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Jelinek, Elfriede - Leben und Biographie



Elfriede Jelinek gehört zu den bekanntesten Vertreterinnen der feministischen Avantgarde Ã-sterreichs. Ihr Werk liefert eine marxistisch orientierte, oft satirisch überspitzte Analyse der Wirklichkeit und dekonstruiert Stereotype und Mythen.
      Die Autorin konfrontiert ihre Leser mit einer unbarmherzigen Sicht auf die patriarchal organisierte, kapitalistische Konsumgesellschaft und verzichtet auf jeden utopischen Entwurf.
      Zunehmend beschäftigt sich die Autorin mit dem Problem des Nationalismus und bezieht dabei - wie etwa mit ihrem Protest gegen den Rechtspopulisten Jörg Haider -deutliche politische Positionen.
      Jelinek nahm zunächst ein Musikstudium am Wiener Konservatorium auf, das sie 1971 ab-schloss.Das 1964 begonnene Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte brach sie nach einigen Semestern wegen psychischer Schwierigkeiten ab und verbrachte das Jahr 1968 völlig isoliert. Jelinek engagierte sich in der Studentenbewegung und war 1974-91 Mitglied der KPÃ-. Seit 1966 ist sie als Autorin tätig und veröffentlichte 1970 ihren ersten Roman wir sind lockvögel bobyl. 1979 trat sie mit Was geschah, nachdem Nora ihren Mann ver-lasssen hatte erstmals als Dramatikerin hervor. Auch ihre viel beachteten Bühnenwerke kreisen um die Problematik weiblicher Selbstbestimmung sowie um aktuelle politische Entwicklungen .
      Das Werk von Jelinek umfasst außerdem Gedichte, Hörspiele, Drehbücher und Ãobersetzungen; sie erhielt zahlreiche Literaturpreise, u.a. 1986 den Heinrich-Böll-Preis.

      Die Klavierspielerin
Der Roman Die Klavierspielerinwn Elfriede Jelinek, der nach Angaben der Autorin autobiogra-fische Züge trägt, führt mit seiner Protagonistin eine Frau vor, die ihren Objektstatus so weit ver-innerlieht hat, dass sie keinen Zugang zu ihrer Individualität finden kann. Damit verschließt sich ihr auch der Zugang zur eigenen Lust; sie wird zurVoyeurin.
      Jelinek entlarvt das bürgerliche Familienleben als Kampfplatz und zwischenmenschliche Beziehungen als zerstörerisches Ringen um Macht. Der Roman ist geprägt durch eine radikale Darstellungsweise. Jelinek steht mit Der Klavierspielerin und ihren anderen Werken in der Tradition österreichischer Satiriker. Durch mit Sprachfloskeln durchsetzte stakkatoartige Sprachlawinen bildet die Autorin ihren unverwechselbaren, zynisch brutalen Stil aus, der charakteristisch ist für ihre vorrangig feministische Schaffensphase.
      Inhalt: Hauptfigur des Romans ist Erika Kohut, Ende dreißig und Klavierprofessorin am Wiener Konservatorium. Sie lebt mit ihrer Mutter zusammen, die ihre Tochter als Besitz betrachtet und ein System totaler Ãoberwachung aufgebaut hat. Ihre Frustration über die gescheiterte Pianistenkarriere Erikas fördert eine Atmosphäre des Terrors. Erika reagiert vordergründig mit Anpassung und gibt die erlittenen Demütigungen an ihre Klavierschüler weiter. Mit Rasierklingen und Nadeln fügt sie sich selbst Verletzungen zu.
      Als der junge Walter Klemmerer, einer ihrer Meisterschüler, das Abschirmsystem der Mutter durchbricht und Erika Avancen macht, reagiert sie zunächst mit abweisendem und erniedrigendem Verhalten. Als sich Klemmerer dadurch nicht abschrecken lässt, fordert sie ihn in einem Brief detailliert zu einem sadistischen Sexualverhalten ihr gegenüber auf. Um die eigene Position zu sichern, will Erika ihre Unterwerfung, die ihr in einer sexuellen Beziehung zu einem Mann unumgänglich erscheint, selbst inszenieren. Durch die Vorgabe der Regeln würde sie so zum eigentlich dominanten Teil des Paares.
      Allerdings hofft Erika auch darauf, dass sich Klemmerer aus Liebe ihren Forderungen verweigern wird. Klemmerer reagiert mit Unverständnis und Abscheu und wendet sich angewidert von ihr ab. Als es dennoch zu einer sexuellen Begegnung kommt, versagt Klemmerer und sein Abscheu steigert sich zum Hass. Er schlägt Erika zusammen und lässt sie nach einer Vergewaltigung mit lapidaren guten Ratschlägen zurück.
      Zwischen Mord- und Versöhnungsabsichten schwankend, sucht Erika Klemmerer auf. Als sieaus der Ferne seine unbeschwerte Fröhlichkeit beobachtet, sticht sie sich selbst mit einem Messer in die Schulter und geht blutend nach Hause zurück.
      Wirkung: Wie alle Werke von Jelinek ist der Roman sehr kontrovers diskutiert worden. Das Spektrum der Kritik liegt zwischen Begeisterung und Veniss, bisweilen wurde auch eine Pathologisierung der Autorin vorgenommen. Literaturwissenschaftliche Arbeiten liegen bislang nur vereinzelt vor. Mit der Verfilmung durch Michael Haneke ist der Roman 2001 erneut ins Publikumsinteresse gerückt.
     


Jelinek, elfriede

Geb. 20.10.1946 in Mürzzuschlag J. ist seit nunmehr über 20 Jahren das »enfant terrible« der deutschsprachigen Literaturszene; immer wieder sorgt die Ã-sterreicherin für Aufsehen in den Medien. Schon ihre extravagante Erscheinung reizt die Kritiker. Sie sehen in ihrem gestylten Ã"ußeren eine Maske .....
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Jelinek,  Elfriede    


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