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Philosophen biographisch

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Kleanthes



Als K. von Assos nach Athen kam - so berichten einige -, soll er noch vier Drachmen besessen haben. Nachdem er aui Zenon getroffen war. beschloß er. Philosophie zu studieren; um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, schleppte der frühere Faustkämpfer nachts Wasser oder mahlte Korn. Manche Mitschüler schimpften ihn einen Esel; dies ist sowohl als Spitze gegen das Arbeitstier, das K. zweifellos gewesen ist, als auch gegen seine Auffassungsgabe, von der glaubwürdig überliefert wird, sie sei »außergewöhnlich langsam« gewesen, zu verstehen. Da K. an chronischem Geldmangel litt und sich keinen Papyrus leisten konnte, schrieb er Zenons Vorlesungen vornehmlich auf Austernschalen mit; dies soll den Meister so beeindruckt haben, daß er K. zu seinem Nachfolger als Scholarch der Stoa erkor. Der stoischen Schule stand er über 30 Jahre lang vor: in hohem Alter erkrankte er an einer Mundhöhlenentzündung, zu deren Heilung ihm die Ärzte emptahlen. zwei Tage lang keine Nahrung zu sich zu nehmen. Die Therapie hatte erstaunlicherweise Erfolg, aber K. war der Meinung, schon »über Gebühr den Weg des Lebens beschritten« zu haben und hungerte sich zu Tode.

      So beschreibt der spätantike Biograph Diogenes Laertius den Lebensweg des bärbeißigsten aller Stoiker, der weder Zenons dialektischen Scharfsinn, noch Chrysipps rhetorische Brillanz besaß. Die Subtilitäten der stoischen Logik scheinen für K. zeitlebens ein Buch mit sieben Siegeln geblieben zu sein; sein eigentliches Betätigungsfeld waren vielmehr die Disziplinen Ethik und Physik. Den Hedonismus Epikurs und der Kyrenaiker lehnte K. mit größter Entschiedenheit ab; im Gegensatz zur allgemeinen stoischen Lehre ging er sogar so weit, die Lust aus der Reihe der naturgemäßen Dinge zu streichen und ihr jeden positiven Wert abzusprechen. Der stoische Weise soll in Ãœbereinstimmung mit dem Welt-Logos, den K. mit Zeus identifiziert und in einem viclgerühmten Hymnus besungen hat. der Natur entsprechend leben, das heißt vernünftig und tugendhaft denken und handeln. Zwischen der Tugend und ihrem Gegenteil gibt es kein Mittleres; da jeder Mensch zur Tugend veranlagt ist. kann man diese Anlage nur vollkommen verwirklichen oder gar nicht. Die Tugend wird physikalisch als »Kraft« und »Anspannung« definiert; «wie die körperliche Kratt auf der Spannung der Muskeln, so beruht die Tugend auf der Spannung des Seelenpneuma«. — Aut die Kantischc Gesinnungsethik deuten einige Fragmente voraus, in denen es heißt, es komme bei jeder Handlung nur auf die innere Absicht, der sie entspringt, an, nicht aber auf das durch sie bewirkte Resultat.
     


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