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Neruda, Pablo - Leben und Biographie



Der Nobelpreisträger Pablo Neruda gehört zu den bedeulcndsten chilenischen Dichtern des 20. Jahrhunderts. Mit seinem Werk trug er wesentlich zur Weltgeltung lateinamerikanischer Literatur bei.
      Der in Südchile geborene Sohn eines Lokomotivführers und einer Lehrerin benutzte bereits ab 1920 das Pseudonym Pablo Neruda. Bereits als Student begann er in Santiago 1923,seine Gedichte zu veröffentlichen. Seine Zwanzig Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung machten ihn 1924 berühmt. 1927-43 war Neruda - mit Unterbrechungen - chilenischer Honorarkonsul im Fernen Osten, in Argentinien, in Spanien, Paris und in Mexiko. Die Begegnung mit Federico Garcia Lorca führte zum Engagement Nerudas für die spanische Republik. 1943 kehrte er in seine Heimat zurück, trat der Kommunistischen Partei bei und musste nach deren Verbot 1948 ein Jahr im Untergrund verbringen, bis ihm die Flucht gelang.

      Während der Zeit seines Exils unternahm Neruda zahlreiche Reisen und schrieb u.a. seine Hymne auf Südamerika, Dergroße Gesang . Nach seiner Rückkehr nach Chile 1953 wurde Neruda mit Ehrungen überhäuft und 1957 zum Präsidenten des chilenischen Schriftstellerverbandes gewählt. Die Kommunistische Partei stellte ihn 1969 als Präsidentschaftskandidaten auf, doch Neruda verzichtete zu Gunsten Salvador Allendes. 1971 erhielt Neruda den Literaturnobelpreis. Den gewaltsamen Sturz seines Freundes Allende am 11.9.1973 überlebte der kranke Dichter nur um wenige Tage.
      Die wichtigsten Bücher von Pablo Neruda
Zwanzig Liebesgedichte und ein Lied der Verzweif-zweiflung, 1924 Die leidenschaftlichen, noch von völliger Innerlichkeit beherrschten Liebesgedichte waren Nerudas erster großer Erfolg. Sie behandeln Landschaft, Liebe und Gesellschaft.
      Der rasende Schleuderer 1933 Unter dem Einfluss des uruguayischen Dichters Carlos Sabat Ercasty enstand das »Dokument einer über-schwänglichen glühenden Jugend« .
      Aufenthalt auf Erden 1933-35 Das Werk enstand zu seinerzeit als Konsul in Ostasien; die pessimistischen Gedichte begründeten seinen Weltruhm.
      Spanien im Herzen 1937 Das Werk markiert den Beginn der politisch engagierten Lyrikvon Neruda anlässlich des Spanischen Bürgerkriegs.
      Dergroße Gesang 1950 Der Gedichtzyklus zu Geschichte und Gegenwart Lateinamerikas ist zugleich eine Sozialanalyse und eine Liebeserklärung an den Kontinent.
      Die Verse des Kapitäns 1952 In der zunächst anonym veröffentlichten Sammlung besingt Neruda seine Liebe zu seiner dritten Frau Matilde Urrutia.
      Die Trauben und der Wind 1954 Das Buch enthält politische Lyrik im Stil des sozialistischen Realismus und ist aufgrund des stalinistischen Tenors einer der umstrittensten Gedichtbände des chilenischen Dichters.
      Elementare Oden, 1954; Neue Elementare Oden, 1956; Drittes Buch der Oden, 1957 In seiner Sammlung von Oden an alle möglichen Aspekte der menschlichen Wirklichkeit preist Neruda vor allem die einfachen Dinge des Lebens wie eine Frucht, einen Tisch oder den Mond als gleichbedeutende Teile unserer Existenz. Sein Katalogstil erinnert an den Lyriker Walt Whitman.
      Extravaganzenbrevier 1958 Nach der Enttäuschung durch den Stalinismus widmet sich Neruda mit dem Werk wieder stärker dem eigenen Subjekt zu.
      Memorial von Isla Negra 1964 Die lyrische Autobiografie bildet das Hauptwerk der späteren Phase Nerudas und ist eine Refexion seines Lebens.
      Ich bekenne, ich habegelebt 1974 Die postum erschienenen Memoiren Nerudas enthalten in zwölf Heften Erinnerungen an sein Leben und verschiedene Ãoberlegungen zu Dichtung und Geschichte.

      Der große Gesang
Der große Gesang ist das zentrale Werk im Schaffen von Pablo Neruda und zugleich eines der Hauptwerke der lateinamerikanischen Li-treratur.
      Entstehung: Als Pablo Neruda 1940 chilenischer Generalkonsul in Mexiko wird, markiert dies den Beginn seiner Entdeckung Amerikas. Er ist fasziniert von der mexikanischen Kultur, die sich ihrer vorspanischen Geschichte bewus-st geblieben ist, und von der exotischen Schönheit des Landes. Zugleich sieht er die sozialen Ungerechtigkeiten, die starken Gegensätze zwischen der armen Masse der Bevölkerung und der kleinen Schicht der Reichen. Hier beginnt Nerudas Vorstellung von einem durch die gemeinsame Geschichte der Fremdherrschaft geprägten Lateinamerika, dem er durch seine Dichtung helfen will, zu seiner Identität zu finden. Aufzahlreichen Reisen bildet sich Neruda über die Geschichte seines Kontinents. So lernt er auf einer Guatemala-Reise 1941 von dem Schriftsteller Miguel Angel -* Asturias viel über die altamerikanischen Kulturen. 1943 legt er sein Konsulat nieder und reist über Panama, Kolumbien und Peru zurück nach Chile. Zu dentiefsten Eindrücken dieser Reise gehört der Besuch bei den Ruinen der Inka-Stadt Machu Picchu, denen er den zweiten Teil seines Großen Gesangs widmet. Den größten Teil des Großen Gesangs verfasst Neruda in den Jahren 1948/49, als er im Untergrund lebt und die große Solidarität seiner Landsleute erfährt, die ihn vor der Polizei verstecken. Inhalt: Der große Gesang schildert Geschichte und Gegenwart Lateinamerikas als anhaltende Abfolge von Unterdrückungs- und Befreiungskämpfen mit dem Ziel der Unabhängigkeit. Neben die politischen und historischen Aspekte tritt der Lobpreis auf Natur und Mutter Erde. Der Dichter macht sich zur Stimme des Volkes und spricht für alle Chilenen und letztlich alle Lateinamerikaner.
      Aufbau: Die über 300 Gedichte sind in 15 Gesängen zu großen thematischen Bögen komponiert und besingen in einem kunstvollen Geflecht zahlloser Finzelaspekte den Reichtum und die Schönheit der südamerikanischen Natur ; die Geschichte der vorspanischen Kulturen und ihrer Eroberung und den anhaltenden Befreiungskampf . Der Dichter schildert seine persönlichen Erfahrungen mit dem Kontinent und besonders mit seiner Heimat Chile . Den Menschen Lateinamerikas sind die Gesänge Vlll , IX und XI gewidmet; seine eigenen Erlebnisse verarbeitet Neruda in dem X. Gesang Der Flüchtling. Den Dichtern der Welt, die durch ihre Worte für die Menschen eintreten, gilt der Xll. Gesang . Die Hoffnung auf ein besseres Chile drückt der Neujahrschor für das Vaterland in der Finsternis aus. Den Ab-schluss bildet der autobiografische X

V.

Gesang Ich bin.
      Wirkung: Der große Gesang wurde sogleich nach seinem Erscheinen begeistert aufgenommen und galt fortan als Muster der lateinamerikanischen Literatur. Neuere chilenische Autoren versuchen sich inzwischen bewusst von dem mächtigen »Ãobervater« ihrer Literatur zu befreien, dessen Hang zum Pathos ihnen nicht mehr zeitgemäß erscheint. Als dezidiert politischer Autor war und ist Neruda nicht unumstritten. Andererseits hat der sprach gewaltige Dichter gerade durch die Verbindung von politischem Engagement mit einer zutiefst humanitären Grundhaltung eine Glaubwürdigkeit transportiert, die die Grundlage seiner bis heute anhaltenden großen Verehrung in Chile bildet.


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Neruda,  Pablo    





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