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MALLARME



Einleitende Charakteristik
Die Lyrik Mallarmes scheint mit keiner seiner Vorgänger oder Zeitgenossen vergleichbar. Sie stammt von einem Man
ne, dessen Leben in normalen bürgerlichen Bahnen verlief und der, obwohl er viel litt, voll Güte war, keine Zerrissenheit zur Schau stellte, eher ironisch von seiner privaten Person redete [ ... ]
Interpretation dreier Gedichte: Sainte; tventail (de Mme. Mallarme); Surgi de la Croupe
Es empfiehlt sich, zur Einführung in diesen schwierigen Autor zunächst drei seiner Dichtungen zu besprechen. Das geht nicht ohne einige Pedanterie ab. Der erste Text ist Sainte (S. 53), dessen endgültige Fassung 1884 entstand. Der des Französischen mächtige Leser möge sich, wie auch bei den folgend [ ... ]
Stilentwicklung
Mallarme hat sich Zeit gelassen. Im zähen Widerstand gegen einen ungeliebten Beruf (er war Gymnasiallehrer), gegen eine zuweilen große Armut, gegen eine jahrelange neurasthenische Schlaflosigkeit hat er sein Werk zur Vollendung gebracht. Um dieses Werkes willen nahm er eine Mühsal auf sich, die nich [ ... ]
Enthumanisierung
Ein Grundzug modernen Dichtens ist seine immer entschiedener werdende Trennung vom natürlichen Leben. Mit Rimbaud zusammen bringt Mallarme die radikalste Abkehr von der Erlebnis- und Bekenntnislyrik und damit von einem Typus, wie er damals noch, mit Größe, in Verlaine verkörpert war. Zwar ist auch ä [ ... ]
Liebe und Tod sind enthumanisiert
Auch Mallarme kennt das Urthema aller Lyrik, die Liebe. Doch ist die Liebessituation Anlaß, geistige Akte auszusagen, gleichrangig neben Anlässen wie die leere Vase, wie ein Trinkbecher, wie ein Spitzenvorhang. Selbst ein in der Nähe herkömmlicher Frauenhuldigung gehaltenes Gedicht wie das herrliche [ ... ]
Lyrik ah Widerstand, als Arbeit und als Spiel
Mallarme war erfüllt von der Ãoberzeugung, daß Poesie eine durch nichts ersetzbare Sprache ist, das einzige Feld, auf dem die Zufälligkeit, Enge und Unwürde des Realen vollständig getilgt werden kann. Zuweilen hat diese Ãoberzeugung kultische Formen angenommen. Aber er besaß Geschmack genug, den jug [ ... ]
Das Nichts und die Form
Mallarmes dichterisches Arbeiten ist auch ein solches an der formalen Genauigkeit des Verses. Seine Lyrik wahrt die Konvention metri- scher, reimtechnischer, strophischer Gesetze. Aber diese Formenstrenge kontrastiert zu den verschwebenden Gehalten. , schreibt er am 7. März 1885 in einem Brief an [ ... ]
Das Sagen des Ungesagten; einige Stilmittel
Es wird immer nur wenige Leser geben, welche die nötige Geduld aufbringen, um die ungewöhnliche Sprache Mallarmes zu entziffern. Er selbst rechnete nur mit diesen wenigen - soweit er überhaupt mit Lesern rechnete. Wie man diese abnorme Erschwerung der Sprache auch beurteilen mag, man muß sie zur Ken [ ... ]
Die Nähe des Schweigens
Mallarme kennt und will die Nähe des Unmöglichen. Es ist die Nähe des Schweigens. In seine Dichtungen reicht das Schweigen hinein mittels der (weil vernichteten) Dinge und mittels einer Sprache, die mit den Jahren im Vokabular immer knapper, in der Tonführung immer leiser wurde. (Aus diesem Grund, [ ... ]
Dunkelheit; Vergleich mit Gongora
Die Isolierung Mallarmes bestätigt sich auch, wenn man ihn neben stilverwandte Lyriker der älteren Zeit hält. Wegen seiner Dunkelheit ist er oft mit einem der dunkelsten der früheren europäischen Dichter verglichen worden, mit dem Spanier Gongora. In der Tat ähneln sich beide in vielen Einzelheiten [ ... ]
Suggestives, nicht verstehbares Dichten
In solchem Dichten ist die Sprache nicht mehr Mitteilung. Mitteilung setzt Gemeinsamkeit mit demjenigen voraus, dem man mitteilt. Doch Mallarmes Sprache ist nur noch Ã"ußerung ihrer selbst. Wir haben mehrfach auf die Rolle aufmerksam gemacht, die das Absurde in der modernen Dichtung spielt. Auch bei [ ... ]
Das ontologische Schema - Die Abkehr vom Wirklichen
Wir sprachen mehrfach vom ontologischen Schema Mallarmes. Es bildet den eigentlichen Hintergrund seiner reifen Lyrik. Wie aus weiter Ferne lenkt es den Gedichtablauf, und zwar so, daß dieser selbst zum Vollzug eines ontologischen Vorgangs wird. Auf dieses Schema wird man dadurch aufmerksam, daß in d [ ... ]
Dos ontologische Schema - Die Idealität, das Absolute, das Nichts
Dem Wegstreben aus der Realität entspricht das Hinstreben zu einer Idealität. Zuweilen scheint Mallarme dabei platonische Denkweisen zu streifen. Ein Prosasatz könnte so gedeutet werden: [ ... ]
Das ontologische Schema - Das Nichts und die Sprache
Die ontologische Kernfrage Mallarmes aber betrifft das Verhältnis zwischen dem Nichts und der Sprache. Es ist die Existenzfrage des Dichters. In seinen Antworten kehren Reste der griechischen Logos-Idee wieder, ohne daß freilich irgendeine Berührung mit dem Griechentum erkennbar wäre. Es ist durchau [ ... ]
Ses purs ongles (Interpretation)
1887 redigierte Mallarme die endgültige Fassung eines titellosen Sonetts, das mit den Worten beginnt: Ses purs ongles... (S. 68). Es sei hier zur Verdeutlichung jenes sachlich negierenden, sprachlich erschaffenden Verfahrens seiner Lyrik angeführt. Die Erstfassung (1868) hatte zwar einen anderen Wor [ ... ]
Die ontologische Dissonanz
Hier muß nun bemerkt werden, daß wir in der Bemühung, den Leser an diesen schwierigen Autor heranzuführen, sein Denkgefüge bisher etwas stärker harmonisiert haben, als im ganzen erlaubt wäre. Denn durch dieses Gefüge geht ein Riß. Es ist derselbe, der sich bei Baudelaire und Rimbaud erkennen ließ: d [ ... ]
Okkultismus, Magie und Sprachmagie
Mallarme hat ein lebhaftes Interesse an der okkultistischen Literatur gehabt. Durch Vermittlung von Freunden waren ihm die Schriften des Eliphas Levi (= Abbe Constant) bekanntgeworden. Er stand im Briefwechsel mit V. E. Michelet, der die unter dem Namen des Hermes Trismegistos gehenden spätantiken G [ ... ]
Poesie pure
In diesem Zusammenhang ist noch einmal kurz der Begriff der poesie pure zu streifen. Gelegentlich war er von Sainte-Beuve, Baudelaire und anderen gebraucht worden. Auch bei Mallarme taucht er auf. Im 20. Jahrhundert bezeichnet er eine Dichtungslehre, die auf Mallarme (und den ) beruht. Was er meint, [ ... ]
Diktatorische Phantasie, Abstraktion und
In den früheren Kapiteln hatten wir mehrfach von der diktatorischen Phantasie gesprochen. Auch bei Mallarme ist von ihr zu sprechen, auch bei ihm treten ihre Bilder an die Stelle einer Wirklichkeit, die in ihren sachlichen Ordnungen den Künstler nicht mehr interessiert. Die Phantasie verfährt hie [ ... ]
Das Alleinsein mit der Sprache
Mit diesen wenigen Beispielen sind wir zum Künstlertum Mallarmes zurückgekehrt. Sie allein könnten genügen, seinen Satz zu bewahrheiten, daß Poesie ein abgelegenes Gebäude sei. Sein Werk jedenfalls ist das abgelegenste, das von moderner Lyrik je errichtet wurde. Sparsam aus wenigen Stoffen erbaut, v [ ... ]


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