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Philosophen biographisch

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Cassirer, Ernst



C. ist als Denker mit eigenem systematischen Anspruch in dem Land, aus dem er 1933 vertrieben wurde, kaum noch in Erinnerung. Dies ist um so erstaunlicher, als er zu jenen gehört, die - so Karl Otto Apel - die Transzendentalphilosophie •transformiert« haben. C. vertrat eine Philosophie, welche die Bedingungen der Möglichkeit des Verstehens und des Zeichengebrauchs aufweisen sollte. Diese Theorie des Transzendentalen hat er unter dem Namen »symbolische Prägnanz« entwickelt und in seinem dreibändigen Hauptwerk Philosophie der symbolischen Tonnen niedergelegt. Der Plan zu dieser Philosophie des Symbolbegriffs, die den Ge-samtbereich menschlicher Wirklichkeitsdeutung in Sprache, Mythos. Religion. Kunst und Wissenschaft umreißen sollte, läßt sich bis in die Zeit des Ersten Weltkriegszurückvertolgen: geschrieben und veröffentlicht wurde das Werk m den Jahren 1923 bis 1929 in Hamburg, wohin C. 1919 als erster Jude berufen worden war und wo er die Schätze der Privatbibliothek Abv Warburgs nutzen konnte. Die Entdeckung der symbolischen Formen geschah bei C. aut verschiedenen Wegen. Einmal hatte er schon 1910 die naturwissenschaftliche Erkenntnis als Operieren mit funktionsbestimmten Symbolen definiert . Zum anderen hatte er im zweiten Band der Darstellung der Geschichte des Erkenntnisproblems, in dem die für C. zentrale Philosophie Kants zur Darstellung kommt, die Idee einer wissenschaftlichen Sprache im 17. und iS. Jahrhundert analysiert . Schließlich machte die Beschäftigung mit Wilhelm von Humboldt seit 1920 die Sprache zu einem Hauptthema . Die Philosophie der symbolischen Tonnen ist in erster Linie aber durch den Neukantianismus Marburger Prägung bestimmt, wenngleich schon im Ansatz zugleich modifiziert und ergänzt durch die Phänomenologie Edmund Husserls. Autgrund eines Hinweises des damaligen Privatdozenten Georg Simmel aut die Kantinterpretation Hermann Cohens von Berlin nach Marburg übergewechselt, war C.s erstes philosophiehistorisches Werk 1902 unter der Führung Cohens entstanden Leibni: System in seinen wissenschaftlichen GrundlageN). Doch blieb C. bei dieser Position nicht stehen, vielmehr erweiterte er den Neukantianismus um den Ansatz der Kulturwissenschaft: obgleich er am neukantianischen Begründungsanspruch testhielt, führte sein Weg von der Erkenntnistheorie zu einer übergreitenden. Sprache. Mythos und Technik einbeziehenden Philosophie der Kultur .
      Wie sehr er sich hierbei von der Phänomenologie leiten ließ, zeigt besonders der zweite Band des Hauptwerks . C. analysiert hier die apriorischen Grundlagen mythischer Welterfahrung am Beispiel Kants und gelangt - wie in seiner Nachfolge Kurt Hübner 1985 — zu dem Ergebnis, auch der mythische Mensch brauche eine Gruppe apriorischer Kategorien, mit denen er Erfahrung organisiert. Unter -Mythos- wird dabei nicht eine Reaktion aut Eindrücke, sondern eine Aktion des Geistes verstanden, die Bearbeitung und Darstellung der Außenwelt via Zeichen- bzw. Svmbolsystem. Mythos bedeutet bei C. eine Lebensform, die eine besondere Art des Anschauens und >Denkens< aufweist. Wenn er dabei von einer »Phänomenologie des mythischen Bewußtseins« spricht, ist die Zuwendung zur Phänomenologie und ihrer Analyse der Lebenswelt unüberhörbar. Durch den Symbolbegritt will C. zwischen der Lebenswelt und der wissenschaftlichen Erfahrung vermitteln. Martin Heidegger rühmt in einer Rezension wie jene zur Philosophie der Aufklärung . C. weist auf die inhaltliche Abhängigkeit der Aufklärung von der Renaissance hin. betont aber deren formale Neuartigkeit und gelangt so zu der These, vor dem Gedankeninhalt rangiere der Gedankengebrauch. Die Jahre 192" bis 1933 bedeuten eine Wende in C.s Leben und Denken. Probleme der Ethik und politischen Philosophie treten in den Vordergrund. So widmete er sich besonders nach seiner Ãœbersiedlung in die USA im Sommer 1941 der Untersuchung von Mythos in bezug auf heutige Gesellschaften, veranlaßt durch das ständig wachsende "Ãœbergewicht mythischen Denkens über rationales Denken in einigen unserer modernen politischen Systeme«. Frucht dieser Bemühungen ist sein letztes Werk von 1946. The Myth of the State, in dem er "die Technik der modernen politischen Mythen« untersucht, um die Genese des nationalsozialistischen Staates zu verstehen.
      C.s Theorie der symbolischen Formen, mit der er deutlich die Grenzen der neukantianischen Erkenntnistheorie überschritten hat. ist in mehrfacher Hinsicht nicht ohne Wirkung geblieben. Aut philosophischem Gebiet ist hier in erster Linie Maurice Merleau-Pontv zu nennen, der C. in seiner Phenomenolooie de la pereeptton ausdrücklich zum Vorbild erhebt. Von großem Einfluß ist C. aber auch aut die amerikanische Philosophie, so aut Susanne K. Langer, die im Menschen das svmbol-schaffende Wesen erblickt : weitergeführt wird dieser Ansatz heute von Nelson Goodman i.H iI)^ of Worldmaking. 197S). In der deutsehen Gegenwartsphilosophie lebt etwas von den systematischen Einsichten C.s in dem Werk von Hans Blumenberg fort. Doch ist die Wirkung der Svmboltheorie nicht nur auf die Philosophie beschränkt: Erwin Panofskv hat mit seiner Methode der Ikonolo-gie den philosophischen Ansatz C.s - verbunden mit dem kulturgeschichtlichen Konzept Warburgs - für die kunsthistorische Interpretation truchtbar gemacht.
      Krois. John Michael: Cassirer. Svmbolic Forms and History. New Haven London 1987. Lübbe. Hermann: Cassirer und die Mythen des 20. Jahrhunderts. Göttingen 1975.
      Christoph Jamme


Cassirer, ernst

Ernst Cassirer gilt rieben Hermann Cohen und Paul Natorp als wichtigster Repräsentant des Marburger Neukantianismus. Cassirer machte sich mit seiner philosophiehistorischen Darstellung Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit einen Namen; aufgrund des ersten Ban .....
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Ernst junger (geb. i895)

schildert in seinen Werken 'In Stahlgewittern", 'Das Wäldchen 125", 'Feuer und Blut" u. a. die Gewalt eines unmenschlichen und erbarmungslosen Materialkrieges. Audi die Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg fanden in seinen Tagebüchern ihren Niederschlag. Jüngers geistige Haltung ist sehr umstritten .....
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Ernst stadler (geb. i883, gefallen i9i4)

hat mit Georg Heym das männlich-harte Zupacken gemeinsam. Jugendlicher Schwung paart sich bei ihm mit strenger Formzucht. Seine hymnischen Verse reißen den Menschen mit in die geahnte neue, sich umgestaltende Welt: . . . Fühle! Licht und Regen deines Traumes sind zergangen, Welt ist aufgerissen, A .....
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Ernst moritz arndt (i769-i860)

Wer ist ein Mann? Wer beten kann Und Gott dem Herrn vertraut. Wann alles bricht, er zaget nicht: Dem Frommen nimmer graut. f,,Wer ist ein Mann") Der auf Rügen geborene und in Bonn gestorbene E. M. Arndt schuf in seinen 'Kriegs- und Wehrliedern" Gedichte von unmittelbarer Kraft und fortreißender B .....
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Ernst theodor amadeus hoffmann (i776-i822)

Der Ostpreuße E. T. A. Hoffmann war eine typisch romantische Doppelnatur: von Haus aus war er Jurist und verteidigte als Kammergerichtsrat in Berlin die Unabhängigkeit des Richterstandes gegen reaktionäre Ãœbergriffe, wobei er sich vor allem der freiheitlichen Studenten und des Turnvaters Jahn annah .....
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Lichtung - ernst jandl

manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum! Wenn Komiker einen deutsch sprechenden Chinesen nachahmen wollen, so greifen sie zu einem einfachen Trick: Immer dort, wo ein »R« hingehört, sprechen sie ein »L«. Nach diesem Muster funktioniert weitgehend auch das Gedich .....
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Sage vom ganzen - ernst meister

SAGE VOM GANZEN den Satz, den Bruch, das geteilte Geschrei, den trägen Ton, der Tage Licht. s Mühsam im gestimmten Raum die Zeit in den Körpern, leidiges Geheimnis, langsam. Tod immer. 10 Sage .....
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Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
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Waldinger, ernst

Die Sprachlosigkeit Kamla, Thomas A. In: Exilerlebnis, 1982, S. 444 - 446. .....
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Toller, ernst

Den Müttern Neis, Edgar. In: Krieg im Gedicht, 1980, S. 68 -69. Gemeinsame Haft Rietzschel, Thomas. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 157 - 160. .....
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Steffen, ernst s.

Elsa Krechel, Ursula. In: Lesarten / Gedichte, 1982, S. 191 - 193. .....
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Stadler, ernst

Abendrot Martens, Wolfgang. In: ZDP 77, 1958, S. 423 - 425. Abendschluß Hubert, Gerda. In: Abend und Nacht in Gedichten, 1963, S. 143 - 154. Der Spruch Schürer, Ernst. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 1 - 17. Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht Viering, Jürge .....
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Meister, ernst

Apres Apreslude Egyptien, Jürgen. In: Ernst Meister, 1987, S. 21 - 30. Bis der Marmorbruch blutet Soboth, Christian. In: Todes-Beschwörung, 1989, S. 3- 11. Der Grund kann nicht reden Soboth, Christian. In: Todes-Beschwörung, 1989, S. 114- 117. Der Knabe Soboth, Christ .....
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Lotz, ernst wilhelm

Aufbruch der Jugend Berghahn, Klaus L. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 106- 124. Meurer, Reinhard. In: Expressionismus, 1992, S. 24 - 29. .....
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Ernst wiechert (i878-i950).

In der Erzählung 'Die Majorin" gewinnt ein verzweifelter Heimkehrer den Glauben an das Leben zurück. Tiefe Naturverbundenheit zeichnet die Gestalten des Dichters aus. So lebt der masurische Fährmann in dem innigen Roman 'Die Magd des Jürgen Doskocil" so naturverbunden, daß er sich als ein Teil die .....
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Ernst jünger: »eumeswil« (i977) - utopischer roman als denkspiel

Der Anarch »Wir finden und vergessen uns im anderen; wir sind nicht mehr allein.« Mit diesem Satz schließt Ernst Jüngers Roman »Die Zwille« von 1973. Wem bis dahin die kristallinen Welten Jüngers fremd geblieben waren, der mochte in dem Roman - einer Jugendgeschichte - zum erstenmal etwas wie zwi .....
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Ernst stadler (i883-i9i4): form ist wollust - formvollendeter abschied von der form

»Nun ist der Mensch wieder großer, unmittelbarer Gefühle mächtig.« »Sein Herz atmet, seine Lunge braust, er gibt sich hin der Schöpfung«, stellt triumphierend Kasimir Edschmid in seinem zusammenfassenden Bericht Ãœber den dichterischen Expressionismus von 1917 fest . Von solcher elementaren Regung u .....
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Toller, ernst

»Wer keine Kraft zum Traum hat, hat keine Kraft zum Leben«, läßt T. die Titelfigur seiner Skandal- und Erfolgstragödie Hinkemann sagen, bevor sie resigniert einen Strick knüpft, um sich zu erhängen. Als literarisches Motiv ist der Freitod in seinem ganzen Werk von zentraler Bedeutung. Der Autor sel .....
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Stadler, ernst

Der Reserveoffizier S. fiel schon wenige Wochen nach Kriegsausbruch. Als Ende 1914 auch Georg Trakl im Lazarett an einer Ãœberdosis von Drogen starb, stilisierte der bedeutendste Verlag des derzeit tonangebenden Expressionismus die beiden zusammen mit Georg Heym zum fuhrenden »lyrischen Dreigestirn« .....
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Niebergall, ernst elias

»Jener bekannte Niebergall ist zweifellos ein Kerl gewesen«, schrieb Alfred Kerr 1915 in seiner Kritik der ersten Berliner Datterich-Aufführung, die an den einhundert Jahre zuvor geborenen Dichter erinnerte. Vor den Jubiläumsaktivitäten in Berlin und anderswo war er nur in seiner Heimatstadt bekannt .....
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Jünger, ernst

Ende 1913 hielt es ein verträumter, musisch hochbegabter Apothekersohn in der vom Wilhelminismus geprägten provinziellen Enge seines Heimatortes nicht mehr aus. Berauscht von Fernweh und Abenteuerlust unterzeichnete der Achtzehnjährige einen Vertrag mit der Französischen Fremdenlegion und brannte na .....
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Jandl, ernst

»ab 1952 erschienen meine gedichte in Zeitschriften, 56 in einem buch, andere äugen. 55 erfolgte, parallel zu privaten Umwälzungen, die Zuspitzung zu groteske und experiment. neue freunde, friederike mayröcker, artmann, rühm, regten an, stramm arp schwitters gertrude stein wurden angewandt, die mögl .....
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Hall, ernst

Pseud. für: Ernst Hassler Biograhe: *20.9.1 in Komotau/ Sudetenland. E. Hall wurde mit 18 Soldat und war als Kriegsgefangener in Russland Wolgaflößer, Holzfäller, Eisenbahnarbeiter und Kolchosenarbeiter. Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft absolvierte er ein Volontariat und wurde Journalist. Unter .....
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Daseinsernst und komik: familienbilder in der kinder-und jugendliteratur der 80er und 90er jahre

Veränderte Familienerfahrungen heute aufwachsender Kinder - Literatur als zeitdiagnostisches Medium Aktuelle Forschungsergebnisse der Gesellschaftswissenschaften - vor allem der Jugend- und Familiensoziologie - zeigen eine Reihe von Strukturveränderungen innerhalb der für Kinder zentralen Lebensw .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » HANNELORE DAUBERT

Auf der suche nach einer neuen intensität stimmenspiele und ernst der stimme in den texten von annie zade

Die Texte der 1948 geborenen Autorin, bisher drei seit 1979 veröffentliche "Stücke", sind Gratwanderungen, Grenzgänge zwischen Prosa, Lyrik und Theater. Es sind Sondierungen von Stimmen, die unsicheres Terrain betreten, Figuren, die ineinander aufgehen oder sich spalten. Einiges erinnert an eine Wie .....
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Index » Die Generation der 80er Jahre

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Cassirer,  Ernst    


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