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Lawrence, T(homas) E(dward) - Leben und Biographie



Verklärt durch manische Eigenstilisierung ist die widersprüchliche und selbstzerstörerische Persönlichkeit des als »Lawrence von Arabien« zur Legende gewordenen ThomasEdward Lawrence bis heute rätselhaft geblieben.
      Lawrence studierte Orientalistik, Archäologie, Geschichte und Kriegsführung in Oxford. 1909 unternahm er eine abenteuerliche Expedition durch den Nahen Osten und führte Ausgrabungen am Euphrat durch , wobei erden englischen Geheimdienst mit Informationen über die Region belieferte. Nach Kriegsausbruch wurde Lawrence Leutnant und im Dezember 1914 nach Kairo beordert; von dort aus organisierte er den arabischen Aufstand gegen die Türken, den er später in Die sieben Säulen der Weisheit beschrieb. Nachdem die Politik seinen Traum von einer geeinten arabischen Nation endgültig zunichte gemacht hatte, wurde er Berater für arabische Fragen bei Winston -> Churchill. 1923 trat er unter dem Namen T. E. Shaw als einfacher Luftwaffensoldat in die Royal Air

Force ein; über diese Zeit erschien 1955 postum
Unter dem Prägestock. Kurz nach seinem militärischen Abschied starb Lawrence bei einem Motorradunfall, dessen Umstände nie zweifelsfrei geklärt wurden.
      Die sieben Säulen der Weisheit
In Die sieben Säulen der Weisheit beschrieb Thomas Edward Lawrence, bekannt geworden als »Lawrence von Arabien«, den von ihm organisierten arabischen Aufstand gegen die Türken in den Jahren 1917/18. Der Titel stammt aus dem Alten Testament und bezieht sich auf einen Spruch Salomos : »Die Weisheit baute ihr Haus und hieb sieben Säulen.« Entstehung: Die von Lawrence teils aus Scham, teils aus der Verbitterung darüber, die Araber in einen neuen Kolonialismus geführt zu haben, gezielt betriebenen Irreführungen vernebeln auch die Entstehungsgeschichte von Die sieben Säulen der Weisheit. Im Februar 1919 begann er mit dem Schreiben, doch um Weihnachten wurde ihm das beinahe fertig gestellte Manuskript angeblich beim Umsteigen auf dem Bahnhof in Reading gestohlen. Er will anschließend eine zweite Version aus dem Gedächtnis neu geschrieben haben, die er verbrannte, nachdem sie als Grundlage für eine dritte Fassung gedient hatte. Letztere wurde 1922 beim Verlag der Oxford Times gesetzt, in acht Fahnenabzügen vervielfältigt, aber erst 1926 nach weiteren Ãoberarbeitungen in 107 Exemplaren veröffentlicht. Parallel dazu er-schien eine um zwei Drittel gekürzte Publikumsausgabe unter dem Titel Aufstand in der Wüste.
      Dass einem Londoner Antiquar um 1930 das in Reading verloren gegangene Manuskript angeboten wurde, war aller Wahrscheinlichkeit nach ein von Lawrence selbst initiiertes Täuschungsmanöver, mit dem er seine eigene Legende zu untermauern versuchte. Inhalt: Auf die Einleitung über »den Araber« im Stil zeitgenössischer Reiseberichte, in denen fremde Völker vor allem durch ifiTe Abweichungen vom Standpunkt des Beobachters dargestellt werden, folgt stilistisch brillant die Schilderung des von England geschürten arabischen Aufstands 1917/18 gegen die Herrschaft der Türken. Für das Empire, das noch immer ein Eünftel der Welt beherrschte und dessen Lebensader der Suezkanal war, war der Nahe Osten von immenser strategischer Bedeutung. Obwohl die Aufteilung der Region zwischen Frankreich und England bereits im Sykes-Pieot-Abkommen von 1916 festgelegt worden war, sicherte Lawrence den arabischen Völkern für den Fall des Siegs Unabhängigkeit zu. Er tauschte seine Uniform gegen Beduinenkleider und zelebrierte das strapaziöse und entbehrungsreiche Wüstenleben. Nach ersten Erfolgen seiner damals neuartigen Guerillataktik, die darauf abzielte, »nur Elanken und keine Front« zu schaffen, konnten die zuvor verfeindeten und nun unter der Aussicht auf Freiheit von Feisal geeinten Stämme im Handstreich Akaba einnehmen und Damaskus erobern.
      Lawrence frönt in seinem Kriegsbericht der heroischen Selbstinszenierung und weicht in den persönlichen Passagen von den tatsächlichen Ereignissen ab.
      Wirkung: Eine vollständige Publikumsausgabe erschien erst postum 193 5 und wurde ein spektakulärer Erfolg. 1962 gelang David Lean eine bildgewaltige Verfilmung mit Peter OToole sowie Alec Guinness, Anthony Quinn und Omar Sharifin weiteren Hauptrollen.
      Mythenbildung: Wahrheit und Legende bei Thomas Edward Lawrence
Täuschung: Die Vision einer unabhängigen arabischen Nation war eine Illusion, der sich Thomas Edward Lawrence unter Verdrängung der Realitäten selbst willig hingegeben hatte.
      1919 behauptete er noch, »eingekerkert in eine Lüge« gewesen zu sein, doch in einem in der Ausgabe der Sieben Säulen der Weisheit von 1926 ausgelassenen, später in den Fahnenabzügen von 1922 aufgefundenen und erst 1940 veröffentlichten Kapitel heißt es:
»Mit definitiven Versprechungen für eine spätere Selbstregierung hatte das Kabinett die Araber dazu gebracht, für uns zu kämpfen. ... Ich riskierte den Betrug aufgrund meiner Ãoberzeugung, dass für einen leichten und schnellen Sieg im Osten arabische Hilfe notwendig war und dass es besser wäre, wir würden gewinnen und unser Wort brechen als verlieren.«
Geheimnisse: Neben dem Drang zur Heroisierung der eigenen Person waren es vor allem Scham und die Angst, seinen Ruf zu ruinieren, die Lawrence veranlassten, Wahrheit und Fantasie häufig zu vermengen. Zu den Geheimnissen, die er schützen wollte, weil sie nicht mit den sittlichen Werten seiner Zeit oder seinem Selbstbild in Einklang zu bringen waren, gehörte seine stark masoehistisch ausgeprägte Homosexualität. Als Bestrafung für einen militärischen Fehlschlag etwa ließ er sich Ende 1917 von seinem Kampfgefährten Ali ibn al-Hussein rituell züchtigen und tat die Narben auf seinem Rücken anschließend als »Kamelunfall, über Stacheldraht geschleift« ab. Später verbrämte er das Ereignis als Folterung durch einen türkischen Pascha während seiner angeblichen Gefangenschaft in Deraa zum Höhepunkt seines Kriegsberichts.
     


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