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Jerofejew, Wenedikt - Leben und Biographie



Der literarische Ruhm von Wenedikt Jerofejew beruht vor allem auf seinem Werk Die Reise nach Petuschki. 1969 entstanden, erschien es zunächst auf Russisch in Israel , danach in mehreren westlichen Ländern. Erst 1988 wurde es in der Sowjetunion veröffentlicht. Der Autor wurde vermutlich bereits in jungen Jahren Alkoholiker. Sein Vater verbrachte zwischen 1939 und 1954 wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen mehrere Jahre in Straflagern des GULAG. Jerofejew wurde von der Universität verwiesen und war gezwungen, seinen Lebensunterhalt mit unterschiedlichsten Arbeiten zu verdienen. So war er u.a. als Kabelverleger am Moskauer Flughafen tätig, wo er Die Reise nach Petuschkim seinen Arbeitspausen niederschrieb. Außer seinem Hauptwerk sind von Jerofejew der Essay Wassili Rosanow aus der Sicht eines Exzentrikers , die Theaterstücke Walpurgisnacht und Die Dissidenten sowie die eigenwillige Zitatcollage Meine kleine Leniniana bekannt. Die Texte sind geprägt von der tiefen Religiosität eines Mannes, der sich noch kurz vor seinem Tod katholisch taufen ließ und von sich behauptete, die Bibel auswendig gelernt zu haben.

      Die Reise nach Petuschki
Wenedikt Jerofejews »Poem« Die Reise nach Petuschki war in der Sowjetunion bis 1988 verboten, weil es ein für das Land gravierendes und unlösbares gesellschaftliches Problem be-handelt: den Alkoholismus. Das Werk zählt zu den wichtigen Texten moderner russischer Literatur, es kursierte in illegalen Abschriften - und galt als Kultbuch. In den 1970er/80er Jahren sahen viele Russen in ihm ein Bollwerk unter der Diktatur verloren geglaubter kultureller Werte.
      Inhalt: Das Handlungsgerüst bildet ein Tag im Leben des mit dem Autor namensgleichen Alkoholikers und Ich-Erzählers »Wenja« Jerofejew. Er besteigt am Morgen in Moskau den Zug in das ca. 120 km entfernte Petuschki, um seine Geliebte zu treffen. Der Zielort wird von dem erwartungsfrohen Helden zu einem Paradies auf Erden idealisiert, in deutlichem Kontrast zum düsteren Moskau. Im Verlauf der Zugfahrt betrinkt sich Wenja haltlos. Unter dem Einfluss des Alkohols schildert der Erzähler seine immer surrealistischer werdenden Gedanken, die sich teilweise mit der Realität vermischen. So erscheinen ihm monströse Fabelwesen und apokalyptische Dunkelheit senkt sich herab, während der Zug unversehens nach Moskau zurückfährt. Am Ausgangspunkt seineT Reise angekommen, wird der mittlerweile Orientierungslose von vier düsteren Gestalten überfallen, misshandelt und ermordet. Am Schluss lässt der Autor deutliche Parallelen zum Leiden und Sterben Christi anklingen.
      Die teils pathetischen, teils vulgären, durchweg aber poetischen TrinkeTmonologe seines Helden sind für Jerofejew ein Mittel zur radikalen Kritik des Sowjetsystems. Indem er seinen heruntergekommenen Erzähler die typischen Parteiparolen und ideologischen Satzhülsen in den Mund legt, erziehlt der Autor einen gro-tesk-parodistischen Effekt. Zugleich wird die Illusion eines kommenden kommunistischen Paradieses - eine der symbolischen Bedeutungen des »unerreichbaren«, in der Realität aber trostlosen Petuschki - ad absurdum geführt.
      Struktur: Die Kapitel entsprechen den Stationen der Zugreise, wodurch das Inhaltsverzeichnis den Charakter eines Fahrplans erhält. Ein weiteres strukturelles Merkmal des Buches sind die unzähligen Zitate aus der Weltliteratur, die das Werk, das Jerofejew im Untertitel Poem nennt, zu einer Collage unterschiedlichster Versatzstücke werden lassen. In einer Situation, in der das sowjetische Regime den Künstlern das Reden verbot, bediente sich Jerofejew demonstrativ »fremder« Stimmen. Der häufig von Lesern geäußerte Eindruck, man habe etwas Vertrautes vor sich und die Weltliteratur sei gerade in diesem kleinen Werk in besonderer Weise lebendig, ist ein Resultat dieser Technik. Wirkung: Nachdem Die Reise nach Petuschki 1988 auch in Russland gedruckt worden war, wurde der am Rand der Legalität lebende Jerofe jew kurz vor seinem Tod unversehens zum Medienstar. Er trat mehrfach im Fernsehen auf und es wurden zwei Dokumentarfilme über ihn gedreht. Sein »Poem« hat in West und Ost viele Neuauflagen erfahren, liegt in zahlreiche Sprachen übersetzt vor, läuft weltweit als Theaterstück und ist in Deutschland auch als Hörbuch erschienen.
      Die wichtigsten Bücher von Elf riede Jelinek wir sind lockvögel baby!, 1970 Der Pop-Art-Roman stellt verfremdete Medienzitate in einen Zusammenhang von Gewalt und brutaler Sexualität.
      Die Liebhaberinnen 1975 Zwei Fabrikarbeiterinnen leben nach dem Muster trivialer Liebes romane und erleben ihre eigene Vergegenständliehung.
      Die Klavierspielerin 1983 Verinnerlichte patriarchale Strukturen zerstören Leben und Beziehungsfähigkeit der Klavierprofessorin Erika Kohut.
      Oh Wildnis, ohSchutzvorihr 1985 Die Prosaschrift steht in der Tradition literarischer Ã-sterreich-Kritik und wendet sich gegen Natur- und Heimatseligkeit; Hauptfigur ist der kinderprügelnde Holzknecht Erich.tust 1989 Grotesker Anti-Porno, in dem einevom Ehemann und Geliebten mehrfach vergewaltigte Frau ihren Sohn ermordet, weil sie in ihm das Ebenbild ihres Manns sieht.
      Die Kinder der Toten 1995 Der Anti-Heimatroman behandelt die von der Bevölkerung verdrängte nationalsozialistische Vergangenheit Ã-sterreichs.
      Gier. Ein Unterhaltungsroman 2000 Der Provinzpolizist Kurt Janisch bringt mehrere Frauen in seinen »Besitz«, entledigt sich einer Geliebten durch Mord und treibt später eine andere in den Selbstmord.
     


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Jerofejew,  Wenedikt    


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