Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Philosophen biographisch

Index
» Autoren
» Philosophen biographisch
» Machiavelli, Niccolo

Machiavelli, Niccolo



M. war ein Philosoph - und er war auch kein Philosoph. Praktisches politisches Handeln, diplomatischer Dienst war sein Metier: Theoretiker und Philosoph wurde er wider Willen - ein politischer Pragmatiker auf dem Abstellgleis. »Mir hat die Politik nichts als Schaden gebracht


, die Liebe aber stets Freude und Genuß«, schreibt er in einem Brief 1514 aus dem ungeliebten Exil, seinem kärglichen Landgut, nahe der vertrauten Wirkungsstätte Florenz. Dort wurde er 1469 als Sohn eines Juristen aus niederem Adel geboren, die Jugend verbrachte er unter dem Eindruck des Glanzes der Republik im oberitalienischen Intrigenspiel um regional begrenzte Hegemonie, das durch Frankreichs militärische Intervention zum bitteren Ernst geriet: die Renaissance - eine Krisenzeit. Prägende Gestalt dieser Epoche war für M. Savonarola; in ihm sah er den Prototyp des »unbewaffneten Helden, der notwendig scheitert, zumal in einer Welt, die von Waffen starrt«. 149S trat M. in die Dienste der Republik Florenz. Er war Berater. Diplomat und mit weitreichenden Aufträgen befaßter Beamter . Seine Missionen führten ihn in die damaligen Zentren der Macht, die Höte. die Fürstentümer, den Vatikan. M. galt als treuer Diener der Republik, als glänzender Redner und Diplomat: sein Wissen um politisches Handeln war allgemein anerkannt, sein Rat gefragt, sein sicheres Kalkül gefürchtet. Die Zeit und der Ort seiner Abschiebung von der aktuellen politischen Bühne bedeuteten für ihn gleichsam die Pflicht, die Untätigkeit und das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, im Medium des theoretischen Diskurses zu überwinden. Diese philosophischen Ãobungen wurden nur von schöngeistigem Schaffen unterbrochen. Aus dieser Zeit datieren viele Gedichte. Briefe. Chroniken und Dramen, u.a. seine bekannte Komödie L.i Mandragola . Gleich zu Beginn seines Ausscheidens aus dem diplomatischen Beraterdienst - er geriet in den unbegründeten Verdacht einer Verschwörung gegen die gerade nach Florenz zurückgekehrten Medici - überraschte er seine Freunde mit der Ausarbeitung theoretischer Ãoberlegungen: den Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio { 1 - Erörterungen über die erste Dekade ivti Tims UrinS) und Opuscalo de prineipatibns, dem späteren II principe. seinem bekanntesten und bedeutendsten Werk. Darin breitet er einen systematischen Theorieansatz über die Technik politischen Handelns aus. eine Grundlegung neuzeitlicher Staatsphilosophie. Die Frage nach der moralischen Ordnung gesellschaftlichen Lebens steht hierbei nur im Hintergrund. Sie wird dominiert vom Primat des Machterwerbs und der Machtcrhaltung. Politik und Moral begreift M. als grundverschiedene Kategorien: »Wer politisch handelt, muß auch Böses tun.« Lüge. Betrug. Intrige, sogar Mord sind probate Mittel, die Macht über andere zu erlangen, allem auf den Willen und die Entschlossenheit zur Tat kommt es an. Die einzige Legitimation politischen Handelns besteht in der Zweckgerichtetheit und im Erfolg: moralisch verworfen gelten M. ohnehin alle Menschen. Sie streben allesamt nach persönlichem Gewinn, ihre Schranken sind Furcht und Haß: »Denn von den Menschen läßt sich im allgemeinen soviel sagen, daß sie undankbar, wankelmütig und heuchlerisch sind, voll Angst vor Gefahr, voll Gier nach Gewinn .. . Denn das Band der Liebe ist die Dankbarkeit, und da die Menschen schlecht sind, zerreißen sie es bei jeder Gelegenheit um ihres eigenen Vorteils willen.- Deshalb gab es in der Einschätzung seiner Schritten zumindest in einem Punkt nie Zweitel: M. galt immer als unbedingter Realist, der sich niemals Spekulationen hingab. Das Bild vom Menschen reduziert sich bei ihm aut eine kalkulierbare rechnerische Größe, das Handeln ist nach sorgfältiger Analyse aller Faktoren vorhersehbar, politische Entscheidungen basieren auf der richtigen Taktik im Spiel um die Macht. Dieser Gedanke war damals bahnbrechend neu, fast revolutionär. Denn im Kampf um die Macht entscheidet nur noch der zweckmäßige Gebrauch der Mittel, nicht mehr Abstammung oder der rechte Glaube: insofern impliziert dieses Denken die prinzipielle Gleichheit aller Menschen. M. verstand sich als Ratgeber und Lehrmeister, sein konkretes Aktionsfeld war die Diplomatie. In Analogie zu Aristoteles Philosophiebegnff wäre das Denken M.s einerseits >poietisch< zu nennen, insofern sein Zweck außerhalb des Begrifts liegt , andererseits aber auch praktisch, weil es seinen Zweck in sich selbst hat . Jedenfalls ist es die endgültige und gründliche Abkehr von den Aporien der antik-christlichen Moralphilosophie über -das Gute


Machiavelli, niccolö

Niccolö Machiavelli schuf ein Werk, dessen nachhaltige Bedeutung insbesondere in dem Bruch mit der Tradition christlich-metaphysischer Staatstheorie liegt. Machiavelli entstammte einer verarmten flo-rentinischen Patrizierfamilie. Aufgrund seiner hervorragenden Begabung und seines gewandten Auftrete .....
[ mehr ]
Index » Autoren

 Tags:
Machiavelli,  Niccolo    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com