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Mayröcker, Friederike - Leben und Biographie



In ihrem umfangreichen, Hörspiele, Lyrik und Prosa umfassenden Werk, das sich oft eindeutigen Gattungszuschreibungen entzieht, entwickelt Friederike Mayröcker eine eigenwillige, experimentelle, anfangs vom Dadaismus und Surrealismus beeinflusste Sprache sowie eine Poetik, die sich gegen das Erzählen im herkömmlichen Sinne richtet.
      Mayröcker arbeitete 1946-69 als Englischlehrerin an Wiener Hauptschulen. 1954 lernte sie Ernst -> Jandl kennen, der bis zu seinem Tod 2000 ihr Lebensgefährte war. Insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren verfassten beide gemeinsam experimentelle Texte und Hörspiele. In der Lyrik der Autorin lässt sich eine Tendenz zu sogenannten langen Gedichten erkennen, die in Assoziationsströmen Bruchstücke und Zitate montieren . In hohem Maße lyrisch, weil bildhaft, assoziativ und sprachspielerisch, ist auch die Prosa von Mayröcker. Die leh-Erzählerinnen der Prosawerke sind meist Schriftstellerinnen. Mayröcker erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen, u.a. 2001 den Georg-Büchner-Preis.

      Reise durch die Nacht
Die assoziativ-halluzinatorische Reise durch nächtliche Gedanken und Wahrnehmungen ist formal der Entwurf einer neuen experimentellen Romanform.
      Inhalt: Ã"ußerer Rahmen dieser »Lebensnotizen« ist eine Zugfahrt im Schlafwagen. Davon ausgelöst bzw. darin aufgehoben sind Empfindungen, Erinnerungen, Selbstbefragungen des Bewusstseins und des traumähnlichen Halb-bewusstseins der Ich-Figur. Diese Selbstbeobachtung geschieht aus dem Geist einer Veränderung, einer Irritation, die durch das eigene Ã"lterwerden ausgelöst worden ist. Schonungslos werden die Anzeichen des Alterns beschrieben, die körperlichen wie die geistigen. Zu beinahe jeder Beobachtung existiert aber ein Gegenteil: Dem Hang nach Abgrenzung und Einsiedelei steht z.B. ein übergroßes Anpassungsbedürfnis gegenüber. Außerdem wird auf vergangene Zeiten verwiesen; das Ich erkennt Kontinuitäten.
      Hauptlebensthemen der Erzählerin sind Natur, Liebe und Kunst. Zwei Liebesbeziehungen sind in dem Text zentral: die zu Julian, dem aktuellen Lebenspartner, und die zu Lerch, einer wohl vergangenen Liebe. Kunst ist vor allem das eigene Schreiben, Quelle von Euphorie, von Trost, ein unabdingbares Lebensprinzip. Schreiben und Leben, Ich und Welt, stehen als Pole in einem ständigen Spannungsverhältnis. Aufbau: Der Text ist fortlaufend ohne Gliederung in Kapitel. Seine Poetik ist ihm bereits eingeschrieben: Die Erzählerin hat Angst vor dem Erzählen, hingegen brenne sie »ja nur so darauf, einen halluzinatorischen Stil zu schreiben«. Es gibt keine Handlung, herrschendes Prinzip ist die Assoziation, die Struktur ist eine rhythmische wie im Gedicht, mit Wiederholungen und Leitmotiven. Dadurch wird die Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem gezeigt , aber auch die - durch die Linearität von Sprache bedingte - lingleichzeitigkeit von eigentlich Gleichzeitigem weitgehend aufgehoben. Dank ausgefallener Metaphern und Klangassoziationen wirkt die Sprache sehr lyrisch. Freiheiten in Zeichensetzung und Satzbau ergänzen diesen Eindruck. Wirkung: Reise durch die Nacht ist vielleicht Mayröckers wichtigstes Werk. Zwar ist auch dieser Text nicht unumstritten und Mayröckers Sprache grundsätzlich dem Vorwurf desManie-rismus aussetzbar, doch stellt das Werk bereits eine Entwicklung weg von noch experimentelleren Prosaformen dar.
      Die wichtigsten Bücher von Friederike Mayröcker
Tod durch Musen, 1966 Der Gedichtband dokumentiert den Weg der Lyrikerin Mayröcker von den Anfängen bis hin zu ihren langen Gedichten.
      Das Licht in der Landschaft 1975 Aus einer Vielzahl von kurzen Fragmenten assoziativ zusammengesetzte experimentelle »Erzählung«. In realen, in Traum- und in Seelenlandschaften sucht das Ich nach Identität und Erkenntnis.
      Fast ein Frühling des Markus M. 1976 Markus und Hilda, denen je abwechselnd ein Kapitel zur Verfügung steht, lassen in ihrem Dialog noch weitere Figuren auftreten und erzeugen insgesamt ein erotisches Spannungsgeflecht.
      Die Abschiede 1980 In der traumverwandten Prosa über das Ende eines Liebesverhältnisses werden zugleich andere Abschiede beschworen.
      Reise durch die Nacht 1984 In dem Werk wird eine Reise durch nächtliches Bewusstsein und Halbbewusstsein dargestellt, getragen von der wehmütigen Veränderung durch Altern und Vergänglichkeit.mein Herz mein Zimmer mein Name, 1988 Eine bohrende Identitätsbefragung, eine Verunsicherung: Alle im Titel genannten Instanzen des Ich stehen zur Disposition. Absatz-und punktlose Prosa, allein durch Kommata strukturiert.
      Stillleben 1991 Jedes Kapitel fingiert den Absehluss eines Buches, das jeweils aus allen vorangegangenen Kapiteln bestünde.brütt oder Die seufzenden Gärten 1998 Die alternde Erzählerin erlebt ihre letzte Liebesgeschichte. Das Seelenereignis hat zwei Seiten, wie der Titel andeutet: die verzaubernde, bestrickende, aber auch eine erschreckende.
      Requiem für ErnstJandl 2001 Ein Trauerbuch über den verstorbenen Lebensgefährten, der sie fast 50 Jahre begleitet hat, Gespräche mit dem Abwesenden, ergreifende Prosastücke und Verse, privat und doch literarisch.
     


Friederike mayröcker (-i924)

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Mayröcker, friederike

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Roth, friederike

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Mayröcker,  Friederike    





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