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Petronius - Leben und Biographie



Ãober Petronius. der als Verfasser des Satyrikon gilt, ist sehr wenig bekannt; selbst seine Identität war lange Zeit ungeklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um den von Publius -> Tacitus erwähnten Petronius.
      Dieser wird beschrieben als ein Lebemann und Müßiggänger, der den lustvollen Seiten des Lebens ungehemmt zugetan war und »die Nacht zum Tage« machte. Er gehörte zum engsten


Kreis um den Kaiser Nero und war ein erfolgreicher Politiker, der als Prokonsul in Kleinasien fungierte. Vermutlich ist er identisch mit dem Petronius Niger, der für das Jahr 62 als Konsul erwähnt wird. Häufig erhält er den Beinamen »Arbiter«, da er am Hof Neros als »ar-biter elegantiae« Autorität besaß. Vermutlich durch Verwicklung in eine Verschwörung am Hof wurde er 66 n.Chr. - wie Seneca -zum Tod verurteilt. Er kam der Hinrichtung aber durch Selbstmord zuvor, den er angeblich in heiterem Gleichmut vollzog. Als Vorname findet sich neben dem wahrscheinlich richtigen »Gaius« gelegentlich auch »Titus«.

      Satyrikon
Das Satyrikon ist das einzige, allerdings nur fragmentarisch erhaltene Werk von Petronius. Es zeichnet ein Sittenbild römischen Lebens im 1. Jahrhundert von abstoßender und zugleich faszinierender Dekadenz. Der erhaltene Text hat in etwa den Umfang eines Buchs des ursprünglich aus etwa 20 Büchern bestehenden Werks. Seine Originalität besteht zum einen in der Kombination von schriftsprachlichem Latein in den erzählerischen Passagen und einem niederen bis vulgären Alltagslatein in den Ã"ußerungen der Personen, zum anderen in der Kombination von Prosa und Versen. Inhalt: Der Erzähler Encolpius berichtet von Abenteuern, die er mit Ascyltos und seinem Geliebten Giton durchlebt. Die einleitenden Szenen zeigen ein ungehemmtes, ausschweifendes Leben. Die Helden werden getrieben von ihren sexuellen Bedürfnissen, von Habgier, Fress-und Trunksucht.
      Der Hauptteil, der auch als Gastmahl des Tri-malchio bekannt ist, schildert eine wichtigtuerische Gesellschaft aus Neureichen, die sich mit geschmacklosen Scherzen und absurder Scheinbildung einem skurrilen Gelage hingibt. Als Höhepunkt inszeniert der Gastgeber Trimal-chio sein eigenes Begräbnis. Der Lärm ruft die Feuerwehr herbei, die mit Ã"xten und Wassergüssen dem Mahl ein Ende bereitet.
      Später trifft Encolpius den Dichter Eumolpus, der auf der folgenden Schiffsreise unter anderem die berühmt gewordene Geschichte von der ephesischen Witwe erzählt. Diese hielt Totenwache in der Gruft ihres Mannes und verliebte sich dabei in einen Soldaten, der gekreuzigte Räuber zu bewachen hatte. Der Soldat verführt sie und ihre Magd, während gleichzeitig eine der gekreuzigten Leichen gestohlen wird. Um der Todesstrafe zu entgehen, nimmt der Soldat das Angebot der Witwe an und hängt kurzerhand deren verstorbenen Gatten als Ersatz an das leere Kreuz.
      Als Schiffbrüchige gelangen Encolpius und Eumolpus nach Kroton, betrügen dort Erbschleicher und leben in Saus und Braus; Encolpius aber wird bei immer neuen Liebschaften von seiner Impotenz gepeinigt.
      Das Satyrikon erinnert stark an die Odyssee von -> Homer, auf die häufig angespielt wird. Wie Odysseus von Poseidon geplagt wurde und das Ziel, seine Heimat lthaka, nicht erreichte, wird Encolpius vom Fruchtbarkeitsgott Priapus gepeinigt, kommt aber aufgrund seiner Impotenz nicht zum Ziel.
      Wirkung: Das Satyrikon ist eine der wichtigsten Quellen für das Alltags- und Vulgärlatein des
I.Jahrhunderts. Petronius wurde in vielerlei Weise rezipiert und zu einer Quelle des Alltagslebens im Rom des ersten Jahrhunderts.
      Zu den Verehrern des Satyrikon gehörten unzählige Schriftsteller, darunter Jonathan -»Swift, -^Voltaire, Oscars Wilde, T.S. -> Eliot, Gustave ->Flaubert, Ezra -»Pound und Friedrich ^Nietzsche. Auch der Ulysses von James -»Joyce lässt einen Einfluss der Alltags-Odysse des Petronius erkennen.
      Die anhaltende Bewunderung drückt sich weiterhin in dem Roman Quovadis?U895/96; Verfilmung 1951) von Henryk -» Sienkiewicz aus, der Petronius als angesehenen Bürger und Zyniker zeigt, sowie in dem Film Satyricon von Federico Fellini .

Satyrspiel und Satire
Satyrspiel: Ursprünglich gehörte das Satyrspiel zur griechischen Tragödie und zum Kreis der Fruchtbarkeitsriten. Es gibt Berichte, das Satyrspiel sei älter als die Tragödie, diese hätte sich gar erst daraus entwickelt. Seinen Namen erhielt das Spiel von den Satyrn, Naturdämonen aus dem Gefolge des Gottes Dionysos in Ziegenbock-Gestalt, mit Fell, Bart, Spitzohren und Phallus. In diesem Kleid traten die Sänger der Satyrspiele auf, die jeweils eine dreiteilige Tragödie zu einer Tetralogie ergänzten. Nur die Tragiker schrieben Satyrspiele, die heroische oder mythische Themen aufnahmen und burlesk oder obszön darstellten. In Gänze ist nur das Satyrspiel kyklops von Euripides erhalten.
      Satire: Neben der Hauptbedeutung von »Gemenge« oder »Allerlei« erhält »Satura« oder»Satira« im Lateinischen seine moderne Bedeutung. Die Satire ist die einzige von den Römern geschaffene Literaturgattung. Als Erster nannte Quintus Ennius eine Gedichtsammlung Satura.
      Als Begründer der literarischen Form der Satire gilt Gaius Lucilius , von dessen Saturae nur Fragmente erhalten sind.
      Wichtige Vertreter der römischen Satire sind neben Petronius Marcus Terentius Varro , Martial , -> Horaz, Seneca und Aulus Persius Flaccus . Als letzter Satirendichter Roms gilt Juvenal .
     


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