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Joyce James - Leben und Biographie



James Joyce zählt zu den wichtigsten Schriftstellern der literarischen Moderne und steht neben Virginia ->Woolf exemplarisch für eine neue, experimentelle Romankunst, welche die inhaltlichen und formalen Möglichkeiten insbesondere der Abbildung von Wirklichkeit im traditionellen Gesellschaftsroman radikal in Erage stellt.
      Nach dem Besuch zweier angesehener Jesuitenschulen, deren Besuch ihn stark prägte, studierte Joyce am University College in Dublin. Ein anschließendes Medizinstudium in Paris brach er bald ab, um eine literarische Karriere anzustreben. 1904 lernte er seine spätere Frau Nora Barnacle, mutmaßliches Vorbild für die Eigur der Molly Bloom in Ulysses, kennen. Das Gesamtwerk von Joyce ist stark geprägt von dem zeitlebens schwierigen Verhältnis des Autors zu Irland und seiner Heimatstadt Dublin. Deshalb siedelte er noch 1904 mit Nora nach Triest über, wo beide bis
1915 lebten. Weitere Stationen des selbst gewählten Exils waren Rom, Paris und Zürich.
      Dublin spielt in dem 1914 erschienenen Kurzgeschichtenband Dubliner die Hauptrolle. Der
1916 veröffentlichte Roman Ein Porträt des Künstlers als junger Mann zeigt in seiner Prob-lematisierung von Bewusstseins- und Wahmeh-mungsformen bereits alle Merkmale des neuen Erzählens, die 1922 mit der Veröffentlichung des Ulysses zur revolutionären Vervollkommnungfanden. 1939 erschien mit Finnegans Wake ein schwieriges Opus, an dem Joyce 17 Jahre lang gearbeitet hatte und in dem die Grenzen und Möglichkeiten von Sprache bis zur äußersten Konsequenz ausgetestet werden.

      Dubliner
In dem Zyklus von 15 Kurzgeschichten erscheint die irische Hauptstadt als Ort, der die Seelen der Bewohner in einem Zustand der Lähmung gefangen hält. Von frühen Kritikern als bösartige Satire auf die moderne Dubliner Alltagswelt verstanden, begriff James Joyce seine Geschichten eher als »menschliche Komödie«, deren Teil er selbst war. Immer wieder griff der Autor später auf die Dubliner Geschichten zurück, indem er Versatzstücke und Figuren übernahm.
      Entstehung: 1903 hatte Joyce drei einfache Kurzgeschichten für eine irische Wochenzeitung zu schreiben begonnen. Bald entstand die Idee, daraus eine Serie von Erzählungen zu machen. Der Londoner Verleger Grant Richards, der sich das Manuskript hatte schicken lassen, nahm das Buch erst an, hatte dann aber Bedenken, in Konflikt mit der Zensur zu geraten. Der Verlag Maunsel Ã- Co., der 1909 der Veröffentlichung erst zugestimmt hatte, lehnte aus Angst vor Verleumdungsklagen aufgrund der Erwähnung von Dubliner Personen und Pubs im Werk doch ab. Die schon fast fertig gedruckten Exemplare wurden zerstört. Jahre später akzeptierte Grant Richards das Buch schließlich doch und Dub/merkonnten erscheinen. Inhalt: Die 1 5 Geschichten, jede in sich geschlossen, bilden zusammen doch ein homogenes Ganzes. Die Dubliner handeln von einfachen Menschen, die im Alltag der irischen Hauptstadt eingeschlossen sind. Dublin wird somit zum Chiffre für eine verwandlungsunfähige und gelähmte Gesellschaft, die den Einzelnen in seiner privaten und sozialen Tragödie festhält und ihn immer tiefer in die emotionale Isolation stößt. Der Zustand der Paralyse, das Unvermögen zu handeln, wird den Betroffenen selbst in plötzlichen Augenblickseriebnissen in aller Konsequenz deutlich.
      Solche Erkenntnismomente - die Joyce-Forschung spricht von »Epiphanien« - entstehen aus profanen, weltlichen Ereignissen. So erkennt der anonyme Ich-Erzähler der Geschichte Arabia, der seine erste große Liebe mit einem auf dem arabischen Basar erworbenen Geschenk zu beeindrucken sucht, am Ende sich selbst »als ein
Wesen, von Eitelkeit getrieben und lächerlich gemacht; und meine Augen brannten vor Qual und vor Zorn«.
      Eveline, Hauptfigur der gleichnamigen vierten Geschichte, muss einsehen, dass es ihr nicht gelingt, Irland zusammen mit ihrem Freund zu verlassen und ihr armseliges Dubliner Dasein gegen ein viel versprechendes Leben in der Fremde einzutauschen. Am Ende bleibt sie allein zurück, »passiv, wie ein hilfloses Tier«. Die Figuren der üubliner irren verzweifelt in ihrem Gefängnis umher, doch jede Auflehnung ist zwecklos: Die Paralyse hat bereits alle infiziert.
      Joyce selbst hält seine Kurzgeschichten in einem für den Leser oftmals irritierenden Schwebezustand. Die Geschichten wollen undkönnen keine definitiven Antworten geben. Umso wichtiger wird in ihnen »das implizit Zurückgewiesene« - das, was nicht gesagt wird. Wirkung: Als die Dubliner 1914 erschienen, war der Absatz gering und die Resonanz verhalten, jedoch keineswegs negativ. Heute gilt der Zyklus als bester Zugang zum Gesamtwerk von Joyce. So ist auch von dem Dichter T.S.-»Eliot folgender Ausspruch bekannt: »Und zuallererst lese man die Dubliner. Es ist die einzige Möglichkeit, das Werk eines der größten Schriftsteller zu verstehen.«
Paralyse
Herkunft: Der Begriff kommt aus der Medizin, wo er den teilweisen oder vollständigen Verlust der Bewegungsfähigkeit beschreibt. Zum anderen kann damit auch eine allmähliche Gehirnerweichung infolge einer Syphiliserkrankung gemeint sein. Bedeutung: Paralyse ist ein häufig in der Forschung zu Dub//nergebrauchter Begriff, dem eine zentrale Bedeutung zukommt, da er maßgeblich zum Verständnis des Werks beiträgt. Paralyse ist hier ganz wörtlich gemeint. Immer wieder werden in den Geschichten einzelne Figuren von Lähmung und Tod ereilt, wie z.B. in Die Schwestern Pater Flynn, der seinen dritten Schlaganfall nicht überlebt hat, »Jeden Abend, wenn ich zu dem Fenster hinaufsah, sagte ich leise das Wort Paralyse vor mich hin«, schreibt der Ich-Erzähler. In Gnade kann sich Mr.
      Kernan, nachdem er die Treppe hinuntergestürzt ist, nicht mehr bewegen. Diesen körperlichen Symptomen liegt eine tiefere Ursache zu Grunde: Die Paralyse ist bei Joyce eine Grunderscheinung des Dubliner Lebens. Die ganze Stadt leidet an Lähmung und hält ihre Bewohner in ihrer aussichtslosen Lage gefangen: Einem Mädchen gelingt es nicht zu fliehen, da es sich nicht von der ihr von der toten Mutter auferlegten Verantwortung befreien kann; ein junger Mann lässt sich zu einer Heirat drängen, die alle Beteiligten unglücklich machen wird; ein anderer leidet unter seinem Vorgesetzten und bestraft die eigene Familie dafür. Jeder Versuch, sich aus der Erstarrung zu lösen, misslingt. Letztendlich wird die Paralyse bei Joyce zur Zustandsbeschreibung menschlichen Daseins überhaupt.

      Ulysse
Der Roman Ulysses zählt aufgrund seiner neuartigen Erzähltechnik, seines vielschichtigen Aufbaus und seiner exemplarischen Zeitbehandlung zu den bedeutenden Werken der Literatur des 20. Jahrhunderts. Ulysses ist das moderne Gegenstück zu Homers Odyssee, ein parodistisch gesehener Katalog -»homerischer Figuren, bei denen das Heroische kleinbürgerlich wird. Der Roman handelt u.a. von Irland, von deT Bibel, vom Mittelalter, von der Auseinandersetzung mit den Weltreligionen und von der Geschichte der englischen Sprache. Entstehung: Joyce plante Ulysses ursprünglich als weitere »short story« der Sammlung Dubliner, doch zwischen 1914 und 1921 wuchs die Geschichte auf 800 Seiten, welche 1918 in The Little Rew'ewerschien.
      Inhalt: Die Handlung begleitet die Figur des Dubliner Juden Leopold Bloom - ein moderner Ahasverus und Odysseus - einen Tag lang, von acht Uhr morgens bis weit nach Mitternacht, auf seiner Wanderung durch Dublin. Aufbau: Die 18 Stunden des 16. Juni 1904, dem Tag der Handlung, sind in 18 Kapitel untergliedert, denen Joyce ursprünglich die homerischen Ãoberschriften der Odyssee zugeordnet hatte. Obwohl er diese kurz vor dem Druck herausnehmen ließ, ordneten Kritiker den Episoden ihre mythischen Vorbilder wieder zu.
      Jedes der 18 Kapitel ist in einem charakteristischen, die Künstlichkeit der literarischen Vermittlung betonenden Stil verfasst, so dass Formen wie Essay, Drama, Reportage, Farce, Elegie, Gerichtsrede und andere zu einem Ganzen vermischt werden: Das siebte Kapitel ist ein Beispiel journalistischer Schreibweise, in dem die für diese typische Rhetorik zum Einsatz kommt; das Sirenen-Kapitel gleicht einer kanonischen Fuge; im 14. Kapitel wird das Wachstum des Kindes im Leib der Mutter am Beispiel der englischen Sprachentwicklung vom Altsächsischenbis zur Variante des amerikanischen Englisch versinnbildlicht. Die Penelope-Episode, das letzte Kapitel, mit dem berühmten inneren Monolog der Molly Bloom, fügt 40000 Wörter zu einem einzigen Satz zusammen. Der Rest ist eine schier unüberschaubare Fülle von Bewussl-seinsinhalten, Assoziationen, Anspielungen, in-tertextuellen Bezügen und »Sprachfeldern«, deren Erschließung durch den Leser mühevoll, aber durchaus lohnenswert ist. Zeit: Der Ulysses steht exemplarisch für die Zeitbehandlung im modernen Roman. Das Ineinanderfließen von Zeit wird bei Joyce auf zwei Ebenen dargestellt: im Spannungsverhältnis zwischen der objektiv messbaren und der subjektiv erlebten Zeit sowie als Zeit des Textverlaufs. Ulysses bricht damit mit der Illusion von kohärent darstellbarer Zeit im realistischen Roman. Die Zeit wird im inneren Monolog »individualisiert« und zum wichtigsten Strukturelement des Werks. Den Leser stellt dies vor die Aufgabe, die Geschehnisse, Figuren und ihre Motivation ohne die erläuternden und ordnenden Kommentare durch einen Erzähler in einen sinnvollen Zusammenhang stellen zu müssen. Wirkung: Kein anderes Buch hat so viel Aufsehen erregt wie Ulysses, dessen Veröffentlichung bereits Skandale und Gerichtsverhandlungen vorausgingen. Bereits vor der Publikation des Werks im Jahr 1922 durch Sylvia Beach vom Verlag Shakespeare Et Co. wurde es als »obszön«, »anstößig« und »widerlich« bewertet. Der äußerst präzise Text brachte Joyce häufig den Vorwurf pornografischer Abbildung ein. Es gab auch positive Kritiken, so äußerte der Schriftsteller Arnold Bennett nach der Lektüre: »Ich habe nichts gelesen, das es übertrifft, und bezweifle, je etwas gelesen zu haben, das ihm gleichkäme.« Der 16. Juni 1904 ist als »Bloomsday« in die Literaturgeschichte eingegangen und wird jährlich von Joyce-Anhängern nicht nur in Dublin zelebriert.
      Hauptfiguren in »Ulysses« von James Joyce
Leopold Bloom: Der Dubliner Jude, ein 38-jähriger Anzeigenakquisiteur für eine Dubliner Tageszeitung, ist der moderne Odysseus. Bloom ist ein mittelmäßiger, hauptsächlich sinnlich wahrnehmender Kleinbürger , der während dieses 16. Juni 1904 wie sein homerisches Vorbild als Heimatloser durch Dublin wandert und am Ende des Tages doch zum Heimkehrer wird. Die Figur des Leopold Bloom ist die Inkarnation des selbstgewordenen Menschen im Sprachstrom der Assoziationen. Molly Bloom: Molly heißt eigentlich Marion Bloom, geborene Tweedy. Blooms in Gibraltar aufgewachsene Ehefrau ist die pa-rodistische Entsprechung der keuschen Penelopein Homers Odyssee, die sich, allein in Ithaka zurückgeblieben, den Angeboten der aufdringlichen Freier ausgesetzt sieht. Molly ist ein leichtfertiges Frauenzimmer, hat wechselnde Liebhaber und betrügt ihren Mann auch an diesem 16. Juni, an dem sienachmittags ihren Chorleiter zu Hause erwartet. Mit Mollys berühmtem innerem Monolog und seinem affirmativen Schlusswort endet die Lese-Odyssee. Stephen Dedalus: Joyce konzipierte die Figur bereits in seinem Roman Porträt des Künstlers als junger Mann. Er ist Akademiker mit künstlerischen Ambitionen. Seine homerische Entsprechung istTelemach, der Sohn des Odysseus, der sich, von der Göttin Athene aufgefordert, auf die Suche nach seinem vermissten Vater macht. Auch Stephen sucht die väterliche Autorität, die er in Bloom, der seinerseits nach dem frühen Verlust seines Sohnes Rudy auf der Suche nach dem »verlorenen Sohn« ist, zu finden glaubt.
      Martha Clifford: Die Figur entspricht der Nymphe Kalypso in Homers Odyssee, die Odysseus sieben Jahre lang mithilfe eines Zaubers gefangen hielt. Die Stenotypistin Martha ist Blooms »geistiger« Ehebruch. Die beiden schreiben sich Briefe, haben sich jedoch noch nie gesehen.
     


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