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Das Nichts und die Form



Mallarmes dichterisches Arbeiten ist auch ein solches an der formalen Genauigkeit des Verses. Seine Lyrik wahrt die Konvention metri-scher, reimtechnischer, strophischer Gesetze. Aber diese Formenstrenge kontrastiert zu den verschwebenden Gehalten. , schreibt er am 7. März 1885 in einem Brief an R. Ghil. Der Kontrast zwischen Gehalt und bindender Form ist der Kontrast zwischen Gefahr und Rettung. Bei Baudelaire hatten wir Ã"hnliches festgestellt. Im Juli 1866 schrieb Mallarme, wiederum in einem Brief an Cazalis, einen Satz, der den ontologischen Hintergrund andeutet, auf den bei ihm auch die Rolle der Form bezogen ist: In den Begriff der Schönheit darf hier auch die Schönheit der metrisch vollkommenen Formen einbezogen werden. Das ontologische Schema Mallarmes setzt Nichts und Logos in Beziehung zueinander: der Logos ist die Stätte, an der das Nichts zu seiner geistigen Existenz geboren wird. Gemäß altem romanischem Denken sind auch Dichtungsformen Erscheinungen des Logos. Von hier aus kann Mallarmes Satz verstanden werden. Seine Dichtung, die alle Realität vernichtet, ruft um so stärker nach der , nach der geformten Schönheit der Sprache. Diese wird somit auch in den metrischen Verhältnissen, sofern sie den höchsten Ansprüchen genügen, rettendes Gefäß für das im objektiven Sinne Nichtige. Mallarmes ontologische Begründung der Form wird später wieder fallengelassen werden. Geblieben aber ist in der Lyrik der Gegenwart - so bei Valery, Guillen und ihren Verwandten -, daß ein Dichten in äußerster Abstraktion und Vieldeutigkeit die Formbindung verlangt, als Halt im dinglosen Raum, als Bahn und Maß für sein Lied. Gottfried Benn wird 1921 und mehrfach von der sprechen {574, Band IV, S. 14). Mallarmes Deutung der Formen bestätigt, daß die seit dem 18. Jahrhundert einsetzende Trennung der Schönheit von der Wahrheit endgültig geworden ist. Doch bietet eben diese Schönheit der absoluten Form die Gewähr dafür, daß selbst im Angesicht des Nichts der Glanz des Logos, der menschlichen Wesenswürde nicht erlischt.
     

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