Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Philosophen biographisch

Index
» Autoren
» Philosophen biographisch
» Rousseau, Jean-Jacques

Rousseau, Jean-Jacques



Selbstbewußte Bürger wie der Deutsche Campe wallfahrte-ten ebenso wie Ludwig X

VI.

, Marie Antoinette, Franklin, Robespierre oder Napoleon I. an das Grab R.s.. In einem eigentümlichen Inemanderübergehen von ethischer Person und literarisch-philosophischer Äußerung des Autors R. wurde er ihnen allen auf unterschiedliche Weise zum »Deuter des Lebens und Helfer der Weisheit« , dessen Medaillons und Büsten man wie Heiligenbilder verehrte. Doch der Durchbruch zur europäischen Berühmtheit kam spät, und er beendete Jahrzehnte einer entbehrungsreichen, von vielerlei Umwegen und Niederlagen gekennzeichneten Suche R.s nach der eigenen Stimme im polyphonen Chor der Aufklärungszeit. In Genf wurde R. als jüngerer von zwei Söhnen eines Uhrmachers und einer Calvinistin 1712 geboren, doch seine Mutter überlebte die Geburt nur um wenige Tage. »Ich kostete meine Mutter das Leben, und meine Geburt war mein erstes Unglück.« Früh unterwies ihn der um eine für seinen Stand sorgsame Erziehung bemühte Vater bereits im Lesen, das dem phantasievollen Jungen schon bald zur Leidenschaft wurde. »Nur meiner ersten Lektüre entsinne ich mich und ihres Eindrucks auf mich. Es ist die Zeit, von der an ich mein ununterbrochenes Selbstbewußtsein datiere.« Im Kern bildeten sich hier durch die Lektüre sentimentaler Romane sowie französischer Autoren und Ãœbersetzungen antiker Klassiker und Historiker aus der vom Großvater geerbten Bibliothek die für seine literarische Produktion so bedeutsame überschwengliche Empfindsamkeit wie auch die Fähigkeit aus. unter vollkommenen und erfundenen Figuren einer Phantasiewelt zu leben. Plutarch wurde R.s Lieblingslektüre, seine Begeisterung für die Ideale antiken Patriotismus und Republikanismus gefördert, die aut väterlichen Einfluß ebenso zurückgeht und seine entstehenden politischen Ideen mittormt wie der später auch öffentlich bekundete Stolz. Bürger der freien Republik Genf zu sein. Als der Vater Gent verlassen mußte, um einem drohenden Gerichtsverfahren zu entgehen, wurde R. bei einem Pfarrer in der Nähe von Genf zur Erziehung in Pension gegeben, doch mußte er schon bald eine Lehre bei einem Genfer Kupferstecher antreten. Sein großer Lesehunger ließ ihn die Tyrannei des »schlechten Meisters« und das Gefühl sozialer Deklassierung vergessen, bis er sich — zunächst ohne festen Plan — auf den Weg ins katholische Savoyen begab, weil ihm die Tore seiner calvinistischen Vaterstadt durch Zuiall verschlossen gebheben waren. Auf Vermittlung eines katholischen Geistlichen machte R. die Bekanntschaft von Madame de Warens, einer zum Katholizismus konvertierten Calvimstin: von ihr sogleich nach Turin geschickt, wurde er dort 1728 — freilich ohne innere Ãœberzeugung — zum Katholizismus bekehrt. Es folgten vier unstete und abenteuerliche Wanderjahre, in deren Verlauf R. u.a. das Leben eines Dieners in verschiedenen Turiner Adelshäusern kennenlernte und erstmalig eine Fußreise nach Paris unternahm. Von dort kehrte er nach Chambery zurück, dem neuen Wohnsitz der verehrten Gönnerin. bei der er Aufnahme fand und die ihm in den entscheidenden Jahren seiner Jugend sowohl Mutter wie Geliebte wurde. Diese Lebensperiode, an deren Aufenthalte in Les Charmettes der erwachsene R. ein friedlich-bescheidenes Glück maß, diente trotz längerer Unterbrechungen und Versuche, u.a. als Katasteramtsschreiber und Musiklehrer seinen Lebensunterhalt zu verdienen, im wesentlichen der Aneignung seiner Bildung durch intensive autodidaktische Studien. Sie galten nicht nur den großen antiken und modernen Autoren, sondern auch theologischem und philosophischem Schrifttum , dem er sich neben naturwissenschaftlichen Experimenten und dem Erwerb musikalischer Kenntnisse widmete. Die wachsende Entfremdung zu Madame de Warens machte schließlich die Trennung notwendig. R. machte sich mit wenig Geld, aber einigen Gedichten und Entwürfen von Stücken und Singspielen auf den Weg in die Metropole. Erstaunlich schnell faßte er im literarischen und gesellschaftlichen Paris Fuß . Auf die trotz der Fürsprache Fontenelles und Reaumurs erfolgende Ablehnung seiner der »Academie des Sciences« vorgelegten neuen Zahlennotenschrift reagierte R. mit der Ausarbeitung seiner Dissertation sur la musique moderne und wendete sich der Komposition zu. Leidenschaftlich trat R. für die italienische Musik ein, die er in Venedig kennenlernte, wo er 1743/44 durch Zufall als Sekretär des neuernannten französischen Botschafters wirken konnte. Liier wurde er mit der Praxis der Diplomatie und mit vielen Einzelheiten der Staatsverwaltung bekannt. Aufgrund dieser Erfahrungen faßte er den Plan eines großangelegten Werks mit dem Arbeitstitel »Institutions pohtiques«. Teile davon gingen in dem späteren Encyclopedie-Artikel »Politische Ökonomie« und im Contrat Social auf. »Ich hatte gesehen, daß alles im letzten Grunde auf die Politik ankäme und daß. wie man es auch anstellte, jedes Volk stets nur das würde, was die Natur seiner Regierung aus ihm machen würde.« Nach einem Zerwürfnis mit dem unfähigen Botschafter, dessen Berichte nach Paris R. selbständig verfaßte, kehrte er über Genf wieder nach Paris zurück, wo er 1745 der Wäscherin Therese le Vasseur begegnete, die er nach über 2qjährigcm Zusammenleben 1768 heiratete und mit der er fünf Kinder hatte, die R. alle im Findelhaus aufziehen ließ. Die Stellung als Sekretär der Adelsfamilie Dupin-Francueil, in deren Haus ihm Freundschaft und Unterstützung gewährt und er mit seiner späteren Mäzenin Madame d Epinay bekannt wurde, sicherte ihm eine bescheidene wirtschaftliche Existenz und bot ihm zugleich Einblicke in Wirtschafts- und Finanzfragen. In diesen Jahren machte R.. dessen Vater ihm nach seinem Tod 1747 eine schnell verbrauchte Erbschaft hinterlassen hatte, »die Bekanntschaft mit allem ..., was es in Paris in der Literatur gibt.« So auch mit Marivaux, der ihm bei der Ãœberarbeitung seiner Komödie Xarziß oder der Liebhaber seiner selbst half, die als einziges seiner sieben bis 1754 verfaßten Theaterstücke veröffentlicht und von der Comedie Francaise aufgeführt wurde. Er tand Eingang in den Kreis um den Baron d Holbach und befreundete sich mit dem noch unbekannten Diderot: dieser machte ihn mit Condillac bekannt, der gerade sein scnsuahstisches philosophisches Programm ausarbeitete. Als einziger Musiktheoretiker im Kreis der betreundeten Enzyklopädisten wurde R. 1749 mit den Artikeln zur Musik beauftragt, die er später in überarbeiteter Form in seinem für das Studium der französischen Musik des 18. lahrhunderts grundlegenden Diction-naire de musique verwendete.

      In das Jahr 1749 fiel aber auch seine eigentliche Geburtsstunde als Schriftsteller, als er auf dem Weg zu seinem in Vincennes arretierten Freund Diderot in der Oktobernummer des Mercure de France auf die Preistrage der Akademie in Dijon stieß, »ob die Wiederherstellung der Wissenschaften und Künste zur Läuterung der Sitten beigetragen habe«. Der erschütternden Begegnung mit dieser Frage hat er später den Charakter eines Erweckungserlebmsses zu geben versucht. »Wenn je etwas einer plötzlichen Erleuchtung gleichkam, so war es die Bewegung, die sich in mir bei dieser Lektüre vollzog: mit eincmmal fühlte ich, wie mein Geist von tausend Lichtern geblendet wird.« Was er in der inspirierten Vision einer Erweiterung seines Wissens und seiner Kenntnisse »gesehen und empfunden« hatte, drückte R. auf Anraten Diderots in jener Abhandlung aus. mit der er die Preisfrage 1750 auf paradoxe, d.h. von der üblichen fortschrittsoptimistischen Ansicht seiner Zeit abweichenden Form mit einem klaren Nein beantwortete. Diese Schrift bezeichnet »den Punkt, an dem Rousseau zu sich selbst und der mit seinem Namen verbundenen Philosophie findet« . Erstmals entwickelt R. die These einer mchtenttremdeten Frühzeit der menschlichen Gesellschaft: ihr Niedergang vollzieht sich zwangsläufig mit einem außerordentlichen Aufschwung der »Künste« und Wissenschaften; in den Augen R.s ist dieser Aufschwung mit Blick auf den sittlichen Zustand der Gegenwart moralisch wie politisch zu verurteilen. Die wachsende soziale Differenzierung, die sich u.a. in einer gesteigerten Arbeitsteiligkeit äußert, hat Konkurrenzneid, Ungleichheit und Feindschaft der Bürger untereinander zu Folge. Ihre ideelle und soziale Homogenität wird autgelöst, und damit verhert die Tugend als konstitutive Eigenschaft des Bürgers ihren »ursprünglichen« Wert als Garant der Gemeinschaft: »Die Staatsmänner der Alten redeten immerfort von Sitten und von Tugend; die unsrigen reden von nichts als vom Handel und vom Gelde.« R. gewann mit seiner Schrift überraschend den Preis und wurde dadurch über Nacht berühmt. Damit ging zugleich eine grundlegende »Reform« semes Lebens einher, die ihn bald in wachsende Entfremdung, und schließlich zum Bruch mit seinen Freunden führte. »Von diesem Zeitpunkt datiert meüi Entschluß, meine Handlungen meinen Grundsätzen gemäß einzurichten und kühnen Schritts den herrschenden Vorurteilen meines Jahrhunderts entgegenzutreten.« Zunächst ergriff R. im Butfoni-stenstreit an der Seite des Barons von Grimm und anderer Enzyklopädisten u.a. mit seiner Lettre sur la musique tratiejise, die 1753 wie »eine Brandfackel« wirkte, Partei für die italienische Musik, wofür ihn Opemmitgkeder »in effigie« erhängten.
     
Gleichwohl wird sein meisterliches Singspiel he devin du village nach der gefeierten Uraufführung vor dem Hof Ludwigs X

V.

in Fontainebleau ein bemerkenswerter Publikumserfolg.
      Die Weiterführung seiner sozialkritischen Gedanken in jenen wichtigen Streitschriften, mit denen er 1753/54 auf einige der 67 Kritiken seiner beredten Zeitdiagnose antwortete, erfuhr ihre systematische Ausarbeitung in seinem Discours sur l origine et ks fondements de l inegalite parmi les hommes , mit der er sich neuerlich um den Preis der Akademie, jedoch erfolglos bewarb, und die mit großer Beachtung 1755 in Amsterdam erschien. »Rousseaus philosophischstes Werk« , das er selbst eine »geschichtliche Untersuchung der Moral« nannte und das einen der Ursprünge des modernen Kulturbewußtseins darstellt, lieterte eine grundsätzliche Zivihsations-, Geschichts- und Gesellschaftskritik. Sie verbindet einen anthropologischen Optimismus, der sich gegen Hobbes richtet, mit einer zutiefst pessimistischen Philosophie der Geschichte, die als allenfalls zu verlangsamender, gleichwohl irreversibler Verfallsprozeß gedeutet wird. »Die menschliche Natur schreitet nicht zurück«. Für deren Begriff aber entwirft R. in Abstraktion von allen sozialen und geschichtlichen Bedingungen das Bild der hypothetischen Gestalt des Naturmenschen, der als asoziales und sprachloses Wesen vor aller Entwicklung und Geschichte steht, dessen Instinktfreiheit und Vervollkommnungsfähigkeit aber die als negativ empfundene Entwicklung der Menschheit ermöglicht. Geschichte läßt sich damit nicht mehr als Selbstentfaltung einer sie schon immer umgreifenden natürlichen Bestimmung des Menschen deuten, sondern nur noch als widernatürliches Heraustreten aus dem Naturzustand, das keinesfalls notwendig, sondern nur durch äußere Zufälle wie Naturkatastrophen u. a. bedingt wurde. Im Namen einer nichtteleologischen Natur machte R. damit aut beunruhigend neue Weise »der Gesellschaft den Prozeß . .., ohne einen Schuldigen zu nennen« . Das gegenwärtige Ãœbel der Ungleichheit des materiellen Besitzes und der Lebensbedingungen wird als Produkt einer von R. in ihren wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Konsequenzen durchdachten Dynamik der Gesellschaftsbildung erkennbar, deren »wesensverändernde Metamorphose des ganzen Menschseins« durch jenes Moment der Ungleichheit infrage gestellt ist, das im Ursprung beim Privatbesitz, bei der Arbeitsteilung und einer betrügerischen politischen Institution Hegt, die »zur Besitzdifferenzierung die rechtliche Sicherung des Eigentums und die politische Unterwerfung der Besitzlosen hinzufügt« .
      Daß R. dabei am äußersten Grad die Ungleichheit im zügellosen Despotismus der zeitgenössischen Monarchien unaufhaltsam in einen »neuen Naturzustand« des Rechts der Stärkeren umkippen sah, liefert die kritische Folie zu jenen großen Werken, die in teils gleichzeitiger Arbeit auf dem Höhepunkt seines Schriftstellerdaseins bis 1761 entstanden. In dieser Zeit lebte R. zunächst als Gast der Madame d Epmay und nach dem Bruch mit ihr und den Enzyklopädisten um Grimm und Diderot, den R.s moralische Theater- und Gegenwartskritik in seiner Lettre a M. d Alemhert sur les spectades öffentlich dokumentierte, auf Einladung des Herzogs von Luxemburg in dessen »Petit Chäteau< in der ländlichen Abgeschiedenheit von Montmorency. 1761 erschien in Paris sein sentimentaler Liebesroman La Souvelle Heloise, der ein überragender europäischer Erfolg in allen Leser- schichten nicht zuletzt deshalb wurde, weil er Moral und leidenschaftliches Gefühl gegen Konventionen betonte und die lyrische Seite der Natur entdeckte. Die offene Darstellungsform dieser Lettres de deux amants, habitants d une petite uiüe aux pieds des Alpes bringt in vielfacher Brechung die theoretische Perspektive des unaufhebbaren Widerspruchs der natürlichen und gesellschaftlichen Bestimmung des Menschen zur Erfahrung der Liebenden. Das auf strikte Beachtung der Tugend beruhende Glück der Romanutopie einer Gemeinschaft der neuen Gleichheit erweist der Tod seiner Heldin, den sie als Erlösung vom Widerstreit zwischen Neigung und Pflicht begreift, als schönen Schein, was den Roman am Ende in einer unauflöslichen, den Leser zur Teilnahme zwingenden Ambiguität verharren läßt.
      Noch im selben Jahr schloß der von Krankheiten geplagte R., der sich im Sommer seinem Ende nahe glaubt, die großen Manuskripte des Emile und des Contrat social ab . Sem Werk l om Gesellschaftsvernag oder Grundsätze des Staatsrechts liefert die rechts- und staatsphilosophische Konstruktion der Prinzipien einer legitimen politischen Ordnung, die den Bruch zwischen abstraktem Recht und der dadurch geregelten Wirklichkeit nicht entstehen läßt, um somit einen normativen Ordnungsbegriff tür die praktische Kritik bestehender Institutionen bereitzustellen. »Man muß wissen, was sein soll, um das. was ist. recht beurteilen zu können.« R. suchte im Contrat social die Lösung für die »Form des Zusammenschlusses, die mit ihrer ganzen gemeinsamen Kraft die Person und das Vermögen jedes einzelnen Mitglieds verteidigt und schützt und durch die doch jeder, indem er sich mit allen vereinigt, nur sich selbst gehorcht und genauso frei bleibt wie zuvor.« Die Individuen entäußern sich danach in einem ursprünglichen konstitutiven Akt der Vergesellschaftung ihrer natürlichen Freiheit durch eine freiwillige Assoziation zugunsten des Gemein willens , in dessen auf die Selbsterhaltung des Ganzen und dadurch auf die Sicherheit des Einzelnen gerichteten Entscheidungen sie notwendig ihren eigenen Willen wiedererkennen. Sie erwerben jene »wahre Freiheit, die in der Bindung aller an das Gesetz besteht«, das sie sich selbst gegeben haben und vor dem sie alle jene höhere Form der Gleichheit gewinnen, zu deren Gunsten sie auf die natürliche Gleichheit verzichten müssen. Die ihrem Wesen nach strikt egalitäre und auf Volkssouveränität abzielende »dramatisierte Theorie des Eintritts in die Institution« bindet deren Fortbestand jedoch an ein überschaubares republikanisches Gemeinwesen von Kleinbesitzern, das seine relative Homogenität der Besitzverhältnisse und Interessen durch eine konservative Wirtschaftspolitik sichern muß. Die lebenslange Bindung des selbst aus dem Genfer Kleinbürgertum stammenden R. an die Ideologie des »Volks«, d.h. der moralisch integren klembürgerhchen Schichten offenbart hier der Versuch, »unter den Bedingungen einer idealisierten Kleinbürger-Gesellschaft ein Stück des antiken Polis-ideals zu konservieren« . R.s Entwurf liest sich aber gleichzeitig auch als ein »Abgesang« auf die politische Existenz des Bürgers, der in der totalen Identifikation mit dem Kollektiv die im Heraustreten aus dem Naturzustand verlorene Einheit mit sich selbst zurückgewinnt.
      »Diese beiden Worte: Vaterland und Staatsbürger müssen aus den modernen Sprachen gestrichen werden«, heißt es denn auch im Emile ou de l education — jenem Buch, für dessen Lektüre Kant seinen ansonsten pedantisch eingehaltenen Abendspaziergang nur ein einziges Mal in vielen Jahren versäumt hat, um ergriffen zu erklären: »Rousseau hat mich zurechtgebracht«, denn »ich lerne die Menschen ehren«. Der Newton der sittlichen Welt, wie ihn Kant verstand, beschrieb im Emile keine »Methode für Väter und Söhne«, sondern eine allgemeine Erziehungslehre, die in einem philosophisch-anthropologischen Entwurf den menschheitsgeschichtlichen Ãœbergang vom Natur- zum Kulturzustand auf die Geschichte eines Subjekts projizierte, das in der umfassenden Enttaltung seiner Natur am Ende zum vollkommenen Menschen erzogen wird. Das paradigmatisch entwickelte Programm einer privaten, häuslichen »Erziehung der Natur« zielt nicht mehr auf die Eingliederung in eine als korrupt erkannte Polis. sondern auf die Verinnerkchung des Gemeinwillens als Gewissen ab. »Im Gewissen gewinnt der moderne Mensch seine Autarkie, seinen absoluten Schwerpunkt in sich zurück. Er wird auf der Höhe des zivilisatorischen Niveaus der Epoche wieder zum natürlichen Menschenpolizierte< Gesellschaft sahen denn auch die treibenden Kräfte der Revolution von 1789 ihre eigenen Tugenden verkörpert. Sie wiesen ihm die »Rolle des moralischen Rhetors zu« und bestätigten den Erfolg der Bemühungen R.s. der Nachwelt von sich »das vollendete Urbild des verfolgten Retters« zu überliefern, auf dem Höhepunkt des Rousseaukults 1794 durch Ãœberführung seines Sarkophags von Ermenonville in das Pantheon von Paris. Man gab ihm einen Ehrenplatz neben Voltaire, in dessen Kampf mit R. jedoch schon Nietzsche eines jener neu zu stehenden »unerledigten Probleme« sah: das Problem der Zivilisation, dem die Existenz R.s gerade dadurch exemplarischen Ausdruck verliehen hat, »daß er die Paradoxien des neuzeitlichen, nichtteleologischen Naturbegriffs erstmals in seinem Werk und sich selbst zur Darstellung gebracht hat« .
      Spaemann. Robert: Rousseau — Bürger ohne Vaterland. München 1980. Fetscher. Iring: Rousseaus politische Philosophie. 3.. Ãœberarb. Aufl. Frankfurt am Main 1975. Starobinski. Jean: Jean-Jacques Rousseau. La transparence et l obstacle. Suivi de sept essais sur Rousseau. Paris 1971.

      Matthias Schmitz


De man, derrida und rousseau: war rousseau dekonstruktivist?

Für die rhetorische Textinterpretation de Mans sind dessen Kommentare zu Derridas Kritik an Rousseau besonders charakteristisch. Es sei zunächst an die Grammatologie erinnert , in der Derrida Rousseaus Versuche kritisiert, die Schrift als von der parole abgeleitet, als Supplement zu erklären. Rouss .....
[ mehr ]
Index » Paul de Man: Rhetorik und Aporie

Rousseau, jean-jacques

Jean-Jacques Rousseau ist einer der wichtigsten französischen Schriftsteller und Philosophen des 18. Jahrhunderts. Er gilt als einer der ideellen Wegbereiter der Französischen Revolution und als einer der bedeutendsten Pädagogen der Neuzeit. Rousseau verlebte eine schwierige Kindheit. Der Sohn eine .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Theoretische vorspiele im i8. jahrhundert: rousseau und diderot

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnen im europäischen Schrifttum Erscheinungen aufzutreten, die, von der späteren Lyrik her betrachtet, als deren Vorspiele gedeutet werden dürfen. Wir begnügen uns damit, dies an Rousseau und Diderot zu zeigen. Rousseau kommt hier weniger in Betracht a .....
[ mehr ]
Index » Sonstige

Rousseau

Die Aufklärung war keine in sich geschlossene Bewegung glcichdenkender Menschen mit gleichförmigen Ãœberzeugungen, und der Fortschrittsoptimismus, den man dein Zeitalter zuzuschreiben pflegt, war keineswegs ungebrochen. Hatte schon die Querelle des Ancicns et des Modernes in Frankreich um die Wende .....
[ mehr ]
Index » Sturm und Drang Epoche » Die Epoche

Die umdeutung von rousseaus kindheitskonzept durch die philanthropisten

Die philanthropistische Kinderliteraturreform; Gegenbewegungen 'Die Natur will, daß Kinder Kinder sind, ehe sie Männer werden. Die Kindheit hat eine eigene Art zu sehen, zu denken und zu fühlen, und nichts ist unvernünftiger, als ihr unsere Art unterschieben zu wollen. Jedes Alter, jede Lebenss .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » OTTO BRUNKEN

 Tags:
Rousseau,  Jean-Jacques    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com