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Märai, Sändor - Leben und Biographie



Sändor Märai ist eine herausragende Gestalt der ungarischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum des umfangreichen publizistischen und literarischen Werks des bekennenden Kosmopoliten steht der Niedergang des alten europäischen Bürgertums.
      Im Jahr 1900 im ungarischen Kassa, heute slowakischen Kosice, geboren, zog es den einer großbürgerlichen Familie entstammenden Märai nach dem Ersten Weltkrieg auf Wanderschaft in die Zentren Europas. Er flanierte durch die Salons, schrieb Lyrik und bestritt mit journalistischen Arbeiten, u.a. für die angesehene Frankfurter Zeitung, seinen Lebensunterhalt. Schließlich kehrte er nach Ungarn zurück und wurde Publizist bei einer Budapester Zeitung.

      1932-42 veröffentlicht er Romane, Erzählungen und Essays, die ihn zum Lieblingsschriftsteller des Bürgertums machten und in viele Sprachen übersetzt wurden.
      Nach der kommunistischen Machtübernahme von 1948 ging Märai ins Exil, zunächst nach Italien, später in die USA. Aller literarischen Produktion zum Trotz geriet er in Vergessenheit. In seiner alten Heimat wurde er totgeschwiegen, in der neuen fehlte die Leserschaft für seine Bücher. Als Mitte der 1980er Jahre aus dem nun liberaleren Ungarn Anfragen zwecks Erteilung von Rechten kamen, lehnte er empört ab.
      Halb erblindet und einsam, wartend auf den Tod, der nicht kommen wollte, erschoss sich Märai in San Diego.

      Die Glut
Sändor Märais Roman Die Glut war 50 Jahre nach Erscheinen der Originalausgabe eine der großen literarischen Wiederentdeckungen des 20. Jahrhunderts. Indem der Autor die großen Themen der Literatur, Liebe und Einsamkeit, Freundschaft und Verrat, in eine spannende Handlung einbindet, gelingt es ihm auf faszinierende Weise, den Leser immer tiefer in die erzählte Welt hineinzuziehen. Inhalt: Die Geschichte spielt im Sommer des Jahres 1940 in einem einsam gelegenen Jagd-schloss am Fuße der Karpaten. Henrik, der Hausherr, erhält eines Tages einen Brief seines
Jugendfreundes Konräd, in dem dieser ihm seinen Besuch ankündigt. Auf einer Kadettenschule hatten die beiden einander einst kennen gelernt, waren unzertrennliche Freunde geworden und lebten lange Jahre wie Brüder zusammen. Konräd, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, wurde wie selbstverständlich in den Kreis der wohlhabenden Familie Henriks aufgenommen, verbrachte seine freie Zeit in deren Schloss, wo man gemeinsam feierte und zur Jagd ging. Die Freundschaft endete abrupt, als Konräd am Abend nach einer Jagd spurlos verschwand.
      41 Jahre lang haben die beiden nun alten Männer diese Begegnung herbeigesehnt, haben ihre Kraft aus dem Warten auf diesen Tag gezogen. In der vor ihnen liegenden Nacht soll geklärt werden, warum die Freundschaft zerbrach, die für ein ganzes Leben hätte halten können. Hat Konräd ein Verhältnis mit Henriks Ehefrau Krisztina gehabt? Wollte er Henrik während der Jagd am Tag vor seinem Verschwinden erschießen? Henrik ist sich dessen sicher, aber er will Gewissheit haben, ob seine Frau von diesem Plan wusste. Er hall einen Monolog, in dem sich Rachegelüste, Enttäuschung und ein Glaube an die Macht der Gefühle vermengen.
      Konräd hat dem nicht viel entgegenzubringen, doch in dem Ringen um die Wahrheit verschiebt sich wiederholt die Perspektive. Am Ende steht die Erkenntnis, dass dieses Ringen sinnlos ist. Die von beiden geliebte Frau ist seit Jahrzehnten tot; Henrik hat nach dem Vorfall nie wieder mit ihr gesprochen. Er und Konrad haben die Liebe verraten und damit ihrem Leben den Sinn geraubt.
      Struktur: Die Handlung des Romans wickelt sich in drei Stufen ab: das Warten des Hausherrn auf den Besuch des Jugendfreundes, die Begegnung der beiden und der lange Monolog Henriks. Die enorme Spannung, die der Text über die gesamte Länge aufrecht zu erhalten vermag, speist sich aus der Neugier auf den Fortgang bzw. die Auflösung der Geschichte. Sie lebt aber vor allem aus den aufgegriffenen Themen, aus der Tatsache, dass es die exis-tenziellen, die letzten Fragen sind, die in diesem Buch gestellt werden.
      Nach und nach erweitern geschickt gesetzte Rückblenden die Ahnung von dem Geschehen in dieser dramatischen Dreiecksgeschichte. Da jedoch alles aus der Perspektive der Hauptfigur geschildert wird, ist nicht zu entscheiden, ob seine Version der Wirklichkeit entspricht. Wirkung: Der mittlerweile in alle großen Sprachen übersetzte Roman Die Glut hat seit seiner Wiederentdeckung Millionen Leser gefunden und seinen Autor dem Vergessen entrissen. Und das umfangreiche Werk von Märai wird für die Leser mit großer Verspätung erschlossen.
Die wichtigsten Bücher von Sändor Märai
Diejungen Rebellen, 1930 Der Roman um eine Clique junger Erwachsener, die sich eine Fantasiewelt erschaffen, um der bürgerlichen Welt zu entkommen.
      Bekenntnisse eines Bürgers, 1934/35 Eine romanhaft angelegte Autobiografie über die Kindheit jugend und Studienjahre eines bekennenden Europäers.
      DasVermächtnis der Eszter, 1938 Nach 20 Jahren sieht eine Frau jenen Mann wieder, der ihr alles bedeutete und der sie um alles brachte, was ihr Leben ausmachte.
      Himmel und Erde 1942 Eine Sammlung von Prosastücken über Marginales und Grundsätzliches, die Zeugnis vom Zustand der Welt jener Zeit ablegt.
      Die Glut 1942 Zwei Jugendfreunde treffen sich nach mehr als 40 Jahren wieder, um sich endlich Rechenschaft über das Geschehen abzulegen, an dem ihre Freundschaft einst zerbrach.
      Land, Land 1972 Erinnerungen des Autors an seine letzten Jahre in Ungarn, an die Zeit der deutschen Besatzung und die ersten Nachkriegsjahre.
     


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Märai,  Sändor    





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