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Anaxagoras



Nach einer eindrucksvollen Reihe italischer Philosophen kehrt mit A. die griechische Philosophie wieder in den Osten zurück. Aufgewachsen in Iomen, verbringt er drei Jahrzehnte seines Lebens in Athen, wo er ein Freund des Penkles wird. Gegner des Penkles. die mit dem Angritl auf den Philosophen den Staatsmann tretten wollen, klagen ihn der »Gottlosigkeit« an . A. verläßt Athen: in Lampsakos. an der Südküste des Hellespont. findet er eine neue Heimat.

      Wie Empedokles und später Leukipp und Demoknt akzeptiert A. die Grundthese des Parmenides: Was ist, kann nicht entstehen aus und vergehen ms Nichtsein. Und gleich den anderen >Plurahsten< sucht er die empirische Welt vor den Konsequenzen der eleatischen Logik zu retten. Da die Plurahtät der Welt nicht aus einer ursprünglichen Einheit entstanden sein kann, muß sie elementar sein. In zwei zentralen Punkten unterscheidet sich seine Antwort von der der anderen. Nicht aus vier primären Elementen oder aus emer homogenen Materie entsteht die Welt, sondern aus emer universalen Mischung aller sich später formierenden Dinge. Sämtliche natürlichen Substanzen existieren von Anfang an -und zwar in jedem Materiepartikel: d.h. in einem gewissen Sinn bewahrt jedes Teilchen den Urzustand der Welt. Doch entfernt sich A. nicht völlig vom Konzept der Elemente. Kein Körper enthält alle Substanzen in gleichen Proportionen: die in ihm dominante Substanz bestimmt seine Natur und äußere Erscheinung. Und wie jeder Körper insgesamt, enthält auch jedes noch so kleme semer Teile immer noch eine unendliche Zahl von Bestandteilen. A. postuliert die unendliche Teilbarkeit der Materie. Der Urzustand der Materie ist eine vollkommene Mischung all der unvergänglichen Teilchen, aus denen in der Folge die Welt entsteht: »Alle Dinge waren zusammen, unendlich an Zahl und an Kleinheit. Keines war sichtbar der Kleinheit wegen, denn alles umfaßten lit-r und aillier. beide unendlich.« Diese Urmasse ruht. Eine externe Kraft versetzt sie in Bewegung und initiiert so die Kosmogome. In der ersten entscheidenden Phase trennt diese Rotation »aer« und »aither« voneinander - die beiden polaren Urzustände der Materie, »aer«. das überwiegend Dichte. Kalte. Feuchte. Dunkle, sammelt sich im Zentrum und verdichtet sich zur Erde, »aither«. das überwiegend Dünne. Heiße. Trockene, Helle, wird in die äußeren Bereiche des Kosmos geschleudert und bildet den Himmel.
      A. antwortet damit auf eine andere Forderung der Eleaten - die Bewegung und Veränderung der Materie kann nicht mehr als etwas Gegebenes betrachtet werden: sie verlangt eine Erklärung. Er postuliert eine elementare Kraft. die den kosmischen Prozeß lenkt - die rationale Kraft des Geistes. Diese zum ersten Mal klar vollzogene Trennung zwischen bewegender Ursache und bewegter Materie und die Identifikation dieser Ursache als Geist werten die antiken Kritiker einmütig als seine herausragende Leistung. »Alle anderen haben einen Anteilvon allem, doch Geist ist unendlich und autark und mit nichts gemischt, sondern völlig allein bei sich selbst. Er ist das feinste und reinste von allen Dingen und hat alles Urteil über einjedes und größte Macht: und alles, was Leben hat. beherrscht Geist.« Dieser besitzt für A. viele Qualitäten eines immateriellen göttlichen Prinzips. Er ist "äpeiron«. mfrnit ui seiner Ausdehnung , in seiner Zeit , in seiner inneren Unbegrenztheit . Er hat Bewußtsein und Erkenntnis, er verantwortet die Bewegung und rationale Ordnung der Materie. Zur organischen Welt hat der Geist ein besonderes Verhältnis. Während er der ruhenden Materie insgesamt nur den ersten Anstoß gibt, beherrscht er die Lebewesen kontinuierlich. Eingepflanzt in ihren Körper enthalten sie alle einen Anteil Geist, der sie zu Lebewesen macht: ihre Lebensenergie . Mit dieser Konzeption eines souveränen, von der Materie getrennten Geistes als letzter Ursache der Ordnung der materiellen Welt und des Lebens entdeckt A. im Keim die teleologische Erklärung der Welt.
     


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