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Moravia, Alberto - Leben und Biographie



Alberto Moravia ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten italienischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mit über 50 Werken - Romanen, Novellen, Erzählungen, Essays, Dramen und Reiseberichten - war er auch einer der produktivsten Autoren. Seine stilistische Entwicklung reicht vom Surrealismus über den Naturalismus bis zum Existenzialismus. Sein besonderes Merkmal ist die psychologische Durchdringung des Stoffs, vor allem der Beziehung der Geschlechter. Moravia stammte aus einer wohlhabenden Familie. Mit acht Jahren erkrankte er an Knochentuberkulose, an der er zehn Jahre lang litt. Mit 22 Jahren veröffentlichte er den Roman Die Gleichgültigen , der bereits die Themen Sexualität, Geldgier und Zerfall der bürgerlichen Gesellschaft behandelte, die auch in späteren Werken vorherrschten. Die faschistische Regierung, mit der Moravia sich auseinander setzte, verbot eine Rezension des Werks. 1941 erteilte sie ihm Schreibverbot und setzte ihn 1943 auf eine Liste zu verhaftender Personen. 1960 erschien mit La Noia der bekannteste Roman von Moravia. Zu den wichtigsten Dramen gehören Beatrice Cenci und Das Leben ist ein Spiel . Zahlreiche seiner Romane wurden verfilmt. Moravia war mit der italienischen Schriftstellerin Elsa -> Morante verheiratet.


     
La Noia
Lebensüberdruss und Langeweile sind die Grundthemen dieses Romans, für den Alberto Moravia 1961 den angesehenenitalienischen Viareggio-Preis erhielt. Zugleich handelt er von der Unfähigkeit des Menschen, sich einem anderen völlig zu öffnen, und reflektiert kritisch die hohle Welt des begüterten Bürgertums.
      Entstehung: Wie Moravia selbst berichtete, entstand das Werk in einer Krise. Der Dichter blieb zwar der Bewegung der politischen Linken treu, der er sich voller Hoffnung nach dem Krieg angeschlossen hatte, war jedoch ernüchtert. Schwerer wog für ihn als Ursache der Krise der »Zusammenbruch des Mythos vom Volk«, dem er in der Nachkriegszeit einige seiner Werke wie Die Mädchen vom 77ber oder Cesira gewidmet hatte. Wie für andere Schriftsteller dieser Zeit hatte »das Volk« für Moravia zunächst eine positive, moralisch feste Kraft verkörpert. Die Krise des Schriftstellers wurde noch verschärft, weil in diesen Jahren seine Ehe mit Elsa Morante, mit der er 25 Jahre zusammengelebt hatte, zerbrach.
      Inhalt: Der 35-jährige Maler üino braucht als Sohn einer reichen Mutter nicht für seinen Lebensunterhalt aufzukommen. Schließlich gibter aus einem Gefühl der Sinnlosigkeit auch das Malen auf, behält jedoch sein Atelier bei, um sich von seiner Mutter und deren gesellschaftlichem Leben zu distanzieren. Er lernt die 17-jährige Cecilia kennen, die Geliebte und Modell eines älteren Malers war, bis dieser beim Geschlechtsakt mit ihr starb. Nun wird Cecilia Dinos Geliebte. Dieses in den Tag hineinlebende Geschöpf, das nach den Worten seiner Mutter »an niemandem hängt«, erschüttert Dinos Leben. Während er sich von ihr zunächst ebenfalls gelangweilt fühlt, rüttelt ihn ihre Gleichgültigkeit schließlich auf. Er verfällt ihr, vor allem als sie beginnt, ihn mit einem Schauspieler zu betrügen. Vergeblich versucht er sie »zu besitzen«. Weder durch Geld noch durch einen Heiratsantrag kann er die Liebe oder zumindest das Interesse des triebhaften Mädchens gewinnen. Während der Rekonvaleszenz nach einem Selbstmordversuch, der ihm als einziger Ausweg erschienen war, legt er sich Rechenschaft ab über seine Situation. Mit dem Verzicht auf das Mädchen scheint ihm ein neues Leben möglich. Auch denkt er darüber nach, die Malerei wieder aufzunehmen.
      Wirkung: Schon 1952 hatte die Kurie das Gesamtwerk von Moravia wegen des in ihm dargestellten Lebensgefühls und der freimütigen Schilderung der Sexualität auf den Index gesetzt. Auch nach dem Erscheinen von La Noia musste Moravia sich mit dem Vorwurf der »Por-nografie« auseinander setzen. Er verteidigte sich mit der Feststellung, das Sexuelle sei Bestandteil des Lebens, den man nicht leugnen könne. Der Roman erlangte gerade durch die Angriffe, die gegen ihn geführt wurden, größte Beachtung und hohe Auflagenzahlen.

Die wichtigsten Bücher von Alberto Moravia
Die Gleichgültigen 1929 Mariagrazia lebt allein mit ihren beiden Kindern, die durchschauen, wie die Mutter Wohlstand und Wohlanständigkeit vortäuscht. Sie selbst können dieses Leben jedoch nicht ändern.
      Die Maskerade 1941 Der Roman spielt in der Diktatur eines imaginären Landes in Lateinamerika. Der Autor setzt sich hier mit dem Faschismus auseinander und den Menschen, die ihn möglich machen.
      Agostino 1944 Ein Junge verbringt seine Ferien mit seiner alleinstehenden Mutter am Meer und entdeckt zwei bedeutende Dinge des Lebens: die Sexualität und Klassenunterschiede.
      Die Römerin 1947 Mit der Römerin porträtiert Moravia eine Prostituierte, die er einmal getroffen hatte und deren Stolz und Selbstverständnis ihn tief berührt hatten.
      Die Verachtung, 1954 Ein Mann, der sich von seiner Frau ungerecht behandelt fühlt, denkt an ihren Tod; völlig überraschend für ihn stirbt sie bei einem Unfall.
      Cesira 1957 Cesira, eine Kleinhändlerin, flüchtet 1943 mit ihrer Tochter vor den Kriegswirren in die Berge. Sie erlebt Entbehrungen, Habgier, Feigheit und Grausamkeit. Ihre Illusionen werden in dieser Ausnahmesituation zerstört.
      La Noia 1960 Lebensüberdruss und Langeweile bestimmen das Leben des Malers Dino, bis er sich in die junge Cecilia verliebt.
      Desideria 1978 Nachdem Desideria von ihrer ausschweifend lebenden Mutter erfahren hat, dass sie adoptiert und das Kind einer Prostituierten ist, beginnt sie gegen die bürgerliche Scheinwelt zu rebellieren.
      DerZuschauer 1985 Der Ich-Erzähler Dodo lebt mit seiner Frau bei seinem Vater. Als sie ihn verlässt, ist er ebenso wenig in der Lage zu handeln wie bei ihrer Rückkehr. Er bleibt ein Zuschauer des eigenen Lebens.
      Die Reise nach Rom, 1988 Ein Mann reist nach Rom, um seinen Vater zu suchen. Als er ihn gefunden hat, versucht er ihm die Geliebte auszuspannen, die seiner Mutter gleicht.
     


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Moravia,  Alberto    





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