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Petrarca, Francesco - Leben und Biographie



Francesco Petrarca schuf mit den Werken Die Triumphe und Canzoniere erste volkssprachliche Dichtungen, die an der Rhetorik und dem Geist der Antike geschult sind. Seine Leidenschaft für antike Manuskripte stellt den Anfang des modernen philologischen Zugangs zum antiken Erbe dar. Obwohl Petrarca mit einzelnen Werken noch mittelalterlich erscheint, gehört seine gefühlsbetonte und egomanische Welterfahrung bereits der Moderne an.

      Der junge Petrarca fühlte sich früh zur antiken Literatur hingezogen, musste aber nach dem Willen seines Vaters in Montpellier und Bologna Jura studieren. Nach dem Tod des Vaters gab er seine Studien jedoch auf und trat dem geistlichen Stand bei, um ein geregeltes Einkommen zu haben. 1330-47 stand er im Dienst des Kardinals Giovanni Colonna; er unternahm einige Reisen und fand genug Zeit für literarische Betätigung. 1336 bestieg er den MontVentoux. Als er 1341 in Rom zum Dichter gekrönt wurde, war er bereits ein berühmter Schriftsteller. Ein ihm 1351 angebotenes Lehramt an der Universität Florenz lehnte Petrarca ebenso ab wie mehrere kirchliche Ã"mter. 1353 bis 61 weilte er bei den Visconti in Mailand, als deren Gesandter er 1356 an den Hof Karls

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in Prag kam. Danach lebte er bis 1370 in Venedig und Padua und siedelte schließlich nach Arquä über. Als Schriftgelehrter diente er zeitlebens den Mächtigen Italiens als Gesandterund Propagandist.
      Zu Petrarcas lateinischen Werken gehören eine umfangreiche Briefliteratur und Eklogen . Mit seinem Bestreben, die antike Kultur wiederzubeleben, wurde er zu einem der geistigen Väter des Humanismus. Dichter der Stilrichtung des Petrarkismus imitierten charakteristische Kennzeichen der Liebeslyrik Petrarcas wie das Sonett als Gattung oder die Verwendung kühner Metaphern.
      Die Besteigung des Mont Ventoux durch Francesco Petrarca
Petrarca unternahm am 26. April 1336 zusammen mit seinem Bruder die Besteigung des provenzalischen Mont Ventoux. Inhalt: In einem Brief beschreibt Petrarca ausführlich den mühsamen Aufstieg und den überwältigenden Ausblick vom Gipfel des Berges. Doch kaum hat er um sich geschaut, vertieft er sich in die Bekenntnisse des Kirchenvaters Augustin, die er immer bei sich trägt. Mit dem Bruder liest er eine angeblich zufällig aufgeschlagene Stelle, in der Augustinus ihre Tat in ein schiefes Licht rückt: Es sei falsch, dass die Menschen die Schönheiten der Natur bewunderten, da sie sich selbst darüber vergäßen. Dass Petrarca sich am Ende wieder der Seelenbetrachtung zuwendet und die Tatsache der Datierung sprechen dafür, dass er das Erlebnis der Besteigung für allegorische Zwecke nutzt. So nehmen die beiden Brüder verschiedene Wege, die in Petrarcas Augen ihre Lebenswege widerspiegeln: Der Bruder steigt zielstrebig zum Gipfel auf, während Petrarca selbst lange in den Tälern herumirrt.
      Wirkung: Im Gegensatz zum mittelalterlichen Naturempfinden, das dazu neigte, die Natur weitgehend zu dämonisieren, treten im späten Mittelalter zunehmend Menschen auf, die das Schauspiel der Natur um seiner selbst willen beschreiben und erleben. Petrarca nimmt in diesem Prozess der allmählichen Rationalisierung des Naturerlebens eine Schlüsselrolle ein.
      Canzoniere
Die Sonette von Francesco Petrarca stehen am Anfang der modernen europäischen volkssprachlichen Lyrik. Sie etablierten über den Rückgriff auf antike Bildsprache und die Aufnahme von zeitgenössischer Liebeslyrik eine neue Form und einen neuen Stil der Liebesdichtung. Dieser Stil und das Motiv der unerfüllten, ausdauernden Liebe beeinflussten das Denken und Schreiben von Liebe nachhaltig über viele Dichtergenerationen hinweg. Entstehung: Petrarca arbeitete zeit seines Lebens an den Gedichten, die in dem Canzoniere zusammengefasst sind. Der Entstehungspro-zess einzelner Gedichte lässt sich anhand vieler Selbstzeugnisse in Form von Briefen, Randbemerkungen und Notizen oft genau beobachten. Die jüngsten Gedichte lassen sich bis 1330 zurückverfolgen, die spätesten stammen aus dem letzten Jahrzehnt von Petrarcas Leben. Diese zeitliche Streuung mag die offene Form des Zyklus wesentlich mitbedingt haben. Seine eigentliche Gestalt jedoch nahm der Canzoniere erst zwischen 1352 und 1362 an. Bis zu seinem Tod stellte Petrarca zehn verschiedene Fassungen des Werks zusammen, ohne es je als abgeschlossen zu betrachten. Inhalt: Die Gedichte behandeln die Liebe des Dichters zu Laura, die er am Karfreitag 1327 in der Kirche von Sainte Ciaire in Avignon zum ersten Mal gesehen haben will. Dieser Frau, deren historische Existenz umstritten ist, begegnet er in unerfüllter, schmachtender Verehrung. Nach ihrem Tod an der Pest 1348 wird sie ihm endgültig zum engelhaften Sinnbild seines seelischen Strebens, ja zu seiner Seele selbst. In der Zwiesprache mit der in allem gegenwärtigen Geliebten werden in den Gedichten immer neue Stufen der Selbstbetrachtung erreicht, ohnejedoch ausschließlich auf diese Liebe konzentriert zu sein: Einige Gedichte sind auch gereimte Briefe an Freunde oder politische State-ments. Gegen Ende des Canzoniere gleicht sich Lauras Bild zunehmend dem der Maria an. Aufbau: Der Canzoniere umfasst 366 Gedichte, davon 317 Sonette. Petrarca teilte ihn in zwei Teile auf: in solche auf das Leben der Madonna Laura und in solche auf den Tod der Madonna Laura. Der Zyklus umfasst so viele Gedichte wie das Todesjahr Lauras . Diese Einordnung in das Jahr des Herrn verschafft nicht nur den äußeren Rahmen, sondern spiegelt sich auch im Innern des Zyklus wider: So steht der sechste Tag auch für den Schöpfungstag des Menschen und den Tag von Jesu Geburt.
      Gleichzeitig sind die Gedichte unter sich über motivische Vor- und Rückbezüge miteinander verbunden. So wird Laura namentlich nur einmal erwähnt, aber in vielen gleichlautenden Wörtern mitgedacht . Trotz der damit einhergehenden formalen Virtuosität lässt sich eine tiefer gehende motivische oder chronologische Gesamtstruktur nicht klar ausmachen. Das einzelne Gedicht behält so für sich eine Stimme, ohne dem Ganzen untergeordnet zu werden.
      Wirkung: Indem Petrarca für seine Bildsprache wesentliche Anstöße von antiken Autoren wie -> Ovid erhält und gleichzeitig zeitgenössische Lyrikformen aufnimmt , wird er zum Begründer der modernen Liebeslyrik. Die antithetische Liebesbildlichkeit und die platonische vergeistigte Liebe wurden zum Stilkennzeichen der neuzeitlichen Lyrik des Petrar-kismus von Michelangelo über ^Shakespeare und Martin Opitz bis Paul Fleming . Petrarcas Motive sind so zu konventionellem Gemeingut jeder idealisierenden Liebesdichtung geworden.


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Petrarca,  Francesco    





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