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Klemperer, Victor - Leben und Biographie



Victor Klemperer hat in seinem vorrangig auto-biografischen Werk mit philologischem Scharfblick nicht nur die Stimme der Menschen im Nationalsozialismus eingefangen, sondern auch dieStimmung.
      Klemperer, achter Sohn eines Rabbiners, studierte Philosophie und romanische und germanische Philologie, arbeitete als freier Journalist, promovierte sowie habilitierte sich 1914. 1920 wurde Klemperer Professor an der Technischen Hochschule Dresden. Er veröffentlichte Arbeiten zur französischen Literatur und schrieb noch während des Zweiten Weltkrieges an der Geschichte der französischen Literatur im 18. Jahrhundert , obwohl er 1935 aufgrund seiner jüdischen Herkunft seine Professur verlor und ihm 1938 der Zugang zu Bibliotheken verboten wurde. Klemperer, der 1912 zum Protestantismus konvertiert war, und seine evangelische Frau Eva blieben trotz der nationalsozialistischen Gefahr in Leipzig. 1940 mussten sie ins »Judenhaus« ziehen. Beim Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 gelang ihnen kurz vor der drohenden Deportation die Flucht nach Bayern.

      Nach dem Krieg erhielt Klemperer Lehrstühle u.a. in Dresden und Halle. Er wurde Mitglied der KPD. 1947 erschien LTI. Notizbuch eines Philologen, das er mit seinen Tagebuchnotizen vorbereitet hatte. Nach Klemperers Tod kam
1989 seine Autobiografie Curriculum Vitae. Erinnerungen eines Philologen. 1881 bis 1918 heraus, 1995 erschienen die Tagebücher Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933-1945 und im Jahr darauf Und so ist alles schwankend. Tagebücher Juni bis Dezember 1945 und Leben sammeln, nicht fragen, wozu und warum. Tagebücher 1918-1932.
      Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933-1

  
   Einzigartig sind die Tagebücher von Klemperer vor allem deshalb, weil sie - wie das Tagebuch der Anne Frank - Zeugnis ablegen vom Unrecht an den Juden im Nationalsozialismus, und weil sie einen mikroskopisch genauen Blick auf den Alltag in der Diktatur werfen und zugleich die Sprache hinterfragen, die diese Diktatur hervorbrachte.
      Entstehung: Vom 17. Lebensjahr bis zu seinem Tod schrieb Victor Klemperer Tagebuch. Im ersten Kapitel seines LTI bezeichnet er sein Tagebuch als »Balancierstange, ohne die ich hundertmal abgestürzt wäre«. Das zum Teil minuziöse Notieren von Erlebnissen brauchte er, um sich »über die Situation zu stellen und die innere Freiheit zu bewahren«. Es diente ihm zugleich als Grundlage für seine Studien über die Sprache des Nationalsozialismus. Unter Lebensgefahr für sich und seine Angehörigen schrieb er das Werk, denn »man wird um geringerer Verfehlungen wegen gemordet ... Aber ich schreibe weiter. Das ist mein Heldentum« . An eine Publikation seiner Tagebucheintragungen scheint er selbst nicht gedacht zu haben und so lagerten sie nach seinem Tod zunächst für Jahrzehnte im Archiv. Fladwig Klemperer, die zweite Frau des Philologen, nahm sich der Seiten und der zum Teil schwer lesbaren Handschrift Klem-perers an und so konnte Walter Nowojski 1995 das Werk veröffentlichen. Inhalt: Als Chronist dokumentiert Klemperer die eigenen Erfahrungen im Alltag, in seiner Ehe, auf der Straße, im »Judenhaus« und bei der Zwangsarbeit. Er schildert seine trotz Repressalien fortgeführte wissenschaftliche Arbeit. Er beschreibt seine Ãoberzeugungen, wie z.B. sein Festhalten am evangelischen Glauben oder den »Kampf« um sein »Deutschtum« . Zugleich legen die Tagebücher Zeugnis davon ab, was der Einzelne über das Unrechtssystem wissen konnte. So taucht am 16. März

   zum ersten Mal der Name »Auschwitz« auf als das »furchtbarste KZ«.
      Trotz des täglich erlittenen Unrechts bewahrt Klemperer den genauen Blick auf das Individuelle. Ihn interessierten »Kleinigkeiten und Stimmungen des Alltags«, weshalb der Leser viele Zitate, Witze und Gerüchte dokumentiert findet. Stets aufs Neue kommt Klemperer zu dem Ergebnis, dass es keine einheitliche Stimme des Volkes gebe: »Vox populi zerfällt in zahllose voces populi« . Wirkung: Das Werk erzielte unmittelbar nach Erscheinen 50 Jahre nach Kriegsende einen großen Erfolg bei Lesern und Literaturkritik. Postum wurde Victor Klemperer im selben Jahr der Geschwister-Scholl-Preis verliehen. 1997 erschien im Aufbau-Verlag die Auswahl für junge Leser mit Arbeitsvorschlägen für den Unterricht. 1999 strahlte die ARD den Film Klemperer- Ein Leben in Deutschland in zwölf Teilen aus. Bereits 1996 hatte Random House die Rechte für den amerikanischen Markt gekauft und die bis dahin höchste Summe für einen deutschen Autor gezahlt: 500000 Dollar.
      LTI. Notizbuch eines Philologen
Auf persönliche und dadurch sehr anschauliche Weise setzt sich Victor Klemperer in seinem Notizbuch eines Philologen mit der »Sprache des Dritten Reichs« auseinander und offenbart an diesem Beispiel gesellschaftliche und politische Wurzeln sprachlicher Gebilde.
      Entstehung: Klemperer suchte nach dem »Geistigen« im »Sprachkörper«, nach dem Ganzen im Einzelnen, wie er 1927 in der von ihm mitherausgegebenen Zeitschrift Idealistische Philologie erläuterte. LTI hat eben diese Suche zum Ausgangspunkt. Es geht zurück auf die Tagebuchaufzeichnungen, die Klemperer während der Zeit des Nationalsozialismus unter ständiger Lebensgefahr verfasst hatte. Seine »Geheimformel: LTI, LTI!« habe ihn stets gemahnt, aufzuschreiben und festzuhalten, was er las und hörte.
      1945 als Professor an der Technischen Universität Dresden wiedereingesetzt, verband Klemperer den intellektuellen Neuanfang nach zwölf Jahren Unterdrückung mit einer genauen Analyse des Geschehenen über den Weg der Sprache. In zahlreichen Vorträgen machte er seine philologischen Untersuchungen publik und veröffentlichte sie 1947 unter dem Titel LTI. Notizbuch eines Philologen.
      Inhalt: Die »Lingua Tertii lmperii« ist laut Klemperer eine Sprache des Glaubens. Denn sie gründet sich auf Fanatismus. Abkürzungen tragen verschwörerische Züge - der Name LTI ist als Parodie hierauf gedacht. Das »Geistige« im »Sprachkörper« des Nationalsozialismus hat für Klemperer seinen Ursprung in der deutschen Romantik: Hier finde sich bereits der Grundgedanke der Grenzen- oder Maßlosigkeit und die Absage an die Vernunft.
      Inhaltlich und in ihrer Ausdrucksform ist die LTI eine arme Sprache. Sie kennt vor allem Superlative und will Bewegung ausdrücken . Die LTI zielt auf die Mechanisierung der Wörter und entpersönlicht dadurch den Einzelnen. Der Mensch wird zum Automaten.
      Klemperer hat Töne des Alltags aufgezeichnet - Gespräche auf der Straße, mit Freunden, im Judenhaus - und hat aus ihnen die Konturen der LTI herausgearbeitet. Gleichzeitig analysiert er auch zeitgenössische Veröffentlichungen, Zeitungsartikel und Reden der nationalsozialistischen Größen. Dabei demaskiert Klemperer die LTI als eine Sprache, die letztlich das Denken durch das Fühlen und dieses wiederum durch die stumpfe Willenlosigkeit zu ersetzen und damit die »Gefolgschaft« der »Automaten« zu verstärken sucht. Wirkung: LTI ist eine Arbeit der »ersten Sunde«, wie Klemperer es ausdrückte. Um der Untersuchung ein wissenschaftliches Fundament zu geben - so sah es der Autor voraus -, würde esmehr als ein Menschenleben bedürfen. In der Tat analysiert die Forschung bis heute, ausgehend von Klemperers Studie, die Sprache im Nationalsozialismus.
      Die Wegbereitung der philologischen Forschung ist jedoch nur ein Grand für die durchweg positive Rezeption des Notizbuchs eines Philologen seit 1947. Zu einem Standardwerk der Literatur zum Nationalsozialismus macht es darüber hinaus sein Zeugnischarakter - die persönliche, lebensnahe Schilderung eigener Erfahrungen mit der LTI.
      Empfindsamkeit
Herkunft: Der Begriff leitet sich her vom englischen »sentimental« und wurde von Gotthold Ephraim Lessing in die deutsche Sprache eingeführt. Bedeutung: Empfindsamkeit meint eine literarische Strömung innerhalb der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in Deutschland besonders zwischen 1740 und 1780. Unter dem Einfluss des Pietismus entsteht im aufstrebenden Bürgertum als Reaktion auf die Vorherrschaft des Rationalismus eine Gegenbewegung der Verinnerlichung, deren Kennzeichen der subjektive Gefühlsüberschwang, ein übersteigerter Freundschaftskult und Schwärmerei sind. Das Gefühl wird zum beherrschenden Maßstab allen Handelns und in Gesprächen, Briefen und Tagebüchern genau analysiert. Verbreitung: Die Strömung der Empfindsamkeit kommt aus England. Vorbereitet durch die moralischen Wochenschriften und die Tugendromane von Samuel -> Ri-chardson [Pamela, 1740; Clarissa, 1747/48) entstehen im 18. Jahrhundert die Romane von Laurence -»Sterne [SentimentalJour-ney, 1768), die ländliche Idylle Der Vikar von Wakefield von Oliver -> Goldsmith und nicht zuletzt die Oss/on-Dich-tung von James Macpherson . In Frankreich bildet sich, schon unter englischem Einfluss, die Gattung der »comedie larmoyante« heraus. Große Wirkung hatte vor allem die stark gefühlsbetonte Neue Heloise von Jean-Jacques-» Rousseau.
      In der deutschen Literatur erscheint die Empfindsamkeit in der idyllischen Lyrik des »Göttinger Hain«, im empfindsamen Roman sowie in den Dramen Gellerts und im bürgerlichen Trauerspiel von Lessing . Die Höhepunkte bilden der Messias von Friedrich Gottlieb Klopstock und -> Goethes Werther , der bereits die Schwelle von der empfindsamen Schwärmerei zum Gefühlsrausch des Sturm und Drang überschreitet.
     


Scheffel, joseph victor von

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