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Lagerlöf, Selma - Leben und Biographie



Selma Lagerlöf verband als erste den Ende des 19. Jahrhunderts dominierenden skandinavischen Realismus mit psychologischen Darstellungen ihrer Romanpersonen und deren Konflikte und wurde damit zu einem der Vorbilder der nächsten Autorengeneration. Zugleich inspirierte ihre Wahl ländlicher Schauplätze eine neue Welle von »Heimatromanen« in ganz Europa.
      Die auf einem heruntergekommenen Herrensitz geborene Lagerlöf wurde mit drei Jahren schwer krank, war zeitweise gelähmt und blieb für ihr ganzes Leben gehbehindert. Sie suchte Zuflucht in Büchern und schrieb bereits mit zwölf Jahren ein langes Gedicht, das alle Elemente ihres Erfolgsromans Nils Holgersson enthielt. Nach dem Konkurs ihres Vaters, bei dem der Familiensitz Märbacka verloren ging, besuchte sie ein Lehrerinnenseminar in Landskro-na. Ihr großes Ziel, Märbacka zurückzukaufen, konnte sie von ihrem Lehrerinnengehalt nicht finanzieren, weshalb sie ihre schriftstellerischen


Versuche wieder aufnahm. 1889 reichte sie einige Erzählungen, die auf der Sagenwelt ihrer Heimat Värmland fußten, bei einem Wettbewerb ein und wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Sie fasste ihre preisgekrönten Erzählungen zu einem Roman zusammen und veröffentlichte sie unter dem Titel Gösta Berling. Mit diesem Buch wurde sie als begabte neue Stimme in der schwedischen und dann der europäischen Literatur bekannt. 1909 wurde sie als erste Erau mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet; im selben Jahr konnte sie Mär-backa zurückkaufen und sich zusammen mit ihrer Mutter dort niederlassen. 1914 wurde sie außerdem, abermals als erste Erau, in die Schwedische Akademie gewählt.
      Die wichtigsten Bücher von Selma Lagerlöf
Gösta Berling 1891 Ein Geistlicher, der sich mit Gott überworfen hat, findet durch eine Reihe von Prüfungen und Belastungen zu neuem Seelenfrieden.
      Der Ka/servon Portugallien 1902 Der Kleinbauer Jan kann seine Schulden beim Gutsbesitzer nicht bezahlen, der daraufhin die Kate zu pfänden droht. JansTochter Klara Gulla beschafft das Geld in der Stadt. Als Jan aufgeht, dass sie es durch Prostitution verdient hat, sucht er seine Zuflucht in Wahnvorstellungen, in denen Klara mit dem Kaiser von Portugallien ein Reich regiert.
      Jerusalem 1902 Eine Gruppe von schwedischen Bauern versucht, inspiriert durch eine Erweckungsbewegung, in Jerusalem das Reich Gottes aufzubauen und endet im Elend. Der frühere Verlobte einer jungen Bäuerin macht sich schließlich auf die weite Reise von Schweden nach Jerusalem, um seine einstige Geliebte heimzuholen.
      Herrn Arnes Schatz 1905 In der bekanntesten Gruselgeschichte der Autorin überfällt eine Gruppe schottischer Söldner Mitte des 17. Jahrhunderts einen Pfarrhof auf Marstrand und metzelt alle Bewohner nieder; nur die 14-jährige Pflegetochter entkommt. Zusammen mit ihrer Pflegeschwester, die im Grab keine Ruhe findet, kann sie die Mörder finden und ihrer Strafe zuführen.
      Nils Holgers-son, 1906 Der kleine Rüpel Nils wird zur Strafe für seine Schandtaten in einen Zwerg verwandelt und zieht in dieser Gestalt mit einer Herde von Wildgänsen durch ganz Schweden.

      Gösta Berling
Gösta Berling gehört zur lyrisch-romantischen Prosadichtung, die das Werk von Selma Lagerlöf in den 1890er Jahren prägte. Das Buch zeigt die Beeinflussung der Autorin durch Thomas Carlyle sowie ihre tiefe Religiosität und ihr Bestreben, angesichts der Armut der Landbevölkerung Christentum und Sozialismus miteinander in Verbindung zu bringen. Inhalt: Gösta Berling, ein aus dem Amt gejagter Geistlicher, hält sich unter dem Schutz der energischen Majorin Margareta Celsing auf dem in Värmland gelegenen Gut Ekeby auf. Die Majorin war von ihren Eltern zur Ehe mit dem ihr verhassten Major Samzelius gezwungen worden, doch ihr Geliebter, ein reicher Mann namens Altringer, hatte ihr Ekeby und sechs Güter vermacht. Dort nimmt die Majorin nicht nur den gefallenen Priester Gösta Berling auf -einen ganzen Elügel hat sie für zwölf heimatlose Männer aus besten Kreisen reserviert, die alle auf irgendeine Weise am Leben gescheitert sind. Der Major, dem das unabhängige Gemüt seiner Gattin nicht zusagt, lässt sie mit Gewalt von Ekeby fortholen. Ein Jahr lang sind die Kavaliere dort sich selbst überlassen. Gösta Berling erlebt leidenschaftliche Liebesgeschichten, begegnet dann aber seinem Schicksal in der schönen Elisabeth Dohna, in der sich das Schicksal der Majorin zu wiederholen droht: Auch sie wurde von ihren Eltern mit einem Mann verheiratet, den sie ablehnt. Der Majorin gelingt die Rückkehr nach Ekeby, das die Kavaliere fast schon in den Ruin getrieben haben. Gösta dagegen bereut sein ausschweifendes Leben und versucht durch harte Arbeit Buße zu tun. Seinen Lohn findet der geläuterte Sünder endlich in der Ehe mit der geliebten Gräfin Dohna. Wirkung: Gösta Berling wurde sofort zu einem großen Bucherfolg. Die Mischung aus einer schicksalhaften Liebesgeschichte in den besten Kreisen und Nebenhandlungen aus dem kuriosen Leben der verschrobenen Kavaliere traf den Geschmack der Zeit und löste innerhalb der schwedischen Literatur die romantische Renaissance der Jahrhundertwende aus. Noch zu Stummfilmzeiten wurde der Roman mehrmals verfilmt.

      Nils Holgersson
Nils Holgersson von Selma Lagerlöf fügt sich in die um die Jahrhundertwende überall in Europa florierende Heimatliteratur ein, bricht zugleich jedoch mit Tabus und lässt das Landleben nicht nur als schöne Idylle erscheinen.
      Entstehung: Der berühmteste Roman der Autorin verdankt seine Entstehung einer Bitte des Schwedischen Volksschullehrerverbandes an Lagerlöf, ein Buch zu schreiben, das schwedischen Schulkindern die Geschichte ihres Landes auf leicht lesbare Weise näher bringen sollte. Inhalt: Nils Holgersson, Sohn armer Kätner, beleidigt einen Wichtel und wird deshalb in einen Däumling verwandelt. Da der junge Rüpel sich in der elterlichen Kate vor allem als Tierquäler hervorgetan hat, ist kein Tier bereit, ihm zu helfen - bis auf einen etwas einfältigen Ganter, der sich in eine Wildgans verguckt hat und ihr zuliebe mit den Wildgänsen gen Norden ziehen will. Bei jedem Halt, den die Wildgänse auf ihrer Reise einlegen, erfährt Nils, welche Sagen sich gerade mit diesem Ort verbinden, welche historischen Ereignisse dort stattgefunden haben. Er freundet sich mit vielen Tieren an und gewinnt sogar die Achtung der in ganz Schweden bekannten Leitgans Akka von Kebnekajse. Er hat zwar Heimweh nach seinen Eltern, doch verzichtet er auf alle Möglichkeiten, nach Hause gebracht zu werden, weil er sich ihnen nicht in seiner Däumlingsgestalt zeigen will. Endlich können Akkas Abgesandte den jähzornigen Wichtel finden, der Nils verzaubert hat. Der stellt klar, dass Nils in dem Moment seine ursprüngliche Gestalt zurückerhalten wird, in dem er seinen Eltern den Ganter zum Schlachten zuführt. Nils entscheidet sich nach langem innerem Kampf, dem Ganter zu Hilfe kommen. Nun stellt sich heraus, dass die alte Akka ihn auf die Probe stellen wollte und die Nachricht des Wichteis nicht ganz korrekt wiedergegeben hat: in dem Moment, in dem Nils sich für seinen Ereund entscheidet, verliert der Zauber die Macht über ihn.
      Lagerlöf nimmt in ihrem Buch immer wieder Bezug auf die Probleme der armen Landbevölkerung, die in halbfeudalen Verhältnissen lebte, in Naturalien bezahlt wurde, keine politischen Rechte besaß und den Launen der Großgrundbesitzer hilflos ausgeliefert war. Das Volk der Samen, damals brutalen Schwedisierungsversu-chen ausgesetzt und seines Siedlungsraums immer mehr beraubt, erscheint als traditionsbe-wusstes Kulturvolk; die einsetzende Industrialisierung in den Erzgebieten in Mittel- und Nordschweden wird auf ihre schädlichen Folgen für die Umwelt hin untersucht. Wirkung: Nils Holgersson wurde zu einem Welterfolg; das Buch ist in mehr als 20 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt worden. Seit Erlöschen des Urheberrechts hat sich eine Art Nils-Holgersson-lndustrie entwickelt: Stets neue Geschichten kommen auf den Markt, die mit dem Original jedoch nur noch Namen und Requisiten gemein haben. Gleichzeitig erscheint der Lagerlöftext in immer neuen Auflagen.
     


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Lagerlöf,  Selma    





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