu ihren Erscheinungen unerkennbar, beruht nach Sch.s Meinung auf einer Nichtbeachtung des Unterschieds zwischen Erleben und Erkennen. Daß etwas, wie eben die Dinge an sich, nicht erlebt werden kann, muß nicht notwendigerweise heißen, daß es auch nicht erkennbar ist. Die Verwechslung dieser beiden Begriffe hat auch über Kant hinaus vielfach zu metaphysischen Irrtümern und Scheinproblemen geführt. So z.B. in der Phänomenologie Hus-serls. der die intuitive Erfassung des Wesens der Gegenstände, die »Wesensschau«, als eine der wissenschaftlichen übergeordnete Form der Erkenntnis betrachtet. Nach Seh. liegt hier kein Erkennen, sondern bloßes Erleben vor.
      Im lahr 1922 folgt Seh. einem Ruf der Universität Wien und übernimmt dort in der Nachfolge von Ernst Mach und Ludwig Boltzmann den Lehrstuhl für Philosophie der induktiven Wissenschaften. Auf Sch.s Initiative hin finden bald regelmäßige Diskussionen über philosophische Probleme statt, an denen neben Philosophen hauptsächlich Mathematiker und Naturwissenschaftler, darunter Rudolf Carnap und der Logiker und Mathematiker Kurt Gödel, beteiligt sind. Die Diskussionsteilnehmer gründen 1928 unter dem Vorsitz von Seh. den »Verein Ernst Mach« der als »Wiener Kreis« in die Philosophiegeschichte eingegangen ist. Die Philosophen des Wiener Kreises unterziehen die Sätze der Metaphysik einer logischen Analyse und lehnen sie als sinnlos ab. Sinnvoll sind nur empirische Sätze sowie Sätze der Logik und Mathematik. Das Ziel ihrer Bemühungen sehen sie in der Erarbeitung einer wissenschaftlichen Weltautfassung, dargestellt in einer an den Methoden der Phvsik orientierten Einheitswissenschaft. Hauptsächlich durch den Einfluß Carnaps und Wittgensteins, dessen Tractatus logico-philosophicus die Philosophie des Wiener Kreises wesentlich beeinflußte, änderte Seh. einige seiner trüheren Ansichten. An die Stelle der Untersuchung von Voraussetzungen des Erkennens tritt die sprachkritischc Klärung des Sinns von Sätzen der Wissenschaft. Der Sinn eines Satzes ist die Methode seiner Verifikation, d.h. ein Satz ist sinnvoll genau dann, wenn sich die Bedingungen angeben lassen, unter denen er wahr ist. Die Verifikation eines Satzes, die Entscheidung, ob er wahr oder falsch ist, obliegt nicht der Philosophie, sondern ist Angelegenheit der Wissenschaft, die diesen Satz aufgestellt hat, und geschieht durch einen Vergleich des Satzes mit dem durch ihn formulierten wirklichen Sachverhalt. Diese Art der Verifikation führt zu Schwierigkeiten beim Nachweis der Gültigkeit allgemeiner Sätze, über deren Wahrheit eben wegen ihrer Allgemeinheit nicht durch direkten Vergleich mit der Wirklichkeit entschieden werden kann. Sie müssen deshalb auf einfache, unmittelbar verifizierbare Aussagen, aufsog. Konstatierungen der Form: »Ich nehme hier und jetzt dieses oder jenes wahr«, reduziert werden. Die Unmöglichkeit einer endgültigen und vollständigen Verifizierung allgemeiner Sätze - jede wahre Konstatierung ist nur eine weitere, aber nicht hinreichende Bestätigung des Satzes — gab Popper Anlaß zur Aufstellung seiner Falsifikationstheorie.
      Seh. gehört zu den wenigen Mitgliedern des Wiener Kreises, die sich ausführlich zu ethischen Problemen geäußert haben, u.a. in Fragen der Ethik . Er erkennt keine absoluten ethischen Werte an. Welche Handlungen als »gut« bezeichnet werden, istabhängig von den in einer Gesellschaft aufgestellten Normen, deren Untersuchung Gegenstand der Soziologie und Psychologie ist. Seh. vertritt einen eudaimonisrischen Standpunkt. Der Mensch soll danach streben, seine Glückseligkeit zu vermehren, die sich dann einstellt, wenn er frei vom Diktat des zweckgebundenen Handelns einer Tätigkeit um ihrer selbst willen nachgeht, wenn sein Handeln dem Spielen eines Kindes gleicht. Am 22. Juni 1936 wird Seh. auf dem Weg zu einer Vorlesung von einem geistesgestörten Studenten erschossen. Die Hintergründe des Mordes wurden nie ganz geklärt. Mit dem Tode Sch.s enden die Treffen des Wiener Kreises. Das Erstarken des Austrofaschismus zwingt viele seiner Mitglieder zur Emigration.
      MacGuinness. Brian : Zurück zu Schlick. Wien 1985.
      Schleichen. Hubert : Logischer Empirismus - Der Wiener Kreis. München 19-s.
      Marlin Drechsler


Moritz, karl philipp

Geb. 15.9.1756 in Hameln; gest. 26.6.1793 in Berlin M., der erste psychologische Schriftsteller der deutschen Literatur und Mitbegründer der idealistischen Kunsttheorie, hat in seinem Anton Reiser eine Kindheit und lugend geschildert, für deren Scheußlichkeit es in der Weltliteratur wenige Paralle .....
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Moritz, karl philipp

Karl Philipp Moritz verfasste mit Anton Reiser den ersten psychologischen Roman der deutschen Literatur und war Mitbegründer der idealistischen Kunstlheorie. Der Vater des Dichters war Unteroffizier, Militärmusiker und Anhänger einer pietistischen Sekte; er quällc die Familie und insbesondere sein .....
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Arndt, ernst moritz

Gleich zu Beginn seiner langen schriftstellerischen Laufbahn bringt A. das seltene Kunststück zuwege, mit einem Buch verändernd in die politische Wirklichkeit einzugreifen. Zum Abschluß seiner diskontinuierlich verlaufenen Ausbildung ist er, nach dem Studium der Theologie in Greifswald und Jena als .....
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Arndt, ernst moritz

Deutscher Trost Härder, Franz. In: GRM 10, 1922, S. 243 - 246. Klage um den kleinen Jakob Borchers, Elisabeth. In: Frankfurter Anthologie 6, 1982, S. 55 - 59. .....
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Strachwitz, moritz graf von

Das Herz von Douglas Schmidt. Erhard. In: Pädagogische Welt 15, 1961, S. 359 - 362. Freund, Winfried. In: Ballade, 1978, S. 88 - 94. Herrn Winfreds Meerfahrt Egger, Fritz. In: Wege zur Ballade, 1976, S. 351 -358. .....
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Ernst moritz arndt (i769-i860)

Wer ist ein Mann? Wer beten kann Und Gott dem Herrn vertraut. Wann alles bricht, er zaget nicht: Dem Frommen nimmer graut. f,,Wer ist ein Mann") Der auf Rügen geborene und in Bonn gestorbene E. M. Arndt schuf in seinen 'Kriegs- und Wehrliedern" Gedichte von unmittelbarer Kraft und fortreißender B .....
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Ein psychologe seiner selbst: karl philipp moritz und sein »anton reiser«

Sehr eindrucksvoll, vielleicht unerreichbar, tut dies Karl Philipp Moritz in seinem Werk »Anton Reiser. Ein psychologischer Roman«. Hier beschreibt er die Kindheit und Jugend von Anton Reiser. Eine ganze Menge von dem, was der Held erlebt, stimmt mit dem überein, was Moritz selbst erlebt hat. Und d .....
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Moritz, karl philipp

M., der erste psychologische Schriftsteller der deutschen Literatur und Mitbegründer der idealistischen Kunsttheorie, hat in seinem Anton Reiser eine Kindheit und Jugend geschildert, für deren Scheußlichkeit es in der Weltliteratur wenige Parallelen gibt; der Roman beruht auf nichts anderem als der .....
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