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Kadare, Ismail - Leben und Biographie



Ismail Kadare ist der bedeutendste und bekannteste albanische Schriftsteller der Gegenwart. Im Mittelpunkt seines umfangreichen Werks steht der jahrhundertelange Kampf der Albaner um ihre Unabhängigkeit.
      Der Sohn eines Postbeamten studierte in Tirana Sprach- und Literaturwissenschaften, ehe er als Student am Moskauer Gorki-lnstitut aufgenommen wurde. Nach dem Bruch Albaniens mit Moskau musste Kadare die Sowjetunion 1961 verlassen. Er arbeitete in Tirana als Journalist, bis er sich nach dem Erfolg seines ersten Romans Der General der toten Armee als freier Schriftsteller niederließ. Auch als Ãobersetzer machte sich Kadare einen Namen.
      Als das albanische Regime Kadare 1990 zur Unperson erklärte, ihn des Landesverrats bezichtigte und seine Bücher auf den Index setzte, ging er nach Paris ins Exil. Das Verbot seiner Bücher musste die Regierung jedoch nach drei Tagen wieder zurücknehmen, da es zu Massenprotesten gegen diese Maßnahme kam. Bei einer Bevölkerungszahl von 3,5 Millionen erreichte das Werk von Kadare in Albanien eine Gesamtauflage von über einer Million Büchern.

      Der General der toten Armee
In seinem Erstling Der General der toten Armee greift Ismail Kadare ein in Westeuropa wenig bekanntes Kapitel der Geschichte auf: die italienische Besatzung Albaniens in den Jahren 1939-43. Es ist ein faszinierendes Buch, das von der Kraft und Klugheit eines kleinen unterdrückten Volks erzählt und auf bewegende Weise an die menschliche Vernunft appelliert. Inhalt: Ein General und ein Priester kommen aus Italien nach Albanien, um die sterblichen Ãoberreste ihrer im Zweiten Weltkrieg, während der italienischen Besatzung des Landes, gefallenen Landsleute in die Heimat zu überführen. Zwei Jahre lang ziehen sie von Ort zu Ort, ins Gebirge und an entlegene Küstenstreifen; dabei haben sie gegen die schroffe Abweisung der einheimischen Bevölkerung zu kämpfen.
      Der General, mit hehren Idealen und Stolz auf seine patriotische Mission ins Land gekommen, steht der Bevölkerung mit Vorurteilen und Hassgefühlen gegenüber. Seine Vorstellungen von Heldentum und soldatischer Ehre werden im Zuge der Grabungen bald erschüttert. Ermuss erkennen, dass die italienische Armee in äußerst desolatem Zustand war, dass sie Verbrechen an der Bevölkerung beging und zahlreiche Soldaten desertierten, um den Grausamkeiten des Kriegs und der Sinnlosigkeit ihres Tuns zu entkommen. Die Mission wird für den General zum Albtraum, dem er nurmehr im Alkoholrausch entkommen kann.
      Das Geschehen kulminiert in einer mit packender Gestaltungskraft geschilderten Episode: Kurz vor Abschluss der Mission, in Vorfreude auf die Rückkehr nach Italien, beschließt der General, an einer Dorfhochzeit teilzunehmen. Er drängt sich den Feiernden auf, deren Gastfreundschaft es verbietet, ihn zurückzuweisen. Angetrunken und in euphorischem Zustand mischt er sich unter die Tanzenden. Da schleudert ihm eine scheinbar verwirrte Greisin einen ausgegrabenen Sack vor die Füße, der die Gebeine eines Toten enthält. Es sind die Ãoberreste des Obersten Z., nach denen der General bisher vergeblich gesucht hatte. Der Oberst, auf den in Italien ein Begräbnis in allen Ehren wartet, war Kommandant eines Bataillons, das zahlreiche Strafexpeditionen durchgeführt hatte. Der General wird mit der Tatsache konfrontiert, dass Z. nicht nur den Ehemann der alten Frau hat erhängen lassen, sondern auch dessen 14-jährige Tochter vergewaltigte, die sich daraufhin umbrachte. Ãoberstürzt bricht der General nach Tirana auf und entledigt sich unterwegs des Sacks mit den Gebeinen. Struktur: Der Haupterzählstrang des Romans, der vom Fortgang der Reise und der Grabungen berichtet, wird wiederholt unterbrochen, um die Handlung und den historischen Hintergrund aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Rückblenden zeigen den General vor seiner Abreise; Dialoge zwischen GeneTal und Priester dokumentieren die fortschreitende
üesillusionierung der Hauptfigur. Kursiv in den Text eingefügte Zitate aus aufgefundenen Dokumenten lassen die toten Soldaten sprechen. Wirkung: Der Roman Der General der toten Armee ist außerhalb Albaniens das am weitesten verbreitete Werk von Kadare. In mehr als 20 Sprachen übersetzt und 1983 mit Michel Picco-li in der Hauptrolle verfilmt, begründete das Buch den frühen Ruhm des Autors.
      Die wichtigsten Bücher von Ismail Kadare
DerGeneralder toten Armee 1963 Auf der Suche nach den sterblichen Ãoberresten gefallener Soldaten sieht sich ein General mit der Wahrheit über die Taten der italienischen Armee in Albanien konfrontiert.
      Die Festung 1970 Der historische Roman erzählt von dem albanischen Nationalhelden Skanderbeg und der Belagerung einer albanischen Festung durch ein osmanisches Heer im 15. Jahrhundert.
      Chronik in Stein 1971 Aus der Perspektive eines Kindes werden die Ereignisse in der albanischen Stadt Gjirokastra während des Zweiten Weltkriegs erzählt.
      November einer Hauptstadt 1975 In den Kämpfen um die Befreiung der Hauptstadt Tirana von der deutschen Besatzung im November 1944 kündigt sich nicht nur eine Zeitenwende, sondern auch neue Unterdrückung an.
      Der große Winter 1977 Der politische Schlüsselroman über den Bruch zwischen der Sowjetunion und Albanien im Winter 1960/61 bietet zugleich ein eindrucksvolles Panorama der albanischen Gesellschaft.
      Derzerrissene April, 1980 Roman über das Prinzip der Blutrache: Ein junger Mann wird von seiner Familie auserwählt, den Mord an seinem Bruder zu rächen.
      Konzert am Ende des Winters, 1988 Ein Roman über den politischen Bruch mit China, dem einzigen außenpolitischen Verbündeten Albaniens, im Jahr 1978.
     


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Kadare,  Ismail    


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