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Philosophen biographisch

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Gentile, Giovanni



Zusammen mit Benedetto Croce, dem anderen großen Vertreter des italienischen Neoidealismus. hat G. ein halbes Jahrhundert lang die philosophische Kultur seines Landes beherrscht. Sein streng antipositivistisches Denken - eine Neu-formulierung des Rechtshegelianismus - wirkt sich heute noch auf die Grundorientierung des italienischen Philoso-phierens aus. G. wird häufig für die historische, anticmpiri-sche Prägung eines Denkens verantwortlich gemacht, das sich an Marx oder Heidegger orientiert und das durch seine Wis-senschaftsfeindlichkeit riskiert, den Anschluß an die Moderne zu verpassen.

      G. kritisiert Hegel, um eine Philosophie des absoluten Ich zu entwickeln, die jede Pluralität verneint und alles Gegenständliche in das Bewußtsein aufhebt. Seinem Denken, das die Identität von Theorie und Praxis, von Philosophie und Leben postuliert, liegt eine streng moralische, antihedonistische Lebensauffassung zugrunde, die von einem fast schwärmerischen Glauben an die unbegrenzten Möglichkeiten des menschlichen Geistes getragen ist. Tragisch wurde für sein Leben eine Verblendung, die ihn dazu führte, im faschistischen Staat Mussolinis die Verkörperung des sittlichen Staates zu erblicken, der fähig ist. die Egoismen und die abstrakte Freiheit des Liberalismus zu überwinden. Unter Mussolini wurde G. zum Organisator der italienischen Kultur und zum Theoretiker der faschistischen Ideologie. Er lieferte durch das Siegel seiner Autorität dem Faschismus eine moralische Rechtfertigung und erlaubte Mussolini »eme bemerkenswerte Mystifizierung des Faschismus« . Schwieriger ist die Frage zu beantworten, ob sein Denken, dem Rassismus und jede Verherrlichung von Gewalt fremd waren, in seinem Wesen faschistisch ist. Abgesehen von dezisiomsti-schen Elementen in der Ethik wurden G. Realitätsfremdheit und eine gefährliche Trennung der Kultur von der Reflexion über die konkreten Bedingungen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung angelastet.
      G. studierte zunächst Literaturwissenschaft und Philosophie bei Donato Jaja, einem Schüler des Hegelianers Bertrando Spaventa, dessen Nachfolger er 1914 in Pisa wurde. 1917 bekam er den Lehrstuhl für theoretische Philosophie an der Universität Rom. Nach seiner Dissertation über Antonio Rosmini und Vincenzo Gioberti, in der er eine Annäherung zwischen Katholizismus und deutschem Idealismus versuchte, kritisierte G. in seinem zweiten Werk La filosofia di Marx den historischen Materialismus vom Standpunkt eines orthodoxen Idealismus aus. In dieser Zeit beginnt die Freundschaft mit Benedetto Groce, mit dem er bis 1922 die berühmte Zeitschrift La Critica herausgab. Die entgegengesetzte Einstellung gegenüber dem Faschismus - Croce wurde die geistige Führungsgestalt der liberalen Opposition gegen den Faschismus -wird später der Freundschalt ein Ende setzen.
      In dieser Zeit schreibt G. seine wichtigsten Werke: Teona generale dello spirito cotne attopuro und II sistema di logica cotne teoria del conoscere , in denen er seine Philosophie, den Aktuahsmus. entwickelte. 1922 zum Senator ernannt, war er von Oktober 1922 bis Juli 1924 Unterrichtsminister 111 der ersten Regierung Mussolinis. 1923 schuf er die Schulreform, die seinen Namen trägt. Diese Reform hält an den humanistischen Grundlagen fest, verstärkt den Religionsunterricht in den Grundschulen und trägt vor allem durch den obligatorischen Lateinunterricht ab der sechsten Klasse konservative Züge. G. wurde 1924 Präsident des »Istituto nazionale tascista della eultura« und leitender Herausgeber der Lticiclopedia haliana. Aus dieser Zeit stammen die Werke Che cos e il fascismo. Discorsi e polemiche 11925: Was ist der Taschismus? Reden und PolemikeN) und Origini e dottrina del tasasmo . 1931 erschien seine Theorie der Kunst: Filosofia dell arte. G. gründete das Giornale critico della filosofia italiana und wurde das Haupt der philosophischen Schule der Aktualisten »Gli attualisti«, der A. Volpicelli. A. Carlini. U. Spirito und andere angehörten. Er trug die faschistische Politik mit bis hin zur Treue gegenüber der Republik von Salö: ein Beleg dafür ist auch seine berühmte Rede Discorso agli Italiani von 1943. Im selben Jahr verfaßte er sein letztes Werk Genesi e struttura della societa ! Ursprung und Struktur der GesellschafT). Eine Gruppe von Partisanen tötete den Philosophen am 15. April 1944 in Florenz.
      Kern seiner Philosophie ist die Entwicklung eines konsequenten Idealismus aut der Grundlage einer Kritik am Positivismus, der die italienische Kultur in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts beherrscht hatte. G. sieht seine Philosophie als kritische Fortsetzung einer langen historischen Tradition, die m einem direkten Zusammenhang mit der deutschen Philosophie von Kant bis Hegel steht, aber auch aut die Philosophie der italienischen Renaissance zurückgeht und an Giambattista Vico anknüpft. Das Grundprinzip seines Denkens ist cm rigoroser Immanentismus, welcher jeden Dualismus zwischen Geist und Materie, zwischen Natur und Geschichte ablehnt und alles aus der Tätigkeit des denkenden Ich ableitet: »Dies ist der feste Punkt, auf den sich der Aktuahsmus stützt. Die einzige feste Wirklichkeit, die ich zu bejahen vermag und mit der daher jede von nur denkbare Wirklichkeit verbunden werden muß. ist jene Wirklichkeit, die selber denkt. Diese wird nur so verwirklicht, sie ist daher nur im Akt des Denkens eine Wirklichkeit.«
Zentral ist für G. die Unterscheidung zwischen abstraktem und konkretem Denken: hier setzt auch die Kritik an Hegels Logik an. Der Fehler Hegels hegt nach G. darin, eine Dialektik des Gedachten versucht zu haben, eine Dialektik des Begriffes oder der gedachten Realität also. Hegel setzt demnach zu Unrecht Sein und Nichtsein als abstrakte Momente voraus und läßt daraus das Werden entspringen. Für G. ist Dialek-tik aber nur als Entwicklung des denkenden Subjekts möglich: der Akt des Denkens stellt die einzige Realität dar. G. kritisiert Hegel gleichsam durch Fichte, indem er die Grundthese der ersten Wissenschaftslehre von 1794 entwickelt und die strenge Immanenz jeder Realität im denkenden Subjekt behauptet: »Nichts ist denkbar außerhalb des Denkens, außerhalb unseres Denkens. Folglich nichts außerhalb des Menschen, auch die Natur, auch Gott selbst.


Boccaccio, giovanni

Boccaccio zählt mit -> Dante Alighieri und Francesco -> Petrarca zum Dreigestirn der italienischen Literatur des 14. Jahrhunderts. Er schuf die ersten bukolischen Dichtungen in italienischer Sprache und erhob die Stanze zur Versform des italienischen Epos. Mit seinem Hauptwerk Das Dekameron begründe .....
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Guareschi, giovanni

In seinem modernen Schelmenroman Don Camillo und Peppone kritisiert Giovanni Guareschi auf satirisch-heitere Weise Korruption, Konformismus und politischen Extremismus. Die Geschichten um den katholischen Pfarrer Don Camillo und seinen Widerpart, den kommunis- tischen Bürgermeister Peppone, gehören .....
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Verga, giovanni

Giovanni Verga gilt als bedeutendster italienischer Erzähler des 19. Jahrhunderts. Kennzeichnend für seine Werke ist ein gesellschaftskritischer Pessimismus, den er mit seiner Darstellung des bäuerlichen sizilianischen Milieus verknüpfte. Verga stammt aus einer reichen Familie des sizili .....
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