Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Philosophen biographisch

Index
» Autoren
» Philosophen biographisch
» Engels, Friedrich

Engels, Friedrich



Beide Eltern teile von M. stammten aus jüdischen Rabbmertamihen. Der Vater, ein Rechtsanwalt, trat jedoch. um seinen Beruf weiter ausüben zu können, mit seiner Familie zum Protestantismus über. Die Traditionen des Humanismus und der Aufklärung wurden im Elternhaus sorgsam gepflegt. Als M. in Trier das Gymnasium absolviert hatte, immatrikulierte er sich auf Wunsch des Vaters an der juristischen Fakultät 1,1835 in Bonn und ein Jahr später in BerliN). Viel stärker als für die Rechtswissenschaft interessierte er sich aber für Philosophie und Geschichte, hörte Vorlesungen bei Bruno Bauer. Savigny und Schlegel und war fasziniert von der Philosophie Hegels. 1841 schloß er sein Studium mit der Promotion in ]ena ab . Da er sich damit bereits im Sinne eines linken Hegelianismus exponiert hatte, mußte er seine Hottnungen auf eine akademische Laufbahn autgeben - Bruno Bauer hatte soeben seine Lehrbefugnis für Theologie in Bonn verloren. So ging M. 1842 zur Rheinischen Zeitung. 1843 heiratete er seine lugendfreundin Jenny von West-phalen. Nachdem die Rheinische Zeitung durch die preußische Regierung verboten worden war. siedelte das Ehepaar nach Paris über.
      E. entstammte einer Industriellentamihe. besuchte das Gymnasium in Elberfeld. wurde jedoch von seinem Vater vorzeitig von der Schule genommen: eine Ausbildung in einem Bremer Handelshaus sollte ihn sachgerecht auf seine Unternehmerrolle vorbereiten. In Bremen erhielt er Kontakt mit dem Jungen Deutschland und während seines Militärdienstes in Berlin mit den Junghegelianern. 1842 ging er nach Manchester, um in der dortigen väterlichen Firma kautmännische Erfahrungen zu sammeln.
      Im Spätsommer 1844 traten M. und E. in Paris zusammen. Das Werk beider war fortan so eng verbunden, daß die Entwicklung des einen immer nur im Zusammenhang mit der des anderen, als Moment eines gemeinsamen Weges, verstanden werden kann. Einen beträchtlichen Teil ihrer Werke verfaßten sie ohnehin gemeinsam.
      Die Problemlage, mit der sich die Generation von M. und E. konfrontiert sahen und die das Denken beider bestimmte, war vor allem durch drei Momente gekennzeichnet. Sozialökonomisch war der Kapitalismus in den fortgeschrittenen Ländern Europas im Fjegriff, zur bestimmenden Gesellschaftsordnung zu werden und die feudalabsolutistischen Widerstände zu überwinden. Die industrielle Revolution schuf einerseits eine gewaltige Produktivität und einen rasch ansteigenden gesellschaftlichen Reichtum, andererseits aber eine enorme Verelendung jener Klasse von Lohnabhängigen, die nunaus deklassierten Handwerkern und Bauern entstand und in den Städten sich zusammenballte. Politisch hatte die Französische Revolution die Geister in Europa polarisiert, hatte den bürgerlichen und liberalen Kräiten allenthalben Auttrieb gegeben und auch in der Penode der Restauration nach i S i s weitergewirkt. Der Kampf um Verfassungen und bürgerliche Freiheiten bestimmte in allen Ländern Europas die politische Auseinandersetzung. Allerdings wurde die Konfrontation zwischen bürgerlichen und restaurativen Kräften in wachsendem Maße überlagert durch die Forderungen der eigentumslosen Massen, die sich mit Babeuf schon in der Französischen Revolution, seit den 30er Jahren aber verstärkt innerhalb der in der Entstehung begriffenen Arbeiterbewegung artikulierten. Diese sozialen Kräfte hatten in England die Chartistenbewegung hervorgebracht, in der französischen Seidenindustrie zu einem ersten organisierten Aufstand geführt und in Deutschland mit dem Aufstand der schlesischen Weber 1844 eine soziale Eruption erzeugt. Philosophisch warf vor allem der rasante Aufschwung der Naturwissenschaften neue Fragen über die Beschaffenheit der materiellen Welt und das Verhältnis von Geist und Materie auf. Seit den 50er Jahren stellten die Untersuchungen von Charles Darwin über die »Entwicklung der Arten« und dann die ethnologischen Studien von Morgan und Bachofen radikal neu die Frage nach dem Wesen des Menschen und nach der Beziehung zwischen Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte.
      Das Gedankenmaterial, das zur Verfügung stand, um diese äußerst komplexe Problemlage zu bewältigen, lag zum einen in Gestalt der klassischen deutschen Philosophie vor. die mit Hegel ihren Höhepunkt erreicht hatte. Sie beanspruchte, die Totalität der Wirklichkeit zu erfassen und - mit der Dialektik - auch in ihren Entwicklungsgesetzen zu erklären. Zum zweiten in Gestalt des Materialismus, der. durch die Naturwissenschaften gestützt. Mensch und Gesellschaft analog zur Natur oder analog zu einer Maschine interpretierte und mit Ludwig Feuerbach dazu übergegangen war, auch ideologische Gebilde wie die Religion materialistisch bzw. anthropologisch zu erklären. Zum dritten in Gestalt der klassischen bürgerlichen Ökonomie, die sich besonders in England, dem wirtschaftlich am weitesten tortgeschrittenen Land, herausgebildet und wesentliche Gesetzmäßigkeiten kapitalistischer Entwicklung bereits offengelegt hatte. Und viertens schließlich in Gestalt des frühen Sozialismus, der besonders in Frankreich und England entstanden war und Anstrengungen unternommen hatte, den Kapitalismus als eine spezifische Entwicklungsetappe der Menschheitsgeschichte einzuordnen, das Elend, das der Kapitalismus erzeugt hatte, anzuklagen und Alternativen theoretisch herauszuarbeiten und praktisch zu erproben 1Robert OweN).
      Leben und Werk von M. und E. können verstanden werden als ein Prozeß, in dessen Verlauf beide sich schrittweise der geschichtlichen Problemlage bewußt wurden, das zur Verfügung stehende Gedankenmaterial kritisch aneigneten, unter dem Einfluß neuer praktischer Erfahrungen und theoretischer Bemühungen umgestalteten und schließlich zu einem System entwickelten, das als eine wissenschaftlich-philosophische Revolution gekennzeichnet werden kann.
      Beide hatten die Hegeische Philosophie studiert und sich den lunghegclianern, dem linken Flügel der geistigen Erben Hegels, zugewandt, welche die dialektische Denkweise betonten und von Hegels Systemdenken, seiner Abgeschlossenheit und Starrheitdistanzierten. Mit ihren Wortführern - Bruno Bauer und Arnold Rüge - wurde M. in Berlin persönlich bekannt. In seiner 1840/41 geschriebenen Dissertation über die Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie kam M. zu dem Ergebnis, daß eine Versöhnung von Religion und Vernunft unmöglich sei. ohne aber die Religion selbst schon erklären zu können. 1841 erhielten die Diskussionen dieser jungen Intelligenz einen enormen Impuls durch Ludwig Feuerbachs Buch wandte er den Feuerbachschen Materialismus aut die Gesellschaft an. sah aber bereits, daß Feuerbach »zu sehr auf die Natur und zu wenig aut die Politik hinweist«. Rückblickend schrieb er: »Meine Untersuchung mündete in dem Ergebnis, daß Rechtsverhältnisse wie Staatsformen weder aus sich selbst zu begreifen sind noch aus der sogenannten Entwicklung des menschlichen Geistes, sondern vielmehr in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln, deren Gesamtheit Hegel.. . unter dem Namen bürgerliche Gesellschaft« zusammenfaßt, daß aber die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft in der politischen Ökonomie zu suchen sei.« In seinen beiden 1843 44 verfaßten Autsätzen zu den Deutsch-Französischen Jahrbüchern, die er gemeinsam mit Rüge in Paris herausgab , wurde die Revision seiner philosophischen Grundlagen ein Stück weitergetrieben. In dem Beitrag Zur Judenfrage sieht er bürgerliche Demokratie und Menschenrechtsdeklarationen bereits im Zusammenhang mit dem Schutz des Privateigentums. »Das Menschenrecht des Privateigentums ist also das Recht, willkürlich..., ohne Beziehung auf andere Menschen, unabhängig von der Gesellschaft, sein Vermögen zu genießen und über dasselbe zu disponieren, das Recht des Eigennutzes.« Diese »Freiheit« sei »die Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft«. Zur Emanzipation könne sie nicht führen: »Erst wenn der Mensch seine >forces propres« als gesellschaftliche Kräfte erkannt und organisiert hat..., ist die menschliche Emanzipation vollbracht«. Der zweite Aufsatz Zur Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie. Einleitung greift noch einmal Feuerbachs These auf, daß es »der Mensch« sei. der die Rehgion mache, begnügt sich aber nicht mehr mit diesem anthropologischem Materialismus, sondern will das Wesen des Menschen konkret, d.h. gesellschaftlich bestimmen: »Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen. Staat. Societät.« Damit war M. in der Ideologiefrage auch über die Aufklä-rungsphilosophie hinaus, die die ReHgion als ein von den Herrschenden bewußt eingesetztes Instrument zur Verdummung des Volkes aufgefaßt hatte, als eine Form der Manipulation also . M. sah. daß die realen sozialen Verhältnisse das Bedürfnis nach Religion, nach Tröstung erzeugten. In diesem Kontext formulierte er den berühmten, meist aber falsch zitierten Satz von der Religion als dem »Opium des Volkes* - und nicht, im Sinne der Mampulationstherie: Opium für das Volk!.
      Zugleich wird damit die abstrakte Religionskritik zur konkreten Gesellschaftskritik, zur Forderung nach sozialer Revolution: »Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks... Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik.« »Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei. also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist...« . »Materielle Gewalt« könne nur »durch materielle Gewalt« gestürzt werden, aber auch die Theorie werde zur materiellen Gewalt, »sobald sie die Massen ergreift«. Und zum ersten Mal benennt M. hier auch die soziale Kraft, die eine solche Revolution vollziehen könne: das Proletariat. Er begründet dies aber noch moralisch: das Proletariat besitze durch seine universellen Leiden »einen universellen Charakter«: an ihm werde »kein besonderes Unrecht, sondern das Unrecht schlechthin« verübt.
      Auch für E. ergaben sich neue Impulse durch Erfahrungen, die ihn mit der gesellschaftlichen Realität direkt konfrontierten. In Manchester, dem Zentrum der Textilindustrie, sah er das Elend der Arbeiterklasse, erhielt aber auch Verbindung mit der Chartistenbewegung und mit Robert Owen. Das Studium der französischen Utopisten und Wilhelm Weitlings führte ihn nun bereits zu kommunistischen Folgerungen: »Unsere Partei muß nachweisen, daß entweder alle philosophischen Anstrengungen der deutschen Nation von Kant bis Hegel nutzlos gewesen sind - schlimmer als nutzlos - oder daß sie im Kommunismus enden müssen.«
Im Unterschied zu M. aber wurde E. durch diese Erfahrungen mcht so sehr zur Philosophie als vielmehr zur Ökonomie gedrängt. Im gleichen Heft der Deutsch-Französischen Jahrbücher publizierte er seine Umrisse zu einer Kritik der Xationalökonomie. In dieser »genialen Skizze«, wie M. später schrieb, führte er aus: »Weil das Privateigentum jeden auf seine eigene rohe Einzelheit isoliert und weil jeder dennoch dasselbe Interesse hat wie sein Nachbar, so steht ein Grundbesitzer dem andern, ein Kapitalist dem andern, ein Arbeiter dem andern feindselig gegenüber. In dieser Verfeindung .. . ist die Unsittlichkeit des bisherigen Zustandcs der Menschheit vollendet; und diese Vollendung ist die Konkurrenz.« Diese Konkurrenz bringe notwendig das Monopol hervor; ökonomische Krisen und die Verschärfung der Klassengegensätze seien die Triebfedern für die soziale Revolution. »Produziert mit Bewußtsein, als Menschen, mcht als zersplitterte Atome ohne Gattungsbewußtsein, und ihr seid über alle diese künstlichen und unhaltbaren Gegensätze hinaus.«
Unter dem Einfluß von E. wandte sich nun auch M. stärker dem Studium der politischen Ökonomie zu. Zudem las er französische Revolutionäre und Theoretiker . Bei bürgerlichen Historikern fand er den Gedanken, daß die neuere Geschichte als Interessenkampf zwischen sozialen Klassen verstanden werden könne. Er lernte in Paris Heinrich Heine und Georg Herwegh kennen und nahm Kontakte zu französischen Sozialisten auf. Der Aufstand der schlesischen Weber im Sommer 1844 verstärkte seinen Impuls, in die praktischen Auseinandersetzungen einzugreifen.
      In den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten, die 1S44 aus diesen Studien und Erfahrungen hervorgingen, suchte M. nach einer Vermittlung zwischen den neuen ökonomischen Erkenntnissen und seinen philosophischen Ãœberzeugungen - diese Manuskripte wurden erst 1932 publiziert. Im Zentrum steht der Begriff der Entfremdung, den er in vier Dimensionen entfaltete: Erstens im Verhältnis des Arbeiters zu seinem Produkt: Diese Entfremdung bedeute »nicht nur. daß seine Arbeit zu einem Gegenstand, zu einer äußeren Existenz wird, sondern daß sie außer ihm. unabhängig, fremd von ihm existiert und eine selbständige Macht ihm gegenüber wird, daß das Leben, was er dem Gegenstand verliehen hat. ihm feindlich und fremd gegenübertritt«. Zweitens im Akt der Produktion selbst: die Arbeit ist dem Arbeiter »äußerlich«, gehört »nicht zu seinem Wesen«. »Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich ... Seine Arbeit ist daher nicht freiwillig, sondern gezwungen. Zwangsarbeit. Sie ist nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern sie ist nur Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen.« Drittens drücke die Entfremdung sich aus im Charakter der Arbeit als bloßem »Mittel zur individuellen Existenz«, womit der Arbeiter semein Wesen als Gattungswesen entfremdet sei. Und viertens schließlich in der Konkurrenz, die »die Entfremdung des Menschen vom Menschen« erzeuge. »Mit der Verwertung der Sachenwelt nimmt die Entwertung der Menschen weit in direktem Verhältnis zu«. Die »positive Aufhebung aller Entfremdung« bestehte also in der »positiven Authebung des Privateigentums«. Dieser »Kommunismus« sei »die wahrhafte Auflösung des Widerstreits zwischen dem Menschen mit der Natur und mit dem Menschen«, sei zugleich Naturalismus und Humanismus. Feuerbach hatte die Religion als eine Form der Entfremdung gefaßt, in welcher der Mensch sein eigenes Wesen in eine höhere Sphäre projiziere. Bei M. erhält der Begritf »den Sinn eines radikalen Verlustes; er wird nun ins Soziologische gewandt« .
      Angeregt durch die Schrift von Wilhelm Schulz über Die Bewegung der Produktion gelangte M. zu einer materialistischen Konzeption, mit der er den anthropologischen Materialismus Feuerbachs überwinden und den Begriff der Arbeit so bestimmen konnte, daß er die Bewahrung der Natur als allgemeine Lebensgrundlage einschließt: Auch in der scheinbar ganz individuellen wissenschaftlichen Tätigkeit »bin ich gesellschaftlich, weil als Mensch tätig«. Das Material der Tätigkeit sei ebenso gesellschaftlich gegeben wie die Sprache, in der der Denker tätig ist. Die Arbeit aber bilde die Grundlage alles gesellschaftlichen Lebens, gewährleiste den Stoffwechsel mit der Natur: »Die Natur ist der unorganische Leib des Menschen ... Der Mensch lebt von der Natur: die Natur ist sein Leib, mit dein er in beständigem Prozeß bleiben muß, um nicht zu sterben.« Jahrzehnte später, im Kapital und in seiner Kritik des Gothaer Programms, konkretisierte M. die ökonomische Funktion der Natur: Es sei falsch, die Arbeit als »die Quelle allen Reichtums« zu bezeichnen, denn die Erde sei für die Herstellung von Gebrauchsgütern ebenso notwendig. Diese sei aber im Privatbesitz und werde entsprechend behandelt.
      In dem Fragment Kritik der Hegeischen Dialektik und Philosophie überhaupt nimmt M. noch emmal Stellung zu seinen philosophischen Quellen. Er nennt Feuerbach den einzigen, der »ein ernsthartes, ein kritisches Verhältnis zur Hegeischen Dialektik hat«, rühmt aber zugleich an Hegel, daß dieser die Selbsterzeugung des Menschen als Prozeß faßt und daß er »das Wesen der Arbeit faßt« und den »wirklichen Menschen als Resultat seiner eigenen Arbeit begreift« - wenn er auch nur die »abstrakt geistige Arbeit« kenne. Seine philosophischen Erkenntnisse bezieht M. aber nun bereits direkt auf die Praxis: »Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen, und sobald der Blitz des Gedankens gründlich in diesen naiven Volksboden eingeschlagen ist. wird sich die Emanzipation der Deutschen zu Menschen vollziehn.«
So weit hatten M. und E. ihr Denken entwickelt, als sie im Spätsommer 1844 in Paris zusammentrafen. E. schrieb dazu rückblickend: »Als ich Marx im Sommer 1844 in Paris besuchte, stellte sich unsere vollständige Ãœbereinstimmung auf allen theoretischen Gebieten heraus, und von da datiert unsere gemeinsame Arbeit.«
Als erstes Resultat der gemeinsamen Arbeit entstand 1844 die Heilige Familie oder die Kritik der kritischen Kritik. Gegen Bruno Bauer und Konsorten. Diese Schrift bildet die definitive Ãœberwindung der idealistischen Philosophie - auch in ihrer junghegeliani-schen Form. Das kritische Werk Hegels, so führen Marx und Engels aus, münde deshalb in eine konservative Philosophie, weil es die gegenständliche Welt schon überwunden zu haben glaube, wenn es sie »in em Gedankending« verwandle. Hegel »stellt die Welt auf den Kopt und kann daher auch im Kopf alle Schranken auflösen, wodurch sie natürlich tür die schlechte Sinnlichkeit, für den wirklichen Menschen bestehen bleiben«. Klarer als vorher wurde nun die materialistische These herausgearbeitet, daß die materielle Produktion der zum Leben erforderlichen Güter die Grundlage aller Geschichte und des gesamten gesellschaftlichen Lebens bildet. Und es wurde bereits die Schlußfolgerung skizziert, daß es also nicht cmzelne kritische Denker sind, die den Verlaut der Geschichte bestimmten, sondern die Massen der arbeitenden Bevölkerung, die diese Güter produzieren. Die revolutionäre Seite der Hegeischen Philosophie, die Dialektik, das Denken 111 Prozessen und in Widersprüchen, blieb in dieser »Authebung« Hegels erhalten. Unter »aufheben« wird dabei — ganz im Sinne Hegels - ein Dreitaches verstanden: bewahren, aut eine höhere Ebene heben und eben dadurch überwinden.
      Äußerst knapp formulierte M. die vorläufige Bilanz seines Denkens in den Elf Thesen über Feuerbach. Diese Thesen, so urteilte E. rückblickend, seien »unschätzbar als das erste Dokument, worin der geniale Keim der neuen Weltanschauung niedergelegt ist«. In der ersten These hob er seinen Materialismus von dem Feuerbachs ab: »Der Hauptmangel alles bisherigen Materialismus... ist. daß der Gegenstand, die Wirklichkeit. Sinnlichkeit nur unter der Form des Objekts oder der Anschauung gefaßt wird; nicht aber als sinnlich menschliche Tätigkeit. Praxis, nicht subjektiv.« Die dritte These arbeitet den Widerspruch heraus, daß der Mensch zugleich Produkt und Produzent der gesellschaftlichen Verhältnisse ist. skizziert also die Dialektik von Verhalten und Verhältnissen: »Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile — von denen der eine über ihr erhaben ist — sondieren. Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt... werden.« Die sechste These identifiziert das menschliche Wesen nicht im Individuum, sondern in den gesellschaftlichen Verhältnissen: »Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.« Und die elfte These schließlich zieht aus den philosophischen Erwägungen über Mensch und Gesellschaft die praktische Schlußfolgerung: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an, sie zu verändern.«
M., inzwischen nach einer Intervention der preußischen Regierung aus Frankreich ausgewiesen, hatte nun. wie E. später berichtete, »seine materialistische Geschichtstheorie in den Hauptzügen herausentwickelt«.
      Als beide in Brüssel wieder zusammentrafen, gingen sie daran, sowohl die theoretischen Konsequenzen ihrer bisherigen Arbeit genauer zu fassen wie die praktischen Aufgaben anzupacken: »Das europäische und zunächst das deutsche Proletariat für unsere Ãœberzeugung zu gewinnen«. Die theoretischen Probleme wurden im gleichen Jahr in Angriff genommen mit der Schrift Die deutsche Ideologie, in der eine Gesamtkritik der »neuesten deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten Feuerbach. B. Bauer und Stirner, und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten« und zugleich die erste zusammenhängende Darstellung ihrer eigenen Konzeption formuliert wurde. Das Werk blieb unvollendet und wurde erst 1932 aus dem Nachlaß publiziert. Hier wird nun der Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher und ideologischer Herrschaft genauer herausgearbeitet und damit eine wichtige Komponente für die Lehre von Basis und Ãœberbau entwickelt: »Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist. ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat. disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, so daß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind. Die herrschenden Gedanken sind weiter nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die als Gedanken gefaßten herrschenden materiellen Verhältmsse: also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft.«
Den Materialismus auf den Geschichtsprozeß anzuwenden, bedeutete, den Prozeß als einen gesetzmäßigen aufzufassen. Dabei standen M. und E. aber vor dem - bislang theoretisch ungelösten - Widerspruch, daß Geschichte zugleich bewußte Tätigkeit von Subjekten, daß sie nichts anderes als die Gesamtheit menschlicher Handlungen ist. Die Richtung, in der sie die Lösung suchten, ist hier bereits angedeutet: Geht man von den wirklichen Menschen aus, d.h. von den Menschen, wie sie wirken in ihrem tatsächlichen Lebensprozeß, so sind einerseits die Beziehungen zu betrachten, die sie zur Natur eingehen, und andererseits die, welche sie untereinandereingehen, um ihr Leben zu reproduzieren. Diese Beziehungen nannten M. und E. später »Produktivkräfte« und »Produktionsverhältnisse« . Beide Arten von Beziehung aber sind den Menschen als objektive gesellschaftliche Verhältnisse vorgegeben, nämlich als Resultat des Handelns vorangegangener Generationen. Die Menschen machen also durchaus ihre Geschichte selbst, aber nicht unter Bedingungen, die sie selbst gewählt haben. Und - wie E. später ergänzte - auch vielfach nicht mit den angestrebten Resultaten, da sich die Handlungen und Zwecksetzungen oft überkreuzen und gegenseitig aufheben, die gesellschaftliche Entwicklung sich also nicht unter der Kontrolle der handelnden Subjekte befindet.
      M. und E. kamen nun zu dem Ergebnis, daß die starren, da mit sozialer Herrschaft verbundenen Produktionsverhältnisse in Widerspruch zu den vorwärtsdrängenden, da durch neue Erfahrungen der geschichtlich handelnden Subjekte ständig erweiterten Produktivkräfte geraten können, daß dieser Widerspruch die treibende Kraft der Geschichte darstelle und daß daraus soziale Revolutionen entstehen. In späteren Schriften, insbesondere im Kapital, wurde dann detailliert nachgewiesen, wie die neuen kapitalistischen Produktivkräfte im Schöße der Feudalgesellschaft entstanden waren, wie sie durch die bürgerliche Revolution von den juristischen und politischen Fesseln dieser Gesellschaft befreit worden waren, wie aber im weiteren Fortgang auch die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse wieder zu Fesseln der Produktivkräfte wurden: diese nahmen nämlich - durch Großproduktion und arbeitsteilige Kooperation -immer stärker gesellschaftlichen Charakter an. während die Eigentums- und Aneignungsverhältnisse privat blieben. Dieser Widerspruch finde seinen Ausdruck im Klassengegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat und seine Auflösung in der sozialistischen Revolution.
      Die wesentlichen Elemente des neuen Denkgebäudes waren 1846 also herausgebildet, wenn auch vielfach nur skizzenhaft. Von nun an kann von der Existenz und der Fortentwicklung eines eigenständigen marxistischen Denkens gesprochen werden. Die neuen Gedanken fanden ihren Ausdruck im wachsenden Maße nun auch in einer neuen gesellschaftswissenschaftlichen und philosophischen Terminologie. Die widersprüchliche Einheit von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen hieß später »Produktionsweise« , die Gesamtheit der Beziehungen eines gesellschaftlichen Systems auf einer bestimmten geschichtlichen Stufe hieß »ökonomische Gesellschaftsformation«.
      Nicht nur die Gedanken drängten nach Verwirklichung, sondern auch die Wirklichkeit selber drängte zur Tat: Eine neue Revolution stand in Europa unmittelbar bevor. Und zugleich löste sich aus der auf Freiheitsrechte und Parlamentarismus gerichteten, vom liberalen Bürgertum dominierten Bewegung die Arbeiterbewegung immer deutlicher als eine eigenständige heraus. Auf der Ebene der Theoriediskussion setzte nun eine intensivere Auseinandersetzung ein über das Wesen des Kapitalismus und die Ziele des Sozialismus. M. nahm diese Aufgabe 1847 in Angriff mit seiner Polemik gegen die besonders in Frankreich einflußreiche und später den Anarchismus mitprägende Lehre von Proudhon: Das Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons Philosophie des Elends*.. Proudhon teile die »Illusionen der spekulativen Philosophie«, indem er die ökonomischen Kategorien für »präcxistierende. ewige Ideen« halte stattfür »theoretische Ausdrücke historischer ... Produktionsverhältnisse«. Auf der Ebene der politischen Praxis wirkten M. und E. nun mit, um den »Bund der Kommunisten« als erste internationale Organisation der Arbeiterklasse zu bilden. Im Winter 1847/48 formulierte Marx das Programm dieses Bundes, das Manifest der Kommunistischen Partei, um dem »Gespenst des Kommunismus« die wirkliche »Anschauungsweise«, die »Zwecke« und die »Tendenzen« der Kommunisten »vor der ganzen Welt« offen darzulegen. E. hatte dazu mit seiner Schrift Die Grundsätze des Kommunismus die Vorarbeit geleistet. In diesem Manifest wurde die »höchst revolutionäre Rolle« der Bourgeoisie bei der »raschen Verbesserung aller Produktionsinstrumente«, der »unendlich erleichterten Kommunikation«, der Herstellung des Weltmarktes, der politischen Zentralisierung, kurz: der »fortwährenden Revolutionierung aller gesellschaftlichen Verhältnisse« dargestellt. So habe die Bourgeoisie »in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktivkräfte geschaffen als alle vorangegangenen Generationen zusammen«. Zugleich aber habe sie »die Klassengegensätze vereinfacht«, auch »den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt«, also »an die Steile der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutungen die offene, unverschämte, direkte und dürre Ausbeutung gesetzt«. Die »moderne Staatsgewalt« sei »nur ein Ausschuß, der die gemeinsamen Geschäfte der Bourgeoisklasse verwaltet«. Ge-schichtstheoretisch behauptet das Manifest: »Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.« Ãœber die geschichtlichen Perioden, die der Errichtung der Klassengesellschaft vorausgingen, war zu diesem Zeitpunkt - wie E. in seinen Anmerkungen zur englischen Ausgabe von 1880 feststellte - noch sehr wenig bekannt. Die immer wiederkehrenden Krisen definierte das Manifest als »Empörung der modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse, gegen die Eigentumsverhältnisse«, und das Proletariat als jene Klasse, die, vom Kapitalismus erzeugt, diesen Widerspruch auflösen und die Produktion vergesellschaften werde: »An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.« Das Manifest endete mit dem Aufruf: »Proletarier aller Länder, vereinigt Euch«, erhob also den Internationalismus zur zentralen politischen Aufgabe.
      Als 1848 die Revolution ausbrach, kehrte M. nach Deutschland zurück und übernahm die Redaktion der ~euen Rheinischen Zeitung, die vom 1. 6. 1848 bis zum 19. 5. 1849 erschien und dazu beitragen wollte, die Revolution voranzutreiben. An den Kämpfen zwischen den Einheiten der Revolution und dem preußischen Militär, das die Revolution schließlich niederschlug, nahm E. - als Adjutant eines Freicorps - in der Pfalz und in Baden selbst teil, ging - nach der Flucht - schließlich nach England und arbeitete dort im »hündischen Commerz« weiter, um auch für seinen Freund M. die materielle Basis zu sichern. Auch M. emigrierte mit seiner Frau zunächst nach Paris und dann nach London. Unter sehr entbehrungsreichen Bedingungen, angewiesen auf die finanzielle Unterstützung seines Freundes E., intensivierte er hier seine Studien und verfaßte seine großen Arbeiten zur politischen Ökonomie, zur Geschichte und zur Auseinandersetzung mit den rivalisierenden Strömungen der Arbeiterbewegung ; von hier aus wirkte er nach 1864 für die
»Internationale Arbeiterorganisation« , und hier starb er im Alter von 65 Jahren.
      Zu Beginn der 50er Jahre war klargeworden, daß - entgegen den eigenen Erwartungen - ein rascher Sieg der Revolution nicht in Aussicht stand. So wandten sich M. und E. der Analyse der Revolution zu, die 1848/49 ganz Europa ergriffen und in Paris iM )um 1848 bereits zu einer ersten proletarischen Massenerhebung geführt hatte, dann aber überall niedergeworfen worden war und 111 Frankreich 1852 sogar in der Etablierung einer Diktatur neuen Typs, des Bonaparnsmus. geendet hatte. Diesem Prozeß, seinen sozialen Grundlagen und seinem politischen Verlauf, widmete M. seine Untersuchungen Die Klassenkämpfe in Frankreich lS-fS—iSjo und Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte: E. schrieb eine Reihe von Aufsätzen über Revolution und Konterrevolution in Deutschland.
      Eine der Schlußtolgerungen lautete, daß die Arbeiterklasse in der sozialistischen Revolution nicht einlach die Regierung übernehmen könne, sondern daß sie den alten Staatsapparat zerbrechen und einen neuen aufbauen müsse. Ãœber dessen Beschaffenheit hatten M. und E. noch keine konkrete Vorstellung. Auch hier war es die Praxis, die zu neuen theoretischen Folgerungen führte: die Pariser Commune von 1871. Das Konzept der proletarischen Diktatur, das an Ideen von Babeuf und Blanqui anschloß, bedeutete in Hinsicht aut die Form die Aufhebung der Gewaltenteilung, die Konzentration aller Macht bei der Volksvertretung, deren Mitglieder gegenüber ihren Wählern rechenschaftspflichtig und von ihnen jederzeit abberufbar sind. Dem sozialen Inhalt nach weist dieses Konzept drei Merkmale auf: »1. Sie ist, zum ersten Mal in der Geschichte. Herrschaft der Mehrheit der Gesellschaft über die Minderheit. 2. Sie ist zum ersten Male Herrschaft der arbeitenden Klasse über die bisher aneignende Klasse ... 3. Die proletarische Diktatur hat eine ganz bestimmte und geschichtlich begrenzte Aufgabe: sie entfällt daher, wenn die Aufgabe gelöst ist. Die Funktion der Diktatur des Proletariats darf man der Lehre zufolge als eine dreitache bezeichnen: A) Niederhaltung der gestürzten Klasse; Schutz der neuen Ordnung vor jeglicher Restauration des Alten: B) Sicherung des neuen Gemeinwesens nach außen: C) Selbsterziehung des Proletariats für seine neuen Aufgaben« : 1859 erschien die Schrift Zur Kritik der Politischen Ökonomie, deren »Vorwort« berühmt wurde, weil es eine Kurzfassung seiner materialistischen Geschichtsauttassung enthält. Die zentrale Steile lautet: »In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihren Leben unabhängige Verhältnisse ein. Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstute ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Ãœberbau erhebt, und welcher be-stimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsem der Menschen, das ihr Sem. sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sem. das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf emer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb derer sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein.« Von der »Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen« müsse man die »juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen« unterscheiden, »worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten. Sowenig man das. was ein Individuum ist. nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eme solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein beurteilen, sondern muß vielmehr dieses Bewußtsem aus den Widersprüchen des materiellen Lebens... erklären.«
Die »Produktion des Lebens« ist also für M. zugleich Produktion und Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse, innerhalb derer gearbeitet und das Erzeugte verteilt wird. Und »Produktivkräfte« sind vor allem die arbeitenden Menschen mit ihren Erfahrungen, Kenntnissen und Fähigkeiten — und nicht nur die Werkzeuge und technischen Bedingungen: diese sind erst das vergegenständlichte Resultat dieser lebendigen Produktivkräfte. Von liier aus erhält die These, daß es die Volksmassen sind, die Geschichte machen, ihren tieferen Sinn. Deren schöpferische Rolle äußert sich also nicht nur in Massenkämpfen und sozialen Umwälzungen. Von diesem Produktivkraftbegriffaus wird auch erkennbar, daß die These von der Entwicklung der Produktivkräfte als dem eigentlich dynamischen Faktor der Geschichte nichts gemein hat mit der These von der bestimmenden Rolle der Technik.
      Diese Lehre versteht sich durchaus als eine empirische Wissenschaft, die von den Tatsachen ausgeht und sich der empirischen Prüfung aussetzt. Auch die bestimmende Rolle der Basis gegenüber dem Ãœberbau sei, wie M. und E. immer wieder betont haben, nicht emfach zu behaupten, sondern injedem Fall konkret nachzuweisen. Und wer aus dieser dialektischen Beziehung eme direkte Determination der politisch-ideologischen Verhältnisse durch die Ökonomie mache, verwandle diese These in eme »nichtssagende, abstrakte, absurde Phrase«. Diese Lehre begnügt sich allerdings nicht mit den Tatsachen der äußeren Erscheinungswelt: »Alle Wissenschaft wäre überflüssig, wenn die Erscheinungsform und das Wesen der Dinge unmittelbar zusammenfielen.« Das »Wesen« ist also nicht einfach die sich wiederholende, verallgemeinerte Form der Erscheinung, nicht nur deren »Typus« oder »Modell«, sondern das Wesen erklärt die Erscheinung, ist seine tiefere Ursache, ist der gesetzmäßige Zusammenhang der Erscheinungen.
      Mit diesem begrifflichen Instrumentarium — Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, von Basis und Ãœberbau und von der ökonomischen Gesellschaftsformation — war eine Möglichkeit geschaffen, die Gesamtheit der ökonomischen, politischen und ideologischen Verhältnisse einer Epoche in ihrer jeweiligen spezifischen Ausprägung und Wechselbeziehung als eine Einheit zu fassen, von dervorangehenden und der folgenden abzugrenzen und zugleich die Menschheitsgeschichte als einen zusammenhängenden Prozeß zu begreifen.
      1S67 erschien von M. der erste Band des Hauptwerks. Das Kapital. Die beiden folgenden Bände wurden nach seinem Tode von E. herausgegeben. Hier wurden nun die neuen Kategorien angewandt auf die Analyse der kapitalistischen Gesellschaft — und eben durch diese Analyse zugleich auch weiterentwickelt. Als Angelpunkt seiner ökonomischen Lehre betrachtete M. seine Werttheorie. Ihre Bedeutung Hegt darin, »daß sie als Theorie der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung von den vordergründigen Vorgängen der Marktwelt auf die Produktion als die Grundlage der physischen und sozialen Erhaltung der Wirtschaftsgesellschaft zurückgewiesen hat« . Danach bemißt sich der Wert einer Ware nach dem Quantum der zu ihrer Herstellung notwendigen Arbeitszeit. Mit der treien Lohnarbeit sei die Arbeitskraft selbst zu einer Ware geworden, deren Wert - wie der jeder anderen Ware — sich bemesse nach den Kosten, die zu ihrer Produktion erforderlich sind. Die Arbeiter erhalten also den Lohn, der ihnen nach den Prinzipien kapitalistischer Ökonomie zusteht. Für einen »gerechten« Lohn gibt es. wie M. in seiner Kritik des Gothaer Programms ausführt, keine ökonomischen Kriterien. Eine solche Forderung bleibt eine bloß moralische. Diese Ware Arbeitskraft aber hat die besondere Eigenschaft, mehr Wert zu erzeugen, als zu ihrer eigenen Reproduktion notwendig ist. »Mehrwert« wird damit zu einer berechenbaren Größe. »Ausbeutung« von einer moralischen zu einer ökonomischen Kategorie. Und »Kapital« ist danach kein Ding, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis zwischen Menschen: Erst der Lohnarbeiter ermöglicht es dem Kapitalisten, sein Geld als Kapital, d.h. als »Mehrwert heckender Wert« fungieren zu lassen. Der vom Arbeiter erzeugte und vom Kapitalisten angeeignete Mehrwert wird, soweit er nicht von diesem persönlich konsumiert wird, erneut investiert, rückverwandelt in Kapital. Produktionsmittel stellen nichts anderes als vergegenständlichte Arbeit dar. Erweiterte Reproduktion vollzieht sich im Kapitalismus also durch Akkumulation von Kapital, durch die erneut fremde, unbezahlte Arbeit angeeignet werden kann. »Eigentum an vergangener unbezahlter Arbeit erscheint jetzt als die einzige Bedingung für die gegenwärtige Aneignung lebendiger und bezahlter Arbeit in stets wachsendem Umfang.« Der Form nach handelt es sich also um beständigen Kaut und Verkaut von Arbeitskraft; dem Inhalt nach aber darum, daß sich der Kapitalist mittels vergegenständlichter Arbeit ständig lebendige fremde Arbeit aneignet.
      Mit einem neuen Problemfeld befaßte sich E. 1871 in seinem Buch Dialektik der Satur: Aut der Basis der bisherigen Geschichte der Naturwissenschaften und des zeitgenössischen Forschungsstandes unternahm er hier den Versuch, die Beziehung zwischen Philosophie und Naturwissenschaft zu bestimmen. Obgleich das Werk unvollendet blieb , ist es für die Herausbildung der marxistischen Philosophie bedeutsam - obgleich es natürlich in vielen Einzelaussagen durch die seitherige naturwissenschaftliche Forschung überholt ist. Ãœber das bei Naturwissenschaftlern weitverbreitete Mißtrauen gegenüber der Philosophie bemerkt E.; »Die Naturforscher glauben sich von der Philosophie zu befreien, indem sie sie ignorieren oder sie beschimpfen. Da sie aber ohne Denken nichtvorankommen und zum Denken Denkbestimmungen nötig haben, diese Kategorien aber unbesehen aus dem von den Resten längst vergangener Philosophien beherrschten gemeinen Bewußtsein der sog. Gebildeten oder aus dem bißchen auf der Universität zwangsmäßig gehörten Philosophie . . . oder aus unkritischer oder unsvstematischer Lektüre philosophischer Schriften aller Art nehmen, so stehn sie nicht minder in der Knechtschaft der Philosophie, meist aber leider der schlechtesten.« E. entwickelte in dieser Schrift eine Klassifizierung der Bewegungsformen der Materie und leitete daraus eine Klassifizierung der Wissenschaften ab. die iür die marxistische Philosophie noch heute richtungweisend ist. Untersuchungen über Mathematik, Mechanik, Physik. Chemie und Biologie führten ihn zu der These, daß die Grundgesetze der materialistischen Dialektik wirkliche Entwicklungsgesetze der Natur darstellen.
      Mittlerweile hatte sich in den entwickelten Ländern Europas die Arbeiterbewegung weitgehend konsolidiert. In Paris hatte sie 1871 in Gestalt der Commune eine Revolution vollzogen, die zwar schon nach zwei Monaten grausam niedergeworfen, von M. aber doch als Modell für den sozialistischen Staat der Ãœbergangszeit angesehen wurde. Im Bürgerkrieg in Frankreich analysierte er sowohl die Geschichte wie auch die paradig-matische Struktur der Commune. In Deutschland war 1875 in Gotha die Sozialistische Arbeiterpartei gegründet worden, in die sowohl lassalleanische wie marxistische Tendenzen eingegangen waren. In seiner Kritik des Gothaer Programms arbeitete M. die Inkonsequenzen und Mißverständnisse der programmatischen Vorstellungen dieser Partei heraus.
      I^77/78 verfaßte E.. beraten von M.. sein Hauptwerk: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, bekanntgeworden als Anti-Dühring. Dühring. Privatdozent an der Universität Berlin, hatte mit seinen Ansichten über politische Ökonomie und Sozialismus, die auch antisemitische Momente enthielten, in der Sozialdemokratie der 60er und 70er Jahre einen beträchtlichen Einfluß erlangt, so daß E. sich zu einer grundlegenden Kritik entschloß. Während der Arbeit aber wandte sich diese Kritik ins Positive: »die Polemik schlug um in eine ... zusammenhängende Darstellung der von Marx und mir vertretenen dialektischen Methode und kommunistischen Weltanschauung«. 1880 entstand aus drei Kapiteln dieser Schritt Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, die eine starke Wirkung in der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung erzeugte und zur meistübersetzten Schrift des Marxismus wurde. In der 1892 verfaßten Einleitung zur englischen Ausgabe prägte E. den Begriff des »historischen Materialismus«. Hier wurde nun die Beziehung zur vierten wesentlichen Quelle des eigenen Denkens genauer bestimmt: zum »utopischen« Sozialismus. Dessen Verhältnis zum »wissenschaftlichen» Sozialismus, über das sich E. und M. auch in anderen Schriften geäußert haben, läßt sich in drei Punkten zusammenfassen: Die Kritik einzelner Erscheinungen des Kapitalismus wird zur umfassenden, die Grundlagen der Gesellschaft betreffenden Kritik. Der moralische Protest gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse wird durch wissenschaftliche Analyse ihrer Ursachen und ihrer immanenten Entwicklungstendenzen ersetzt. Die zukünftige Gesellschaft wird nicht mehr aus dem Kopf konstruiert, spekulativ entwickelt, sondern aus den realen Tendenzen und Widersprüchen der gegebenen Gesellschaft abgeleitet. Der Ãœbergang zur künftigen Gesellschaft wird nicht durch den Appell an die Vernunft oder das Mitleid der Besitzenden und Gebildeten oder durch das gute Vorbild oder durch die Erziehung der Menschen zum Guten bewerkstelligt, sondern durch den Klassenkampf der abhängig Arbeitenden. Die Arbeiterklasse erscheint also nicht mehr als leidende, von anderen zu erlösende, sondern als handelnde, sich selbst befreiende Klasse.
      Auch diese Veränderungen der Theorie sind - ebenso wie die Weitentwicklung der Dialektik Hegels, des Materialismus der Aufklärung und Feuerbachs und der ökonomischen Lehren Ricardos und Smith - nicht der geistigen Ãœberlegenheit von M. und E. gegenüber ihren Vorläufern geschuldet, sondern haben ihre Voraussetzung in den veränderten Verhältnissen: Erst die volle Entfaltung des Kapitalismus ließ die Anatomie und die Entwicklungsgesetze dieser Gesellschaftsformation klar erkennen. Und erst die Herausbildung der Arbeiterklasse und deren Entwicklung von der »Klasse an sich« zur »Klasse für sich« machte die soziale Kraft sichtbar, die zur Errichtung einer neuen Gesellschaitsordnung in der Lage war. Die Lösung mußte nun nicht mehr aus dem Kopt erfunden, sondern konnte in den wirklichen Verhältnissen vorgefunden werden. Nun erhielt die soziale Revolution den Charakter eines wissenschaftlich detimerbaren Prozesses. Weil die geschichtliche Bewegung aus den je konkreten Widersprüchen der gesellschaftlichen Verhältnisse erklärt werden konnte, ließen die Widersprüche der bestehenden Gesellschaft die Triebkräfte und Tendenzen der künftigen Entwicklung erkennen: Die »Auflösung der Widersprüche« faßt E. so zusammen: »Das Proletariat ergreift die öffentliche Gewalt und verwandelt kraft dieser Gewalt die den Händen der Bourgeoisie entgleitenden gesellschaftlichen Produktionsmittel in öffentliches Eigentum. Durch diesen Akt befreit es die Produktionsmittel von ihrer bisherigen Kapitalherrschatt und gibt ihrem gesellschaftlichen Charakter volle Freiheit, sich durchzusetzen. Eine gesellschaftliche Produktion nach vorherbestimmtem Plan wird so ermöglicht. .. Die Menschen, endlich Herren ihrer eignen Art der Vergesellschaftung, werden damit zugleich Herren der Natur. Herren ihrer selbst -frei.«
Doch auch die klassenlose Gesellschaft der Zukunft, deren Grundelemente schon in einigen früheren Schriften skizziert worden waren, stellt — wie jede Gesellschaft - einen Entwicklungsprozeß dar. In der ersten Stute, in der die Gesellschaft »in jeder Beziehung, ökonomisch, sittlich, geistig noch behaftet mit den Muttermalen der alten Gesellschaft«, sollte noch das Prinzip gelten »jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung«. Da die allgemeinen Bedingungen der Klassenunterschiede entfallen, kann auch - wie schon das Manifest festgestellt hatte - die Trennung zwischen geistiger und körperlicher Arbeit allmählich überwunden werden. Auch die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau können aufgehoben werden, die freie Entfaltung der individuellen Liebe könne die Beziehung zwischen den Geschlechtern bestimmen. Und »mit dem Gegensatz der Klassen im Innern der Nation fällt die feindliche Stellung der Nationen gegeneinander«. Der Staat als Herrschaftsinstrument werde überflüssig und daher absterben. »An die Stelle der Regierung über Personen tritt die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen.« Wie schon die Philosophie der Aufklärung, so gehen auch M. und E. davon aus. daß es die Umstände sind, die Menschen zu Verbrechern machen,daß das Strafrecht also, wie bereits Saint-Simon gefordert hatte, in einer gesellschatt-lichen Schiedsgerichtsbarkeit autgehen werde. «Unter menschlichen Verhältnissen . .. wird die Strafe wirklich nichts anderes sein als das Urteil des Fehlenden über sich selbst.«
Mit dem 1884 publizierten Werk Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates nahm E. jenen geschichtlichen Komplex in Angritt, über den es bislang empirisches Material nicht gegeben hatte. Dies war der erste Versuch, nicht nur die vorkapitalistischen Gesellschaftsformationen materialistisch zu erklären, sondern auch die Entstehung der Klassengesellschaft und des Staates aus der Urgesellschaft. Besondere Aufmerksamkeit wandte E. dabei der Stellung der Frau zu. Die Entstehung der Unterdrückung der Frau, die Herausbildung des Privateigentums und der Familie und die Errichtung der Klassenherrschaft und des Staates sah er als Momente ein- und desselben geschichtlichen Prozesses. Das ethnologische Material entnahm er den seit den 50er Jahren erschienenen Studien von Morgan und Bachoten. Nach E. bilden Klasscngesellschatt. Staat und Familie Resultate einer bestimmten historischen Entwicklung; unter veränderten Bedingungen können sie auch wieder verschwinden. Und der Staat habe - neben seiner Funktion der Sicherung der allgemeinen Produktionsbedingungen - von Anfang an auch die Funktion der Sicherung der Klassenherrschaft und der ihr zugrunde hegenden Eigentumsverhältnisse gehabt. Auch dieses Werk wurde rasch in mehrere Sprachen übersetzt und auch in Deutschland — zur Zeit des Sozialistengesetzes teilweise illegal — verbreitet.
      1888 veröffentlichte E. seine Schrift L. Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie. Sie ist sowohl eine Würdigung der philosophischen Quellen, insbesondere der Werke von Hegel und Feuerbach, wie auch eine systematische Darstellung der eigenen philosophischen Lehre. Zusammen mit der Dialektik der S atur stellt sie gewissermaßen ein Kompendium der marxistischen Philosophie dar. Als die Grundfrage der Philosophie bestimmt E. die Frage nach dem Verhältnis »von Materie und Geist«. Eher »spalteten sich die Philosophen in zwei große Lager. Diejenigen, die die Ursprünglichkeit des Geistes gegenüber der Natur behaupteten, in letzter Instanz eine Weltschöptung irgendeiner Art annahmen . . .. bildeten das Lager des Idealismus. Die andern, die die Natur als das Ursprüngliche ansahen, gehören zu den verschiednen Schulen des Materialismus.« Der Materialismus ist danach notwendig atheistisch. Vom bloß anschauenden Materialismus aber hebt E. die eigene Lehre deutlich ab: »Naturwissenschaft wie Philosophie haben den Einfluß der Tätigkeit des Menschen aut sein Denken bisher ganz vernachlässigt, sie kennen nur Natur einerseits. Gedanken andrerseits. Aber gerade die Veränderung der Natur durch den Menschen, nicht die Natur als solche allein ist die wesentlichste und nächste Grundlage des menschlichen Denkens, und im Verhältnis, wie der Mensch die Natur verändern lernte, in dem Verhältnis wuchs seine Intelligenz.« In der Erkenntnistheorie verteidigte er die These von der Erkennbarkeit der Welt gegen jegliche Art von Agnostizismus, dessen »schlagendste Widerlegung ... die Praxis, nämlich das Experiment und die Industrie« seien. Aus der »Materialität« der Welt, die ihre wirkliche Einheit ausmachte, bestimmte er Raum und Zeit als Existenzformen der Materie. Die Daseinsweise der Materie aber sei nicht das Sein, sondern das Werden, die Bewegung: Die Welt sei nicht zu begreifen als ein »Komplex von tertigen Dingen«, sondern als ein Komplex von Prozessen, worin diescheinbar stabilen Dinge nicht minder wie ihre Gedankenabbüder in unserem Kopf, die Begriffe, eine ununterbrochene Veränderung des Werdens und Vergehens durchmachen, in der bei aller scheinbaren Zufälligkeit und trotz aller momentanen Rückläufigkeit schließlich eine fortschreitende Entwicklung sich durchsetzt. Die dialektische Denkweise sei also nicht etwas, was man annehmen könne oder auch nicht, sondern stelle die Widerspiegelung der realen Bewegungsgesetze der Materie dar: »Die Dialektik, die sogenannte objektive, herrscht in der ganzen Natur, und die sogenannte subjektive Dialektik, das dialektische Denken, ist nur der Reflex, der in der Natur sich überall geltend machenden Bewegung m Gegensätzen.« Diese Gesetze finden in den verschiedenen Bewegungsformen der Materie allerdings auf sehr unterschiedliche Weise Ausdruck: »In der Natur sind es - soweit wir die Rückwirkung der Menschen auf die Natur außer acht lassen — lauter bewußtlose blinde Agenzien, die aufeinander einwirken und in deren Wechselspiel das allgemeine Gesetz zur Geltung kommt... Dagegen in der Geschichte der Gesellschaft sind die Handelnden lauter mit Bewußtsein begabte, mit Ãœberlegung oder Leidenschatt handelnde, auf bestimmte Zwecke hinarbeitende Menschen.«
Daß die Geschichte eine tortschreitende Bewegung darstelle, war schon von der Aufklärungsphilosophie formuliert worden; Herder und Hegel hatten diese Bewegung bereits als Prozeß unterschiedlicher Stufen getaßt. Für M. und E. findet dieser Prozeß auch in der kommunistischen Gesellschaft kein Ende. Genau genommen ist erst dann die Herausarbeitung aus dem Tierreich abgeschlossen: »Die Gesetze ihres eignen gesellschaftlichen Tuns, die ihnen bisher als fremde, sie beherrschende Naturgesetze gegenüberstanden, werden dann von den Menschen mit voller Sachkenntnis angewandt und damit beherrscht... Erst von da an werden die Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewußtsein selbst machen, erst von da an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen Ursachen vorwiegend und in stets steigendem Maße auch die von ihnen gewollten Wirkungen haben. Es ist der Sprung der Menschheit aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.« Auch die geschichtliche Bewegung ist dabei zu fassen als eine dialektische, als Einheit und Auseinandersetzung der Gegensätze, in der es Bestimmendes und Bestimmtes gibt und doch das bedingte aut das bedingende Moment aktiv zurückwirkt, so daß insgesamt die Bewegung als umfassende Wechselwirkung erscheint.
      Diese Lehre ist also nicht monokausal. Sie ist aber andererseits auch keine bloße Faktorentheorie. in der ökonomische, politische und ideologische Momente, Sein und Bewußtsein, »irgendwie« zusammenwirken. Was das Bedingende und was das Bedingte ist. kann nicht beliebig entschieden werden, sondern ist von der Wirklichkeit selbst vorgegeben: »Es wird nicht ausgegangen von dem. was die Menschen sagen, sich einbilden, sich vorstellen, auch nicht von den gesagten, gedachten, eingebildeten, vorgestellten Menschen, um davon aus bei den leibhaftigen Menschen anzukommen; es wird von den wirklich tätigen Menschen ausgegangen und aus ihrem wirklichen Lebensprozeß auch die Entwicklung der ideologischen Prozesse und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt« . Die dialektische Fassung der Beziehung zwischen Sein und Bewußtsein eröffnete auch die Möglichkeit, Bewußtsein als mehr oder minder adäquat gegenüber dem Sein, auch als falsch, als gegenüber dem Sein im Irrtum befindlich zu fassen und zugleich die Gründe für den Irrtum im Sein selbst, in den realen Lebensverhältnissen aufzufinden. Von hier aus konnte dann eine marxistische Ideologietheone entwickelt werden.
      Nicht weniger bedeutsam als die »großen« Werke ist schließlich die Korrespondenz, die E. insbesondere mit Repräsentanten der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung - u.a. mit Bebel. Mehring. Sorge. Kautskv. Bloch - führte. Allein diese »Altersbriefe« haben einen Umfang von vier Bänden. Nahezu alle Fragen der marxistischen Theorie wurden hier auigegriften und — meist sehr anschaulich — erläutert. E. machte hier Front sowohl gegen Vulgarisierungen linksradikaler wie auch mechanistischer und deterministischer Art. aber auch gegen den in der Sozialdemokratie aufkommenden Revisionismus.
      Das von M. und E. entwickelte Denken stellte eine geistige Revolution dar sowohl in der Gesellschafts- und Geschichtstheorie wie auch in der Philosophie. Da dieses Denken die Einheit von Theorie und Praxis lehrte, auf Eingreifen in die Praxis abzielte und konkret verbunden war mit jener sozialen Bewegung, die der industrielle Kapitalismus selbst hervorgebracht hatte, mit der Arbeiterbewegung, wuchs seine Wirkung in dem Maße, in dem die Arbeiterklasse anwuchs und zum Bewußtsein ihrer eigenen Lage gelangte, von der »Klasse an sich« zur »Klasse für sich« wurde. Und da mit der Ausbreitung des Kapitalismus über die ganze Welt auch diese soziale Konflikthnie zu einer globalen wurde, breitete sich auch marxistisches Denken in allen Regionen des Erdballs aus. »Diese proletarische Weltanschauung macht jetzt die Reise um die Welt«, stellte E. schon im Jahr 1886 fest. Manche der Resultate von M. und E. sind in der Folge von den bürgerlichen Sozialwissenschaften aufgenommen worden; so z.B. daß Denkweisen aus gesellschaftlichen Bedingungen zu erklären sind, daß die soziale Struktur und die Arbeitsteilung der Gesellschaft eine bestimmte Interessenstruktur und bestimmte politische Mentalitäten erzeugen, daß Maschinenwelt und industrielle Arbeitsweise Entfremdung bedeuten oder daß Wissenschaft eine politische Orientierungsfunktion haben kann. Auch die Erkenntnis, daß Gesellschaft ein Gesamtzusammenhang von ökonomischen, politischen, kulturellen und ideologischen Momenten darstellt, konnte akzeptiert werden. Was jedoch keinesfalls akzeptiert werden konnte, war erstens die materialistische Auffassung von Gesellschaft, die Lehre von Basis und Ãœberbau, und zweitens die Geschichtstheone. die Lehre von historischen Entwicklungsgesetzen und von der Aufeinanderfolge verschiedener Gesellschaftsformationen, die auch die These implizierte, daß der Kapitalismus notwendig vom Sozialismus abgelöst werde. Aber auch diejenigen, die. auf der Seite der Arbeiterbewegung stehend, sich als Marxisten verstanden, hatten ihre Schwiengkeiten. Ihre Versuchung bestand vor allem darin, dieses Denken als ein fertiges Rezept aufzufassen, das auf alle auftretenden Probleme schon vorab die richtige Antwort enthielt, als einen Katalog von ein für allemal richtigen Aussagen, kurzum: als ein dogmatisches System, das nur noch der Auslegung bedurtte. Dort, wo der Marxismus zur Staatsideologie wurde und sich mit Machtinteressen verband, verkam er in manchen Fällen zur bloßen Zitatologie. M. und E. haben dagegen sehr eindringlich durch ihre eigenen Arbeiten immer wieder betont und gezeigt, daß es ein ein für allemal fertiges Schema nicht geben kann. Da die Wirkhchkeit selbst in ständiger Bewegung begriffen ist und da die Einzelwissenschaften immer neue Erkenntnisse hervorbringen, kann auch marxistische Wissenschaft nur als Prozeß begriffen werden, der voranschrcitet zu tieferer und umfassenderer Erkenntnis der Wirklichkeit. Selbstverständlich sind viele Aussagen über ethnologische und geschichtliche, über biologische und physikalische Sachverhalte überholt durch neuere Forschungen. Und auf eine ganze Reihe von Problemen findet sich bei M. und E. überhaupt keine oder allenfalls nur eine grob skizzierte Antwort — weil diese Probleme zu ihrer Zeit noch nicht existierten oder weil sie keine Zeit fanden, diesen Problemen nachzugehen. So bleiben die Theorien über den Staat, über Probleme des gesellschaftlichen und individuellen Bewußtseins, über die Beziehung der Geschlechter und über die Herausbildung der Klassengesellschaft höchst fragmentarisch. Kritisch angeeignet und schöpferisch angewandt, hat sich allerdings marxistische Wissenschaft als außerordenthch fruchtbar erwiesen. Was sie bei der Analavsc geschichtlicher Prozesse , sozialökonomischer Entwicklungen , aber auch bei der philosophischen Interpretation naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse seit M. und E. erbracht hat. demonstriert die Leistungsfähigkeit dieses Instrumentariums. Daß die Verbreitung gerade dieser Erkenntnisse immer aufs neue behindert wird, hat seinen Grund übrigens in eben jenen sozialen Strukturen und Interessen, die M. und E. zum ersten Mal wissenschaftlich durchleuchtet haben.
     


Marx, karl/ engels, friedrich

Karl Marx und Friedrich Engels, die Begründer des »wissenschaftlichen Sozialismus«, entfalteten einen Einfluss auf die politische Ideengeschichte und die Praxis politischer Kämpfe, der bis heute von keinem anderen Schriftsteller der Moderne erreicht worden ist. Aufbauend auf Einsichten der Geschicht .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Ferdinand lassalle, karl marx, friedrich engels - die 'sickingendebatte

Lassalles Aufsatz über die tragische Idee Beilage zum Brief Lassalles an Marx vom 6. März 1859 Ãœber die formelle tragische Idee, die ich dem Drama und seiner Katastrophe zugrunde legte - den tiefen dialektischen Widerspruch, welcher der Natur alles Handelns, zumal des revolutionä-. ren, innewohnt .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Friedrich engels - die entwicklung des sozialismus von der utopie zur wissenschaft

Die großen Männer, die in Frankreich die Köpfe für die kommende Revolution klärten, traten selbst äußerst revolutionär auf. Sie erkannten keine äußere Autorität an, welcher Art sie auch sei. Religion, Naturanschauung, Gesellschaft, Staatsordnung, alles wurde der schonungslosesten Kritik unterworfen; .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Friedrich engels - dialektik der natur

In den aus dem Fall von Byzanz geretteten Manuskripten, in den aus den Ruinen Roms ausgegrabenen antiken Statuen ging dem erstaunten Westen eine neue Welt auf, das griechische Altertum; vor seinen lichten Gestalten verschwanden die Gespenster des Mittelalters; Italien erhob sich zu einer ungeahnten .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Friedrich nietzsche (i844-i900): abschied [vereinsamt] - winter-wanderschaft

Einsamkeit ist eines der Hauptthemen im Denken Nietzsches. »Mein ganzer Zarathustra«, erklärt er in Ecce homo, »ist ein Dithyrambus auf die Einsamkeit«. Dort allerdings wird Einsamkeit als Bedingung für Selbstfindung und Schöpfertum, für die Erneuerung des Menschen verstanden. Dagegen konzentriert s .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Riss im Dasein

Friedrich hebbel (i8i3-i863): sommerbild - herbstbild - wendepunkte

Friedrich Hebbel hat in der Geschichte des Dramas mehr in Bewegung gesetzt als in der Geschichte der Lyrik. Doch sind ihm Gedichte geglückt, in denen sich der Lyriker ganz aus dem Bann des Dramatikers und Tragikers löst, Gedichte wie Nachtlied, Abendgefühl oder Ich und Du. Auch Sommerbild und Herbs .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Die Wirklichkeit der Landschaften

Wenn nicht mehr zahlen und figuren - novalis (friedrich leopold freiherr von hardenberg, i772-i80i): das eine geheime wort

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Sind Schlüssel aller Kreaturen Wenn die so singen, oder küssen, Mehr als die Tiefgelehrten wissen, Wenn sich die Welt ins freye Leben Und in die Welt wird zurück begeben, Wenn dann sich wieder Licht und Schatten Zu ächter Klarheit wieder gatten, Und man in Mährche .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Das Wort

Hälfte des lebens - friedrich hölderlin (i770-i843) - heilignüchtern

Hälfte des Lebens Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See. Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser. Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde? Die Mauer .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Klassische Zeit der Elegien

Sonnenuntergang - friedrich hölderlin (i770-i843) - götterlose gegenwart

In einer vierstrophigen Fassung, die Hölderlin Ende Juni 1798 mit weiteren Gedichten an Schiller schickte, hieß das Gedicht noch Dem Sonnengott. Schiller nahm zwar andere der übersandten Gedichte, nicht aber dieses in den Musenalmanach fiir das Jahr 1799 auf. Und Hölderlin arbeitete die vierstrophig .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Klassische Zeit der Elegien

Die literatur des kaiserhofs von konrad iii. bis friedrich ii.

Aus der Zeit Konrads III. , des ersten Stauferkö-nigs, ist über den literarischen Betrieb am Kaiserhof nicht viel bekannt. Das intellektuelle Klima am Hof wurde von den Geistlichen geprägt, die die leitenden Ämter innehatten: von dem Kanzler Arnold von Wied , dem Erbauer der für die Entwickl .....
[ mehr ]
Index » Der Literaturbetrieb der höfischen Zeit

Friedrich schiller: die räuber

Analyse Die Arheit an den Räubern begann Schiller wahrscheinlich schon als Eleve der Karlsschule im Jahre 1 776. Die Vorbereitung seiner Prüfungen hinderte ihn dann an der Arbeit, so daß sein letztes Jahr auf der Akademie 1779/80 als Entstehungszeit anzusetzen ist. Im Frühjahr 1781 erschien die ers .....
[ mehr ]
Index » Sturm und Drang Epoche » Das nicht aristotelische Drama

Weisse, christian friedrich

Klagen Kranefuss, Annelen. In: Wandsbecker Bote, 1973, S. 63-70. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Adelssatire und bürgerliches ethos friedrich schiller: kabale und liebe

Analyse Schiller schrieb Kabale und Liebe /.wischen dem Herbst 1782 und Mitte Februar 1783; Ende April, Anfang Mai desselben Jahres überarbeitete er den Text auf Wunsch des Freiherrn von Dalberg für die Mannheimer Bühne. Dort wurde das Drama am 17. April 1784 nach der Frankfurter Uraufführung am 15 .....
[ mehr ]
Index » Sturm und Drang Epoche » Das nicht aristotelische Drama

Die 'leichenöffnung des lasters - friedrich schiller: der verbrecher aus verlorener ehre.

Entstehung Einzelheiten der Entstehungsgeschichte sind unbekannt. Schiller schickte das fertige Manuskript am 29. November 1785 an den Verleger Göschen. In einem Brief vorn 13. Eehruar 1786 schreibt er ihm, es sei gegen seinen 'Wunsch, daß einige Artikel dieses Hefts, wozu ich ausdrüklich fremde Ze .....
[ mehr ]
Index » Sturm und Drang Epoche » Lyrik

Friedrich gottlieb klopstock - die frÜhen grÄber

Willkommen, o silberner Mond, Schöner, stiller Gefährt der Nacht! Du entfliehst? Eile nicht, bleib, Gedankenfreund! Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin. Des Mayes Erwachen ist nur Schöner noch, wie die Sommernacht, Wenn ihm Thau, hell wie Licht, aus der Locke träuft, Und zu dem Hügel .....
[ mehr ]
Index » Sonstige

Friedrich hölderlin - die eichbÄume

_Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges! Aus den Gärten, da lebt die Natur geduldig und häuslich, pflegend und wieder gepflegt mit den fleißigen Menschen zusammen. Aber ihr, ihr Herrlichen! steht, wie ein Volk von Titanen In der zahmeren Welt und gehört nur euch und dem Himmel, Der e .....
[ mehr ]
Index » Sonstige

Friedrich hölderlin - lebenslauf

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger, Doch es kehret umsonst nicht Unser Bogen, woher er kommt. Aufwärts oder hinab! herrschet in heiiger Nacht, Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt, Herrschet im schiefesten Orkus Nicht ein Grades, ein Recht .....
[ mehr ]
Index » Sonstige

Friedrich hölderlin - brot und wein

An Heinze 1 Rings um ruhet die Stadt; still wird die erleuchtete Gasse Und, mit Fackeln geschmückt, rauschen die Wagen hinweg. Satt gehn heim von Freuden des Tags zu ruhen die Menschen, Und Gewinn und Verlust wäget ein sinniges Haupt Wohlzufrieden zu Haus; leer steht von Trauben und Blumen, Und .....
[ mehr ]
Index » Sonstige

Nänie - friedrich schiller (i759-i805) - Ãœber die sterblichkeit des schönen

Nänie Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget, Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus. Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher, Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk. Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde, .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Klassische Zeit der Elegien

Friedrich gottlieb klopstock (i724-i803): die frühen gräber - die sommernacht - mond, der gedankenfreund

Die frühen Gräber Willkommen, o silberner Mond, Schöner, stiller Gefährt der Nacht! Du entfliehst? Weile nicht, bleib, Gedankenfreund! Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin. Des Maies Erwachen ist nur Schöner noch, wie die Sommernacht, Wenn ihm Tau, hell wie Licht, aus der Locke träuft, U .....
[ mehr ]
Index » Stationen der deutschen Lyrik » Umfangen von Natur

Friedrich hölderlin

Die Rückkehr des Menschen zur ursprünglichen Einheit mit der Natur in einer freien Gesellschaft ist das große Thema in den Werken von Johann Christian Friedrich Hölderlin . Von der Mutter, die aus einem pietistischen Pfarrhaus stammte, für den geistlichen Beruf bestimmt, trat er zwar 1788 in das Tü .....
[ mehr ]
Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Der handschuh - friedrich schiller

Vor seinem Löwengarten, Das Kampfspiel zu erwarten, Saß König Franz, Und um ihn die Großen der Krone, 5 Und rings auf hohem Balkone Die Damen in schönem Kranz. Und wie er winkt mit dem Finger, Auf tut sich der weite Zwinger, Und hinein mit bedächtigem Schritt 10 Ein Löwe tritt, Und sieht sich s .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Die bürgschaft - friedrich schiller

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Dämon, den Dolch im Gewände; Ihn schlugen die Häscher in Bande. 'Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!" 5 Entgegnet ihm finster der Wüterich. 'Die Stadt vom Tyrannen befreien!" 'Das sollst du am Kreuze bereuen." 'Ich bin", spricht jener, 'zu sterben bereit Und bit .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Hoffnung - friedrich schüler

Es reden und träumen die Menschen viel Von bessern künftigen Tagen, Nach einem glücklichen goldenen Ziel Sieht man sie rennen und jagen. Die Welt wird alt und wird wieder jung, 5 Doch der Mensch hofft immer Verbesserung. Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein, Sie umflattert den frö .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Hälfte des lebens - friedrich hölderlin

Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See, Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen 5 Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser. Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, 10 Und .....
[ mehr ]
Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

 Tags:
Engels,  Friedrich    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com