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Kertesz, Imre - Leben und Biographie



Mit dem Roman eines Schicksallosen machte sich Imre Kertesz einen Namen als bedeutender Schriftsteller der Gegenwart. 2002 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
      1944 wurde Kertesz nach Auschwitz deportiert, von dort nach Buchenwald gebracht und 1945 befreit. 1948 legte er das Abitur ab und arbeitete anschließend als Journalist bei einer Tageszeitung, bis er 1951 von der kommunistischen Leitung wegen mangelnder einschlägiger Gesinnung entlassen wurde.

      Seit 1953 ist Kertesz freier Schriftsteller; er verfasste zunächst Libretti und übersetzte deutsche literarische und philosophische Klassiker ins Ungarische. 1961 begann er die Arbeit an dem Roman eines Schicksallosen, die ihn zehn Jahre lang in beengten Verhältnissen das Leben eines Einsiedlers führen ließ. Von der literarischen Welt über Jahrzehnte nicht wahrgenommen, erfuhr seine Arbeit erst seit Ende der 1980er Jahre in Ungarn wie auch international die ihr gebührende Anerkennung. In rascher Folge erschienen weitere Prosaarbeiten sowie ein Galeerentagebuch . Von der frühen Erfahrung der Lagerwelt geprägt, kreist das Werk von Kertesz um die verheerende Wirkung totalitärer Systeme und die genaue Analyse der »Hinrichtungsmaschine 20. Jahrhundert«.

      Roman eines Schicksallosen
Der Roman einesSchicksallosenwn lmre Kertesz ist ein kunstvoller Beleg dafür, dass das vermeintlich »unfassbare« Geschehen in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern durchaus in Worte zu kleiden ist und der Völkermord auch mittels eines literarischen Werks begreiflich gemacht werden kann.
      Entstehung: 1944 zunächst nach Auschwitz deportiert und von dort nach Buchenwald gebracht, war der seinerzeit 15-jährige Kertesz selbst Leidtragender und Zeuge des barbarischen Geschehens in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Zehn Jahrelang arbeitete er an dem Roman, der diese Welt zum Gegenstand machte. Zwei weitere Jahre musste der Autor warten, ehe der Roman eines Schicksallosen 1975 in einem Budapester Verlag erscheinen konnte.
      Inhalt: György Köves, ein 15-jähriger jüdischer Junge, lebt in Budapest in schwierigen Familienverhältnissen. Sein Vater wird in den Arbeitsdienst gezwungen, György zur Arbeit in einem Industriebetrieb zwangsverpflichtet. Auf dem Weg zur Arbeit wird er eines Tages abgefangen und nach Auschwitz gebracht. Eine kleine Lüge rettet ihm bei der Ankunft und der folgenden Selektion an der Rampe das Leben: Er macht sich älter, als er tatsächlich ist und wird jenen zugewiesen, deren Arbeitskraft noch auszubeuten ist. Schritt für Schritt, mit dem oftmals naiv anmutenden und in dieser Umwelt irritierend wirkenden Denken eines Kindes, lernt er die Gesetze des Ãoberlebens im Lager. Nach drei Tagen wird er über Buchenwald in das kleinere Lager Zeitz verlegt, wo statt des systematisch angelegten Massenmordes Sklavenarbeit und sadistische Anwandlungen der Bewacher die Regel sind. Auf der Krankenstation, wieder einmal dem Tod nah, erlebt er die Befreiung und kehrt nach Budapest zurück. Dort stehen die Menschen ihm und seinem Schicksal verständnislos gegenüber. Enttäuscht über die Ignoranz und fehlende Sensibilität, sehnt er sich zuweilen nach der LageTwelt zurück.
      Struktur: Der Roman ist aus der Ich-Perspektive und in deT Sicht und Sprache eines 15-jährigen Jungen erzählt. Weil ihm die Lagerwelt fremd ist, berichtet er detailliert und nüchtern und oft mit ahnungslosem Staunen über das, was sich vor seinen Augen abspielt. Die Diskrepanz zwischen Erzählton und Erzähltem wirkt außerordentlich verstörend, zumal wiederholt und vor allem glaubhaft Augenblicke kindlichen Glücks im Schatten der Krematorien geschildert werden.
      Wirkung: Der Roman fand in der ungarischen Erstauflage zunächst kaum Resonanz; erst eine Neuauflage von 1985 brachte Kertesz die Anerkennung in seinem Heimatland. Auch die erste, 1990 erschienene-deutsche Ausgabe erregte keinerlei Aufsehen. 1996 wurde der Roman dem Publikum schließlich in neuer Ãobersetzung vorgelegt und von der Kritik hoch gelobt, auch wenn er zuweilen als Provokation empfunden wurde.
      Wichtige Bücher der Holocaust-Literatur
Primo Levi 1947 Istdasein Mensch?: Stilistisch eindrucksvoll und mit unerhörter Akribie beschreibt der Autor den Prozess der Entmenschlichung der zum Tode verurteilten Juden in Auschwitz.
      Jorge Semprün 1963 Die große Reise:Der erste Roman des späteren spanischen Kulturministers beschreibt die Erfahrungen der Deportation und des Lebens im KZ, die er als 20-Jähriger machte.
      Jean Amery 1966 Jenseits von Schuld und Sühne: Die Bewältigungsversuche eines Ãoberlebenden setzen sich insbesondere mit den verheerenden Folgen der Folter auseinander.
      JurekBecker 1969 Jakob der Lügner: Der Roman handelt von einem Bewohner des Warschauer Gettos, der durch erfundene gute Nachrichten die Hoffnung der Unterdrückten am Leben hält.lmre Kertesz 1975 Roman einesSchicksallosen: Ajs der Perspektive eines Kindes schildert Kertesz das Leben im Vernichtungslager.
      AleksandarTisma 1987 Kopo:Ein verfolgter Jude verstrickt sich in seiner Funktion als Kapo im Unterdrückungssystem derTäter und wird in der Nachkriegszeit von Schuldgefühlen beherrscht.
      Ruth Klüger 1992 weiterleben: Das autobiografische Buch beschreibt eine Kindheit in Theresienstadt und Auschwitz sowie das Weiterleben danach.
     


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Kertesz,  Imre    





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