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Oe Kenzaburo - Leben und Biographie



Die Romane und Erzählungen von Kenzaburo Oe zeigen sich von den grotesken Satiren von Francois -» Rabelais und den existentialisti-schen Gedanken Jean-Paul -» Sartres beein-flusst. Sie spiegeln durch symbolische Verfremdung und groteske Verzerrung die Anomalie einer modernisierten Welt wider, der immer noch archaische Züge anhängen. Die Anti-Helden sind meist zutiefst desorientiert sowie der Gesellschaft entfremdet.

      Oe wuchs als dritter Sohn einer alten Gutsbesitzerfamilie in einem Dorf auf der Insel Shiko-ku auf. 1954-59 studierte er an der Universität Tokyo Französische Literatur; sein Lehrer Kazuo Watanabe vermittelte ihm humanistische westliche Bildungswerte. Bereits mit 2 3 Jahren wurde Oe für seine Erzählung Der Fang mit dem renommierten Akutagawa-Preis geehrt. 1963 wurde er Vater eines geistig behinderten Sohns, was zu einer Neuorientierung seines Schreibens führte [Eine persönliche F/fahwng, Roman 1964). 1994 erhielt er den Literaturnobelpreis. Kurz davor hatte er angekündigt, er werde keine erzählende Literatur mehr verfassen, da sein Sohn jetzt eine eigene Stimme als Komponist gefunden habe.
      Die Rückkehr des jüngeren Bruders Takashi aus den USA reißt das Ehepaar aus der Apathie. Ein Supermarkt-Tycoon will das Stammhaus der Nedokoros kaufen, um es als Restaurant im Heimatstil in Tokio wieder aufzubauen. Mit Takashi, einem ehemaligen Anführer der Stu-denlenunruhen in den 1960er Jahren, fahren Mitsaburo und seine Frau in das Heimatdorf der Nedokoro zurück.
      Bald wird klar, was der eigentliche Grund für Takashis Sehnsucht nach dem Heimatdorf war: Zwei gescheiterte Aufstände im Dorf wurden von zwei namenlos bleibenden Brüdern aus der ehemaligen Dorfschulzen-Familie der Nedokoro geleitet, in denen sie ihr Leben opferten, um die Bevölkerung schuldlos davonkommen zu lassen. Takashi will dieses Muster von Schuld und Sühne wieder aufleben lassen. Er ruft die verarmten und lethargischen Dorfbewohner zu einem Aulstand gegen den neuen Supermarkt auf, der alle einheimischen Geschäfte in den Ruin getrieben hat. Wie sich herausstellt, ist der so genannte Kaiser der Supermärkte, dem Takashi das Elternhaus verkauft hat, ein Abkömmling koreanischer Kriegsgefangener, die im Dorf einquartiert gewesen waren. Die Rebellion der Dorfbevölkerung richtet sich somit einerseits gegen das Fremde in Gestalt des Koreaners und andererseits gegen die billigen und minderwertigen »modernen« Waren des Supermarkts.
      Doch auch dieser Aufstand scheitert. Als Takashi behauptet, ein Mädchen des Dorfs vergewaltigt und getötet zu haben, wenden sichdie Dorfbewohner von ihm ab. Er nimmt sich das Leben und stellt sich somit bewusst in die Reihe derNedokoro-Brüder.
      Ernüchtert beginnt das Ehepaar Nedokoro ein »neues« Leben. Der passive Mitsaburo will sich endlich aktiv am Leben beteiligen und eine Expedition nach Afrika begleiten, während seine Frau mit dem Trinken aufhört und die Erziehung des behinderten Sohns in Angriff nimmt. Wirkung: Die Brüder Nedokoro wurde 1967 mit dem angesehenen japanischen Tanizaki-Juni-chiro-Preis ausgezeichnet. Seit Erscheinen dieses Romans gilt der Autor als einer der intellektuellen Wortführer seiner Heimat.
      Die wichtigsten Bücher von Kenzaburo Oe
Der Fang 1958 Ein US-Flugzeug stürzt über Shikoku ab. Der schwarze Pilot wird gefangen genommen; die Kinder des Dorfes befreunden sich mit ihm. Als er einen Jungen als Geisel nimmt, wird er getötet.
      Der Stolz der Toten 1958 Ein Student und eine Studentin verrichten in einer Universitätsklinik eine makabre Arbeit: Sie laden Leichen von einem Alkohol-Bassin ins andere. Nach dem Ende der Arbeit erfahren sie, dass die Leichen eigentlich hätten verbrannt werden müssen.
      Hiroshima-Notizen 1965 Oe beschreibt die Leiden der Atombombenopfer von Hiroshima und widersetzt sich damit der Tabuisierung der Folgen der Atombombe.
      Die Brüder Nedokoro, 1967 Der sprachlich und thematisch komplexe Roman, der in Deutschland unter dem Titel DersfummeScfire/bekannt ist, zeigt in eindrucksvoller Weise eine entwurzelte Zivilisation.
      So lehr uns, wie wir unseren Wahnsinn überleben können 1969 Wiederum steht ein Vater mit seinem behinderten Sohn im Zentrum der Erzählung. Er ist der Mittler zwischen der »normalen« und der andersartigen Welt seines Kindes, muss jedoch erfahren, dass sein Kind auch ohne ihn auskommen kann.
      Der Tag, an dem ErmirdieTränen abgewischt, 1971 Ein Mann wartet im Spital darauf, an Leberkrebs zu sterben. Dabei beginnt eine intensive Erinnerungsarbeit. Die Kindheit und die Auseinandersetzung mit dem Vater drängen sich ihm ins Bewusstsein.
      Dos Pinchrunner Memorandum 1976 Ein entlassener Atomingenieurverjüngt sich auf wunderbare Weise um 20 Jahre, während sein behinderter Sohn 20 Jahre älter wird. Gemeinsam bekämpfen sie den Boss der Unterwelt, der die Herrschaft über Japan anstrebt.
      Der kluge Regenbaum 1982 Die vier Erzählungen, die den Höhepunkt der Erzählkunst von Oe darstellen, drehen sich um einen mythischen Regenbaum auf Hawai, derverschiedene Schicksale beeinflusst.
     


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