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Pavese, Cesare - Leben und Biographie



Cesare Pavese war einer der bedeutendsten Vertreter des italienischen Neorealismus. Als Ãobersetzer von Werken der US-amerikanischen Literatur, u.a. von John ->Dos Passos beeinflusste er die italienische Nachkriegsliteratur wie kein Zweiter; als Romancier errang er Weltruhm. Seine Romane, die um die Themen Aufbruch in die Ferne und Rückkehr, menschliche Entfremdung und Einsamkeit kreisen, feiern die mythischen Momente des Lebens und werden von einer poetischen Sprache getragen.

      Pavese studierte Literaturwissenschaften in Turin, wurde Lehrer und schließlich Lektor im berühmten Verlagshaus Einaudi. 1935/36 verbannte ihn das Mussolini-Regime wegen antifaschistischer Tätigkeit nach Kalabrien. Sein literarisches Debüt gab Pavese 1930 mit dem Gedichtband Die Südsee, dem 1936 die lyrische Sammlung Arbeiten macht müde folgte. Von 1940 an wandte Pavese sich der Erzählprosa zu und gewann als Romancier rasch große Anerkennung. Nur wenige Monate nachdem er den Premio Strega, den bedeutendsten italienischen Literaturpreis, gewonnen hatte, nahm sich Pavese 1950 in einem Turiner Hotel das Leben.
      Junger Mond
Der stark autobiografisch geprägte Roman Junger Mond ist das Meisterwerk von Cesare Pavese. In seiner Geschichte um die Rückkehr eines Mannes an den Ort und in das Reich seiner Kindheit führt Pavese die Leitmotive seines Denkens und Schaffens zusammen. Inhalt: Anguilla, in Amerika und Genua zum erfolgreichen Geschäftsmann geworden, kehrt in das Dorf seiner Kindheit zurück. Im Tal des Belbo ist er als Eindelkind auf den Stufen des Doms von Alba aufgefunden worden und in ärmlicher und roher Umgebung bei Zieheltern aufgewachsen. Trotz aller Entbehrungen in der Kindheit ist dieser Ort in den Jahrzehnten des Umherziehens zum Ort seiner Sehnsucht geworden.
      Anguilla mietet im Gasthof des Dorfes ein, wo er schnell gewahr wird, dass ihn niemand mehr kennt. Er streift auf vertrauten Wegen über die
Höhen, jene Orte suchend, wo für ihn als Kind das Leben Konturen gewann. Kegelmäßig besucht er seinen Jugendfreund Nuto, der anders als er niemals das Tal verlassen hat. Nuto ist einige Jahre älter als Anguilla und spielte im Prozess des Erwachsenwerdens eine wichtige Rolle für ihn. Auf Spaziergängen mit Nuto erfährt er vom Fortgang des Lebens im Dorf, von den vielen kleinen und wenigen großen Ereignissen während seiner langen Abwesenheit. Auf einem der ärmlichen Höfe trifft er Cinto, einen scheuen Jungen, der unter harten Bedingungen lebt, wie Anguilla selbst sie einst erlebte.
      Vieles ist unverändert geblieben in diesem Dorf, doch Anguilla ist ein anderer geworden. Der Ort seiner Kindheit erscheint ihm leer. Sein Intellekt ist zu stark, um sich dem Drängen seiner Sehnsucht zu ergeben. Schnell wird ihm klar, dass er seinen Frieden hiernichl finden wird und dass es richtig war fortzugehen, auch um den Preis der Entwurzelung und des Heimwehs. Was das Heimweh einfordert, liegt nicht an einem Ort, sondern in der Zeit; das Vergangene ist nicht zu wiederholen. Die Bedingung für das ersehnte Einswerden mit der Landschaft der Kindheit liefert eine Geschichte, die Nuto zum
Schluss des Buchs erzählt: Eine Partisanin wurde als Verräterin erschossen und in einem Stapel Rebholz verbrannt. Noch im folgenden Jahr war die Stelle zu erkennen. Sie sah aus wie die Brandnarbe eines jener Johannisfeuer, die seit ewigen Zeiten hier abgebrannt werden. Außer im Tod wird es für Anguilla keine Heimkehr geben. Das, was er sucht, ist im Leben nicht zu finden.
      Struktur: Der Roman ist in 32 kurze Kapitel unterteilt. Die handlungsarme Frzählgegenwart wird wiederholt von fragmentarischen Rückblicken unterbrochen, in denen der Ich-Erzähler sich seiner Kindheit sowie der Zeit in der Fremde erinnert. Das Erzählen vom Kreisen um das zentrale Thema des Romans geprägt. Wirkung: Das Buch Junger Mond gilt neben Der schöne Sommer gemeinhin als bestes Werk von Pavese. Es wurde in alle Weltsprachen übersetzt und bildete einen der Höhepunkte italienischer Literatur des 20. Jahrhunderts.
      Der Roman erschien kurze Zeit vor dem Freitod des Autors. Pavese sah in ihm die Vollendung seines Handwerks, die er nicht mehr würde entwickeln und übertreffen können. Sein einziger Lebenssinn - die Vervollkommnung seiner Dichtung-war für ihn verloren.
      Die wichtigsten Bücher von Cesare Pavese
Unter Bauern 1941 Der Roman handelt von einem Gesehwistermord im bäuerlichen Milieu. Das Buch erregte aufgrund seines Sujets und der in den Dialogen verwandten Umgangssprache großes Aufsehen.
      Gespräche mit Leuko, 1947 In 26 Dialogen fragen jeweils wechselnde Personen nach dem Sinn des Lebens angesichts der Sterblichkeit des Menschen.
      Derschöne Sommer 1949 Im Turin der Vorkriegsjahre erlebt die 16-jährige Ginia ihre erste Liebe, die schließlich durch die Unüberwindbarkeit sozialer Barrieren und die Unfähigkeit der Menschen zu wirklicher Kommunikation zerstört wird.
      JungerMond 1950 Ein in der Fremde erfolgreicher, aber von Heimweh und Identitätskrise geplagter Mann kehrt in das Dorfseiner Kindheit zurück, um endlich Wurzeln schlagen zu können.
      Das Handwerk des Lebens 1952 Die Tagebuchaufzeichnungen der Jahre 1935-50 bieten ein faszinierendes und erschütterndes Dokument eines erfolgreichen Künstlers und in seiner Einsamkeit verlorenen Menschen.
     


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Pavese,  Cesare    





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