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Pessoa, Fernando - Leben und Biographie



Der zu Lebzeiten nahezu unbekannte Fernando Pessoa gilt als bedeutendster portugiesischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und als Schlüsselfigur der literarischen Moderne.
      Seine Schulzeit und Jugend verbrachte Pessoa in Durban, Südafrika, wo sein Stiefvater portugiesischer Konsul war. Nach seiner Rückkehr nach Lissabon, das er bis zu seinem Tod nicht mehr verließ, führte er ein zurückgezogenes Leben als unabhängiger Handelskorrespon-dent für verschiedene Finnen. Nebenbei schrieb er für zeitgenössische Literaturzeitschriften wie Orpheu und Presenca.

      Pessoa dichtete unter verschiedenen He-teronymen; daneben verfasste er auch Gedichte unter seinem eigenen Namen. Zu Lebzeiten veröffentlichte Pessoa nur wenige Gedichte in einzelnen Zeitschriften und das national-mystische Gedichtbändchen Mensagem , das im Erscheinungsjahr mit einem Preis für kleinformatige Lyrik ausgezeichnet wurde. Der Großteil seines Werks wurde erst nach seinem Tod in zwei Truhen entdeckt und beschäftigt seitdem Literaturwissenschaftler und Herausgeber, die sich um die Entzifferung und Edition des umfangreichen, 27 543 Manuskripte umfassenden Nachlasses bemühen.

      Das Buch der Unruhe
Das Buch der Unruhe stellt neben den politischen, philosophischen und literaturästhetischen Schriften sowie ein paar kleineren Novel-len das einzige große Prosawerk von Fernando Pessoa dar. Es handelt sich um eine Sammlung tagebuchartiger Prosaskizzen, die Pessoa erst einem gewissen Vicente Guedes, dann ab 1930 dem Hilfsbuchhalter Bernardo Soares, der in vielerlei Hinsicht Ã"hnlichkeiten mit dem realen Autor Pessoa aufweist, zuschrieb. Bernardo Soares ist der moderne Mensch schlechthin und steht somit stellvertretend für eine ganze Generation, deren Lebensanschauung aus dem Geist des Fin de Siecle entspringt. Entstehung: Mehr als 20 Jahre lang arbeitete Pessoa am Buch der Unruhe, wie die Aufzeichnungen, von denen die ersten aus dem Jahr 1913 und die letzten aus dem Jahr 1934 stammen, belegen. Man weiß, dass Pessoa eine Werkausgabe geplant hatte, die mit dem Buch der Unruhe eröffnet werden sollte. Dennoch kam es erst 47 Jahre nach Pessoas Tod zur Veröffentlichung, nachdem sich der Literaturwissenschaftler Jacinto do Prado Coelho mit zwei Mitarbeiterinnen an die mühevolle Aufgabe gemacht hatte, die 520 Textfragmente zu ordnen und zu einer lesbaren Ausgabe zusammenzufügen. Da Pessoa keine editorischen Notizen hinterließ, bleibt die Ordnung der Fragmente dem jeweiligen Herausgeber überlassen. Es existieren portugiesische, spanische und französische Editionen. Die deutsche Ausgabe des Buchs wurde um knapp die Hälfte der in der Originalausgabe enthaltenen Fragmente gekürzt, indem alle sich wiederholenden und lückenhaften Stellen getilgt wurden. Der gestraffte Text ermöglicht zwar eine leichtere Lektüre, verliert aber viel vom faszinierend-obsessiven Charakter des Originals. Inhalt: Bernardo Soares ist als Hilfsbuchhalter in der Rua dos Douradores, der »Straße der Vergolder«, in der Lissabonner Unterstadt tätig. Sein unscheinbares und isoliertes Leben hält er anhand von Tagebucheintragungen fest, die jedoch keinem Lebenskontinuum folgen, sondern vielmehr assoziativ und aphoristisch ohne jegliche Intimität das eigene Dasein als modernes Subjekt und das der Menschheit im Allgemeinen reflektieren. Der Ort der eigenen Existenz, die »Straße der Vergolder«, wird zur Metapher für die ganze Welt, die Tagebuchaufzeichnungen zum eindringlichen und erbarmungslosen Dokument der Verlorenheit und Zerrissenheit des Ichs in einer modernen Welt, in der einzig die Literatur noch als dauerhafter Wert empfunden wird. Wirkung: Das Buch wurde nach seiner Veröffentlichung von Publikum und Kritikern gleichermaßen als literarische Sensation gefeiert. Insbesondere für die Pessoa-Forschung stellt das Buch der Unruhe einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis des Gesamtwerks dar. Für den Laien gilt es als der beste Zugang zum Dichter Pessoa.
     


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Pessoa,  Fernando    





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