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Philosophen biographisch

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Dilthey, Wilhelm



Wie Schopenhauer. Kierkegaard. Marx und Nietzsche gehört D. zu den herausragenden Philosophen des nachidealistischen 19. Jahrhunderts. Doch anders als die genannten großen Außenseiter ist D. einer der wenigen akademisch erfolgreichen Philosophen seiner Zeit, deren Werk eine bis heute andauernde Bedeutung erlangte. D.. dessen philosophische Arbeit unter den an Kant angelehnten Titel »Kritik der historischen Vernunft« gestellt werden kann, ist schlechthin der Philosoph der Geisteswissenschaften im Zeitalter der historischen Bildung.

      Die Befähigung zu dieser anspruchsvollen Aufgabe erwirbt sich D. im Rahmen eines umfassenden geisteswissenschaftlichen Studiums, das er 1852 in Heidelberg aufnimmt. Aut Wunsch seines Vaters, eines Kirchenrats und Hotpredigers, studiert er zuerst Theologie. Doch schon bald wächst seine Distanz zur protestantischen Orthodoxie. Er erlebt, wie sein philosophischer Lehrer, der liberale Hegelianer Kuno Fischer, auf Betreiben der Theologen die Lehrbefugnis entzogen bekommt. Ab 1853 setzt er sein Studium in Berlin tort. Obgleich er 1S56 auf Wunsch seiner Familie das erste theologische Staatsexamen ablegt, liegen die Schwerpunkte seines Studiums nun in der Philologie, der Philosophie und der Geschichte . Nach Abschluß mit der staatlichen Schulamtsprüfung und kurzzeitiger Tätigkeit als Gymnasiallehrer entscheidet er sich endgültig für die akademische Laufbahn. Einigen Jahren als Privatgelehrter folgen 1864 Promotion und Habilitation gleichsam in einem Zug. Er erhält bald Professuren in Basel , Kiel . Breslau und schließlich in Berlin, wo er von 1883 bis 1908 lehrt. Dieser äußerlich bruchlos verlaufenden akademischen Karriere steht ein Werk entgegen, das zu Lebzeiten Torso geblieben ist. Ausdruck einer ständigen Weiterentwicklung, die in ihrem vollen Ausmaß erst nach seinem Tod sichtbar wurde, als seine Schüler mit der Herausgabe seiner Gesammelten Schriften begannen . Autgrund einer immer wieder neuenund weiteren Textbasis beginnt sich erst seit wenigen Jahren ein einigermaßen einheitliches Gesamtbild seines weitgefächerten Ansatzes abzuzeichnen.
      Die herausragende Bedeutung D.s liegt ohne Zweifel in seinem andauernden Bemühen um eine historische und systematische Grundlegung der Geisteswissenschaften. Diese Problemstellung ist nach langjähriger Vorarbeit vom ersten Band der Einleitung in die Geisteswissenschaften bis zu der späten Arbeit Der Authau der geschichtlichen Weh in den Geistesifisseuschaften bestimmend. Mit dem Begriff »Geisteswissenschaften", der erst Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt wurde, erfaßt D. in Abgrenzung von den Naturwissenschatten nicht nur die philologisch-Uterarischen und historischen Wissenschaften, sondern alle "Wissenschaften des handelnden Menschen«, also auch die heutigen Sozial wissenschatten. Gegen den naturwissenschaftlich orientierten Positivismus iA. Comte und T. St. MilL) und die idealistische Metaphysik gleichermaßen gerichtet, begründet D. die Selbständigkeit und methodische Besonderheit der Geisteswissenschaften, deren Tatbestände anders als die der Natur »uns von innen verständlich« sind: »nur was der Geist geschaffen hat. versteht er«. D.s Theorie der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, die er in kritischer Anknüpfung an Kant auch »Kritik der historischen Vernunft« nennt, legt statt des kantischen Subjekts, in dessen Adern nur »der verdünnte Satt von Vernuntt« fließe, den ganzen, konkret-historischen Menschen der Erkenntnis zugrunde: das »wollend fühlend vorstellende Wesen«. Nach immer noch verbreiteter Auffassung wird dem D. der genannten Einleitungsschrift von 18S3 eine Fundierung der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis vor allem in einer umfassenden deskriptiven Psychologie zugeschrieben, während er sich später mehr und mehr einer hermeneutischen Theorie zugewendet habe, die den Begriff des Verstehens ms Zentrum rückt. Dieses Interpretationsmuster ist nach dem Erscheinen trüher Schritten D.s aus dem Nachlaß zugunsten einer einheitlichen Konzeption weitgehend widerlegt worden. Dennoch läßt sich D.s Entwicklung u.a. durch die Schriften Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie und Die Entstellung der Hermeneutik markieren. In seiner Hermeneutik verknüpft D. »Erleben. Ausdruck und Verstehen« zu einem Zusammenhang auf der umfassenden Basis des Lebens. »Der Vorgang des Verstehens. durch den Leben über sich selbst in seinen Tieren aufgeklärt wird«, charakterisiert die Geisteswissenschaften als Lebensphilosophie. Die hiermit angesprochene letzte Fassung seiner geisteswissenschaftlichen Grundlegung weist deutliche Einflüsse Husserls und Hegels über Schritten zur Pädagogik bis hin zu semer späten Weltanschauungslehre . Insbesondere D.s Einsicht in die »Relativität jeder Weltanschauung« bringt in diesen Schritten die grundsätzliche Problematik seiner historischen Auffassung zur Sprache mitsamt der daraus resultierenden Autgabe, die drohende »Anarchie der Ãœberzeugungen« zu überwinden.
      Die Vielschichtigkeit und Unabgeschlossenheit des Werks D.s sind die Bedingungen einer entsprechend heterogenen und produktiven Wirkungsgeschichte. M. Scheler stellt D. als Lebensphilosophen in eine Reihe mit Nietzsche und Bergson. Husserl interessiert sich für D. u.a. im Rahmen einer phänomenologischen Psvchologie. und Heidegger sieht von D. seine eigene Frage nach der Geschichtlichkeit vorbereitet. Von überragender Bedeutung in der nächsten Generation ist Gadamers kritische Aneignung D.s im Rahmen einer philosophischen Hermeneutik, auf die sich wenige Jahre später Habermas zur Formulierung seiner Konzeption von Erkenntnis und Interesse stützt. Davon angeregt und durch Nachlaßeditionen motiviert, hat sich in den letzten zwanzig Jahren eine breite Forschung etabliert, die sich mit dem Dilthey-Jahrbuch für Philosophie und Geschichte der Geisteswissenschaften ein entsprechendes Forum verschafft hat. Die Rolle D.s für die geisteswissenschaftliche Methodologie wird durch eine Bemerkung des Philosophen Herbert Schnädelbach deutlich, der kürzlich meinte, daß man auf diesem Gebiet »nur mit geringer Ãœbertreibung alles Bisherige als Fußnoten zu Dilthey« bezeichnen kann.lohach, Helmut: Wilhelm Dilthey: Die Struktur der geschichtlichen Erfahrung. In: Speck. Josef : Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie der Neuzeit

I

V.

Göttingen 19S6. S. 52-yo.
      Rodi, Frithjof Lessing. Hans-Ulrich iHg.;: Materialien zur Philosophie Wilhelm Diltheys. Frankfurt am Main 1984.

      Peter Christian Lang


Wilhelm dilthey (i833-i9ii)

Der Mensch lebt nach Dilthey immer schon in einer irgendwie verstandenen Welt, und dies, weil er sich seines eigenen Lebens als eines sinnvollen Bedeutungszusammenhangs verstehend innezuwerden vermag. Dieser sinnvolle Bedeutungszusammenhang ist nicht wie der Kausalzusammenhang, den Scherer vorausset .....
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Zu wilhelm diltheys intention, werk und wirkung

Wirkungsgeschichtlich ist die psychologische Interpretation Schleiermachers zweifellos viel früher und stärker beachtet worden. Das ist vor allem auf die frühe Rezeption und nachhaltige Wirkung Diltheys zurückzuführen. Sein Aufsatz »Die Entstehung der Hermeneutik« hat lange Zeit die Einschätzung Sc .....
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Waiblinger, wilhelm

Er verstand es, stets unverstanden zu sein, und seiner Dichtung blieb dieses Geschick lange bewahrt, während man seine Biographie eher begreifen kann. Als früh verstorbenes »enfant terrible« mit eben gereiftem Werk spukt W. durch die Literaturgeschichte. Hochgesteckte Pläne standen am Anfang: Er häl .....
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Waiblinger, wilhelm

Der Kirchhof Rennen, Hai H. In: ZDP 107, 1988, S. H., S. 85 - 100. .....
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Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
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Fink und frosch - wilhelm busch

Diese Reimfabel ist ganz auf die Gegensätzlichkeit der beiden Tiere aufgebaut. Darauf deutet jeder einzelne Gestaltungszug hin: die Ãœberschrift, die mit den stilistischen Mitteln der Artikellosigkeit und der Alliteration der beiden Tiernamen fest verspannt; die Anlage der Handlungslinie ; vor allem .....
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Bewaffneter friede - wilhelm busch

Ganz unverhofft, an einem Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel. Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! Kennst du des Königs Ordre nicht? 5 Ist nicht der Friede längst verkündigt, Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, Der immer noch gerüstet geht? Im Namen seiner Majestät Geh her und übergib dein .....
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An meinen ältesten sohn - wilhelm lehmann

Die Winterlinde, die Sommerlinde Blühen getrennt - In der Zwischenzeit, mein lieber Sohn, Geht der Gesang zu End. 5 Die Schwalbenwurz zieht den Kalk aus dem Hügel Mit weißen Zehn, Ich kann es unter der Erde Im Dunkeln sehn. Ein Regen fleckt die grauen Steine - Der letzte Ton Fehlt dem Goldammerm .....
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Wilhelm heinrich wackenroder (i773-i798)

Nur 25 Jahre alt wurde der zarte Wackenroder, in dessen 1797 erschienenen 'Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders" alles das enthalten ist, was das Wesen der Romantik ausmacht. In seinem Werk erscheint zum ersten Male die altdeutsche Kunst, die sich ihm auf gemeinsamen Wanderungen mi .....
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Wackenroder, wilhelm heinrich

Siehe wie ich trostlos weine Vaget, Hans Rudolf. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 63 - 67. .....
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Tkaczyk, wilhelm

Auf den Galapagos Heukenkamp, Ursula. In: WB 28, 1982, S. 91 - 100. .....
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Jordan, wilhelm

Die welke Rose Bollenbeck, Georg. In: Gedichte und Interpretationen 4, 1983, S. 334 - 345. .....
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Klemm, wilhelm

An der Front Jandl, Ernst. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 131 - 134. Betrachtungen Brockmann, Jan. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 154- 167. Phantasie Weller, Christopher D. In: Expressionist Poetry, 1978, S. 340 - 347. .....
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Lehmann, wilhelm

Abgeblühter Löwenzahn Seidler, Manfred. In: Lyrik / Deutschunterricht, 1976, S. 39-40. Ahnung im Januar Hock, Erich. In: Motivgleiche Gedichte, 1971, S. 53 - 54. Alter Mann Schug, Dietrich. In: Die Naturlyrik, 1963, S. 152 - 154. Alter Moment Schug, Dietrich In: Die Naturlyrik, 196 .....
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Leibniz, gottfried wilhelm von

Gedicht auf den Tod der Königin Sophie Charlotte Loos, Waltraud. In: Aus der Welt des Barock, 1957, S. 69 - 82. Hankins, Olan Brent. In: Leibniz, 1973. .....
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Lotz, ernst wilhelm

Aufbruch der Jugend Berghahn, Klaus L. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 106- 124. Meurer, Reinhard. In: Expressionismus, 1992, S. 24 - 29. .....
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Müller, wilhelm

Auf dem Fluße Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 176 - 186. Das Mühlenleben Haefeli-Rasi, Madeleine. In: Wilhelm Müller, 1970, S. 34 - 44. Das Wirtshaus Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 278 - 284. Der greise Kopf Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 234 - 239. D .....
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Raabe, wilhelm

Des Menschen Hand Fritz, Walter Helmut. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 103 - 105. Flüchtiges Glück Bienek, Horst. In: Zeit wie Ewigkeit, 1987, S. 42 - 45. Glockenklang Oppermann, Hans. In: Raabe-Jb, 1962, S. 78 - 85. Zwiesprache Schulz, Bernhard. In: Literarischer Unterrich .....
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Szabo, wilhelm

Dorfangst Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 57-59. .....
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Wilhelm müller (i794-i827)

Von Wanderlust und Naturliebe kündete auch der Dessauer Wilhelm Müller in seinen Liedern 'Am Brunnen vor dem Tore", 'Im Kug zum grünen Kranze", 'Das Wandern ist des Müllers Lust". In der Vertonung durch Franz Schubert sind sie zu echtem Volksgut geworden. .....
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Jakob (i785-i863) und wilhelm grimm (i786-i859)

Die von der Romantik angestrebte Wiederbelebung alten deutschen Literaturgutes, wie sie schon Arnim und Brentano in 'Des Knaben Wunderhorn" versuchten, fand ihre fruchtbarsten Vertreter in den beiden Brüdern Grimm, die zeitlebens eng zusammenarbeiteten. Ihr Name ist für immer mit ihren unvergänglich .....
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Wilhelm hauff (i802-i827)

Ebenfalls ein häufiger Besucher im gastlichen Kernerhaus war Wilhelm Hauff. Er war ein äußerst begabter Erzähler von reicher Phantasie, glücklicher Gestaltungskraft, anmutiger Form und feiner Sprache. Davon zeugen vor allem seine nach dem Muster von 'Tausendundeine Nacht" erzählten reizvollen Märche .....
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Wackenroder, wilhelm heinrich

Wir kennen die Gestalt des Frühverstorbenen nur aus der verklärenden Sicht des überlebenden Freundes Ludwig Tieck: »Sein Gemüt war fromm und rein, und von einer echten durchaus kindlichen Religiosität geläutert... Die Kunst und die Poesie und Musik erfüllten sein ganzes Leben.« Von ahnungsvoller, pr .....
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Schlegel, august wilhelm von

»Kosmopolit der Kunst und Poesie« nannte sich S. mit Recht. Der Weg zu »Kunst und Poesie« war — ebenso wie für den jüngeren Bruder Friedrich - bereits durch die Herkunft vorgezeichnet: Vater und Onkel, Johann Adolf und Johann Elias Schlegel, waren als Autoren kunsttheoretischer Schriften bekannt g .....
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Raabe, wilhelm

Gegen Ende des Jahres 1854 entschließt sich der 23jährige R. plötzlich, einen Roman zu schreiben. Er hatte sowohl die Schule als auch eine Buchhändlerlehre vorzeitig abgebrochen, bevor er aus der Braunschweiger Provinz an die Berliner Universität gekommen war, um sich als Gasthörer philosophisch-his .....
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