Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Mao Zedong

Mao Zedong - Leben und Biographie



Die Bilder in den Zeitschriften aus der Zeit des »großen Sprungs nach vorn«, auf denen Hunderttausende von Menschen mit einfachen Schaufeln und Schubkarren gewaltige Staudämme errichteten, haben im Westen lange Zeit das Bild von Mao Zedong geprägt. Aber Mao trat nicht nur als Revolutionsführer hervor, sondern zeichnete sich auch als eifriger Verfasser politischer Prosa und begabter Lyriker aus.
      Mao Zedong war Mitglied des Gründungskongresses der Kommunistischen Partei in Shanghai 1921. Der eigentliche Aufstieg des Bauernsohns, der 1918 ein Examen als Schullehrer abgelegt hatte, begann allerdings erst, alses ihm nach Ausbruch des Bürgerkriegs 1927 in kurzer Zeit gelang, eine schlagkräftige Partisanenorganisation aufzubauen. Eine Offensive der Regierungsiruppen zwang die Kommunisten 1934 zum inzwischen legendären »langen Marsch«, der sie unter ständigen Kämpfen in einem Jahr bis in die Provinz Shaanxi am Rand der mongolischen Wüstensteppe führte. Wenig später wurde Mao zum Vorsitzenden der Kommunistischen Partei gewählt.


      Nach der japanischen Niederlage 1945 kam es erneut zum Bürgerkrieg, der 1949 mit der Ausrufung der Volksrepublik durch Mao endete. In der Folgezeit leitete er tief greifende Reformen ein, die China in wenigen Jahren in eine sozialistische und westlich geprägte Industrienation umformen sollten. Diese Politik stÃoTzte das Land nach 1960 in die größte Hungersnot seit über 100 Jahren, sodass Mao zunehmend in den Hintergrund gedrängt wurde. Als es ihm 1966 gelang, mit Hilfe der »Roten Garden« die Kulturrevolution auszulösen, konnte er seine Widersacher noch einmal ausschalten.
      Vor allem wegen der zahllosen Todesopfer, die die »Kulturrevolution« forderte, fällt heute das Urteil über Mao in China eher negativ aus. In den Jahren nach 1981 schob ihm die Parteiführung die Verantwortung für alle Fehlentwicklungen seit 1956 zu, so dass auf diese Weise die übrigen Parteifunktionäre, die diese Entwicklung bis dahin mitgetragen hatten, von ihrer Verantwortung freigesprochen wurden.
      Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung
Spätestens als im Herbst 1966 Millionen junger Chinesen bei gewaltigen Massendemonstrationen auf dem »Platz des Himmlischen Friedens« in Peking das kleine rote Buch, von Kritikern gerne als »Mao-Bibel« bezeichnet, in den Händen schwenkten, gerieten die Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit.
      Entstehung: Die Sammlung der Worte des Vorsitzenden wurde nach dem »großen Sprung nach vorn« von Verteidigungsminister Lin Biao, der auch das Vorwort zu dem Buch schrieb, für die »politische Erziehung« der Soldaten der Volksbefreiungsarmee zusammengestellt. Lin Biao galt damals als der engste Vertraute und Waffengefährte Maos, soll sich allerdings während der Kulturrevolution zunehmend gegen dessen Vorstellung von der
»permanenten Revolution« geäußert haben, die China nicht zur Ruhe kommen lasse. Er wurde 1971 gestürzt und kam kurz darauf unter nicht ganz geklärten Umständen ums leben. Aufbau: Das von der Kommunistischen Partei Chinas herausgegebene Buch ist eine Zusammenstellung kurzer ausgewählter Zitate des Parteivorsitzenden Mao Zedong aus den Jahren 1926-64. Es ist in 33 Abschnitte gegliedert, in denen zum in der jeweiligen Ãoberschrift genannten Thema jeweils etwa fünf bis 2 "j Aussagen Maos zusammengefasst werden. Die meisten der Zitate stammen aus den Ausgewählten Werken Mao Tse-tungs, in denen sich viele Reden und Aufsätze des Parteivorsitzenden finden. Die übrigen »Worte des Parteivorsitzenden« entnahm ün Biao anderen öffentlichen Reden Maos sowie Pressemitteilungen. Inhalt: Die ausgewählten Beispiele der Worte des Parteivorsitzenden entstammen einer Schaffensperiode von etwa 40 Jahren, in denen nicht nur China, sondern auch Mao Zedong selbst eine schmerzvolle Entwicklung durchlaufen haben. Sie beginnen beim Stichwort Kommunistische Partei und führen über Krieg und Frieden, der Führung von Parteikomitees bis hin zur allgemeinen politischen Arbeit. Von dort geht es, ohne dass ein logischer Aufbau erkennbar wird, weiter zu Erziehung und Ausbildung, über revolutionären Heroismus sowie Selbstvertrauen und harten Kampf weiter zu Denkweisen und Arbeitsmethoden, bis hin zur Einheit. Die letzten Abschnitte des Buchs sind dem Einzelnen gewidmet: Hier finden sich Ã"ußerungen des Parteivorsitzenden über die Disziplin, über Kritik und Selbstkritik, über die Frauen, die Jugend und Kunst sowie Kultur und damit vergleichbare Themen.
      Die Zitate Maos, die er irgendwann einmal zu diesem Thema geäußert hatte, werden einfach nacheinander, ohne inneren Zusammenhang und ohne Kommentar, abgedruckt. Wie viele Sprichwörter, so treffen auch sie zwar oft den Kem einer Sache, sagen aber, schon wegen ihrer Kürze, nur wenig aus. In dem Buch finden sich somit weder philosophisch-politische Begründungen für die Handlungen Mao Zedongs noch irgendwelche Lebenshilfen für den Leser. Dies mag jedoch daran liegen, dass das kleine Buch nicht zu dem Zweck konzipiert wurde, politische Gegner mit philosophischen Argumenten zu überzeugen, sondern lediglich dazu, die Moral junger Soldaten der Volksbefreiungsarmee mit einprägsamen Parolen zu stärken. Dennoch lassen viele Zitate ein voluntaristisches Weltbild erkennen, nach dem die Menschen alles können, wenn sie nur wirklich wollen. Dies jedoch ist eine Vorstellung, die den ursprünglichen [westeuropäischeN) Marxisten, die bekanntlich auf den »gesetzmäßigen Ablauf der Geschichte« setzten, diametral entgegengesetzt ist. Wirkung: Die gesammelten Zitate aus dem Werk des Parteivorsitzenden dienten 1966 der lndoktrinierung der jugendlichen »Roten Garden«. Mit dem Buch in den Händen demonstrierten sie und demütigten jene, die sie als Feinde ansahen oder zu solchen erklärten. Dabei machten sie selbst vor dem Staatsoberhaupt Liu Shaoqi nicht halt, den sie als den »Obersten auf dem Weg zum Kapitalismus« brandmarkten. Bald schwenkten auch im Westen zahlreiche Jugendliche das Buch, um damit ihren Protest gegen den Vietnamkrieg in auszudrücken. So wurden dadurch Die Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung indirekt zu einem Symbol für die Studentenbewegung von 1968.


 Tags:
Mao  Zedong    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com