Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Laxness, Halldor

Laxness, Halldor - Leben und Biographie



Spätestens seit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1955 gilt Halldor Laxness als bedeutendster isländischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und als wichtigster Kulturbotschafter seines Landes, das zwar nur knapp eine Viertelmillion Einwohner hat, dafür aber über eine große literarische Tradition und eine umfangreiche dichterische Produktion besonders in der Gegenwart verfügt. Laxness' Verdienst liegt nicht zuletzt darin, dass er einen an den mittelalterlichen Sagas wie an der weltliterarischen Moderne geschulten Erzählstil schuf, der ebenso eigenwillig wie eingängig ist. Aufgewachsen auf dem Hof Laxnes , debütierte er bereits als 17-Jähriger. Auf ausgedehnten Auslandsreisen lernte Laxness die moderne Literatur sowie eine Vielfalt von Weltanschauungen und Religionen kennen, die er zeitweise adaptierte und zugleich in seinen erzählerischen Kosmos integrierte, der stets in seiner isländischen Heimat lokalisiert ist, deren politische und gesellschaftliche Entwicklung er liebevoll kritisch und in epischer Breite behandelt .



      Die Islandglocke
Eher untypisch für die meist in der Gegenwart angesiedelten Romanwelten des Halldor Laxness spielt Die Islandglocke Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, zu einer Zeit, als Island der dänischen Krone unterstand und sich die Bevölkerung auf der Insel durch Armut,
Hungersnöte und dänische Unterdrückung in ein er verzweifelten Lage befand. Entstehung: Die drei Teile des Romans wurden zunächst als Einzelbände veröffentlicht und erst 1957 unter dem gemeinsamen Titel herausgegeben. Inhalt: Der Roman verfolgt drei Hauptfiguren über einen Zeitraum von etwa zwei Jahrzehnten, in denen sich ihre Wege immer wieder kreuzen: den armen Bauern Jon Hreggvidsson, der des Mordes an einem Henker bezichtigt wird und deswegen mehrere Prozesse mit wechselndem Ausgang durchstehen muss; die schöne und gebildete Snaefridur, die Jon kurz vor der Hinrichtung zur Flucht nach Dänemark verhilft; schließlich den isländischen Gelehrten und Kopenhagener Professor Arnas Arnaeus, der auf der Insel mittelalterliche Handschriften sammelt, um das einzigartige kulturelle Erbe Islands für die Nachwelt zu retten. Ihn verbindet eine tiefe Liebe zu Snaefridur, doch er hat bereits eine reiche dänische Witwe geheiratet, um sein Gelehrtendasein und seine Sammeltätigkeit finanzieren zu können. Arnas bewirkt, dass Jon seinen Fall nochmals vor dem isländischen Allthing vorbringen darf, doch dieser kehrt einfach auf seinen Hof zurück.
      Viele Jahre später reist Arnas im Auftrag des Königs nach Island, um die Amtsführung der Beamten zu kontrollieren. Auch Snaefridur hat inzwischen geheiratet, doch ihr Mann verliert den gesamten Besitz durch seine Trunk- und Spielsucht. Trotz aller Demütigungen behält sie ihren Stolz, auch als Arnas ihren Vater, den Richter Eydalin, seines Amtes enthebt. Als sie wieder einige Jahre später ein letztes Mal mi! Arnas in Kopenhagen zusammentrifft, ist dieser beim König in Ungnade gefallen und das Schicksal Islands ungewisser denn je. Seine wertvolle Sammlung isländischer Handschriften geht bei einer Feuersbrunst in Flammen auf.
      Aufbau: In den drei Teilen des Romans steht jeweils eine der drei Hauptfiguren im Mittelpunkt. Besonders im ersten Teil orientiert sich der Text am Schelmenroman und an der lslän-dersaga mit ihrem Wechsel von stark raffenden Passagen und szenischer Erzähl weise mit vielen Dialogen. Im Zentrum steht Jon, der mit seiner bissig-lakonischen Ausdrucksweise selbst wie eine Sagafigur wirkt. Ihm dient die Welt der ls-ländersagas als Quelle für sein Selbstbewusst-sein und als Ma ßstab für die Gegenwart. Er verkörpert außerdem die lebendige mündliche Erzähltradition Islands, indem er in jeder Lebenslage Passagen aus den PontusRimur, einer volkstümlichen Verserzählung, zitiert. Wirkung: Zwar wollte Laxness sein Werk nicht als historischen Roman verstanden wissen, da
»seine Personen, seine Handlung und sein Stil ausschließlich den Gesetzen des Werkes selbst gehorchen«, doch ist nicht zu übersehen, dass die fiktive Handlung ein Gerüst aus genau recherchierten historischen Fakten ausfüllt. Der Roman wurde in Island enthusiastisch aufgenommen und trotz seines historischen Hintergrunds auch als KommentaT zu den politischen Entwicklungen während seiner Entstehungszeit gelesen, als viele Isländer die damals gerade erst erworbene Unabhängigkeit ihres Landes durch die Errichtung eines US-amerikanischen Luft-waffenstülzpunktes gefährdet sahen.

      Isländersagas
Herkunft: Der Begriff »sagaa kommt aus dem Altnordischen und bedeutet allgemein Bericht, Erzählung, Geschichte. Als Fachterminus bezeichnet er mittelalterliche Prosaerzählungen, die in altnordischer Sprache verfasst sind und die es in dieser Form nur in den skandinavischen Literaturen gibt.
      Bedeutung: Die Isländersagas bilden eine Gruppe innerhalb der sehr vielgestaltigen Sagaliteratur und gehören zu den bedeutendsten literarischen Texten des europäischen Mittelalters. Sie sind größtenteils vermutlich im 13. und 14. Jahrhundert auf Island entstanden, anonym in Einzel- und Sammelhandschriften überliefert und sie behandeln die Zeit von der Besiedlung Islands durch die Wikinger entweder in Form von breit angelegten Familiengeschichten oder als Lebensbeschreibungen von herausragen-den Persönlichkeiten. Im Mittelpunkt der Handlung stehen häufig Rechtsbrüche oder Verstöße gegen gesellschaftliche Normen und deren Folgen.
      Eigenschaften: Das Geschehen wird auf bedeutungsvolle Einzelbegebenheiten reduziert, von denen dann szenisch und unter häufiger Verwendung von direkter Rede erzählt wird. Der Erzähler tritt vollständig hinter das Geschehen zurück und charakterisiert seine Figuren in erster Linie durch ihre Handlungen und ihre Ã"ußerungen. Die Texte zeichnen sich durch eine klare, knappe und um Präzision bemühte Prosasprache sowie eine realistisch wirkende Darstellungsweise aus. Dieser so genannte Saga-Stil wird oft auch in modernen historischen Romanen bewusst verwendet.
     


 Tags:
Laxness,  Halldor    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com