Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


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Lessing, Gotthold Ephraim - Leben und Biographie



Als Aufklärer setzte sich Gotthold Ephraim Lessing in seinem ganzen Schaffen unermüdlich und unerschrocken für Vernunft, Toleranz und Humanität ein und wandte sich mit teilweise polemischer Schärfe gegen Vorurteile aller Art. Da er auch in seinem persönlichen Leben nicht bereit war, sich der Bevormundung durch die Kirche und den absolutistischen Staat zu beugen, wagte er es - wohl als Erster auf deutschem Boden -, als freier Schriftsteller zu leben. Durch sein vielseitiges und umfangreiches schriftstellerisches Wirken wurde er zum Vorbild und Wegbereiter der deutschen Klassik, zum Erneuerer des deutschen Dramas und auch zum Schöpferder modernen Literatur- und Theaterkritik in deutscher Sprache.

      Nachdem er in Leipzig Theologie, Philologie und Medizin studiert hatte, ging der Sohn eines protestantischen Pfarrers 1748 nach Berlin, wo er als Redakteur der »Vossischen Zeitung«, als Literaturkritiker, Ãœbersetzer und Dichter arbeitete und u. a. mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn , ebenfalls bedeutenden Aufklärern, Freundschaft schloss. Bereits während seines Studiums hatte Lessing, fasziniert von der Neuberschen Theatergruppe, erste, den Gottschedschen Regeln entsprechende Typenkomödien geschrieben. 1755 schuf er mit Miss Sara Sampson das erste bürgerliche Trauerspiel, inspiriert durch die Romane der Fngländer Samuel —» Richardson und Henry —» Fielding. Damit begründete er eine Gattung, in der - statt Herrschern und Mitgliedern der Aristokratie - Bürger als Helden einer Tragödie auftreten und bürgerliche Vorstellungen propagiert werden, wodurch er den Bestrebungen des nach Emanzipation ringenden Bürgertums Ausdruck verlieh.
      Nach einem Zwischenspiel als Sekretär des Generals von Tauentzien in Breslau begleitete Lessing als Dramaturg den - bereits nach kurzer Zeit gescheiterten - Versuch, in Hamburg ein Deutsches Nationaltheater zu etablieren. Er schrieb Rezensionen und theoretische Konzeptionen, zusammengefasst in der Hamburgischen Dramaturgie , in der er, in Abkehr von den noch vorherrschenden höfischen französischen Schauspielen, die Grundlagen des bürgerlichen Dramas entwickelte.
      Obwohl von vielen geachtet und bewundert, gelang es Lessing, der Aufklärung als steten Entwicklungs- und Verbesserungsprozess verstand, doch nie, eine seiner Bedeutung angemessene Förderung oder Anstellung zu finden. Da ihm sein zeitweiliger Landesherr, König Friedrich 11. von Preußen, seine Gunst und den Posten eines Direktors der Königlichen Bibliothek in Berlin versagte, musste Lessing seine letzten elf Lebensjahre als Bibliothekar des Herzogs von Braunschweig in Wolfenbüttel verbringen. Dort vereinsamte der auf den unmittelbaren geistigen Austausch Angewiesene, vor allem nachdem seine Frau, Eva König, nach kurzer Ehe 1778 im Kindbett gestorben war. Vom Herzog an der Fortführung seiner Auseinandersetzung mit dem orthodoxen Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze gehindert, in der es Lessing um religiöse Toleranz und die Freiheit der Wissenschaft ging, schrieb der »Wahrheitsucher, Wahrheitkenner, Wahrheitverfechter« 1779 sein dramatisches Vermächtnis, das Schauspiel Nathan der Weise.
      Nathan der Weise
Das dramatische Gedicht Nathan der Weise war Gotthold Ephraim Lessings Antwort auf das Verbot seiner religiösen Streitschriften gegen die Orthodoxie. Mit dem Appell an Toleranz und Humanität im Sinne der Aufklärung und der wirkungsvollen Jambensprache gehört es zum Kanon der deutschen Literatur. Inhalt: In Jerusalem, der Stadt der drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam, zieht zur Zeit der Kreuzzüge der Jude Nathan an Kindes statt die junge Christin Recha auf. Vor einer Feuersbrunst wird Recha von einem christlichen Tempelherrn gerettet . In einer verwickelten Handlung, die Vertreter aller Religionen zusammenführt, stellt sich heraus, dass beider Vater ein verschollener Bruder von Sultan Saladin ist. Als Saladin von der Weisheit des wohlhabenden Juden Nathan hört, befragt er diesen - um ihn zu testen -, welche der drei Religionen die wahre sei. Nathan antwortet mit der Parabel der drei Ringe: In einem Herrscherhaus wird seit Generationen ein Ring vom Vater auf den Lieblingssohn vererbt, bis ein Herrscher keinem Sohn den Vorzug geben möchte und zwei weilere Ringe anfertigen lässt, die dem ersten gleichen. Um die Kraft des wahren Ringes, der vor Gott und den Menschen angenehm macht, zu erweisen, gilt für die Söhne: »Es eifre jeder seiner unbestochenen, von Vorurteilen freien Liebe nach.« Der Vater ist Gott, die Ringe sind die Religionen, der Streit um den echten Ring respektive die wahre Religion ist überflüssig, da es an jedem Einzelnen liegt, seinen Ring zu dem echten zu machen. Aufbau: Im Mittelpunkt dieser die Religionen verbindenden Familiengeschichte steht Nathans Erzählung der Ringparabel, die Lessing aus Giovanni -> Boccaccios Dekameron entlehnt hat. In der Handlung spiegeln sich Lessings aufklärerische Vorstellungen von Humanität. Als Vers verwendete er meisterhaft den ungereimten fünfhebigen Jambus. Damit verdrängte Lessing den Alexandriner als Hauptvers des deutschen Dramas und setzte den Blankvers als klassischen deutschen Dramenvers durch.
      Wirkung: Nathan der Weise setzte sich auf der Bühne nicht sogleich, sondern erst mit —> Schillers Weimarer Aufführung im Jahre 1801 durch, sah sich jedoch im 19. Jahrhundert zahlreichen antisemitischen Angriffen ausgesetzt. Im nationalsozialistischen Deutschland war das Stück verboten, nach 1945 wurde es zu einem der am häufigsten gespielten klassischen Dramen.
     


Lessings philotas

Auf recht subtile Weise hat Lessing seine Skepsis gegenüber dem Gattungstyp der heroischen Tragödie im Philotas zum Ausdruck gebracht, dessen Figurengestaltung die Gesetzmäßigkeiten des klassizistischen Trauerspiels ironisch konterkariert . Der erst achtzehnjährige Titelheld, der, nach militärischen .....
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Lessings poetik des mitleids

Ihre ingeniöse Begründung erfährt die Theorie des bürgerlichen Trauerspiels durch Lessing, dessen wesentlicher Beitrag darin besteht, daß er die formalen Bestimmungen der Gattung um Elemente einer neuen Gefühlskultur ergänzt, die teils aus der britischen Moral-sense-Philosophie, teils aus sensualist .....
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Lessings lustspiele

In nur geringem Maße beeinflußt die Programmatik der rührenden Komödie die Lustspielformen, mit denen der junge Lessing seit dem Ende der 40er Jahre hervortritt. Zwar nimmt der aufstrebende Autor die Entwicklung der Gattung interessiert zur Kenntnis, wie man seinen theoretischen Abhandlungen entnehm .....
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Lessing, gotthold ephraim

Geb. 22.1.1729 in Kamenz; gest. 15.2.1781 in Braunschweig Eine von dem Dramatiker Heiner Müller geschaffene Theaterfigur stellt sich mit der folgenden Sentenz dem Publikum vor: »Mein Name ist Gotthold Ephraim Lessing. Ich bin 47 Jahre alt. Ich habe ein/zwei Dutzend Puppen mit Sägemehl gestopft das .....
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Gotthold ephraim lessing (i729-i78i)

Lessing ist der bedeutendste Vertreter der deutschen Aufklärung . Erwarauch einer der ersten »freien« Schriftsteller, zeit seines Lebens hatte er versucht, auf fürstliche Mäzene zu verzichten, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Kr studierte 1746-1748 in der Kulturmetropole Leipzig an jener berühmten Un .....
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Ich möchte tanzen lernen - Ãœber gotthold ephraim lessing

»Dann also bis morgen Abend«, sagte Mylius. Er tippte sich unternehmungslustig an den Hut. »Ich hole dich ab. Und versuche ja nicht, mich wieder mit einer Ausrede abzuspeisen.« Als es Lessing endlich gelungen war, den späten Besucher aus seiner Kammer hinauszukomplimentieren, setzte er sich gleich .....
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Gotthold ephraim lessing

Gotthold Ephraim Lessing wird am 22. Januar 1729 als Sohn des Pfarrers Johann Gottfried Lessing und seiner Lrau Justine Salome heller in der Kleinstadt Kamcnz in Sachsen geboren. Mit zwölf kommt Lessing auf die Fürstenschule Sankt Afra in Meißen. Von dort geht er 1746, ein Jahr früher als üblich, au .....
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Lessing, gotthold ephraim

Auf Lucinden Preisendanz, Wolfgang. In: Gedichte und Interpretationen 2, 1983, S. 216 - 224. Die drey Reiche der Natur Pachter, Karl. In: Gedichte und Interpretationen 2, 1983, S. 192 - 203. Lob der Faulheit Neumann, Peter Horst. In: Frankfurter Anthologie 7, 1983, S. 29 - 32. Nix Bodens .....
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Lessing - ein deutscher aufklärer

Lessing war ein leidenschaftlicher Verfechter der Aufklärung, aber nichts verachtete er mehr als besserwisserische Ãœberheblichkeit; er kannte die Grenzen menschlicher Vernunft: 'Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit .....
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Werner rieck - die höhepunkts- oder lessing-phase der deutschen aufklärung ...

Die nationalliterarisch bedeutsamste Entwicklungsstufe der Aufklärungsliteratur, die einen Zeitraum von etwa 1750 bis 1770 umfaßt und die wir als Höhepunkts- oder Lessingphase bezeichnen, ist vor allem dadurch charakterisiert, daß die gesamte Aufklärungsbewegung in Deutschland auf Grund größerer ges .....
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Werner rieck - aus: die höhepunkts- oder lessing-phase der deutschen aufklärung ...

Diese Tendenz, die weit größere Berücksichtigung des bürgerlichen Individuums als Autor, Held oder Symbolfigur läßt sich auch in Klopstocks Dichtungen feststellen, da sich hier das lyrische Subjekt als bürgerliches Subjekt empfand. [...] Im kritisch-distanzierten Rückgriff auf die Anakreontik, auf d .....
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Gotthold ephraim lessing - abhandlungen über die fabel

Von dem Wesen der Fabel Wenn wir einen allgemeinen moralischen Satz auf einen besondern Fall zurückführen, diesem besondern Falle die Wirklichkeit erteilen, und eine Geschichte daraus dichten, in welcher man den allgemeinen Satz anschauend erkennt, so heißt diese Erdichtung eine Fabel. [■ .....
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Gotthold ephraim lessing - briefe, die neueste literatur betreffend

Siebzehnter Brief 'Niemand", sagen die Verfasser der 'Bibliothek", wird leugnen, daß die deutsche Schaubühne einen großen Teil ihrer ersten Verbesserung dem Herrn Professor Gottsched zu danken habe." Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu. Es wäre zu wünschen, daß sich Herr Gottsched niem .....
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Gotthold ephraim lessing - laokoon

XVI [...] wenn es wahr ist, daß die Malerei zu ihren Nachahmungen ganz andere Mittel oder Zeichen gebrauchet, als die Poesie; jene nämlich Figuren und Farben in dem Räume, diese aber artikulierte Töne in der Zeit; wenn unstreitig die Zeichen ein bequemes Verhältnis zu dem Bezeichneten haben müssen: .....
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Gotthold ephraim lessing - hamburgische dramaturgie

Erstes Stück [...] Die Leidenschaften nicht beschreiben, sondern vor den Augen des Zuschauers entstehen, und ohne Sprung, in einer so illusorischen Stetigkeit wachsen zu lassen, daß dieser sympathisieren muß, er mag wollen oder nicht: das ist es, [...] was das Genie ohne es zu wissen, ohne es sich .....
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Lessing, gotthold ephraim

Eine von dem Dramatiker Heiner Müller geschaffene Thea-terfigur stellt sich mit der folgenden Sentenz dem Publikum vor: »Mein Name ist Gotthold Ephraim Lessing. Ich bin 47 Jahre alt. Ich habe ein/zwei Dutzend Puppen mit Sägemehl gestopft das mein Blut war, einen Traum vom Theater in Deutschland getr .....
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