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Albertus Magnus



Der Nachwelt ist er nicht ganz geheuer. Schon bald nach seinem Tod im Alter von »achtzig und mehr fahren« ranken sich phantastische Gerüchte um seine Fähigkeiten. In ihnen erscheint er als Zauberer, der über die verborgenen Naturkräfte gebietet. Im Besitz des Steins der Weisen soll er etwa gewesen sein, sprechende Automaten hat er angeblich verfertigt, und auch die Erfindung des Schießpulvers wird ihm zugetraut. Grundlage solcher untrommen Legenden um den 1931 Heiliggesprochenen sind A." ungewöhnliche naturkundliche Kenntnisse. Mit Nachdruck vertritt er einen empirischen Ansatz, der der Immanenz und der Vernuntterkermt-nis ihre Eigengesetzlichkeit zuerkennt: ohne religiöse Vorbehalte nämlich gelte es »zu erforschen, was im Bereich der Natur durch natureigene Kräfte auf natürliche Weise alles möglich ist«. Nicht die »Theorie«, sondern die »Erfahrung aus wiederholter Beobachtung« sei »die beste Lehrmeistenn in der Naturkunde«. Dabei nimmt A. sich selbst beim Wort. In Schritten, die beispielsweise Ãober den Himmel und die Welt handeln. Ãober Entstellen und Vergehen. Ãober die Ursachen der Eigentümlichkeiten der Elemente. Ãober die Steine und Mineralien. Ãober die Pflanzen oder Ãober die Tiere und die jeweils das zeitgenössisch verfügbare Wissen aufbereiten, berichtet er stets auch von eigenen Beobachtungen und Experimenten. Vor allem aber wertet er sorgfältig Erkenntnisse der Antike sowie der den Lateinern neu zugänglichen islamischen und jüdischen Gelehrsamkeit aus. In beiden Fällen ist Aristoteles der überragende Gewährsmann. Gegen teilweise bestehende kirchliche Verbote und nicht unangefemdet erschließt A. dessen Werke erstmals vollständig für den christlichen Kulturkeis. wo bis dahin der platonische Idealismus das philosophische Denken bestimmt hatte. Sein Verfahren ist die kommentierende Paraphrase der Vorlagen. »Des weiteren«, schreibt er zu Beginn der Physik, »fügen wir erläuternde Abschnitte ein: darin steilen wir uns den möglicherweise auttauchenden Zweifeln, um sie zu klären, und suchen die Lücken in der Darstellung des Aristoteles, die manchen Leuten das Verständnis seiner Lehre erschwert haben, etwas aufzufüllen«. Zentrale Punkte, in denen A. den Philosophen von dessen eigenen Voraussetzungen her kritisiert, zielen auf die Legitimation der These ab. »daß die Welt durch Schöpfung angefangen habe«, mithin nicht unendlich sei, sowie auf die Vorstellung der individuellen Unsterblichkeit der menschlichen Seele.

      A.s Behauptung der grundsätzlichen Vereinbarkeit aristotelischer Philosophie mit dem christlichen Glauben - dessen letzte Wahrheit allerdings »über Vernunft und Natur hinausgeht« - begründet das Paradigma der hochmittelalterlichen Scholastik. Ihr umfassendster Systementwurt stammt von seinem Schüler Thomas von Aqum. I2S empfiehlt A. dessen Berutung an die Pariser Universität, wo er selbst sieben Jahre zuvor zum Magister der Theologie promoviert worden war. Unterrichtet hat der »doctor universalis«, wie er angesichts der enzyklopädischen Weite seines Horizonts genannt wird, dort jedoch nur kurze Zeit. Sem umfangreiches Gesamtwerk - das seit
1951 in der kritischen »Kölner Edition« erscheint - entsteht neben der zeitraubenden Beanspruchung durch verschiedene Ã"mter und Pflichten.
      Als Student der »freien Künste« an der Universität von Padua war der Sohn aus schwäbischer Ministerialcntamilie 1223 in den jungen Orden der Dominikaner eingetreten, ein Zweig der innerkirchlichen Reformbewegung, deren Lebensweise und Spiritualität sich radikal an den neutestamentlichen Weisungen ausrichtet. Nach dem Noviziat und der theologischen Ausbildung in Köln wirkt er bis in die frühen 40er Jahre als Lektor an einigen deutschen Konventen. Seine Pariser Protessur endet im Sommer 124S: Er wird nach Köln geschickt, um das erste theologische »Studium generale« in Deutschland aufzubauen. Vier [ahrc später vermittelt er erstmals erfolgreich in Rechtsstreitigkeiten zwischen dem aufstrebenden Stadtbürgertum und der kirchlichen Hierarchie. Bis zuletzt ist er von nun an ein weithin berühmter und vielgesuchter öffentlicher Schlichter, im Juni 1254 zum Provmzial gewählt, führen ihn zahlreiche Visitationsreisen - zu Fuß - quer durch die Ordensprovinz »Teutonia«. Auf der päpstlichen Kurie in Anagni verteidigt er die Bettelordcn gegen Angriffe ihrer Gegner. Nach drei jähren gestattet ihm das in Florenz tagende Generalkapitel der Dominikaner, sein Amt niederzulegen. A. kehrt zur wissenschaftlichen Tätigkeit an seinen Heimatkonvent zurück, bis er Anfang 1260. erneut bis zum freiwilligen Ausscheiden, für zwei Jahre den Regensburger Bischofssitz übernimmt. Mit der Kreuz-zugspredigt in den deutschsprachigen Ländern hält 1263 in Orvicto der Papst den nächsten Sonderauftrag für ihn bereit. Von Ende 1264 bis 1267 lebt A. in der Würzburger Niederlassung seines Ordens, in den späten Jahren dann wieder in Köln: als »lector ementus«. der sich oft darüber beklagt haben soll, daß ihm selbst jetzt noch zuwenig Zeit zu Studium und Gebet gelassen werde.
      Entnch. Manfred 1 Hg.): Albertus Magnus. Sem Leben und seine Bedeutung. Graz;Wien/Köln
1982. Meyer. Gerbert Zimmermann. Albert iHg.): Albertus Magnus. Doctor universalis. 1280,1980.
      Mainz 1980. Craemer-Ruegenberg. Ingrid: Albertus Magnus. München 1980.
     


Enzensberger hans magnus

Geb. 11.11.1929 in Kaufbeuren »Endlich, endlich ist unter uns der zornige junge Mann erschienen«, rief Alfred Andersch nach der Lektüre des ersten Gedichtbandes von E. aus. Das Klischee vom »zornigen jungen Mann« sollte zu einem Markenzeichen eines Autors werden, der sich gegen jede literarische un .....
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Hans magnus enzensberger (geb. i929): ins lesebuch für die oberstufe - mahnung zur wachsamkeit

Das Gedicht ist ein Text des frühen Enzensberger. Weniger als bei anderen Autoren kann bei diesem Proteus unter den Schriftstellern der Gegenwart ein Einzelgedicht stellvertretend für sein lyrisches Gesamtwerk stehen. Viele seiner frühen Gedichte sind Antworten auf Bertolt Brecht. Schon der Titel in .....
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Hans magnus enzensberger (geb. i929)

gehört zu den charakteristischsten Vertretern moderner Lyrik. Seine Gedichte zeichnen sich durch eine virtuose Handhabung der Sprache aus. Dabei bedient sich Enzensberger ebenso der 'Weltsprache der modernen Poesie" wie auch der Kunstmittel der Romantik, wie z. B. in dem Gedicht 'april": mein freu .....
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An alle fernsprechteilnehmer - hans magnus enzensberger

etwas, das keine färbe hat, etwas, das nach nichts riecht, etwas zähes, trieft aus den Verstärkerämtern, setzt sich fest in die nähte der zeit und der schuhe, etwas gedunsenes, 5 kommt aus den kokereien, bläht wie eine fahle brise die dividenden und die blutigen segel der hospitäler, .....
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Ins lesebuch für die oberstufe - hans magnus enzensberger

lies keine öden, mein söhn, lies die fahrpläne: sie sind genauer, roll die Seekarten auf, eh es zu spät ist. sei wachsam, sing nicht. der tag kommt, wo sie wieder listen ans tor schlagen und malen den neinsagern auf die brüst 5 zinken, lern unerkannt gehn, lern mehr als ich: das viertel wec .....
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Enzensberger, hans magnus

A. C. de C. Innerhofer, Roland. In: Enzensbergers Mausoleum, 1980, S. 88 - 92. A. v. H. Gnüg, Hiltrud. In: Geschichte im Gedicht, 1979, S. 292-301. Abendnachrichten Hardt, Marion. In: Lyrische Texte, 1974, S. 161 - 168. Hiebel, Hans. In: Projekt Deutschunterricht 8, 1974, S. 119- 120. .....
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Enzensberger, hans magnus

»Endlich, endlich ist unter uns der zornige junge Mann erschienen«, rief Alfred Andersen nach der Lektüre des ersten Gedichtbandes von E. aus. Das Klischee vom »zornigen jungen Mann« sollte zu einem Markenzeichen eines Autors werden, der sich gegen jede literarische und politische Festlegung wehrt. .....
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Hirschfeld, magnus

Magnus Hirschfeld, Gründer des Berliner Instituts für Sexualwissenschaft, erforschte vor allem die Entwicklung des sexuellen Verhaltens. Das Forschungsgebiet, auf dem er bahnbrechend wirkte, war die Empirie der gesellschaftlichen Erscheinungsformen der Homosexualität des Mannes und der Frau. Hirsch .....
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Hans magnus enzensberger (-i929)

I. Autor Hans Magnus Enzensberger ist einer der wenigen Lyriker der zweiten Jahrhunderthälfte, die auch über den deutschsprachigen Raum hinaus Bekanntheit erreichten. Seine sprichwörtliche Vielseitigkeit als Essayist, Dramatiker, Ãobersetzer, Herausgeber und umtriebiger Zeitbeobachter machten ihn z .....
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Hans magnus enzensberger - landnahme

das ich gegründet habe mit meinen äugen, das ich mit meinen heutigen bänden halte, mein land, mein sterbliches land, leuchtend von meiner freude, die hat dich zu mir verwünscht für die fremde und die vertraute zeit, für alle Zeiten, die uns geblieben sind. ich sage dir deinen namen, sprich un .....
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