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Philosophen biographisch

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Goodman, Nelson



»Ich kann ihre freundliche Aufmerksamkeit nicht mit der tröstlichen Versicherung belohnen, daß alles geleistet sei, oder mit der vielleicht kaum weniger tröstlichen Versicherung, es sei gar nichts zu machen. Ich habe lediglich eine nicht ganz bekannte Möglichkeit der Lösung einiger nur allzu bekannter Probleme untersucht.» Dieser Schlußsatz aus G.s Hauptwerk Fan, Fiakm and Forecast mag als Inbegriff seiner philosophischen und wissenschaftstheoretischen Arbeiten angesehen werden, deren Ziel eher die Präzisierung bereits vorhandener Problemstellungen und das auf sukzessiven Schritten beruhende Fragen ist, als das voreilige und daher oft erkenntnisarme Angebot naheliegender Lösungsmöglichkeiten. G. steht damit ganz in der um die Schaffung und Anwendung künstlicher Sprachen mit logischer qua unmißverständlicher Syntax bemühten Richtung der Analytischen Philosophie, der u.a. Bertrand Russell. Rudolf Camap und Willard van Orman Quine zuzurechnen sind und die als Logischer Empirismus oder Logischer Positivismus bezeichnet wird. Die Absage an die -natürlichen«, zu metaphysischen und damit gewissermaßen objekt- und sinnlosen Sätzen tendierenden Sprachen und der Versuch, durch ein streng logisches Ableitungsgefüge jeden Begriff und jede Aussage auf empirisch Nachweisbares zu beziehen, sind die zentralen Stellen dieser Theorie. G. hat jedoch 111 seinem Werk The Strucmre o/Appearance . wie bereits in seiner Dissertation . Study ofQualities . das ursprünglich von Camap in Der logische Aufbau der Weit formulierte Konzept dieses phänomenalistischen Reduktionsprogramms, der sogenannten Konstitutionstheorie, einer eingehenden Kritik unterzogen und modifiziert. Versuchte Camap noch, die konkreten Dinge mit Hüte dieses Systems in »Elementarerlebnisse« zu transformieren, so wählt G. demgegenüber nicht Empfindungen, sondern eine begrenzte Menge atomarer Qualitäten wie Farben, Zei-ten, Sehfeldstellen und Töne, die sog. »Qualia«. zu deren Definition. Unter der nomi-nalistischen Einschränkung, daß »die Welt eine Welt von Individuen« und damit die Menge der zu definierenden Objekte endlich ist. wird die logische Konstruktion des Konstitutionssystems erneut verbessert, zumal dieses nun nicht mehr den Anspruch erhebt, den tatsächlichen Erkenntnisprozeß zureichend zu beschreiben, sondern lediglich dessen Resultate zu reformulieren sucht. Während in dem von G. und Quine veröffentlichten Aufsatz Steps Toward a Construaire Somina-lism der Verzicht auf Variablen, zu deren Wertbereich abstrakte Objekte gehören, unumstößlich gefordert wurde und zu dem programmatischen Bekenntnis führte: »Wir glauben nicht an abstrakte Entitäten. Niemand nimmt an. daß abstrakte Entitäten - Klassen. Relationen. Eigenschaften usw. - in Raum und Zeit existieren: aber wir meinen mehr als das. Wir verzichten auf sie überhaupt«, erfolgt nun in . World oj Individuais eine Spezifizierung in bezug auf einen Nominalismus, der zwar »Entitäten. Geister und Unsterblichkeitsahnungen« nicht verbietet, jedoch verlangt, daß jede zugelassene Entität als Individuum zu konstruieren sei. Dies allerdings impliziert, bezogen auf G.s Konstitutionssystem, daß zwei Objekte dann als umtanggleich oder identisch gelten, wenn sie dieselbe Anzahl atomarer Qualitäten autweisen. Die Konstruktion eines Objekts als Individuum gebietet aber gleichsam die Nichtidentität desselben mit jedem anderen Objekt auf der Grundlage einer Nichtidentität zwischen ihren Atomen, denn es gilt: »Keine Unterscheidung von Entitäten ohne Unterscheidung von Inhalt.«

Zur Wissenschaftstheorie ist seine Untersuchung irrealer Bedingungssätze und damit verbunden die der Fortsetzbarkeit von Hypothesen auf induktivem Wege zu zählen. Hatte bereits David Hume in seinen Treatise of Human Sature die Frage nach der rationalen Rechtfertigung induktiver Schlüsse negativ beantwortet, indem er darlegte, daß solche Regeln lediglich Ausdruck unserer Gewöhnung an vergangene Rcgelhaftigkeiten sind, so schließt sich G. dieser Argumentation zwar weitgehend an, konstatiert aber zugleich ein »neues Rätsel der Induktion«: das Problem der Unterscheidung von gültigen und ungültigen induktiven Schlüssen. Denn für jede solcher Konklusionen ist nicht nur die bisher beobachtete und zugrundegelegte Regelhaftigkeit möglich, sondern auch eine dazu kontrafaktische Hypothese, durch die dann aber »jede endliche Menge von Beobachtungen sich in Form voneinander für die Zukunft widersprechenden Regulantäten extrapolieren« ließe .
      Sprachphilosophische Analysen bestimmen G.s Arbeiten seit den 60er Jahren. In verschiedenen Aufsätzen dominiert die Erforschung nicht-verbaler Symbolsysteme, da sowohl bildliche Darstellungen als auch musikalische Notationen. Uhren, Meßinstrumente, Diagramme und Karten als komplementärer Faktor einer strukturalen Linguistik angesehen werden müssen. So überwindet G. in seinem Buch Language of Art die retardierte Trennung von Kunst und Wissenschaft, indem der Unterschied nicht mehr der zwischen »Gefühl und Tatsache. Intuition und Konklusion. Freude und Ãoberlegung. Synthese und Analyse. Sinneswahrnehmung und Gehimarbeit. Konkretheit und Abstraktheit« ist, »sondern eher der Unterschied in der Dominanz gewisser spezifischer Merkmale von Symbolen«. Derwohl einflußreichste Vertreter der amerikanischen Analytischen Philosophie, 1946 zum Professor an der Umversity of Pennsylvania ernannt, von 1964 an für drei Jahre an der Brandeis Umversity in Massachusetts tätig, lehrt seit 1967 wieder in Harvard.
     


Goodmans konzept der exemplifikation

Der Dreh- und Angelpunkt von Stierles fiktionserfassender Rezeption ist die Reversion der Perspektive von der Betrachtung der Darbietung einer bestimmten fiktiven Geschichte zur Betrachtung der vom Text angebotenen Organisation von Erfahrungsschemata. Diese Rezeptionsweise wird von Kants reflektiere .....
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