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Philosophen biographisch

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Lask, Emil



L. entstammte dem Ostjudentum, studierte seit 1894 zunächst v.a. Rechtswissenschaft in Freiburg im Breisgau, wurde Schüler Heinrich Rickerts und Wilhelm Windelbands, promovierte bei Rickert mit der Arbeit Fichtes Idealismus und die Geschichte . setzte das juristische Studium von 1901 bis 1904 in Berlin fort und habilitierte sich 1905 bei Windelband in Heidelberg. Er gehörte dort zum Kreis um Max Weber und wurde 1913 a.o. Professor: schließlich meldete er sich 1914 als Kriegsfreiwilliger an die Front und fiel 1915 in den Karpaten. Im Nachruf aut seinen Freund schreibt Georg Lu-käcs 111 den Kant-Studien : »Heute ist ein sich Gegenwärtigmachen seines Werkes das »Aktuellste«, was sich nur denken läßt.« Dies war keine Einzelstimme, vielmehr der Tenor bis weit in die 20er , der v. a. nach seinem frühen Tod geradezu mythisch - er wird mit dem sich in den Ätna stürzenden Empedokles verglichen und »ein zweiter Fall Kleist« genannt - gesteigerr wurde? L. wurde philosophisch in der südwestdeutschen, badischen Schule des Neukantianismus Windelbands und Rickerts ausgebildet: Hier wurde die Wert- und Geltungsphilosophie Hermann Lotzes mit dem Kritizismus Kants zu einer Philosophie der bürgerlichen Kultur verbunden. In den verschiedenen »Sphären« bzw. »Wertregionen« z.B. der Natur- und der Geisteswissenschatten, des Rechts, der Kunst und der Religion werden jeweils genuine Geltungsansprüche erhoben, deren interne Logik es zu erfassen gilt. So rückt aus systematischen Gründen demi auch die Logik selbst - im weiten Sinne, nämlich im Verbund mit der Erkenntnistheorie, v.a. der Karegonenlehre - bei den Südwestdeut-sehen zur philosophischen Kerndisziplin auf. Diese »Professorenphilosophie« - wie man sie abschätzig nannte - ist in sich solide, unbedroht vernünftig und gleichsam unaufgeregt. L. sprengte nun früh die eingefahrenen Geleise: in ihm kulminiert die verborgene Krisis des Neukantianismus. In seinem Denken erfährt diese bürgerliche Philosophie bereits in den 10er Jahren, vor dem Ersten Weltkrieg und den großen Umbrüchen der 20er Jahre eine gravierende Transformation. Und zwar so. daß sie deren wesentliche Voraussetzungen befragt und ihre Problemstellungen radikahsiert, zu Ende denkt und an Antworten heranführt, die systembedrohend wirksam werden. Diese Arbeit leistet L. in semer Rechtsphilosophie . im Hauptwerk Die Logik der Philosophie und die Kategorieulehre. Eine Studie über den Herrschaftsbereich der logischen Form und in der Lehre vom Urteil von 1912: schließlich in Aufzeichnungen, die in der Edition seiner Gesammelten Schriften von 1923.24 - besorgt durch seinen Schüler Eugen Herrigel - den umfangreichen Nachlaßband bilden.

      Die extreme Schwierigkeit semer Analysen, die Tatsache, daß sich L. aus systematischen Gründen zum Entwurf einer gänzlich originellen philosophischen Sprache mit neuen Sinn stiftenden Bildern zunehmend genötigt sah - sie gestatten es nicht, paradigmatisch eine Einzelanalyse zu isolieren und vorzuführen: stets ist das systematische Ganze vorausgesetzt. Statt dessen lassen sich die zentralen Konturen seines Denkens in sechs entscheidenden Gesichtspunkten nachzeichnen: Gegen einen unge-schichthch-statischen. gleichsam zeitlosen Idealismus wird die Geschichtlichkeit der menschlichen Erkenntnis und ihrer Kategorien gesehen und akzentuiert. Gegen die abstrakte Allgemeinheit wird die irreduzible Irrationalität des Individuums und des Individuellen zum Problem erhoben. Gegen die systematische philosophische Erkenntnis wird das Leben und die Aufgabe seiner kategonalen Erfassung thematisch. Es wird gefragt, inwiefern das Sem dem Subjekt der Erkenntms vorausgeht; ob von einer »Transzendenz des Gegenstandes« bzw. von einer »logischen Irrcduzibilität des Materials« die Rede sein kann. Das subjektunabhängige Gelten der logischen Form wird von L. demiaßen radikahsiert. daß die transzendentale Logik tendenziell zu einer neuen Ontologie wird und ein »transzendentaler Piatonismus« sich ausbildet, der neuplatonische Züge trägt und sich einer »logischen Mystik« der Urform des Urteils nähert. Damit nicht genug: L. unternimmt den Versuch der Entwicklung einer Kategorienlehre der Philosophie. Er fragt nach dem logischen Status der philosophischen Sprache und nach ihrem Geltungsgrund selbst. Daraus ergibt sich die selbstreflexive Aufstufung seines Systems im Fragen nach der »Form der Form« und der »Kategorie der Kategorie».
      L. eröffnet hier Problemhorizonte und versucht bereits eigenwillige Lösungen, die weit in die Zukunft weisen. In seiner pointierten Art nennt Ernst Bloch ihn »die lautlose Explosion des Kantiamsmus« und bemerkt: »Er war der Nikolaus, aber noch nicht der Weihnachtsmann«. In der Tat bündelt sich im Denken L.s ein systematisches Problenisyndrom. dem in der weiteren Entwicklung der Philosophie insbesondere der 20er Jahre die großen Antworten: die Hermeneutik der Geschichtlichkeit, die soziologische Methodologie, Fundamentalontologie. Existenzialanalytik und Seinsgeschichte, Neomarxismus und kritischer Materialismus, schließlich logischer Empirismus und sprachkritische Philosophie ihre Arbeit widmeten. L.s Betonung der Geschichtlichkeit vollzieht bereits eine Hegehamsierung des Neukantianismus , wie sie später etwa Richard Kroner - ein wichtiger Rezensent L.s - durchführt; das geschichtliche Motiv bei L. ist aber systematisch stärker: Er beschließt sein Hauptwerk mit einer Darstellung der Geschichte der philosophischen Kategorien selbst, der Logik der philosophischen Spekulation und antizipiert damit die späteren seinsgeschichtlichen Reflexionen Heideggers wie auch die Radikalisierung der Hermeneutik des wirkungsgeschichtlichen Bewußtseins. Seme Erörterungen zum Irrationalitätsproblem werden gemäß neueren Forschungen wesentlich für die Methodologie v. a. Max Webers, mit dem er in enger Verbindung stand. Die Grundfrage: Wie kann das Individuelle deduktiv unter einen allgemeinen Wert subsumiert werden? zielt ms Zentrum der wissenschaftstheoretischen Probleme der Soziologie, der Geschichtswissenschaft und Rechtsphilosophie. Die Freundschaft L.s mit dem Rechtsphilosophen Gustav Radbruch ist em weiterer Fall, an dem sich der Satz W. Szilasis bestätigt: Er hatte »nicht viele Hörer, aber um so mehr Schüler«. Der Bezug auf das menschliche Dasein, der L.s Denken mit der Lebensphilosophie vornehmlich Georg Simmeis - gegen den Heinrich Ricken vehement polemisierte - verbindet, wird von ihm nicht spätromantisch-poetisierend ausgeformt, sondern erhält die Präzision einer systematischen Grundfrage: In der gesamten abendländischen Ontotogie wurden - so L. - die Kategorien einzig und allein für die sinnliche Sphäre, nicht jedoch genuin für die »übersinnliche« - etwa die des menschlichen Lebens - ausgearbeitet. Die Aufgabenstellung einer Kategorienlehre des Ãœbersinnlichen führt L. daher aus der Mitte des Kritizismus in die Dimension emer Rekonstruktion der Metaphysik. Seine Analysen antizipieren hier Heideggers Destruktion der abendländischen »Vorhandenheitsontologie« sowie dessen Entwicklung genuin der menschlichen Welt angemessener Kategorien - der »Existenziahen«, wie sie in Sein und Zeit exponiert werden. In Heideggers intellektueller Biographie Mein Weg in die Phänomenologie steht denn auch der Name L. neben dem Husserls und Brentanos obenan. Wenn L. ferner einen materialistischen Impuls insistierend verfolgt, die Irreduzibilität des »Materials« stets festzuhalten sucht, so weist dies in Richtung eines Umkippens der bürgerlichen Bewußtsemsphilosophie nicht in die Lebensphilosophie oder Existenzialontologie, sondern in den neo-marxistischen Materialismus. Diesen Weg hat L.s Freund der Heidelberger Jahre. Georg Lukacs. beschatten - eine Schwester L.s. Berta. war bereits kommunistische Untergrundkämpfcrin und Verfasserin expressionistischer Agitpropdramen. Wenn L. den Geltungsbcgriff radikahsiert, so verbindet er sich mit der Psychologismuskritik Freges und Husserls; seine enge Verbindung zur Husscrlschen Phänomenologie stellt ohnehin einen Sonderfall im gesamten Neukantianismus dar. Soweit wir es heute bereits übersehen können, sind die Systemelemente einer »logischen Mystik«, die L. mit der Freilegung emer logischen Urform und ihrer erkenntnistheoretischen Fundierung in semer »Lehre vom Urteil« verbindet, in der modernen Philosophie ähnlich nur in Ludwig Wittgenstems Tracta-tus-logico-plulosophiats zu finden.
      L.. der sich kern Pathos gestattete, dessen Schriften die Radikalität der Reflexion einer zu Ende gehenden philosophischen Gedankenwelt unter sprödester logischer Analyse zu verbergen suchen, hat unter seinem Philosophieren schwer gelitten. Der Kulturphi-losoph, Soziologe und Romancier Fcdor Stepun schildert den typischen Beginn seiner Vorlesungen: »Wenn er das Katheder betrat, schwieg er zunächst eine ganze Weile: in diesen Minuten erstarrte sein Gesicht zu ägyptischer Reglosigkeit: dann liefern gramvoller Schatten über seine Züge: Die Qual des Gedankens, der genötigt war. in Worten Gestalt zu werden.« Einsamkeit und Schwermut ließen ihn schließlich, so wird wohl zurecht vermutet, den Tod im Krieg suchen. Seine Schüler und Rezipienten nahmen seine bahnbrechenden Gedanken auf. oft ohne den Vergessenen zu erwähnen. Der von Juden wie L. maßgeblich geprägte Neukantianismus wurde mit der Herauf-kunft des Nationalsozialismus vernichtet. Es ist eine erst zu leistende Forschungsaufgabe unserer Zeit, einen der faszinierendsten und genialsten Denker des frühen 20. Jahrhunderts zu entdecken.
     


Das modell der emilia galotti

Lessings anthropologisches Ideal repräsentiert der wohltemperierte Charakter, dessen Affekte sich selbst regulieren, ohne daß sie einer entsprechenden externen Steuerung bedürfen. Im Hinblick auf dieses Modell erweist sich sein eigenes Tragödienwerk freilich als Beitrag zur skeptischen Bewertung opt .....
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Else lasker-schüler: »die verscheuchte«

Am 19. April 1933 flüchtete Else Lasker-Schüler aus dem nationalsozialistischen Deutschland, schon lange vor der >Machtergreifung< des Faschismus als Zielscheibe antisemitischer Attacken. In Zürich soll sie einige Tage verängstigt herumgeirrt sein, ehe sich Freunde ihrer annahmen und jüdische Organi .....
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Else lasker-schüler (i876-i949),

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Mein blaues klavier - else lasker-schüler

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Lasker-schüler, else

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Barth, emil

Adler-Ode Neis, Edgar. In: Tiergedichte, 1976, S. 9 - 10. Kreuzweg Kruse, Joseph Anton. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 175- 178. .....
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Zola, emile

Emile Zola, der letzte der großen französischen Romanciers des 19. Jahrhunderts, ist der Begründer und wichtigste Theoretiker des literarischen Naturalismus, mit seinem Gesamtwerk auch der bedeutendste Autor dieser Richtung in der europäischen Literatur. Der Sohn eines aus Italien stammenden Bauing .....
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Bronte, emily

Emily Bronte schuf mit ihrem einzigen Roman Die Sturmhöhe das bekannteste Werk der drei als Literatinnen bekannt gewordenen Bronte-Schwestern. Zugleich gilt es als eines der kühnsten Bücher der Viktorianischen Epoche. Emily wuchs mit ihren Geschwistern Charlotte, Anne und Branwell in Haworth auf, w .....
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Lasker-schüler

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Else lasker-schüler (i869-i945)

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Lasker-schüler, else

Geb. 11,2.1869 in Wuppertal-Elberfeld; gest. 22.1.1945 in Jerusalem »Else Lasker-Schüler ist die jüdische Dichterin. Von großem Wurf ... Ihr Dichtgeist ist schwarzer Diamant, der in ihrer Stirn schneidet und wehe tut. Sehr wehe. Der schwarze Schwan Israels, eine Sappho, der die Welt entzwei gegang .....
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»Else Lasker-Schüler ist die jüdische Dichterin. Von großem Wurf... Ihr Dichtgeist ist schwarzer Diamant, der in ihrer Stirn schneidet und wehe tut. Sehr wehe. Der schwarze Schwan Israels, eine Sappho, der die Welt entzwei gegangen ist. Strahlt kindlich, ist urfinster. In ihres Haares Nacht wandert .....
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