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Nostradamus - Leben und Biographie



Unter den wenigen Propheten, die mit ihren Vorhersagen politischer Ereignisse und historischer Umbrüche in die Literaturgeschichte eingegangen sind, ist Nostradamus aufgrund seiner geheimnisvoll poetisch verschlüsselten und nicht eindeutig dechiffrierbaren Ankündigungen zweifellos der berühmteste.
      Der Sohn eines zum Katholizismus konvertierten jüdischen Notars studierte in Montpellier Medizin und erwarb sich einen hervorragenden Ruf bereits als junger Arzt während der Pestepidemie im Languedoc. Aus seinen dort gewonnenen Erfahrungen entwickelte er ein neuartiges Hygieneverfahren, das er wirksam beim Ausbruch der Seuche in anderen südfranzösischen Städten anwandte.

      Nostradamus wurde Berater König Heinrichs 11. und Leibarzt von dessen Sohn Karl IX. Die sehr einflussreiche Mutter Katharina von Medici konsultierte den in vieler Hinsicht faszinierenden Mann vor allem als Sterndeuter, worauf sich der Astrologe der Könige selbst »König der Astrologen« nannte.
      Ab 1544 in Salon-de-Provence praktizierend, schrieb Nostradamus in Versform Prophezeiungen nieder, zu denen ihn angeblich die Himmelskunde, visionäre Erscheinungen und okkulte Praktiken inspiriert hatten. Als »wahre Centurien« ließ er den rätselvollen Text 1555 drucken. Das scheinbare Eintreffen einiger Vor-hersagen bescherten dem Buch großen Erfolg, während Nostradamus' Schriften über Kosmetika, Elixiere und die Kunst der Pralinenherstellung schnell in Vergessenheit gerieten.
      Die Prophezeiungen
Begünstigt durch ständige Kriege und religiöse Verunsicherung als Folge von Reformation und Gegenreformation gehörten Astrologie und Prophetie im 16. und 17. Jahrhundert zur brotlosen Hauptbeschäftigung von Mystikern und zur lukrativen Nebenbeschäftigung von Naturwissenschaftlern, Medizinern und Quacksalbern. Nostradamus war Arzt, Astronom, Mystiker und Schriftsteller in einer Person, üass er auch den siebenten Sinn eines Geschäftsmannes besaß, lässt sich nur vermuten, und prätentiös wie die meisten Seher machte er es seinem Publikum nicht leicht.
      Entstehung: Im Vorwort erklärt Nostradamus, er habe prophetische Eingebungen in halluzinatorischen Träumen schon von Jugend an gehabt. Später habe ihm die Beschäftigung mit der Astrologie und ein »divinatorischer Instinkt« die Schau künftiger Ereignisse »wie in einem leuchtenden Spiegel« zuteil werden lassen. Dieses Vorauswissen gebe er in »nebelhaften Bildern« wieder, um den Leser durch Visionen grausamer Wirklichkeit nicht allzu sehr zu verstören - eine kluge Entscheidung, die seine Aussagen zugleich geheimnisvoll dunkel, poetisch und weise erscheinen ließ, den Autor obendrein der Gefahr enthob, beim Wort genommen und der Scharlatanerie überführt zu werden, falls Angekündigtes nicht eintreffen sollte. Inhalt: Nur umfassend Gebildete und mit Fantasie Begabte sind in der Lage, die Verse und ihre Beschreibung dramatischer Höhepunkt der Zukunft chronologisch bis ins 4. Jahrtausend so zu lesen, dass sie wenigstens einen vagen Sinn ergeben. Im Laufe der Jahrhunderte wurde von zahllosen Interpreten jeder einzelne Vers anders gedeutet. Man hat die Ankündigung des dramatischen Todes von einem Dutzend Monarchen ebenso herausgelesen wie den Hinweis auf Revolutionen, Weltkriege und sogar auf den Weltuntergang. 1781 setzte die katholische Kirche das Werk auf den Index, weil darin auch das Ende des Papsttums prognostiziert sei. Aufbau: »Wahre Centurien« kündigte Nostradamus im Untertitel der Erstausgabe an, die vier Centurien enthielt; in der zweiten Ausgabe
kamen noch sechs hinzu. Die Römer verstanden unter »centurium« eine militärische Hundertschaft, der Autor indes ebenso viele gereimte vierzeilige Strophen . Wi rkung: —* Goethe war von dem Phänomen »Nostradamus« derart fasziniert, dass er seinen Faust zu den Prophezeiungen des großen Magierkollegen greifen lässt, obwohl sie erst nach dem Tod des historischen Faust publiziert wurden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte die Angst vor weiteren Kriegen, vor einer Zunahme von Naturkatastrophen und Angriffen aus dem Universum die Nostradamus-»For- ------schung« wieder in Gang.
      Ungeachtet der Tatsache, dass alle Versuche, die pseudo-apokalyptischen Offenbarungen endgültig zu deuten, immer wieder scheiterten, haben anlässlich des Beginns eines neuen Jahrtausends die audiovisuellen Medien Interesse an dem angeblichen »Schicksalsbuch der Weltgeschichte« geweckt, was darauf zurückzuführen ist, dass Nostradamus' »Pro-gnostikationen« nach eigenem Bekunden auch das 21. Jahrhundert betreffen und bis ins Jahr 3797 reichen.
     


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