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Jud Süß - Leben und Biographie



Der erste historische Roman von Lion Feuchtwanger stellt die Geschichte vom Aufstieg und Fall des jüdischen Finanzrats Josef Süß Oppenheimer als exemplarisch für das Schicksal des jüdischen Volks dar. In Reaktion auf den zunehmenden Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg lieferte der Autor eine als Warnung zu verstehende, beklemmende Analyse antisemitischer Mechanismen.
      Inhalt: Josef Süß Oppenheimer steigt dank seiner außergewöhnlichen Finanzbegabung und gewandten Umgangsformen in den 1730er Jahren als geheimer Finanzrat von Herzog Karl Alexander zum mächtigsten Mann Württembergs auf. Mit dem Herzog durch ein Band wechselseitigen Nutzens verbunden und ebenso machthungrig, genusssüchtig und prunkliebend wie dieser, beschafft Jud Süß durch ausgeklügelte Methoden zur steuerlichen Ausbeutung des Landes die Mittel für Karl Alexanders militärpolitische wie repräsentative Vorhaben.
      Doch als der Herzog seiner Tochter Naemi nachstellt und diese sich nur durch einen Sprung in den Tod vor der Vergewaltigung zu retten weiß, kommt es zum Bruch. Jud Süß verrät Karl Alexanders Pläne, im protestantischen Württemberg eine katholische Militärautokratie zu errichten, und lässt sich nach dem plötzlichen Tod des Herzogs gefangen nehmen. Lange aufgestauter Unmut entlädt sich nun gegen ihn, den Handlanger fürstlicher Willkür, der als Angehöriger einer allseits verachteten und vielfach verfolgten Minderheit zum Sündenbock gemacht wird. Unter Beugung des Rechts wird er zum Tod verurteilt.
      Die mögliche Rettung durch einen Ãobertritt zum Christentum schlägt Jud Süß aus, denn er hat nach NaemisTod zu seinen jüdischen Wurzeln, seiner kulturellen Identität zurückgefunden und hält an seinem Glauben fest. Aufbau: In fünf Büchern entwickelt Feucht-wangerein lebendiges Panorama gesellschaftlichen und politischen Lebens sowie sozialer und religiöser Gegensätze im frühen 18. Jahrhundert. Seine Darstellung, die auf einer Oppenhei-mer-Biografie von 1874 fußt, hält sich weitgehend an die historische Ãoberlieferung. Doch auch erfundene Figuren und Begebenheiten, wie etwa Naemi und ihr Schicksal, tragen zur Entwicklung der Handlung bei. Der chronologisch erzählte Werdegang von Josef Süß Oppenheimer lässt sich unter dem Aspekt von Assimilation und jüdischer Emanzipation lesen, als Auseinandersetzung mit den Verlockungen der Macht und ihrem
Preis oder als Weg vom Aktivismus zu einer kontemplativen Lebensphilosophie, die Feuchtwanger nach dem Ersten Weltkrieg als vorbildlich erschien, da das Handeln durch den Krieg diskreditiert worden war. Wirkung: Gleich mit seinem ersten historischen Roman erwies sich Feuchtwanger als wirkungsvoller Erneuerer dieses Genres, das im Lauf des 19. Jahrhunderts zum Kostüm- und Unterhaltungsroman herabgesunken war. Sein Ansatz, in der lebendigen Schilderung der Vergangenheit Tendenzen und Probleme der Gegenwart zu gestalten, überzeugte Leser wie Kritiker. Jud St/ßwurde zum Weltbestseller und begründete Feuchtwangers Geltung als Romancier. Der antisemitische Hetzfilm JudSüß von Veit Harlan beruhte nicht, wie oft angenommen, auf Feuchtwangers Roman.

Exil
In fx;7verbindet Lion Feuchtwanger eine Schilderung der Exilsituation der aus dem Deutschland der Nationalsozialisten Emigrierten bzw. Vertriebenen mit einer Selbstverständigung über die künstlerischen sowie politischen Aufgaben und Wirkungen der Emigranten. Entstehung: Feuchtwanger schrieb Exil zwischen 1935 und 1939 in Frankreich, seinem ersten Zufluchtsland. Der Roman schließt seine Wartesaal-Trilogie ab, die sich mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus und Reaktionen darauf auseinander setzt. Der erste Teil, Erfolg {]930), behandelt u.a. den Hitler-Putsch von 1923; der zweite Teil, Die Geschwister Oppermann 11933), befasst sich mit der nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten einsetzenden Verfolgung der Juden.
      Für Exil griff Feuchtwanger authentische Figuren und Ereignisse auf, insbesondere die Entführung des emigrierten Journalisten Berthold Jacob nach Deutschland und einen Skandal um eine Emigrantenzeitschrift; tatsächlich von den Nationalsozialisten lahm gelegt wurde allerdings die Westland, nicht das ansonsten als Modell dienende Pariser Tageblatt Inhalt: Exil spielt 1935 in Paris. Im Mittelpunkt steht der Komponist Sepp Trautwein, der aus Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie mit seiner Frau Anna und seinem Sohn Hanns aus Deutschland emigriert ist. Aus moralischer Empörung über die Entführung des Journalisten Friedrich Benjamin durch die Gestapo übernimmt er dessen Stelle bei der Emigrantenzeitschrift »Pariser Nachrichten«. Einst unpolitisch, sieht Trautwein politisches Eingreifen nun als notwendig an und lässt dafür zeitweilig seine
Musik ruhen. Seine flammenden Artikel tragen zur Befreiung Benjamins aus dem Konzentrationslager bei, verstärken jedoch auch die Bestrebungen der Nazis, die Emigrantenpresse zum Schweigen zu bringen. Der Mitläufer Erich Wie-sener, Frankreich-Korrespondent deutscher Zeitungen und angreifbar durch seine Beziehung zu einer Französin mit jüdischen Vorfahren, schmiedet das Komplott, über die Erpressung des Verlegers an die Zeitschrift heranzukommen. Sein Plan scheitert, weil die Redakteure sich den Eingriffen ihres Verlegers widersetzen und eine eigene Zeitschrift herausbringen.
      Ein weiterer Handlungsschwerpunkt liegt auf der Darstellung der Mühsal des alltäglichen Lebens im Exil mit seinen Sorgen ums Ãoberleben und dem häufigen Abgleiten in Armut oder Resignation. Anna, auf der die ganze Sorge lastet, ihre Familie über Wasser zu halten, fühlt sich, als die Einnahmen schwinden, dem Druck nicht mehr gewachsen und begeht Selbstmord. Einen Gegenpol zu ihrer Verzweiflung bildet Hanns, der seine Hoffnung auf den Kommunismus setzt, die damals vielfach propagierte Idee einer Volksfront gegen die Nazis vertritt und schließlich nach Moskau geht.
      Sepp wiederum, der sich zu einem radikalen Humanismus bekennt, vollzieht im Exil den Weg vom Ã"sthetizismus zur engagierten Kunst. Seine am Schluss vollendete »Wartesaal«-Sfnfo-nic wird zum Gleichnis für das Exil, einer Zeit bitteren Wartens, einer Ãobergangszeit, aber auch eines Aufbruchs zu neuen Zielen. Wirkung: Der in einem Exilverlag erschienene Roman wurde gleich ins Englische und Russische übersetzt. Die erste deutsche Ausgabe kam in der DDR heraus; in der Bundesrepublik erschien Exil erst 1979 - seine prokommunistischen Ã"ußerungen hatten während des Kalten Krieges den Blick auf das Werk als zeitgeschichtliches Panorama verstellt. Zu einer neuen Annäherung trug die Fernseh-Verfilmung von Egon Günther bei.
      Hauptfiguren in »Exil« von Lion Feuchtwanger
Sepp Trautwein: Der oft impulsive Komponist und Redakteur einer Emigrantenzeitschrift gewinnt durch den Aufstieg der Nationalsozialisten politisches ßewusstsein und sieht sich zum Handeln gedrängt. Anna Trautwein: Sepps Ehefrau wird von der Mühsal, ihre Familie im Exil durchzubringen, und der zunehmenden Entfremdung von ihrem Mann allmählich zermürbt Hanns Trautwein: Ihr 18-jähriger Sohn ist davon überzeugt, dass die Nationalsozialisten nur durch Taten besiegt werden können, und schließt sich den Kommunisten an. Erich Wiesener: Der hoch gebildete, weltmännische Starjournalist des Dritten Reichs stellt sein Schreibtalent in den Dienst der Macht, möchte aber auch an seiner Bezie-hung zu einer »Vierteljüdin« festhalten. Der Prototyp des zynischen Mitläufers trägt Züge des Publizisten Friedrich Sieburg. Walther von Gehrke: Er wird Spitzi genannt und ist ein skrupelloser und leichtlebiger Sekretär an der deutschen Botschaft in Paris. Um seine Stellung wieder zu festigen, setzt er die Verschleppung Friedrich Benjamins nach Deutschland in Gang. Konrad Heydebregg: Ein Sondergesandter der Nationalsozialisten in Paris. Lea de Chassefierre: Die Dame der Pariser Gesellschaft hält trotz ihrer Vorbehalte gegen die Nationalsozialisten lange an Wiesener fest, den sie liebt und von dem sie einen Sohn hat, um schließlich demonstrativ mit ihm zu brechen.
     


Wilma von vukelich: eine chronistin des judentums in mitteleuropa

Wilma von Vukelich gehört zu jenen Schriftstellern der alten Donaumonarchie, deren Leben und Schaffen durch die Zugehörigkeit zu einer Nation und zu einem enggezogenen Kulturkreis nicht zu erklären sind. Einer jüdischen Familie aus Ungarn entstammend, verlebte sie die meisten Jahre ihres Lebens in .....
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Einreden und agitieren: oder zurufe eines 'stabilen juden' aus der ferne

m Gegensatz zum Innovationspotenzial der Gedichte gelten Frieds zumeist situative politische Redetexte und Schriften als weniger aufregend oder originell; auch dort wo sie sich mit besonders heiklen Tageskonflikten oder zähen Dauerthemen, wie z. B. mit der Nahostfrage, auseinandersetzen. Es scheint, .....
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Die amerikanisierte judenrepublik

Mit dem Ersten Weltkrieg, schreibt Sloterdijk, 'beginnt die heifie Phase der Zersetzung alter NaivitÄften - etwa jener iiber das Wesen des Kriegs, das Wesen der gesellschaftlichen Ordnung, des Fort-schritts, der biirgerlichen Werte, ja, der Zivilisation iiberhaupt." Das erinnert an Walter Benjamins .....
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Index » Romane der Weimarer Republik » WIR LEBEN PROVISORISCH, DIE KRISE NIMMT KEIN ENDE

Judenverfolgung

Mit der Aufarbeitung der Judenverfolgung hat sich - das wurde oben schon deutlich - die KJL der Bundesrepublik schwer getan; das hängt mit den massiven Verdrängungsprozessen in der Nachkriegszeit zusammen. Eine große Zahl der in Deutschland erschienenen KJL zur Judenverfolgung stammt zudem aus den N .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » GUNTER LANGE

Bilderbücher zum thema judenverfolgung

Seit Mitte der 80er Jahre haben Autorinnen und Autoren den Versuch unternommen, das Thema Judenverfolgung auch schon Kindern im Vorschul- oder Grundschulalter zugänglich zu machen, und zwar in Form von Bilderbüchern. Bisher liegen fünf Bilderbücher vor: Roberto Innocenti 'Rosa Weiss" , Elisabeth Reu .....
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