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Malaparte, Curzio - Leben und Biographie



Curzio Malaparte, einer der meistgelesenen und umstrittensten Schriftsteller der 1950er Jahre, wurde durch seine polemischen Antikriegsro-mane Kaputt und Die Haut international bekannt. In ihnen entwarf er auf eindrucksvolle Weise ein expressionistisches, gespenstisches Szenarium menschlicher Erniedrigungen und Grausamkeiten im Zweiten Weltkrieg. In der italienischen Literatur des Neorealismus nahm Malaparte mit seinen provozierenden Dokumentationen eine Sonderstellung ein.

      Malaparte wuchs als Sohn eines Deutschen und einer Italienerin in Prato auf. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Freiwilliger in der französischen Armee und arbeitete danach als Journalist für zahlreiche Blätter. In den 1920er Jahren schloss er sich der faschistischen Partei an und war 1929-31 Chefredakteur der Tageszeitung LaStampa in Turin. 1933 ließ ihn Benito Mussolini aufgrund seiner politischen Haltung - er hatte regimekritische Schriften in Frankreich veröffentlicht - in die Provinz verbannen. Im Zweiten Weltkrieg war er als Kriegsberichterstatter für den Corriere dellaSera u.a. in Osteuropa tätig und ab 1943 als Verbindungsoffizier der alliierten Truppen. Nach dem Krieg folgten Reisen nach Südamerika und China, wo er 1957 schwer erkrankte.
      In seinem Roman Kaputt berichtete Malaparte in nüchternem Reportagestil über seine schrecklichen Kriegserlebnisse an der osteuropäischen Front. Die Haut ist inhaltlich und formal als Fortsetzung von Kaputt, dessen letzter Teil in Neapel spielt, zu betrachten.
      Die wichtigsten Bücher von Curzio Malaparte
Kaputt 1944 In seiner apokalyptischen Darstellung von Fronterlebnissen im Zweiten Weltkrieg berichtet Malaparte über Massakrierung, Zwangsprostitution und Judenverfolgung durch die Deutschen.
      Die Haut 1949 Malaparte schildert die grausamen Ereignissen in Neapel am Ende des Zweiten Weltkriegs und vom Vormarsch der Alliierten.
      Verdammte Toskaner 1956 Das Buch ist ein selbstbewusster und ironischer Lobgesang auf die Menschen und geschichtsträchtigeKulturderToskana, der geliebten Heimatregion des Schriftstellers.
      Verflixte Italiener 1961 In der humorvollen und poetischen Prosaschrift wirft Malaparte einen Blick auf Italien und die italienische Nation, die in der Geschichte immer wieder unverschuldet diskriminiert wurde.
      Die Haut
Der Roman, der 1949 noch vor der italienischen Ausgabe in französischer Sprache erschien, wurde zum Welterfolg. In apokalyptischen Bildern schildert Curzio Malaparte seine Erlebnisse und Beobachtungen im Zweiten Weltkrieg. Inhalt: Hauptschauplatz ist das durch die US-Amerikaner 1943 befreite Neapel, dessen Einwohner angesichts von Hunger und Not ums nackte Ãoberleben kämpfen. Die zerbombte Stadt steht beispielhaft für das durch Krieg und furchtbare Leiden erschütterte Europa. Um die eigene »Haut« zu retten und der Misere um jeden Preis zu entrinnen, fallen - wie Malaparte in extremen, schockierenden Episoden schildert - sämtliche moralische Schranken. Alles ist käuflich: Prostitution, Kindesmissbrauch, Perversität, Korruption und Verrat sind an der Tagesordnung. Das Elend kulminiert im Vesuvausbruch, der die Stadt in ein Inferno verwandelt und zahlreiche Todesopfer fordert. Malaparte, Verbindungsoffizier des italienischen Befreiungskorps bei den Amerikanern, nimml die Rolle des zynischen Beobachters und Narren wahr, der seinen amerikanischen Waffengefährten die grausame, nicht selten absurde Wahrheit respektlos und lachend ins Gesicht sagt und nicht um überraschende, schockierende Pointen verlegen ist. Bei Jack Hamilton, einem humanistisch gebildeten US-Colonel, der ihn durch das verwahrloste Neapel und später beim Vormarsch der Alliierten begleitet, sucht er Verständnis für das Unglück des besiegten und zugleich befreiten Italien. Der sympathische Jack, der Malapartes schwarzen Humor schätzt, steht sinnbildlich für das naive, gutmütige Amerika, das an die Ausrottung des Bösen glaubt. Doch muss er erkennen, dass auch seine Landsleute die Armut der italienischen Bevölkerung schamlos ausnutzen. Er fällt schließlich »vergebens« im Befreiungskampf um Italien.
      Aufbau: Der in zwölf Kapitel unterteilte Roman setzt sich aus reportageartigen Episoden zusammen, die locker miteinander verbunden sind. Als Rückblenden eingewoben sind Erinnerungen des Autors an seine Verbannung und an die Judenverfolgung in Osteuropa.
      Wirkung: Die schonungslose und pessimistische Schilderung des moralischen Niedergangs der Stadt Neapel während des Zweiten Weltkriegs löste in Italien eine Welle der Entrüstung aus. Dies tat dem Erfolg des Buchs, das zum Bestseller wurde, jedoch keinen Abbruch.


 Tags:
Malaparte,  Curzio    





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