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Pasternak, Boris - Leben und Biographie



Boris Pasternak entfaltet in seiner Dichtung eine Lebensphilosophie, die auf religiösen und intellektuellen Werten basiert. Mit seiner ausdrucksstarken und metaphernreichen Sprache erzeugt er poetische, zum Teil schwer verständliche Bilder. Auch Pasternaks Prosa hat einen lyrischen Charakter.
      Die künstlerische Tätigkeit seines Vaters, des Malers Leonid Pasternak, und seiner Mutter, der Pianistin Rosa Kaufmann, prägten die Jugend des Schriftstellers. Schon früh hatte er Kontakte zu Persönlichkeiten wie dem Komponisten Alexander Skrjabin 11872-1915) und den Schriftstellern Rainer Maria ->Rilke und Lew N. -> Tolstoi. Pasternak vertiefte sich erst in Klavierspiel und Kompositionslehre, wechselte dann zur Philosophie und wandte sich schließlich 1912 der Dichtung zu. Er schrieb zwar schon früh auch Prosawerke, wurde jedoch zunächst als Lyriker bekannt. Der Durchbruch gelang ihm mit der Gedichtsammlung Meine Schwester - das Leben . Wegen der offiziellen Kritik an seiner »esoterischen Poesie« und »unpolitischen Einstellung« zog sich Pasternak 1937 zurück und veröffentlichte kaum mehr Eigenes. Er lebte vor allem von Ãobersetzungen, darunter -> Goethes Faust und Werke von Shakespeare. Internationale Berühmtheit erlangte er durch seinen Roman Doktor Schi-wago.Den ihm 1958 verliehenen Literaturnobelpreis lehnte er auf politischen Druck der sowjetischen Behörden ab.

      Doktor Schiwago
In jahrzehntelanger Arbeit schuf Boris Pasternak mit Doktor Schiwago ein Werk, das als zeithistorischer Liebesroman fesselt und zugleich poetisch anspruchsvoll ist. Trotz des deutlich historischen Bezugs hat der Roman keinen politischen Kern. Essenziell ist vielmehr der philosophische, metaphysische, religiöse und kunstästhetische Gehalt des Romans, der Pasternaks Lebensphilosophie und Vorstellungen über Kunst und Glauben widerspiegelt. Wie Pasternaks übrige Prosa ist auch der Roman in musikalischer und metaphernreicher poetischer Sprache geschrieben. Diese Mischung von Realismus, Poesie und Philosophie macht seine Besonderheit aus.
      Inhalt: Der Roman ist in der Zeit zwischen 1903 und 1929 angesiedelt und schildert das Leben des russischen Arztes und Dichters Juri Schiwago. Politischer Hintergrund für die Lebensgeschichte dieses Intellektuellen sind der Erste Weltkrieg, die Oktoberrevolution und der Bürgerkrieg. Durch seinen Onkel Vedenjapin religiös geprägt, ist Juri nach seinem Medizinstudium in Moskau an der Front als Militärarzt eingesetzt. Um der Not in der Hauptstadt zuentgehen, weicht er mit seiner Familie in den Ural aus. Doch dort wird sie auseinander gerissen. Schiwago erlebt als Gefangener der Partisanen und als Arzt den Bürgerkrieg in Sibirien hautnah mit und geht anschließend eine Bindung mit der schönen Lara ein, während seine Frau Tonja mit den Kindern erst nach Moskau zurückkehrt und dann nach Paris ausreist.
      Aus Angst vor Verfolgung wegen der Verbrechen ihres Ehemanns während der Kriegsjahre flieht Lara mit ihrem ehemaligen Verführer Komarowski und Juris Rivalen in die Mongolei. Die letzten neun Jahre seines Lebens verbringt Schiwago von der sozialistischen Gesellschaft isoliert in Moskau und stirbt nach einer Fahrt mit der Straßenbahn auf der Straße. Der Epilog spielt im Zweiten Weltkrieg und klärt den Leser über das weitere Leben von Schiwagos Freunden und seiner Tochter Tanja auf, die aus der Beziehung mit Lara hervorging. Aufbau: Die äußere Form ist für einen Roman untypisch, denn das letzte Kapitel enthält einen Gedichtzyklus mit den Gedichten des Juri Schiwago. Der Roman ist in zahlreiche, zum Teil sehr kurze Unterkapitel gegliedert. Viele der unzähligen Figuren entwickeln sich getrennt voneinander und begegnen sich an anderen Orten »zufällig« wieder. Bisweilen wird die Handlung unterbrochen durch lange Passagen mit lebensphilosophischen, religiösen und kunstästhetischen Reflexionen. Dabei geht es um das Hauptthema »Leben und Tod« und die damit verbundenen Fragen nach dem Sinn des Lebens und der menschlichen Geschichte. Das Hauptthema des Todes und seiner Ãoberwindung wirkt sich entscheidend auf die Struktur des Romans aus. Die Handlung beginnt mit dem Tod von Juris Mutter, als er gerade zehn Jahre alt ist, und endet mit Schiwagos eigenem Tod. Dagegen stehen im Epilog und Gedichtzyklus schließlich die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und die Auferstehung. Die Gedichte selbst, teils religiöse, teils Naturgedichte, beginnen mit der Hamlet'schen Frage nach dem Sein oder Nichtsein und enden mit Christi Tod und Auferstehung. Dazwischen folgen sie dem Zyklus der Jahreszeiten.
      Wirkung: Der Roman wurde in Pasternaks Heimat bis 1988 nicht gedruckt. Die Veröffentlichung zuerst auf Italienisch und kurz darauf in weiteren Sprachen machte Doktor Schiwago weltweit bekannt und brachte Pasternak die Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1958, den er aber auf Druck der sowjetischen Regierung ablehnen musste. Zum Kassenschlager wurde die Verfilmung des Romans durch den amerikanischen Regisseur David Lean mit internationalen Stars wie Omar Sharif, Geraldine Chaplin, Julie Christie, Rod Steigerund AlecGuinness.
      Die wichtigsten Bücher von Boris Pasternak
Meine Schwester das Leben 1922 Gedichtzyklus in zehr Abschnitten. Die rund 50 Gedichte erzählen den Verlauf einer aufblühenden und wieder absterbenden Liebe. Im Mittelpunkt steht Pasternaks positive Einstellung zum Leben.
      Lüvers Kindheit 1922 Erzählung: Schenja Lüvers durchläuft den einjährigen Reifeprozess vom Mädchen in eine junge Frau.
      Briefe aus Tula 1922 In dieser Erzählung durchlebt ein junger Dichter den Trennungsschmerz von seiner Geliebten, während ein alter Schauspieler auf seine Weise die ehemalige Frau vermisst
Luftwege 1924 Eine Frau, ihr Mann und ein Matrose. Immer wenn ihr Sohn Hilfe braucht, wendet sich die Frau an den Seemann.
      Spektorski 1924-30 Das Verspoem schildert mit deutlich autobiografischen Bezügen das Leben des Moskauer Intellektuellen Sergej Spektorskij während der Kriegs- und Revolutionsjahre, der zwischen zwei Frauen steht.
      DasJahr 1905,1926 Poem über die revolutionären Unruhen in Russland 1905, die Pasternak in Beziehung zu seiner Jugendzeit stellt.
      LeutnantSchmidt 1926/27 Poem über die Meuterei der Matrosen von Sevastopol im Jahr 1905, die von Leutnant Schmidt geleitet wurde.
      Geleitbrief 1929 Eindrucksvoll schildert Pasternak seine drei Entwicklungsphasen von der Musik über das Philosophiestudium zur Dichtung.
      DoktorSchiwago 1957 Der Intellektuelle Schiwago entwickelt parallel zum Aufblühen des Sozialismus seine ganz eigene Lebensphilosophie und löst sich so vom gesellschaftlichen Leben.
     


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Pasternak,  Boris    





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