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Kerner, Justinus - Leben und Biographie



Justinus Kerner gilt als romantischer »Dichterarzt«. Vor allem die von Robert Schumann vertonten Kerner-Lieder - darunter das Wanderlied -erreichten große Popularität. Weniger bekannt sind seine Leistungen auf zwei medizinischen Forschungsgebieten: Ihm gelang die klinische Erstbeschreibung des Botulismus , die er um 1

  
   in mehreren Publikationen veröffentlichte; darüber hinaus befasste er sich intensiv mit dem animalischen Magnetismus und publizierte die Epoche machende Krankengeschichte Die Seherin von Prevorst

Als Sohn eines Oberamtmanns verbrachte Kerner seine frühe Kindheit in Ludwigsburg, die er in seinem Bilderbuch aus meiner Knabenzeit anschaulich schildert. 1804-08 studierte er in Tübingen Medizin und initiierte gemeinsam mit seinem Freund Ludwig Llhland einen Kreis schwäbischer Romantiker. 1819 wurde Kerner Oberamtsarzt in Weinsberg, wo er bis zu seinem Tod lebte. Das Kernerhaus war Anziehungspunkt für Dichter, Philosophen, Ärzte und Naturforscher.

      Mesmerismus
Herkunft: Der Begriff geht auf den vom Bodensee stammenden Arzt Franz Anton Mesmer zurück, der um 1775 das Heilsystem des »tierischen« oder »animalischen Magnetismus« begründete.
      Nach Veröffentlichung des zusammenfassenden Werks Mesmerismus, oder System der Wechselwirkungen , das der Berliner Arzt Karl Christian Wolfart herausgab, setzte sich diese Bezeichnung im Lauf derZeitallmählich durch. Bedeutung: Mesmer wollte die Medizin auf eine neue . Er postulierte ein kosmisches »Flui-dum« , das auch im Menschen über das Nervensystem agiere. Krankheit führte Mesmer auf eine Disharmonie dieses Flui—dumsim Körper zurück. Seine Heilmethode des Magnetisierens sollte das Fluidum mit-hilfe bestimmterTechniken auf den Patienten übertragen: durch Bestreichen der Körperoberfläche mit den Händen , Gruppenbehandlung um einen magnetischen Kübel , Musik , Spiegel an den Wänden etc. Mesmers magnetische Kuren wurden im vorrevolutionären Paris, wohin Mesmer von Wien aus übergesiedelt war, als Sensation bzw. Skandal empfunden. Die Folgen: Im frühen 19. Jahrhundert wurde das Heilsystem von Mesmer unter dem Einfluss der romantischen Naturphilosophie und Seelenforschung tiefenpsychologisch erweitert: Im Mittelpunkt stand nun das Erleben der Magnetisierten, Somnambulen und »Seherinnen«, von denen sich die Wissenschaftler Aufschlüsse über die tiefsten Geheimnisse des menschlichen Seelenlebens erhofften. Heute wird im Mesmerismus der Ursprung der Hypnosetherapiegesehen.
      Die Seherin von Prevorst
Kerner veröffentlichte die zweibändige Krankengeschichte seiner Patientin Friederike Hauf-fe unter dem Titel Die Seherin von Prevorst: Eröffnungen überdas innere Leben desMenschen und überdas Hereinragen einer Geisterwelt in die unsere. Das Werk ist ein epochales Zeugnis der Psychiatriegeschichte vor dem naturwissenschaftlichen Umbruch der Medizin. Es wird nur vor dem Hintergrund des beginnenden 19. Jahrhunderts verständlich - vor allem der romantischen Naturphilosophie und dem Mesmerismus. Kerner betätigte sich wie viele zeitgenössische Ärzte auch als Magnetiseur. 1856 veröffentlichte er die erste Mesmer-Biografie.
      Entstehung: Im November 1826 behandelte Kerner als Oberamtsarzt in Weinsberg die damals 25-jährige schwer kranke Friederike Hauf-fe, die - »ein Bild des Todes, völlig verzehrt, sich zu heben und zu legen unfähig« - an täglichen Dämmerzuständen litt, in denen sie Visionen von Geistern hatte. Nach einigen Monaten nahm sie der Arzt in seinen Haushalt auf, wo sie bis wenige Wochen vor ihrem Tod im August 1829 gepflegt wurde. Behandlung: Im Mittelpunkt ihrer Behandlung stand das Magnetisieren, das die Patientin selbst übernahm; sie verordnete sich Art, Umfang und Zeitpunkt der magnetischen »Manipulationen«. Kerner hatte sie so zu magnetisieren, wie es ihr »Schutzgeist« vorexerzierte. Die »Heilbestrebungen des Innern« zielten - gemäß der mesmer-schen Zielvorstellung - darauf, durch heftige Krämpfe eine »wohltätige Krise« zu verursachen. Eine besondere Rolle spielte der »Nervenstimmer«, der einem mesmeristischen Kübel nachempfunden war und den Kerner nach den Angaben seiner Patientin gebaut hatte. Inhalt: Kerner beschreibt die wundersamen Erfahrungen und Fähigkeiten der Seherin, die ihn zu zahlreichen Versuchen - z.T. gemeinsam mit Kollegen - anregten. Die Kranke betätigte sich in Kooperation mit ihrem Arzt auch als Heilerin. Sie »erfühlte« bestimmte Heilmittel, insbesondere das Johanniskraut, das sie als Amulett oder Aufguss nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Kranken verordnete. Gewöhnlich aber benutzte sie bei ihren Amuletten das geschriebene Wort. Dabei gebrauchte sie bestimmte Formeln in ihrer »inneren Schrift«, die nach dem Verständnis der Ärzte direkt der Ursprache der Natur entstammen sollte. Deutung: Das Ensemble der Phänomene einer spiritualistischen Tiefenpsychologie, wie es die Schilderung von Kerner darstellt, umfasst Visionen, Geistererscheinungen, diagnostische sowie therapeutische Prozeduren und vor allem zahlreiche Experimente im somnambulen Zustand. Beispielhaft erwähnt seien die Visualisierung des eigenen Sonnengeflechts im Bauch , eine Fernheilung und die Prüfung der besonderen Sensitivität der Seherin . Wirkung: Die Krankheit der Seherin wurde später von Psychiatern der Hysterie bzw. Schizophrenie zugeordnet. Doch Kerner und vielen Ärzten seiner Generation schien das »magnetische Leben« von Somnambulen nicht primär als ein Defektzustand, sondern als Offenbarung der verborgenen Natur des Menschen. Im Licht modemer Konzepte der Psychotherapie und Psychoanalyse erstaunt die intuitive Sicherheit Kerners im Umgang mit seiner Patientin. Bei aller Sympathie mit ihr hielt er doch »wissenschaftliche« Distanz zur Geisterseherei.


Kerner, justinus

Der Grundton der Natur Cottrell, Alan P. In: GQ 39, 1966, S. 173 - 186. Der Wanderer in der Sagemühle Staiger, Emil. In: Kunst, 1967, S. 215 - 221. Dürrson, Werner. In: Frankfurter Anthologie 5, 1980, S. 73-77. Im Eisenbahnhofe Kaiser, Gerhard. In: Goethe bis Heine, 1988, S. 269-271. .....
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Justinus kerner (i786-i862)

Zu dem Freundeskreis um Uhland gehörte der Arzt Justinus Kerner, dessen Haus in Weinsberg den Dichtern des damaligen Deutschland eine gastliche Stätte bot. Auch er traf in seinen schönsten Gedichten einen echten, volksliedhaften Ton, wie z. B. 'Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein", 'Dort drun .....
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Kerner, johann georg

Der »Revolutionsmann« K., der nach Georg Forsters begeisterten Worten »Freiheit wie ein Vulkan sprühte«, stammte aus einer streng monarchisch gesonnenen württembergischen Beamtenfamilie. Sein Vater stand im Dienst des Herzogs Karl Eugen, dessen despotische Regierungsmethoden bereits den jungen Fried .....
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Kerner, justinus

David Friedrich Strauß' Nachruf auf seinen ihm geistig so ungleichen Landsmann und Freund befaßt sich eingehend mit der ungewöhnlichen Art von dessen Prominenz: »Der Reisende glaubte nicht in Schwaben gewesen zu sein«, schreibt der linkshegelianische Theologe und Bibelkritiker in Ãœbereinstimmung mi .....
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