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Lowry, Malcolm - Leben und Biographie



Mit seinem autobiografisch beeinflussten Trinkerroman Unter dem Vulkan etablierte sich Malcolm Lowry als einer der großen englischsprachigen Autoren der Moderne. In Romanen, Erzählungen und Gedichten schildert er mit erzähltechnischen Experimenten Identitätsverlust, Einsamkeit und existenzielle Hoffnungslosigkeit in einer von Krieg und Unmoral degenerierten Welt.
      Nach dem Schulabschluss reiste Lowry als Schiffsjunge nach China und studierte nach der Rückkehr 1929-32 in Cambridge Philosophie. Schon als Student schrieb er Kurzgeschichten und den Seefahrer-Roman Ultramarin . Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Frankreich, Russland und China. 1936-38 lebte er in Cuernavaca in Mexiko, 1940-54 in der kanadischen Provinz British Columbia.

      1955 kehrte Lowry mit seiner zweiten Ehefrau nach England zurück, wo er zwei Jahre später - alkoholsüchtig und nach psychiatrischer Behandlung - an einer Ãoberdosis Schlaftabletten starb. Postum erschienen derErzähl-banri Hör uns, o Herr, der Du im Himmel wohnst , zwei Gedichtsammlungen sowie die Romane Dunkel wie die Gruft, in der mein Freund begraben liegt und Oktoberfähre nach Gabriolai 1970).

      Unter dem Vulkan
Malcolm Lowry nannte seinen Roman Unter dem Vulkan, den er in den Jahren 1936-44 schrieb, eine »authentische Trinkergeschichte«. Das Buch ist die Zustandsbeschreibung der »trunkenen Welt« am Vorabend des Zweiten Weltkriegs und wegen seiner formalen Experimente ein Klassiker der Moderne. Inhalt: Allerseelen 1938 in Cuer-navaca, Mexiko. Geoffrey Firmin, 42 Jahre alt, britischer Ex-Konsul und notorischer Trinker, durchstreift die Stadt am Fuße des machtigen Vulkans Popocatepetl auf der Suche nach dem nächsten Drink. Er trinkt alles: Tequila, Whiskey, Strychnin und Mescalin, das ihn umbringen wird, wie er »am Tag der Toten« prophezeit. Noch einmal sieht er seine Frau Yvonne und seinen Halbbruder Hugh wieder. Beide wollen den gebildeten und trotz seiner Trinkerei durchaus würdevollen Ex-Konsul retten. Doch müssen sie erkennen, dass sie ihn an den Alkohol verloren haben. Am Ende landet Firmin in einer schäbigen Kneipe auf einem Berg über der Stadt. Weil er keinen Ausweis dabei hat, nimmt ihn eine Faschistenbande gefangen und erschießt ihn. Aufbau: Nicht zufällig erinnert Unterdem Vulkan an den Jahrhundertroman Ulysses von James -»Joyce. Beide Werke spielen an nur einem einzigen Tag, beide Autoren erzählen ihre Geschichte mit experimentellen literarischen Mitteln wie Assoziation, Allegorie, innerem Monolog, fremdsprachlichen Einschoben, Lautmalereien, Slogans, Symbolen und Zeitsprüngen. Lowry beschwört mit Anspielungen auf^Dante Alighieris Die göttliche Komödie und ^Shakespeares König Lear sprachliche Bilder von Tod und Zerstörung herauf. Für die alkoholgetränkten Delirien des britischen Kon-suls findet er suggestive Ausdrücke, die atmosphärisch dichten Beschreibungen einer urtümlichen Landschaft erinnern an Autoren wie D. U. -^Lawrence und Thomas-^Wolfe.
      Der Konsul, den das Trinken zum einsamen Mann gemacht hat, verkörpert die existenzielle Verlorenheit des in seiner Identität bedrohten modernen Menschen. Firmins Selbstzerstörung ist eine Flucht vor persönlichen Enttäuschungen und der bitteren Realität einer vom Krieg bedrohten Welt. Doch selbst in der Absurdität seines Todes bewahrt Firmin Würde, darin den mysteriösen Anti-Helden von Albert -»Camus ebenso verwandt wie den gescheiterten Idealisten in den Büchern von Er-nest -^Hemingway.
      Wirkung: Unterdem Vulkan war Teil eines geplanten Zyklus mit dem Titel Die Reise, die nie zu Endegeht.]r den USA wurde das Werk bald nach Erscheinen ein Bestseller und von der Kritik gelobt, die britischen Kritiker reagierten lange Zeit zurückhaltend. 1984 würdigte Schriftstellerkollege Anthony -> Burgess Unter dem Vulkan als »eines der wenigen wirklichen Meisterwerke dieses Zeitalters.« Im gleichen Jahr wurde der Roman von John Huston mit Albert Finney verfilmt.
      Alkoholismus als Thema in der modernen Literatur
Jack London 1913 König Alkohol: Der schonungslose autobiografische Roman trug in den USA zur Einführung der Prohibition wesentlich bei .
      Joseph Roth 1939 Die Legende vom heiligen Trinker:Roth erzählt eine ironisch gebrochene Wunder- und Gnadengeschichte um einen Trinker.
      Malcolm Lowry 1947 Unter dem Vulkan:ün alkoholsüchtiger britischer Konsul wird in Mexiko vor einer Spelunke von Faschisten erschossen.
      Hans Fallada 1950 Der Trinker: Mit besessener Akribie schildert Fallada den Absturz eines erfolgreichen Kaufmanns durch seinen Alkoholismus.
      Wenedikt Jerofejew, 1969 D/efle/senaD) PetuscM/.'EinintellektuellerAußenseiter redet sich in einen Traum hinein, bis ersieh im Delirium verliert.
      Charles Bukowski 1975 Faktotum: Ein junger Mann finanziert mit Gelegenheitsjobs seine einzigen Grundbedürfnisse - Essen, Trinken und Sex.
      JohnO' Brien 1991 ieov/ng/xis Vegas/Ein gescheiterter Drehbuchautor aus Hollywood fährt ins Spielerparadies, nur um sieh zu Tode zu trinken.
      Wolfgang Hilbig 2000 Das Provisorium: Ein trinkender ostdeutscher Autor mit Westvisum stürzt nach der Wende in der DDR in eine Identitätskrise.
     


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