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Montaigne, Michel de - Leben und Biographie



Michel de Montaigne gilt neben Francois -> Rabelais als wichtigster Vertreter der französischen Renaissance. Mit seinem vom Humanismus beeinflussten Werk leitete er den neuzeitlichen Skeptizismus ein.
      Montaigne war der Sohn eines Kaufmanns und Stadtbeamten. Bereits mit zwei Jahren erhielt er seinen ersten Lateinuntem'cht. Anschließend ging er auf das College de Guyenne in Bordeaux. Nach einem Jurastudium war er zunächst als Conseiller in Perigueux tätig. Es folgte eine 13-jährige Amtszeit als Parlamentsrat in Bordeaux. Längere Reisen ins Ausland führten ihn u. a. nach Deutschland und Italien. 1571 zog Montaigne sich in den Turm des väterlichen Schlosses zurück und begann zu schreiben. In den Jahren 1580/81 reiste er nach Rom, wo ihm Papst Gregor XIll. Audienz gewährte. 1582 wutde er in Bordeaux zum Bürgermeister gewählt. Dieses Amt übte er bis 1585 aus, um sich daraufhin aus der Ã-ffentlichkeit zurückzuziehen und sich wieder ganz seinen Essays zu widmen.

      Essay
Gattung: Der Begriff Essay stammt vom vulgärlateinischen exigium und bedeutet »Probe«. Ein Essay ist ein relativ kurzer, stilistisch anspruchsvoller Aufsatz in Prosa, worin ein Autor seine reflektierten Erfahrungen zu einem künstlerischen, kulturgeschichtlichen oder wissenschaftlichen Thema mitteilt. Der Aufbau eines Essays unterliegt keiner festen Norm. Es werden, wie bei Montaigne, oft sprunghaft-assoziativ aneinander gereihte Gedanken, Beobachtungen oder Erkenntnisse kritisch hinterfragt. Die Allgemeinverständlichkeit von Essays ist eines ihrer wichtigsten Ziele. Grundsätzlich enthält ein Essay keine definitiven Ergebnisse; er kann Anregungen geben. Wissen vermitteln und Zweifel ausdrücken, nicht aber mit objektiven Nachweisen aufwarten. Verbreitung: Montaigne war der Erste, der den Begriff Essay prägte, und sich darin an einigen römischen Vorbildern wie -> Plu-tarch, Seneca undGellius orientierte.
      Ihm folgte in England Francis Bacon mit seinen religiösen Essays. Zunehmend wurde die Form des Essays beliebt, um das Moment des Fragmentarischen hervorzuheben. Rene -> Descartes, David Hume , John -> tocke, Gottfried Wilhelm -> Leibniz und Blaise -» Pascal leisteten im 18. Jahrhundert ihre Beiträge zu dieser Gattung. In Deutschland wurde anfangs noch häufig der Begriff »Versuch« gewählt; erst im 19. Jahrhundert setzte sich der Begriff »Essay« durch. In England und Frankreich versuchte man Anfang des letzten Jahrhunderts die Gattung weiter zu intensivieren - hier seien T.S. -> Eliot, Aldous -»Huxley und Oscar -» Wilde sowie Anatole -> France, Andre -» Gide und Paul Valery genannt. Seit Thomas -»Mann, Robert -> Musil und Hermann -» Broch finden sich essayistische Elemente zunehmend auch in Romanen -Merkmal einer Wirklichkeitsbewältigung zu einem Zeitpunkt, da sich eine zunehmende Spezialisierung abzeichnet.

      Essays
Mit seinen Essays begründete Michel de Montaigne eine neue Gattung. Das Werk leitete die französische Moralistik ein und wurde zum Wegweiser für die Schriften von u.a. Jean de La Bruyere , Francois de -* La Rochefoucauld und Blaise -»Pascal. Entstehung: Bereits 1580 waren die ersten 94 Kapitel in zwei Büchern erschienen. Vollständig war die Sammlung erst bei ihrer fünften Auflage von 1588. Montaigne, ein unermüdlicher Verbesserer, nahm - darin Marcel -^Proust ähnlich -bis zu seinem Tod handschriftliche Korrekturen in den Handexemplaren vor. Diese letzte Fassung erschien, herausgegeben von der Adoptivtochter, erst 1595. Alles in allem arbeitete Montaigne 22 Jahre an seiner großen Essaysammlung. Inhalt: Montaigne hat seine Fsso/snicht thematisch geordnet; sie stehen vielmehr unverbunden hintereinander. Auch die Argumentation ist oft sprunghaft, da es Montaigne weniger auf Systematik als vielmehr auf eine universale Schau seiner Sicht auf die Welt und ihre Zusammenhänge ankommt . Montaigne schildert einen ganzen Kosmos von sittlichen Betrachtungen. Für die Beantwortung seiner oft moralischen Fragen kann ersieh auf seine hervorragenden Kenntnisse literarischer und philosophischer Schriften stützen. Gleichzeitig finden sich zahlreiche Alltagsbeobachtungen und Skurrilitäten, die stets in übergeordnete Zusammenhänge seiner dem Skeptizismus nahe stehenden Weltanschauung eingebunden werden. Die Ãoberschriften seiner Essays spiegeln bereits inhaltliche Programmpunkte: Von der Eitelkeit, ÃoberdasGewissen, Von der Eitelkeit der Worte, Philosophieren heißt lernen, wie man stirbt. Nichts bleibt von seinen Beobachtungen ausgeschlossen; die Trunksucht wird ebenso erörtert wie die Möglichkeiten der Kindererziehung.
      Für Montaigne steht der ganze Mensch im Vordergrund. Erst durch die Betrachtung seines Inneren und die dafür nötige Aufnahmebereitschaft kann er sich von allen äußeren Widrigkeiten erholen und zu sich selbst finden. Gerade indem Montaigne auf moralische Belehrungen verzichtet und an ihre Stelle seine persönlichen Erfahrungen setzt, gewinnen seine Aussagen Ãoberzeugungskraft und eine gleich bleibende Aktualität. Indem er etwa seinen unzureichenden Stil, seine fehlende Anmut der Darstellung beklagt, weist er auf die grundsätzliche Relativität von Aussagen hin. Zu seinem selbst gewählten und oft zitierten Wahlspruch wurde daher die Frage: »Was weiß ich?« Wirkung: Mit seiner direkten, unverblümten Schreibweise machte sich Montaigne nicht nur Freunde. Vor allem von Seiten der Kirche wehte den Essays ein mitunter eisigeT Wind entgegen. Pascal monierte die eitle Selbstgefälligkeit und witterte sogar eine antichristliche Einstellung. Es waren vor allem die Moralisten, die das große Ideen-Kompendium zunehmend bewunderten. Nach einer kurzen Zeit schwindender Popularität wurden die Essays um 1724 wiederentdeckt. Dann nämlich traten mit -^Voltaire und Jean-Jacques -^Rousseau zwei namhafte Befürworter auf den Plan, die den Rang dieser Schriften nachdrücklich artikulierten. Noch im 20. Jahrhundert behauptete das Werk seinen Einfluss auf zahlreiche Essayisten.


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