Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Lee, Stanislaw Jerzy

Lee, Stanislaw Jerzy - Leben und Biographie



Im literarischen Werk von Stanislaw Jerzy Lee, das von stilistischer Brillanz, extremer sprachlicher Verknappung und großem moralischem Gewicht gekennzeichnet ist, spiegeln sich eine umfassende literarische Kultur, scharfsinniger Witz und Gespür für die Pointe sowie die Erfahrungen eines Lebens voller Brüche und Widersprüche wider.
      Lee stammte aus einer jüdischen Bankiersfamilie. Nach einem Jurastudium in Lemberg, wo auch sein Erstling, der Lyrikband Farben erschien, zog er 1934 nach Warschau und wurde dort als Satiriker bekannt. Während des Kriegs geriet Lee in das Konzentrationslager Tarnopol, aus dem er 1943 fliehen konnte. Er nahm als Offizier der Volksarmee aktiv in den Reihen der kommunistischen Partisanenarmee am Krieg teil. Anschließend war Lee zunächst Diplomat in Wien, emigrierte 1950 nach Israel und kehrte zwei Jahre später nach Warschau zurück.

      Nach dem Ende der Stalinzeit entfaltete Lee erneut seine literarische Tätigkeit als Satiriker und machte vor allem als Autor der Sammlung Unfrisierte Gedanken von sich reden, durch die der Aphorismus als literarische Kunstform erneuert wurde. Seine Lyrik kennzeichnet ebenfalls die Tendenz zur extremen Verknappung und zur Reflexion.

      Unfrisierte Gedanken
Die Unfrisierten Gedanken sind witzige, geistreiche und präzise Kleinstkommentare und Denkanstöße zu politischen, gesellschaftlichen, moralischen und philosophischen Fragestellungen. In den scheinbar leichtfüßigen Spott, mit dem Stanislaw Lee die Gegenstände seiner Kritik -Fanatismus, Intoleranz, Verlogenheit, Denkfaulheit - überzieht, mischen sich auch schwermütige Töne.
      Entstehung: Lee veröffentlichte seine Aphorismen seit 1954 kontinuierlich in den Zeitschriften Nowa Kultura, Przeglad Kultu-ralny Szpilki, Twörczos c und 5 wiat. Die erste Buchausgabe erschien 1957; die zweite, stark erweiterte Auflage folgte 1959. Die abermals erweiterte dritte Auflage kam 1968 postum heraus. Parallel erschien 1964 die Sammlung Neue unfrisierte Gedanken. 1996 wurde eine Auswahl von Texten aus dem Nachlass veröffentlicht. Insgesamt erschienen über 2000 Aphorismen von Lee.
      Inhalt: Die Spannbreite der Aphorismen um-fasst im Wesentlichen die Themenkomplexe Staat, Gesellschaft und Politik. Insbesondere kritisiert Lee den Totalitarismus sowie den Missbrauch staatlicher Macht und die politische Unterdrückung. Aufgedeckt werden solche Begleiterscheinungen und Auswirkungen totalitärer Ideologien wie Opportunismus, Willkür, Unfreiheit, Ungerechtigkeit und Zensur .
      Lee befasst sich außerdem mit dem Menschen, seinem Wesen, seinen Charakterzügen und Schwächen. Die psychologisch durchdringenden Beobachtungen entwerfen ein im Ganzen wenig schmeichelhaftes Bild von der moralischen Deformierbarkeit des Menschen: »Wenn ein Menschenfresser mit Messer und Gabel isst - ist das ein Fortschritt?« Gegenstand der Ãœberlegungen sind ferner die Gebiete Ideal und Realität , Religion und Glauben sowie Denken und Wahrheit .
      Das Werk zeichnet sich durch äußerste sprachliche Verknappung und Pointiertheit aus, wobei
Sprachform, ideeller Gehalt und Pointe zusammenfallen und untrennbar miteinander verknüpft sind. In seinen Aphorismen greift Lee mit Vorliebe auf rhetorische Techniken und Stilverfahren zurück, die sprachliche und gedankliche Stereotypen aufbrechen. Dazu gehört das abgründige Spielen mit Worten, Redensarten oder Sprichwörtern wie »Wir fordern einen achtstündigen Gedankentag«, die Bearbeitung literarischer Zitate und die Verwendung kultureller und historischer Verweise in einen ungewohnten Kontext, wie z.B. »Am Anfang war das Wort -am Ende die Phrase«.
      Lee gebraucht außerdem Stilmittel, die eingefahrene Denkweisen aushebeln und eine überraschende Perspektive eröffnen sollen, wie z.B. das Paradoxon , der Alogismus , die Doppeldeutigkeit und die Ironie . Wirkung: Mit Unfrisierte Gedanken hat Lee die Gattung des Aphorismus erneuert und aufgewertet. Unabhängig von ihrer großen künstlerischen Wirkungskraft ist den Aphorismen von Lee die größte Ehre widerfahren, die es für ein literarisches Werk geben kann - viele seiner Aussprüche sind als »geflügelte Worte« in die Alltagssprache eingegangen und sprichwörtlich geworden.

      Aphorismus
Bedeutung: Aphorismen sind kurze Prosatexte, die in geschliffener Form einen geistreichen, betont subjektiven Gedanken moralischer, philosophischer, psychologischer, ästhetischer Art zum Ausdruck bringen. Ihrer formalen Gestaltung nach sind Aphorismen in sich abgeschlossene, kontextunabhängige Aussagen. Im Hinblick auf ihren ideellen Gehalt hingegen sind sie extrem offen, indem sie den Leser zum Weiterdenken oder zum Widerspruch reizen. Verwandte Begriffe: Mit dem Aphorismus verwandt sind u.a.: Sentenz , Maxime , Apophthegma , Bonmot , Sprichwort , Gnome , Epigramm .
      Hauptvertreter: Zu den frühen Meistern gehören vor allem die französischen Moralisten des 17.-18. Jahrhunderts, u.a. Francois de -» La Rochefoucauld, Blaise -> Pascal, Luc de Ciapiers, Marguis de Vau-venargues sowie der Spanier Baltasar Graciän . Eine bedeutende Tradition hat der Aphorismus in Deutschland. Auf Georg Christoph von -> Lichtenberg im 18. Jahrhundert folgen u.a.^Goethe, Friedrich Schlegel , ->Novalis, Heinrich -> Heine, Arthur -> Schopenhauer, Friedrich —> Nietzsche, Kurt -» Tucholsky, Theodor W. —> Adorno und Elias ^Canetti. In Polen sind es Stanislaw Jerzy Lee , Karol Irzykowski und Adolf Nowaczynski .
     


Wie leer ist eine leerstelle? zur didaktischen begründung der historisch orientierten textbehandlung

Mit dem Begriff der 'Leerstelle" wird in der Rezeptionstheorie ein bekanntes Phänomen bezeichnet: der Text bietet dem Leser Informationen, verknüpft diese Informationen aber nur teilweise, so daß der Leser sich aufgefordert fühlt, die fehlenden Verknüpfungen selbst herzustellen, dazu Informationen z .....
[ mehr ]
Index » Deutsche Novellen » Hugo von Hofmannsthal: Reitergeschichte

Die leere idealität

Indessen versteht man von diesem ruinösen Christentum her eine weitere, für die Folgezeit bedeutsame Eigentümlichkeit Baudelaire-schen Dichtens. Sie haftet an Begriffen wie , , . Aber Aufstieg wohin? Da und dort wird Gott als Ziel genannt. Viel häufiger aber hat es nur unbestimmte Namen. Was ist es? .....
[ mehr ]
Index » Autoren » BAUDELAIRE

Die voyant-briefe (leere transzendenz, erstrebte abnormität, dissonantische )

1871 schrieb Rimbaud zwei Briefe, in denen er das Programm künftigen Dichtens entwarf. Das Programm deckt sich mit der zweiten Phase seines eigenen Dichtens. Da die Briefe um den Begriff des Sehers kreisen, hat man sich daran gewöhnt, sie die Voyant-Briefe zu nennen . Sie bestätigen auch für Rimbau .....
[ mehr ]
Index » Autoren » RIMBAUD

Klee, paul

Du, still allein Maier, Rudolf Nikolaus. In: Das moderne Gedicht, 1963, S. 157- 161. Herr Waldemar Maiwald, Peter. In: Frankfurter Anthologie 15, 1992, S. 139- 142. Zwei Berge gibt es Jakobson, Roman. In: Hölderlin, Klee, Brecht, 1976, S. 97 - 105. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Leenders, hiltrud und artur, bay, michael

Biografien: Hiltrud Leenders *5.3.1 in Nieswalde, Dr. Artur Leenders *12.3.1 in Meerbusch, Michael Bay *29.9.1 in Rheine. H. Leenders studierte Germanistik und Anglistik, war zunächst als literarische Ãœbersetzerin tätig und hat sich dann einen Namen als Lyrikerin gemacht. Sie ist verheiratet mit Dr .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

 Tags:
Lee,  Stanislaw  Jerzy    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com