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Philosophen biographisch

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Guattari, Felix



G. wird gern in Personalunion mit dem Philosophen Gilles Deleuze als »Deleuze Guattari« gehandelt: das beruht auf der Tatsache, daß er sein vielleicht wichtigstes Buch Atiti-Oedipe und dessen zweiten Teil Mille plateaux zusammen mit Deleuze verfaßte. Eine symptomatische Geste, wenn man bedenkt, daß Anti-Ödipus sich explizit gegen einen festgelegten Subjektbegnff wendet: »Wir haben Anti-Ödipus zu zweit geschrieben. Da jeder von uns schon mehrere war, ergab das schon eine ganze Menge.« Nach seinem Pharmazie- und Philosophiestudium wurde G. Psychoanalytiker, zunächst als Schüler [acques Lacans. Auch wenn sich die Argumentation in Anti-Ödipus zwar innerhalb Lacanscher Begnffsnetze entwickelt, setzt er sich dort dezidiert von dessen Theorie ab. Seit 1953 arbeitet G. als Psychoanalytiker an der alternativen Klinik »La Borde« in Cour-Chevcmy Während der 68er-Bewegung nahm er eine exponierte Stellung innerhalb der kommunistischen Linken ein, so daß viele seiner theoretischen Konzepte auf dem Hintergrund des damaligen politischen und sozialen Aufbegehrens zu lesen sind. Neben Anti-Ödipus veröffentlichte er Psychoanalyse et transversalite , La Revolution nioleculaire und L inconscient machinique . In diesen Schriften entwickelte er seine Vorstellung des grundsätzlich positiven, außerhalb des psvehoanalytischen Verdrängungsmechanismus definierten maschinellen Unbewußten«, dessen rein funktionale und bedeutungslose Systematik er mit sozialen Revolutionstheonen verband. Er ist Mitbegründer der Zeitschrift Rechercltes und aktives Mitglied des »Centre d Initiative pour des Nouveaux Espaces de Liberte«. Mit Deleuze verfaßte er außerdem ein Buch über Kafka und mit Toni Negn Les Sotiveau Espaces de Liberte .

      Die Zusammenarbeit von Deleuze und G. in Anti-Ödipus ergibt eine Mischung aus Philosophie und Psychoanalyse: Vitalistische und von Nietzsche ausgehende Tendenzen der Philosophie Deleuzes verbinden sich mit einer Psychoanalyse der Psychoanalyse auf selten von G. zu einer grundlegenden Kritik klassischer Denkschemata und Wissenschaftstheorien. Obwohl eines ihrer Grundthemen das »nomadenhafte Denken« ist, sind G. und Deleuze geographisch sowie intellektuell eher seßhaft und stark in einer spezifisch französischen Denktradition verwurzelt, die auch eine Reihe anderer einflußreicher Denker in und um Paris bestimmt. Der Gruppe von Strukturalisten, als deren wichtigste Vertreter Claude Levi-Strauss und Ferdinand de Saussure zu nennen wären, folgt in den 50er Jahren eine Generation von Autoren, die sich kritisch mit den strukturahstischen Systematisierungen auseinandersetzt und deren herausragende Vertreter der Kulturarchäologe Michel Foueault - er schrieb auch das Vorwort zu Anti-Ödipus —, der Exegetiker Freuds lacques Lacan. der Semiologe Roland Barthes und Jacques Derrida als der Philosoph der Immanenz sind. Sie fungieren als Scharnier zwischen den Strukturalisten und einer Gruppe von Poststrukturahsten, welche die streng hierarchischen Systematisierungen der Strukturalisten zu einem Spiel von di-vergierenden und simultan nebeneinander bestehenden Strukturen aufbrechen und ab deren erste wahre Vertreter Deleuze und G. gelten können. Besonders in der deutschen Rezeption wurden sie jedoch als »Deliranden« und »Schwätzer« etikettiert und abgetan.
      Ihr Buch Anti-Ödiptis nimmt innerhalb dieser Entwicklung eine Schlüsselstellung ein und ist. was seinen bewußt antiwissenschaftlichen Stil wie auch den Inhalt angeht, das erste große poststrukturalistische Pamphlet. Schon der Untertitel - Kapitalismus und Schizophrenie - läßt erkennen, in welchen Bereichen ihre Kritik ansetzt. Aus einer Diskussion der psychoanalytischen Thesen Lacans und der Strukturalisten heraus entsteht anhand einer neo-marxistischen Analyse das Bild eines Unbewußten, das sich von der psychischen Determination der klassischen Psychoanalyse gelöst hat und nich: länger den ödipalen Zwängen und Bestimmungen eines Freud oder Lacan unterworfen ist. Mit dieser Befreiung entsteht das Modell des Unbewußten als lediglich sozial definiertes »maschinelles Aggregat«. Dessen Utopie sehen Deleuze und G. in einer polymorph-perversen »Wunschmaschine«, in der »Triebe, Ströme und Intensitäten-trei zirkulieren können und in dessen Dynamik der reinen Begierde sich das Subjekt in Staub autlöst. Diese Wunschmaschinen sind in ihren gesellschaftlichen Einbindungen jedoch von einer Vielzahl »repressiver Formationen« umlagert, zu denen G. auch die klassische Psychoanalyse mit ihrer Ausrichtung auf das Subjekt zählt. Für ihn sind es diese »sozialen Zwangsbeschriftungen«, die den Menschen zu dem machen, was man ein Subjekt nennt. Seine »Schizo-Analyse« zielt darauf ab. mit diesen »individualisierten Formen der Subjeknvierung des Unbewußten« zu brechen und durch Veränderung der sozialen Strömungen selbst zu einer neuen Subjektivität zu gelangen. Das System der Schizophrenie, in dem sich alle psychischen und sozialen Systematisierun-gen »verquirlen«, wird dabei zur Gegenutopie des fremdbestimmten, kapitalistischen und familiären Zwängen unterwortenen Subjekts. Innerhalb der Bewegung der internationalen Anti-Psychiatrie . aber gegen deren Mystifizierungen und Privatisierungen gerichtet, versucht G. in seiner Klinik »La Borde«, eine theoretische Variante der »revolutionären, psychiatrischen Praxis« zu entwickeln; diese wendet sich insbesondere gegen die Mitschuld der »psychiatrischen Repression und den anderen Formen der Repression«, wie sie sich in den hierarchischen, zentralisierten und »viskosen« Organisationsformen der institutionellen Psychiatrie niederschlägt. Die »geschlossene Anstalt« der Psychiatrie bringt er dabei mit dem Gefängnis in Verbindung, beides »Institutionen des Einschlusses«, durch deren Reglementierungen das Subjekt letztlich denselben Zwängen unterworfen wird, an denen es bereits im sozialen Umfeld gescheitert ist.
      Gegen diese starren Bürokratiemaschinerien stellt G. in »La Borde« kleine , polyzentnschc Selbstverwaltungsformen und Kollektive, deren Mitglieder in einem durchlässigen System netzartig ein »Arbeitsfeld« überspannen, welches durch das ständige Spiel von Gruppenauflösungen und Gruppenbildungen dynamisiert wird. Nur innerhalb einer solchen offenen Strukturierung des sozialen Raums, so glaubt G.. kann man zu einem Unbewußten gelangen, das »schöpferisch und konstruktiv ist. nicht an die Vergangenheit gebunden oder auf universell geschichtete Komplexe fixiert«: Ein Unbewußtes, in dem. wie der Titel des zweiten Teils von Anti-
Ödipus IMille pkteauxi andeutet, das Denken nicht in genau vorbestimmten Bahnen und Schemata abläuft, sondern auf »tausend Ebenen« zugleich.
      Altwegg. Jiirg Schmidt. Aurel: Französische Denker der Gegenwart. München-Frank. Manfred: Was ist Neostrukturalismus? Frankfurt am Main 19S4.
     


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