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Philosophen biographisch

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Bruno, Filippo (Giordano)



Am Donnerstagmorgen wurde aut dem Campo dei fiori jener verbrecherische Dominikanermönch aus Nola lebendig verbrannt: ein sehr hartnäckiger Ketzer, der nach seiner Laune verschiedene Dogmen gegen unseren Glauben ersonnen hatte, und zwar insbesondere gegen die heilige lungfrau und die Heiligen. Dieser Bösewicht wollte in semer Verstocktheit dafür sterben, und er sagte, er sterbe als Märtyrer und sterbe gern und seine Seele werde aus den Flammen zum Paradies emporschweben. Aber jetzt wird er ja erfahren, ob er die Wahrheit gesagt hat!» Am selben Platz, an dem nach der Nachricht der At risi di Roma, einer zeitgenössischen römischen Zeitung. B. am i~. 2. 1600 als Ketzer verbrannt worden war. wurde ihm 18S9 als Helden der Geistestreiheit ein Denkmal errichtet. Zwischen diesen beiden Polen -rücksichtsloser Verfolgung und begeisterter Bewunderung - bewegte sich das unstete Leben des italienischen Naturphilosophen.

      Nach den humanistischen Grundstudien in Neapel trat B. 1565 in das dortige Dominikanerkloster cm und erhielt den Klosternamen Giordano. Trotz früh aufkommender Zweifel am Heihgenkult und dem christlichen, personalen Gottesverständnis wurde er IS~ zum Priester geweiht und begann das Theologiestudium 111 Neapel. Er lernte in dieser Zeit das Werk des Kopermkus kennen. Schon 1576 folgte der Bruch B.s mit Orden und Kirche. Den Anlaß bildete die Anklage als Ketzer durch den Prokurator des Ordens in Neapel. B. reagierte auf die in 130 Punkten zusammengefaßten Vorwürfe schnell. Er legte sein Ordenskleid ab. verließ Italien und begann ein unstetes Wanderleben, von dem er bis zu seiner Verhaftung durch die Inquisition nicht mehr loskommen sollte. Die Flucht durch zahlreiche norditalienische Städte brachte ihn is~S nach Gent. Auseinandersetzungen um eine von ihm vertaßte Streitschritt gegen einen dortigen Professor zwangen ihn 1579 zur erneuten Flucht. An der Univer-sität Toulouse erhielt er einen Lehrstuhl für Philosophie, las dort zur Psychologie des Aristoteles und zur Lullischen Gedächtniskunst . B. erwarb sich in dieser Zeit die Gunst von Frankreichs König Heinrich I

II.

. der ihm 1582 eine Dozentenstelle am College de Cambrai in Paris verschaffte. B. widmete ihm im gleichen Jahr die Schritt De umbris idairum [l on den Schatten der IdeeN). eine mnemotechnische Schrift, die zur Stärkung des Gedächtnisses anleiten sollte. 1583 zog er mit einer französischen Gesandtschaft nach England und blieb bis 1 s8s in London. Neben einer Disputation in Oxford und mehreren Vorträgen entstanden in diesen Jahren seine Hauptwerke: die metaphysische Zentralschritt Delhi causa, prineipio et uno , das ebenfalls in Dialogtorm abgefaßte Werk De I infinite, uiuverse e mondi und die erkenntnistheoretische Schrift Degh eonci turori {1585: Heroische LeidenschafteN).
      Die Impulse für diese Werke sind in zahlreichen Quellen zu suchen. B. rezipierte Nikolaus von Kues und Kopermkus. Er übernahm die neuplatonische Auffassung von der Welt als unendlichem Universum ebenso wie die stoische Naturlehre mit dem Gedanken von der alles belebenden Weltseele. Ihr widmete B. den zweiten Dialog der Schrift I on der Ursache, dem Prinzip und dem Einen. Nach B. erfüllt die Weltseele das All durch ihr oberstes Vermögen, die allgemeine Vernunft. Die universelle Vernunft ist die Ursache aller Dinge in der Natur. Ihr Prinzip ist die Weltseele. Folglich smd alle Teile der Welt und des Alls beseelt. Hier liegen die Wurzeln für den B. zugeschriebenen Pantheismus. Gott ist hingegen für B. übcrsubstantiell, dem Denken des Philosophen entzogen. Weitere Denkhorizonte riß B. 111 der Auseinandersetzung mit den Thesen von Kopermkus auf: er lehnte Kopermkus Auffassung ab. die Fixsternsphäre stelle die Begrenzung des Alls dar, und formulierte die These von der Unendlichkeit des Alls und der Vielzahl der Sonnenwelten, die dem menschlichen, empirischen Erkennen verborgen seien. Indem B. seine Gedanken aus metaphysischen und vom Absoluten ausgehenden Axiomen ableitete, trat er in schroffen Gegensatz zu seinem Zeitgenossen Galilei, der. vom aristotelischen Realismus herkommend, die empirische Evidenz als Begründung für die physikalische Erfahrungswelt postulierte. Den Konflikt zwischen spekulativem und empirischem Argumentieren entschied Galilei für sich. Im September 1591 bewarben sich die beiden Gegenspieler um einen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Padua; Galilei erhielt den Vorzug.
      Davor lagen weitere Stationen in B.s Wanderleben. Konflikte mit seinen Gastgebern hatten ihn 1 s8s gezwungen, aus England nach Paris zurückzukehren. Eine dort von ihm am College de Cambrai initiierte Disputation, die scharf antiaristotelisch ausgerichtet war. führte zum akademischen Skandal und zwang B. zum Verlassen der französischen Hauptstadt. Er hielt Vorlesungen an den Universitäten Wittenberg und Helmstedt . 1590 veröffentlichte er in Frankfurt am Main drei lateinische Lehrgedichte. Im folgenden Jahr erreichte ihn die Einladung des venezianischen Adligen Giovanni Mocemgo. Die Motive für die Annahme der Einladung und die sofortige Abreise nach Venedig sind ungeklärt. Ob B. seine Gefährdungdurch die Inquisition in Venedig unterschätzte oder ob er eine Aussöhnung mit der Kirche suchte, kann nicht entschieden werden.
      Schon am 22. Mai 1592 erfolgte seine Gefangennahme, nachdem er von Mocenigo denunziert und von der Flucht abgehalten worden war. In den Untersuchungen und Verhören, die nach seiner Auslieferung nach Rom im Februar 1593 in der Engelsburg stattfanden, spielte die Auseinandersetzung mit dem kopernikanischen Weltbild eine untergeordnete Rolle. Die Ablehnung der Trimtät und eines personalen Gottes waren die Hauptanklagepunkte. In dem sich hinziehenden Prozeß weigerte sich B.. von den ihm vorgeworfenen Punkten abzugehen. Am 8. Februar 1600 wurde das Ketzerurteil, der Tod durch das Feuer, gegen ihn ausgesprochen. Berühmt sind seine letzten Worte bei der Verkündigung des Urteils: »Mit größerer Furcht verkündigt ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme« — die letzten Worte eines Mannes, der eigentümlich an der Schwelle zur Neuzeit steht. Ganz im Geist der Renaissance war er ein scharfer Gegner eines naturwissenschaftlichen, mechanistischen Weltbildes, das in den Jahrhunderten nach Galilei seinen Siegeszug antreten sollte.
      Kristeller. Paul Oskar: Acht Philosophen der italienischen Renaissance. Weinheim 1986.
      Kirchhoff, lochen: Giordano Bruno. Rembek bei Hamburg 1980.
      Groce. Abel: Giordano Bruno. Der Ketzer von Xola. Versuch einer Deutung. Wien 1970.
     


Bettelheim, bruno

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Bruno,  Filippo  (Giordano)    





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