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le Carre, John - Leben und Biographie



Mit einer stattlichen Reihe von Romanen hat le Carre seit den sechziger Jahren das englisch geprägte Genre des Spionage- oder Agentenromans erneuert, vertieft und auch für Leser des 21. Jahrhunderts attraktiv gemacht. Das gelingt ihm durch die Kombination der herkömmlichen Gattungsregeln mit moralischen Fragen sowie gesellschaftskritischen und satirischen Aspekten. Am Ende des 20. Jahrhunderts darf er als einer der weltweit erfolgreichsten und zugleich seriösesten Autoren der Spannungsliteratur gelten.

      Nach einer Kindheit in schwierigen Familienverhältnissen und wechselnden Internaten studierte le Carre Germanistik in Bern und Oxford. 1949 leistete er seinen Militärdienst beim British Army lntelligence Corps. In den frühen 1950er Jahren war er Lehrer an verschiedenen Schulen, u.a. Tutor am Eton College. Ab 1960 im diplomatischen Dienst, war le Carre u.a. an der britischen Botschaft in Bonn und beim
Hamburger Konsulat stationiert; während der gesamten Dienstzeit arbeitete er verdeckt und vorrangig für den britischen Geheimdienst S1S/M16. Sein offizieller Status war ausschlaggebend für die Wahl des Pseudonyms John le Carre. Nach zwei ersten Romanen, die eher dem Detektiv-Genre zuzurechen sind, brachte Der Spion, der aus der Kälte kam 1963 gleich einen großen, auch internationalen Erfolg und ermöglichte es le Carre, als freier Schriftsteller zu leben. Bis zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 2001 verfasste le Carre weitere 15 Romane, die alle dem Genre des Spionage- oder Agenten-romans angehören.
      Der Spion, der aus der Kälte kam
Mit seinem dritten Roman Der Spion, der aus der Kälte kam erzielte John le Carre 1963 einen internationalen Publikumserfolg und begründete seine Reputation als unbestrittener Meister des Spionage-oder Agentenromans. Die Bemerkung seines Vorbilds Graham -»Greene, dies sei die beste Spionagegeschichte, die er je gelesen habe, fand in der Literaturkritik kaum Widerspruch. Inhalt: Alec Leamas, ein alter Fuchs beim britischen Geheimdienst, hat all seine Agenten in der DDR verloren. Nachdem der letzte, ein führender SED-Politiker, bei einem Fluchtversuch erschossen wurde, soll Leamas von Berlin aus seinen Widersacher Mundt, den mächtigen Vize der ostdeutschen »Abteilung«, endgültig ausschalten. Nach einem von George Smiley ausgeklügelten Plan soll Leamas, scheinbar aus dem Dienst entlassen und verwahrlost, von den Ostdeutschen angeworben und in die DDR gebracht werden. Dort glaubt Fiedler, Mundts Konkurrent, diesen als britischen Geheim-agenten entlarven zu können. Im Verlaufeines Parteiverfahrens kann Mundt jedoch den Spieß umdrehen und Fiedler mit Leamas der Konspiration gegen ihn und die Stasi beschuldigen. Das gelingt, weil er auf unerklärliche Weise über Leamas' andauernde Kontakte zum Secret Service und über seine Liebesbeziehung zu Liz, einer jungen englischen Kommunistin, informiert ist. Erst spät erkennt Leamas »den ganzen grausigen Trick«: Er selbst war von seinem Dienst getäuscht worden - er sollte nicht Mundt zur Strecke bringen, sondern den argwöhnischen Fiedler, der dann wirklich von seinen eigenen Leuten liquidiert wird. Immerhin scheint Mundt sowohl Leamas als Liz, die in der DDR als unfreiwillige Belastungszeugin verwendet wurde, die Flucht über die Berliner Mauer zu erlauben. Im letzten Moment erweist sich jedoch auch dies als Täuschung: Das Mädchen wird erschossen und Leamas verzichtet auf den lebensrettenden Sprung in den Westen, wo ihn Smiley vergebens erwartet.
      Aufbau: Le Carre benutzt die historische Konstellation des Kalten Kriegs als Grundmuster für seine Erzählung und richtet den Blick auf jenen
Ort, an dem die Teilung der Welt in zwei feindliche Blöcke besonders anschaulich, ja symbolisch erscheint: auf das geteilte Berlin und die kurz zuvor erbaute Mauer. Er entwickelt hieraus jedoch keine Schwarzweiß-Zeichnung, wie dies in der Tradition des britischen Spionageromans die Regel war. Sein Held Leamas muss erfahren, dass die eigene Seite keineswegs verantwortungsvoller oder moralischer handelt als die feindliche. Mit der sehr dynamischen, an überraschenden Wendungen reichen Handlung verknüpft le Carre die zentralen Themen der Loyalität , aber auch der Täuschung und der Enttäuschung durch die eigene Seite. Damit schließt er be-wusst an eine Traditionslinie politischer Literatur im 20. Jahrhundert an, für die besonders die Sonnenfinsternis von Arthur Koestler steht.
      Wirkung: Der Spion, der aus der Kälte kam hatte weltweit einen außerordentlicher Erfolg bei Lesepublikum sowie Kritik und etablierte le Carre als internationalen Bestsellerautor. Die Verfilmung von Martin Ritt aus dem Jahr 1965 mit Richard Burton als Leamas konnte diesen Effekt nur verstärken. Entscheidend war neben den handwerklichen Qualitäten des Romans sicher auch die Tatsache, dass er eine akute historische Problematik und Zeitstimmung sehr genau traf.
      Politthriller und Spionageroman
Spionageroman: Beim Spionageroman handelt es sich um ein besonders in der angelsächsischen Literatur populäres, handlungsstarkes Subgenre des Kriminalromans mit gelegentlich stark patriotischen Zügen. Der tendenziell reaktionäre Charakter des Spionageromans lässt sich vor allem bei jener romantischen Version des Genres beobachten, die lan Fleming mit seinen Romanen um den britischen Meisterspion James Bond geprägt hat. In der Regel wird in Romanen dieser Art ein besonders befähigter Mitarbeiter eines Geheimdienstes auf eine Mission geschickt, bei der das Schicksal Englands oder der freien Welt auf dem Spiel steht. Wie der Held mittelalterlicher Epen im Kampf mit dem Drachen, erledigt der Agent in seinem Kampf mit einem übermächtigen Gegner - zumeist allein,verraten von vermeintlichen Freunden, mitunter auch noch sabotiert vom politischen Kalkül seiner Vorgesetzen - die ihm anvertraute Aufgabe. Richtungen: In der Geschichte des Genres stehen realistische oder satirische, jedenfalls aber literarisch ambitionierte Spionageromane - Der Geheimagent von Joseph -» Conrad, Unser Mann in Havanna von Graham -> Greene, die Romane von Eric-> Ambler sowie Der Spion der aus der Kälte kam von John le Carre - neben den stärker am Schema des Abenteuerromans orientierten Erzählungen, für die Autoren wie John Buchan , Er-skine Childers oder Fleming Beispiele geliefert haben. In beiden Typen fungiert der Spion als britische Variante des »cultural hero«, der eine dem amerikanischen Cowboyvergleichbare Heldenrolle einnimmt; der Anachronismus seines Handelns und die Kultiviertheit seiner Persönlichkeit verweisen auf den Niedergang des britischen Empire und der englischen Oberschicht in der Epoche seit dem Ersten Weltkrieg.
      Politthriller: Im Politthriller tritt die Figur des Geheimagenten zurück zu Gunsten der kolportagehaften Darstellung eines politischen Szenarios, in dem die Grenzen zwischen Gut und Böse sich zunehmend auflösen. Romane wie die von Ambler oder Forsyth beziehen ihren Charme gerade aus der Desillusionierung des Genres: Die lächerlichen Antihelden bei Ambler treiben dem Genre seine Romantik aus, die Killer und skrupellosen Politiker von Frederick -> Forsyth die Moral.


Johnson, uwe

Geb. 20.7.1934 in Kammin/Pommern; gest. 23.2.1984 in Sheerness Schon Mitte der 1950er Jahre erkannte der Leipziger Literaturhistoriker Hans Mayer das große erzählerische Talent des damals zwanzigjährigen Germanistikstudenten J. und empfahl seinen Schüler, der eine hervorragende Diplomarbeit über E .....
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Saint-john perse - exil (i942) (auszüge)

II A nulles rives dediee, ä nulles pages confiee la pure amorce de ce chant... D'autres saisissent dans les temples la corne peinte des autels: Ma gloire est sur les sables! ma gloire est sur les sables!... Et ce n'est point errer, 6 Peregrin, Que de convoiter l'aire la plus nue pour assembler a .....
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Saint-john perse - verbannung (auszüge)

II Keinen Ufern zugedacht, keinen Blättern anvertraut die reine Lok-kung dieses Lieds ... Andere greifen in den Tempeln nach dem bemalten Hörn der Altäre: Mein Ruhm ist auf dem Sand! Mein Ruhm ist auf dem Sand!... Und es heißt nicht, daß man irrt, o Fremdling, Wenn man die nackteste Tenne begehr .....
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Auf dem nachttisch - john dos passos

(John Dos Passos .....
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Austin, john latigshaw

Der Name A.s ist eng verbunden mit den Bemühungen um die »Philosophie der normalen Sprache« . die im wesentlichen von ihm — zu nennen wären außerdem noch Ludwig Wittgenstein und Gilbert Ryle — begründet wurde. Dem Oxforder philosophischen Klima gemäß entfaltete A. seine Ãœberlegungen vornehmlich .....
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Dewey, john

Neben William James haben D.s Schriften am meisten zur Verbreitung des Pragmatismus beigetragen. Für D. in spezifischer Weise charakteristisch war, wie er die Philosophie für die Pädagogik fruchtbar machte. Die Kombination von philosophischem Denken und Interesse an sozialen Problemen der Gesellscha .....
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Locke, john

Auch jenseits der Philosophie waren die Interessengebiete von L. weit gespannt: So bedachte er seine Landsleute reich mit Traktaten über Weinbau, mit Reiseberichten und praktischen ökonomischen Kompendien, wie das eigene Hab und Gut zu mehren sei. Die Nachwelt versetzte der Enzyklopädist L. mit sein .....
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Mill, john stuart

Tatsachenwissen und die »Benutzung mathematischer Figuren«, die »eine genaue Beweisführung« zulassen, war das Lernziel der jungen Gradgrinds in der Musterschule ihres Vaters, in der sie von ihrem zartesten Alter an. »kaum daß sie allein laufen konnten«, geschulmeistert worden waren. Charles Dickens .....
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Searle,john rogers

Der Name von S. ist unauflöslich mit dem Begriff »Sprechakt« verbunden. Ein Sprechakt ist eine sprachlich vollzogene Handlung, die in einen Kommunikationskontext eingebettet ist und nach bestimmten Regeln abläuft, damit das Gelingen der Sprachhandlung, vor allem die erfolgreiche Ãœbermittlung der In .....
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Uwe johnson (geb. i934)

siedelte 1959 nach West-Berlin über, als sein erstes Romanmanuskript von ostdeutschen Verlagen nicht angenommen wurde. Hier fand er sogleich einen Verlag für seinen Roman 'Mutmaßungen über Jakob", der das Thema der Teilung Deutschlands zum Gegenstand hat. Auch seine nächsten Werke behandeln menschli .....
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Uwe johnson: »mutmassungen über jakob« (i959) - romanpoetik der unbestimmtheit

Im Netz der Ãœberwachung Wer Wegweiser für das Leseabenteuer in der Unübersichtlichkeit dieses Romans braucht, der lese zunächst die am Schluß angefügten »Angaben zur Geschichte Jakobs«. Sie sind ein Inhaltsabriß. Und so erinnert das Ganze an jene Text-Bild-Rätsel in Zeitungen und Magazinen, unte .....
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Brentano, brecht, horst wessel und johnson

Wenn das deutsche Volk in der Welt weniger als das Volk der Dichter und Denker, sondern eher als das »der Richter und Henker« gilt, so ist das nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in diesem Land die Machthaber mit besonderer Vorliebe eben die Dichter und Denker bekämpft und ver- folgt haben .....
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Johnson, uwe

Schon Mitte der 50er Jahre erkannte der damals in Leipzig ansässige Literaturhistoriker Hans Mayer das große erzählerische Talent des damals zwanzigjährigen Germanistikstudenten J. und empfahl seinen Schüler, der eine hervorragende Diplomarbeit über Ernst Barlach angefertigt hatte, dem westdeutschen .....
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