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Johnson, Eyvind - Leben und Biographie



Eyvind Johnson, den man auch »Schwedens schlechtes Gewissen« nannte, schrieb über die Lebensbedingungen von Unterdrückten. Inspiriert von Andre -^Gide, James -> Joyce und Marcel -» Proust führte Johnson den inneren Monolog in die schwedische Literatur ein und entwickelte aus verschiedenen perspektivischen Ansätzen einen eigenen Prosastil.
      Als Arbeiter bahnte Johnson sich autodidaktisch den Weg zur Schriftstellerei. Er war in Industrie und Landwirtschaft tätig, bis es ihn nach Stockholm verschlug. Als dort 1920 die Metallarbeiter streikten, versuchte er vom Schreiben zu leben. Er gründete die Literaturzeitschrift Vor Nutid und schloss sich einer Gruppe junger Schriftsteller an. Er engagierte sich politisch, insbesondere in den Gewerkschaften, und schrieb für sozialistische Zeitungen. 1921-23 ging er nach Berlin und Paris und debütierte 1924 mit dem Kurzgeschichtenband Die vier Fremden. 1925-30 folgte ein zweiter Frankreich-Aufenthalt, später lebte er in der Schweiz und in England , danach wieder in Schweden.
      Eine große Zeit
Eine große Zeit ist erzähl technisch einer der modernsten Romane, die seinerzeit in Schweden entstanden, und einer der Höhepunkte im CEuvre von Eyvind Johnson. Es ist ein historischer Roman über die Zeit von Karl dem Großen und über den Aufbau eines Imperiums aus der Sicht der Unterdrückten. Entstehung: Johnson bemühte sich um einen korrekten historischen Rahmen und bereiste die Schauplätze seines Buchs in Norditalien. Er studierte die alten Chroniken, darunter auch die Biografie Das Leben Karls des Großen des kaiserlichen Sekretärs Einhard, der für die Erzählerfigur seines Romans, Johannes Lu-pigis, Pate stand.
      Inhalt: In einer Sturmnacht an der Nordküste der Adria im Jahr 775 trifft der 16-jährige Johannes Lupigis die Liebe seines Lebens. Es ist Angila, die 14-jährige Tochter des Langobardenherzogs Rodgaud von Eriaul, an dessen Aufstand gegen den Frankenkönig Karl den Großen er ein Jahr später teilnimmt. Ein Jahr zuvor hatte Karl das Reich der Langobarden unterworfen und sich zu ihrem König gekrönt. Einige Herzogtümer blieben zwar relativ selbstständig, ihre Herzöge wurden aber zu Vasallen des Königs, Widersacher wurden hinter Klostermauern gesperrt.
      Rodgauds Aufstand wird von Karls Truppen blutig niedergeschlagen, Angila geraubt und mit einem gewalttätigen fränkischen Baron verheiratet. Johannes kann fliehen und schwört Rache. Er kann mit Hilfe seines Onkels, des gelehrten Diakons Anseimus, eine Erziehung am herzoglichen Hof von Beneventum bekommen, bis man ihn der geplanten Unruhestiftung verdächtigt und 786 ins Gefängnis wirft. Vier Jahre später wird er entlassen. Er kann an seine Zeit bei Hofe anschließen und zum königlichen Geheimschreiber aufsteigen. Stellung und Einfluss ermöglichen ihm, Angila zu befreien, die jedoch auf dem Weg in die Heimat stirbt. Struktur: Der Roman deckt die Zeitspanne 775-830 ab, die Zeit von Karl dem Großen gegen Ende des Langobarden-Reichs. Um neben dem historischen Stoff Allgemeingültiges zu vermitteln, analysiert Johnson das Verhältnis des Einzelnen zu einer totalitären Autorität nicht nur aus der Sicht verschiedener Personen, sondern auch in verschiedenen Zeitebenen und Zeitperspektiven. Das Schicksal des Einzelnen steht dabei für die Wandlung eines ganzen Volks, deren Widerstandswille gebrochen und durch ein loyales Verhältnis zur Autorität ersetzt wird. Drei Erzähler geben das Geschehen wieder: zum einen der betagte Jo-hannes Lupigis, der inzwischen kaiserlicher Sekretär von Karl dem Großen in Aachen geworden ist und seine Jugenderinnerungen aus der Sicht des Betroffenen festhält; zweitens der Chronist Agibertus, der eine Generation jünger als Johannes Lupigis ist und ihn als alten Mann kannte; schließlich gibt es einen anonymen allwissenden Erzähler, der auch die Gedanken und Erinnerungen von Johannes in Form eines inneren Monologs wiedergibt, die Ereignisse an sich aber unkommentiert lässt. Die Erzählperspektiven gehen unmerklich ineinander über, so dass der Leser nicht immer weiß, wer eigentlich das Wort führt. Der ständige Wechsel zwischen der Perspektive des Miterlebens und einer resümierenden Distanz zum Geschehen durch eine verfremdete Sichtweise aus zeitlichem Abstand legen es dem Leser nahe, eine Parallele zu den Bedingungen moderner Diktaturen zu ziehen. Wirkung: Johnson erhielt 1974 zusammen mit dem schwedischen Arbeiterdichter Harry Mar-tinson den Literaturnobelpreis. Für Eine große Zeit zeichnete man ihn noch im Erscheinungsjahr mit dem Preis des Nordischen Rates aus.


Johnson, uwe

Geb. 20.7.1934 in Kammin/Pommern; gest. 23.2.1984 in Sheerness Schon Mitte der 1950er Jahre erkannte der Leipziger Literaturhistoriker Hans Mayer das große erzählerische Talent des damals zwanzigjährigen Germanistikstudenten J. und empfahl seinen Schüler, der eine hervorragende Diplomarbeit über E .....
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Uwe johnson (geb. i934)

siedelte 1959 nach West-Berlin über, als sein erstes Romanmanuskript von ostdeutschen Verlagen nicht angenommen wurde. Hier fand er sogleich einen Verlag für seinen Roman 'Mutmaßungen über Jakob", der das Thema der Teilung Deutschlands zum Gegenstand hat. Auch seine nächsten Werke behandeln menschli .....
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Uwe johnson: »mutmassungen über jakob« (i959) - romanpoetik der unbestimmtheit

Im Netz der Ãoberwachung Wer Wegweiser für das Leseabenteuer in der Unübersichtlichkeit dieses Romans braucht, der lese zunächst die am Schluß angefügten »Angaben zur Geschichte Jakobs«. Sie sind ein Inhaltsabriß. Und so erinnert das Ganze an jene Text-Bild-Rätsel in Zeitungen und Magazinen, unte .....
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Brentano, brecht, horst wessel und johnson

Wenn das deutsche Volk in der Welt weniger als das Volk der Dichter und Denker, sondern eher als das »der Richter und Henker« gilt, so ist das nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in diesem Land die Machthaber mit besonderer Vorliebe eben die Dichter und Denker bekämpft und ver- folgt haben .....
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Index » wer schreibt provoziert

Johnson, uwe

Schon Mitte der 50er Jahre erkannte der damals in Leipzig ansässige Literaturhistoriker Hans Mayer das große erzählerische Talent des damals zwanzigjährigen Germanistikstudenten J. und empfahl seinen Schüler, der eine hervorragende Diplomarbeit über Ernst Barlach angefertigt hatte, dem westdeutschen .....
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