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Ishiguro, Kazuo - Leben und Biographie



Kazuo Ishiguro zählt zu den eindrucksvollsten Schrittstellern und Repräsentanten der neueren britischen Literatur. Seine Romane, die meist um das Thema Erinnerung kreisen, zeichnen sich durch eine sprachliche und stilistische Perfektion aus.
      1960 kam Ishiguro, Sohn eines Ozeanografen, mit seiner Familie nach England. Asiatisch erzogen und in Europa aufgewachsen, vereinigt Ishiguro zwei Kulturen und Gesellschaftsformen in sich, die er für seine literarische Arbeit nutzt. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaften an den Universitäten von Canterbury und East Anglia. Ishiguro wollte zunächst Musiker werden, entschied sich jedoch ab Ende der 1970er Jahre für eine schriftstellerische Laufbahn. Seine ersten Kurzgeschichten aus jener Zeit handeln vom Menschen am Abgrund. Der erste Roman des Autors, Damals in Nagasaki wurde sogleich ein großer Erfolg und befasst sich, wie auch Der Maler der fließenden H/e/f, mit der japanischen Geschichte und Gegenwart. Mit dem Roman Was vom Tage übrigblieb, der 1989 den Booker Prize gewann, wandte sich Ishiguro thematisch seiner zweiten Heimat England zu. 1995 folgte Die eingetasteten, im Jahr 2000 Als wir Waisen waren. Ishiguro lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in London.
      Was vom Tage übrig blieb
Im Zentrum des Roman Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro steht die Reise eines alten Butlers durch England, die zur quälenden Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit wird.
      Inhalt: Im Jahr 1956 begibt sich derauf Schloss Darlington Hall dienende alte Butler Stevens mit dem Auto seines Arbeitgebers auf eine Reise nach Cornwall, um seine ehemalige Arbeitskollegin Miss Kenton zu besuchen, die er zur Rückkehr nach Darlington Hall zu bewegen hofft. Diese Fahrt ans Meer wird zu einer Reise in seine eigene Vergangenheit und allmählich treten in Rückblenden die Erinnerungen an sein bisheriges Leben zu Tage.
      Vor dem Krieg war Stevens Chefbutler auf dem Landsitz des von ihm verehrten Lord Darlington, in dessen Dienst er vollkommen aufging. Würde und Pflicht sind seit jeher seinezentralen Glaubensgrundsätze. Dass sie einhergehen mit Selbstverleugnung und Selbstbetrug, erkennt Stevens jedoch zu spät. Die völlige Zurücknahme seiner selbst macht ihm zwischenmenschliche Beziehungen unmöglich. Obgleich er sich im tiefsten Inneren von der Haushälterin Miss Kenton angezogen fühlt, mit der er harmonische Stunden bei gemeinsamen >Kakao-Abenden< verbrachte, hat Stevens ihre vorsichtigen Annäherungsversuche stets brüsk zurückgestoßen und sich ihr gegenüber förmlich verhalten, bis sie schließlich Darlington Hall verließ, um zu heiraten.
      Als ebenso problematisch stellt sich in den Rückblenden die Beziehung des Butlers zu seinem Herrn heraus. Stevens wollte nicht sehen, dass Lord Darlington enge Kontakte mit den Nationalsozialisten pflegte und sich von ihnen instrumentalisieren ließ. Darlington Hall wurde zu jener Zeit zum Ort geheimer Treffen, führende Politiker gingen dort ein und aus. Stevens hinterfragte aus unbedingter Loyalität gegenüber seines Herrn niemals dessen Motive, ihn erfüllte sogar mit Stolz, am Schauplatz großer Weltpolitik gedient zu haben. Mit dem Krieg und dem Tod des Lords ist die alte Welt von Darlington Hall zerfallen, deren Mikrokosmos das Zentrum von Stevens' Dasein war.
      Auf seiner Reise erkennt Stevens die möglichen Wendepunkte, die er ungenutzt hat verstreichen lassen. Ungesagte Worte haben nach seiner Erkenntnis zu einem ungelebten Leben geführt. Als Miss Kenton ihm am Ende der Reise gesieht, dass sie sich ein gemeinsames Leben mi! ihm hätte vorstellen können, trifft ihn das zutiefst. Auf dem Pier von Weymouth erkennt er angesichts des hereinbrechenden Abends, dass ihm nur der Versuch bleibt, das Beste aus dem zu machen, »was vom Tage übrig bleibt«. Aufbau: Der Roman gliedert sich in einen Prolog und sieben Kapitel, die tagebuchartig die sechs Tage der Reise umfassen. Der Prolog spielt im Jahr 1956 auf Darlington Hall. Das äußere Geschehen tritt in den folgenden handlungsarmen Kapiteln nahezu völlig hinter die Reflexionen und Erinnerungen des Butlers zurück. Es wird im Verlauf der Digressionen deutlich, dass es Stevens um die Wahrung seiner Selbstachtung, um die Rechtfertigung seines Lebens und schließlich um die moralische Frage, was ihm von der Ãoberzeugung, ein sinnvolles Leben geführt zu haben, geblieben ist. Wirkung: Die Bekanntheit des mit dem Booker Prize ausgezeichneten Romans wurde vor allem durch James lvorys sehr erfolgreiche Verfilmung gesteigert. In dem eng an die literarische Vorlage angelehnten Kinofilm von 1993 verkörpert Anthony Hopkins grandios den alternden Butler, der seiner versäumten Liebe zu Miss Kenton nachreist.
     


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Ishiguro,  Kazuo    


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